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19.10.2018

Tech-Standort Kanada lockt Investitionen an

Microsoft errichtet neue Zentrale in Toronto / Von Daniel Lenkeit

Toronto (GTAI) - Viele Technologieunternehmen zieht es aktuell nach Kanada. Gute Rahmenbedingungen und ein lebendiges Start-up-Ökosystem machen vor allem die Metropolen zu Innovationszentren.

Kanada gewinnt als Technologie- und Innovationshub weiter an Bedeutung. Große Technologiekonzerne wie Google (mit dem Projekt "Sidewalk Toronto") und Microsoft investieren Millionen in den Standort Toronto. Sie sehen Kanada in einer führenden Rolle im globalen Technologiewettbewerb und bringen sich unter anderem in die kanadische Start-up- und Cluster-Infrastruktur ein. Projekte aus dem Sektor künstliche Intelligenz, wie Zoom.ai und SmartARM sind nur zwei Beispiele, die vom Technologie-Ökosystem in Toronto profitieren.

Zoom.ai entwickelte 2016 ein chatbasiertes Tool um die Produktivität der täglichen Büroarbeit zu erhöhen. Die KI-Software automatisiert wiederkehrende Aufgaben wie Terminbuchungen oder die Dokumentensuche und stellt eine Art automatisierter Assistenzkraft für jeden Mitarbeiter dar. Das Start-up aus Toronto sammelte bereits über 5 Millionen US-Dollar (US$) an Seed-Kapital ein und wird gerade in Google und Microsoft Applikationen integriert.

Das Projekt SmartArm ist eine Armprothese mit computergesteuerter Objekterkennung. Über eine Kamera erkennt die künstliche Hand Dinge, die sie aufnehmen kann und passt dabei die Stärke ihres Griffs automatisch an. Das SmartArm-Team bilden zwei Studenten der Universität Toronto. Ihre Entwicklung ist der Gewinner des diesjährigen Microsoft Imagine Cups. Kanadas KI-Sektor gehört aktuell zu den globalen Innovationsführern. Vor allem die Zentren Toronto, Montreal und Edmonton ziehen hohe Investitionen an.

Start-ups präsentieren sich beim Festival ELEVATE

Das seit 2017 jährlich im September stattfindende "ELEVATE Tech Festival" in Toronto zeigte jüngst, wie stark das Interesse von Finanzinstitutionen an jungen Start-ups im Bereich KI ist. Um ihre eigenen Innovationsabteilungen zu stärken, sind Banken wie TD Canada Trust bemüht, Talente so früh wie möglich abzuwerben. Die Übernahme des Fintech KI-Startups Layer6 zu Beginn des Jahres unterstreicht die wachsende Bedeutung der KI-Branche in Kanada.

ELEVATE Toronto lädt auch 2019 wieder ein. Vom 23. bis 27. September können internationale Besucher hier eine große Bandbreite des kanadischen Technologie-Ökosystems und interessante erste Kontakte aus der kanadische Start-up Szene kennenlernen. Für Investoren gibt zum einen die eingerichtete Investor Zone Raum für Einzelgespräche. Zum anderen bietet der festivaleigene ElevateR Pitch Kanadas besten Start-ups die Möglichkeit, ihre Ideen auf großer Bühne dem Publikum zu präsentieren.

Regierungsinitiativen zeigen Wirkung, doch Ankerfirmen fehlen noch

Die Strategie der liberalen Regierung scheint also aufzugehen. Unter dem "Innovation and Skills Plan" laufende Programme wie die Innovation Superclusters Initiative oder der Clean Technology Plan setzen hauptsächlich auf digitale Technologien. Das Ziel: Kanada innovativer gestalten durch zielgerichtete Ausbildung in MINT Fächern, der Schaffung von Innovationsnetzwerken und Förderung von Risikobereitschaft bei Moonshot-Projekten. Dazu sollen Unternehmensgründungen motiviert und die Finanzierung für Scale-ups realisiert werden.

Dafür warb zuletzt auch Innovationsminister Navdeep Bains auf dem ELEVATE. Er verwies auf die Bedeutung des kanadischen IKT Sektors (etwa 3 Prozent des BIP) einerseits und das Wachstumsproblem kleinerer kanadischer Unternehmen in dem Sektor. Denn 85 Prozent aller kanadischen IKT-Unternehmen beschäftigen weniger als 10 Personen. Tobias Lütke, ein deutscher Gründer und CEO der kanadischen E-Commerce Software Shopify vermisst vor allem Unterstützung für mittelgroße Startup-Firmen, die den nächsten Wachstumsschritt tun müssen. Denn was Kanada noch bräuchte, wäre die ein oder andere "Anker-Firma", die überproportionalen Einfluss auf das kanadische IKT-Ökosystem nehme, so Lütke.

Microsoft baut Präsenz in Kanada aus

Den kanadischen Technologiesektor weiter stärken, auch wenn das Unternehmen kein einheimisches ist, wird in Zukunft Microsoft. Der amerikanische Konzern will in den nächsten drei Jahren etwa 440 Millionen US$ in Kanada investieren. Die meisten Mittel davon gehen in vorhandene Daten- und Innovationscenter (Toronto, Quebec, Vancouver) sowie in vorhandene Strukturen im Bereich künstliche Intelligenz (KI) in Montreal.

Der neue Kanadasitz des Unternehmens wird zukünftig mitten im Finanzdistrikt Torontos liegen und soll 2020 bezugsfertig sein. Den Umzug aus dem Vorort Mississauga ins Zentrum der Stadt begründet Microsoft mit größerer Kundennähe und dem Wunsch, Top Talente anziehen zu wollen. Gleichzeitig kreiert das Unternehmen landesweit 500 neue Vollzeitstellen, um die Bereiche künstliche Intelligenz, Cloud Technologie und kollaborative Software zu stärken. Die meisten dieser Jobs entstehen in Toronto, Vancouver und Montreal. Das Unternehmen beschäftigt direkt bereits mehr als 2.300 Angestellte in Kanada und ist für viele Tausende weitere Arbeitsplätze über sein extensives Partnernetzwerk verantwortlich.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
ELEVATE Toronto http://www.elevatetechfest.com/festival-overview Jährliches Technologie Festival in Toronto. In Kollaboration mit der Start-up Gemeinde, Konzernen und Politik veranstaltet.
Innovation Superclusters Initiative http://www.ic.gc.ca/eic/site/093.nsf/eng/home Nationales Cluster Programm
Clean Technology Plan http://www.canada.ca/en/services/science/innovation/clean-technology.html Nationale Cleantech Initiative
Sidewalk Toronto http://www.sidewalktoronto.ca Smart City Initiative, Planung eines innovativen, auf ständiger Datenerhebung basierenden Viertels in Toronto.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kanada sind unter http://www.gtai.de/kanada abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kanada EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Digitalisierung, Start-up

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Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

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