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20.08.2018

Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen in Südkorea durch bürokratische Hürden erschwert

Grundsätzlich bestehen aber gute Lieferchancen für "Made in Germany" / Von Alexander Hirschle

Seoul (GTAI) - Südkoreas öffentliche Institutionen bestellen jährlich Waren von 497 Millionen US$ im Ausland. Angesichts diverser Hemmnisse sind jedoch Vorkenntnisse der Marktbedingungen nötig.

Grundlagen der Vergabe: Anteil internationaler Beschaffungen auf niedrigem Niveau

Der Public Procurement Service (PPS) gilt als die zentrale Anlaufstelle für öffentliche Ausschreibungen in Südkorea. Über die Behörde wird ein Großteil der öffentlichen Bieterverfahren abgewickelt. Der PPS nimmt dabei die Rolle als Schaltstelle zwischen ausschreibenden öffentlichen Institutionen und privaten Bieterfirmen ein; er definiert unter anderem die Spezifikationen der Produkte und Dienstleistungen.

Gemäß Angaben der Behörde wird bei der Beschaffung vorwiegend auf zwei Methoden zurückgegriffen: nach Wettbewerbs- (Competition Scheme) sowie nach Liefergesichtspunkten (Supply Scheme). Die einzelnen chronologischen Schritte des Beschaffungsprozesses sind auf der Homepage des PPS beschrieben.

Die über den PPS abgewickelten Aufträge beliefen sich 2017 auf 52,1 Milliarden US-Dollar (US$) und zeichnen damit für etwa die Hälfte aller öffentlichen Beschaffungen verantwortlich. Die Orders aus dem Ausland beliefen sich auf 497 Millionen US$ und machten somit nur einen sehr geringen Anteil von knapp einem Prozent aller PPS-Orders aus. Allerdings stiegen sie im Vergleich zum Vorjahr auf Won-Basis um 26 Prozent, während der gesamte Beschaffungswert inklusive einheimischer Quellen "nur" um 13,7 Prozent ausgedehnt wurde.

Die wichtigsten ausschreibenden Stellen waren 2017 der Energieversorger Kepco (Korea Electric Power Corporation) mit mehr als 25.000 Einzelbeschaffungen im Gesamtwert von 5,7 Milliarden US$, gefolgt von der Immobiliengesellschaft Korea Land & Housing Corporation mit knapp 3.400 einzelnen Bestellungen im Wert von 5,3 Milliarden US$ und der Eisenbahngesellschaft Korail mit rund 1.600 Beschaffungen im Wert von 4 Milliarden US$. Auf den weiteren Plätzen folgten Korea Hydro & Nuclear Power Co., SH Corporation, K Water und die Incheon International Airport Corporation.

Südkorea gilt in Bezug auf E-Government gemäß internationalen Evaluierungen als eines der fortschrittlichsten Länder weltweit. Bereits Anfang des vergangenen Jahrzehnts implementierte das "Land der Morgenstille" das elektronische Beschaffungssystem Koneps (Korea Online E-Procurement System), das als "One-Stop-Shop" fungiert und geschäftliche Transaktionen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor online ermöglicht. Das System soll die Transparenz und Effizienz der Prozesse erhöhen und gleichzeitig die Kosten für alle Markteilnehmer reduzieren.

Sämtliche projektrelevanten Daten wie geschätzte Kosten, technische Spezifikationen und Evaluierungskriterien lassen sich online und in Echtzeit abrufen. Den offiziellen Angaben zufolge können Unternehmen nach einer einmaligen Registrierung an allen Ausschreibungen teilnehmen. Über Koneps wurden 2017 fast 270.000 E-Bids abgewickelt, an denen sich mehr als 52.000 öffentliche und 370.000 private Firmen beteiligten. Das gesamte Transaktionsvolumen lag bei 87,7 Milliarden US$.

Praxischeck Ausschreibungen: Komplexe Regularien und Bürokratie erschweren den Zugang

Nach Angaben von PPS zielt das System darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der südkoreanischen Wirtschaft zu verbessern. Ausländische Waren sollen dann beschafft werden, wenn diese einen komparativen Vorteil vor lokal hergestellten Gütern aufweisen oder in Südkorea nicht produziert werden. Die Struktur der aus dem Ausland importierten Güter hat sich nach Angaben der Behörde PPS in der Vergangenheit im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung und Modernisierung Südkoreas verändert.

Während früher vorwiegend einfache Maschinen bestellt wurden, bekommen heute vorwiegend Hochtechnologieerzeugnisse den Zuschlag. Dies spricht für deutsche Produkte, da die Lieferpalette der "Hidden Champions" sich in erster Linie aus solchen Hightech-Erzeugnissen zusammensetzt. Aus diesem Grund bestehen grundsätzlich gute Lieferchancen für "Made in Germany" im öffentlichen Ausschreibungswesen.

Im Jahr 2017 entfiel die Mehrzahl der im Ausland beschafften Güter mit 253 Millionen US$ auf den Bereich "Produkte für Forschung und Entwicklung", der somit für 51 Prozent der Gesamtsumme von rund 497 Millionen US$ verantwortlich zeichnete. Die Bestellungen in diesem Bereich blieben in den letzten fünf Jahren auf einem ähnlichen Niveau und zeigten 2017 ein Wachstum von knapp 7 Prozent auf Won-Basis. Zweitwichtigste Kategorie sind Transportausrüstungen mit einem Anteil von 24 Prozent und einem Zuwachs von 76 Prozent.

Beschaffung von ausländischen Waren des PPS (in Millionen US$; Anteil und Veränderung in Prozent) 1)
Produktgruppe 2017 Anteil Veränd. 17/16 2)
.Produkte für Forschung und Entwicklung 253,2 51,0 6,8
.Transportausrüstungen 119,7 24,1 76,2
.Computer/EDV 48,6 9,8 300,7
.Messgeräte 27,8 5,6 36,5
.Telekommunikation 26,4 5,3 52,6
.Medizintechnik 21,2 4,3 -46,5
Insgesamt 496,9 100,0? 26,0

1) Durchschnittlicher Wechselkurs 2017: 1 US$ = 1.130 Won; 2) auf Won-Basis

Quelle: Public Procurement Service (PPS)

Experten sprechen davon, dass die Regularien für öffentliche Ausschreibungen sehr komplex seien. Deutsche Unternehmen berichten ebenfalls davon, dass verschiedene Hürden bei einer Teilnahme zu überwinden seien. So wird etwa bei manchen Ausschreibungen scheinbar die Mitgliedschaft bei bestimmten Verbänden zur Voraussetzung gemacht. Für ausländische Firmen ist es aber schwer, dort überhaupt aufgenommen zu werden.

Auch seien die Lizensierungen kompliziert. Aus diesem Grund sei in einigen Fällen die Einstellung von "Consultants" als Beschäftigte notwendig, die dann die Lizensierung umsetzen können - aber auch dauerhaft die Gehaltsliste belasten. Andere Stimmen sprechen von einer sehr stark ausgeprägten Bürokratie im Ausschreibungsprozess.

Für ausländische Firmen sei dies zum Teil so schwer zu durchschauen, dass sich eine Teilnahme vor allem bei kleineren Orders kaum lohne. Die Vorgaben müssen auf jeden Fall "punktgenau" befolgt werden. Schon die Verwendung eines falschen Formulars kann zum sofortigen Ausschluss ohne Möglichkeit zur Nachbesserung führen.

Aus diesem Grund sei es wichtig, erfahrene Spezialisten für solche Verfahren im Unternehmen zu haben. Know-how im Umgang mit Ausschreibungen sei absolut notwendig, ebenso wie die entsprechenden Sprachkenntnisse. Auch die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern kann eine Lösung darstellen, vor allem für Neueinsteiger im Markt.

Die Messe Korea Public Procurement Expo (Koppex) findet jährlich statt. Bei der Veranstaltung im April 2018 im Kintex-Ausstellungsgelände fanden sich 30 Firmen aus den Bereichen Business Services, Maschinen, Ausrüstungen und Energie ein. Die nächste Koppex wird voraussichtlich vom 24. bis 26. April 2019 abgehalten.

Vergaberichtlinien: Weiterführende Links

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
PPS (Public Procurement Service) http://www.pps.go.kr Öffentliche Vergabestelle
Koneps (Korea Online E-Procurement System) http://www.g2b.go.kr Elektronischer One-Stop-Shop
Messe Koppex http://koppex.com/2018_en/ Jährliche Fachveranstaltung
Government Procurement Act (Republic of Korea) http://unpan1.un.org/intradoc/groups/public/documents/APCITY/UNPAN011479.pdf Informationen zum Übereinkommen über das öffentliche Beschaffungswesen
Recht kompakt Korea (Rep.) http://www.gtai.de/MKT201706218007 Überblick über Rechtsthemen

Dieser Artikel ist relevant für:

Südkorea Ausschreibungsregelungen, Recht der öffentlichen Aufträge, Ausschreibungswesen

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