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10.10.2018

Thailand fördert Roboter und Automatisierung

Asiatische Unternehmen zeigen steigendes Interesse / Von Waldemar Duscha

Bangkok (GTAI) - Thailands Industrie will durch Roboter und Automatisierung produktiver und wettbewerbsfähiger werden. Partnerschaften mit ausländischen Unternehmen sind wegbereitend.

Die neue Entwicklungsstrategie "Thailand 4.0" setzt den Schwerpunkt zur Beschleunigung der industriellen Entwicklung auf einen höheren Wachstumspfad in so genannten "S-Curve Industries". Der Board of Investment (BOI) identifizierte hierzu zehn Cluster, davon fünf breit etablierte Branchen mit hohem Exportpotenzial sowie fünf neue Zukunftszweige in Hochtechnologien. Zur zweiten Gruppe zählt auch das Cluster "Roboter und Automatisierung". Regional liegt der Schwerpunkt im Eastern Economic Corridor (EEC) und wird gestützt durch umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur.

Die Prognosen zur Marktentwicklung liegen allesamt deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von etwa 4,5 Prozent. Die International Federation of Robots schätzte für 2017 einen Absatz von 3.000 Einheiten und prognostizierte bis 2020 eine Steigerung auf 5.000 Einheiten. Eine ähnliche Entwicklung erwartet der Lösungsanbieter Uni Arc der Zuwächse um 15 bis 20 Prozent über zehn Jahre auf einen Jahresbedarf von über 6.000 Einheiten sieht; hauptsächlich begründet wird dies durch die S-Curve und neue intelligente Fabriken.

Die Investitionen in Roboter schätzt die staatseigene Digital Economy Promotion Agency für das Jahr 2018 auf 1,3 Milliarden US-Dollar (US$), was einem deutlichen Vorsprung zu den anderen neun Mitgliedsländern der ASEAN entspricht. Die Investitionen in Roboter und Systemintegration zusammen sollen sich 2018 auf rund 1,8 Milliarden US$ belaufen.

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Schwerpunkte in Elektronik und Automobilbau

Die führenden Exportbranchen verdanken ihre internationale Wettbewerbsstärke nicht zuletzt der Automatisierung. Automobilbau und Elektronik erwirtschafteten 2017 beide mit jeweils 27 Milliarden US$ bereits über 11 Prozent der Exportleistung. Bei den dominanten japanischen Autobauern übernehmen Roboter bereits 25 Prozent der Fertigung und dieser Anteil dürfte sich mit der neuen Generation der Hybrid- und Elektrofahrzeueg deutlich erhöhen, spekuliert die Yaskawa Electric Corporation als einer der führenden Anbieter.

Haben bisher etwa 30 Prozent aller inländischen Produzenten Roboter integriert sollen es in fünf Jahren 50 Prozent werden. Laut Industrieminister Uttama wollen allein im Hemaraj Industrial Estate wenigstens 30 Unternehmen kurzfristig stärker in Roboter und Systemintegration investieren. Signifikante Transformationen in großem Format realisierten bislang vor allem die Großkonzerne wie Charoen Pokphand, PTT und Siam Cement Group.

Thailändische Start-ups haben die Wittterung aufgenommen. Die erst 2016 gegründete RST Robotics beispielsweise bedient heute KMU mit Robotern für risikoreiche Arbeiten wie Schweißen, Lackieren oder Lagerung mit dem Schwerpunkt im Automobilbau. Die Regierung formulierte für ihre Industrieunternehmen das Ziel der Entwicklung von 50 Prototypen von Robotern und Automatisierungssystemen bis 2023, im Rahmen eines Entwicklungsplans für Roboter der mit über 6,2 Milliarden US$ unterlegt ist.

Auslandsinvestoren hoch willkommen

Die Aufmerksamkeit bei den globalen Playern wächst. Bereits 2017 sollen über 30 Unternehmen Interesse an Investitionen im EEC geäußert haben, wie die "Bangkok Post" zu berichten wusste. Darunter befanden sich renommierte Marken wie Panasonic, Universal Robot, OTC Daihen, ABB Robotics, Kuka Robotics, Yaskawa Motoman, True Robotics, Okura Yusoki, Gerenga Service, Nachi-Fujikoshi oder Anca Manufacturing.

Technologien und Know-how aus fortgeschrittenen Nachbarländern sind vorrangig auf der politischen Agenda. Zuletzt wurde Südkorea für Investitionen und Marktforschung gewonnen mit Unterstützung des Asean-Korea Centre und des Korea Institute for Robot Industry Advancement. Im Rahmen dieser Partnerschaft sondierte eine Delegation von 13 Roboterproduzenten mögliche Standorte im EEC, angeführt von LG und Samsung. Südkoreas bisheriges Engagement in diesem Zweig verzeichnet 39 Projekte über zusammen rund 100 Millionen US$.

Mit der Nachfrage wächst auch die institutionelle Infrastruktur. Die Thai Automation and Robotics Association hilft zum Beispiel beim Business Matching von inländischen KMU mit potenziellen ausländischen Partnern. Wegbereiter im Bildungswesen ist das Institute of Field Robotics der King Mongkut's University of Technology in Thonburi. Das Thai-German Institute unter dem Industrieministerium entwickelt innovative Technologien in seinem Manufactoring Automation and Robotic Center.

Serviceroboter gewinnen Anerkennung

Zur Avantgarde der eigenen Industrie zählen Serviceroboter in der Kranken- und Altenpflege. Als einer der Pioniere gewann "Dinsow" von CT Asia Robotics recht schnell hohe Wertschätzung für die Diagnose der häufigsten chronischen Altersbeschwerden. Angestrebt wird eine Jahreskapazität von 400 Einheiten, erste Exporte erfolgten in Länder wie Japan, Schweden und Deutschland. Weitere Erfolgsbeispiele im Gesundheitswesen sind Fhasai (Kindertherapie), Sensible Tab (Arm-Reha), B-Hive (Pharmaauffüllung) oder Bumbee (Arzneidosierung).

Interessierte Abnehmer finden sich überdies in Zweigen wie Nahrungsmittel, Hotels, Restaurants oder Unterhaltung. Dank Digitalisierung und Smartphone explodiert der E-Commerce, der sich laut Euromonitor bis 2020 auf 4,2 Milliarden US$ verdreifachen soll. Der Großteil der Warenhäuser im Groß- und Einzelhandel nutzt bereits automatisierte Lösungen zur Senkung der Betriebskosten oder Stabilisierung gegen Beschäftigungsausfälle.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Thailand können Sie unter http://www.gtai.de/thailand abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Thailand Robotik und Automation, Digitalisierung

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