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18.01.2018

Thailand verstärkt Initiativen zur Unternehmensbildung

Frische Fonds für technische und innovative Start-ups / Von Waldemar Duscha

Bangkok (GTAI) - Im neuen langfristigen Entwicklungskonzept Thailand 4.0 gebührt der Förderung von Klein- und Mittelunternehmen wie auch zukunftsweisenden Start-ups eine Schlüsselrolle. Regional liegt der Schwerpunkt für innovative Branchen und Produkte im entwickelten östlichen Industriekorridor. Der Sektor der Start-ups zeigt stärkere Konturen dank staatlicher Hilfen und wachsender Attraktivität für Investoren. Thailands Börse errichtete die Plattform LIVE zur Unterstützung durch den Kapitalmarkt.

Der Launch des neuen Wirtschaftssystems Pracha Rath (State of the People) gilt als Geburtsstunde einer konzertierten Förderung von Klein- und Mittelunternehmen (KMU), Start-ups und sozialen Gesellschaften. Auf Initiative der Regierung unterzeichneten im Frühjahr 2016 über 60 private und öffentliche Organisationen ein Memorandum of Understanding über eine enge Zusammenarbeit zum Wandel Thailands in eine Entrepreneurial Society. Implizit ist die Herausbildung einer umfassenden attraktiven Infrastruktur für ein Startup Ecosystem.

In der KMU-Förderung stellte die Regierung ein Budget von rund 3 Milliarden US-Dollar (US$) für stimulierende Maßnahmen und weiche Kredite zur Erleichterung von Investitionen bereit. Als besondere Hilfestellung plant das Industrieministerium die Unterstützung durch rund 50 lokale und internationale Großunternehmen. Bereits an Bord sind das Erdöl- und Erdgaskonglomerat PTT, der Nahrungsmittelkonzern Charoen Pokphand und der Baustoffproduzent Siam Cement Group. Der Unternehmensbestand wird aktuell auf rund 3,3 Millionen KMU geschätzt.

Begünstigt von der staatlichen Förderung sind seit 2015 insgesamt 38 Produktkategorien - darunter Kfz-Teile, Glas, Schmuck, Software, Arzneimittel, Druck und Filmproduktion. Die wesentliche Begünstigung besteht in zwei zusätzlichen Steuerfreijahren und der Nutzung von Gebrauchtmaschinen. Voraussetzung sind eine thailändische Mehrheitsbeteiligung (51 Prozent), eine Fremd- zu Eigenkapitalrelation von 3:1 und Investitionskosten von mindestens 6,2 Millionen US$.

Der regionale Schwerpunkt wird im Eastern Economic Corridor gesehen, der sich über die drei Provinzen Rayong, Chonburi und Chachengsao erstreckt. Die National Innovation Agency erhofft hier für die nächsten drei Jahre die Gründung von 5.000 KMU und 400 Start-ups nebst einigen Großunternehmen. Nach Ablauf von fünf Jahren sollen diese zusätzliche Erträge von über 550 Millionen US$ erwirtschaften, wozu Start-ups rund ein Zehntel beitragen.

Start-ups begründen neue Ära

Der Entwicklung von technischen und innovativen Start-ups wird überwiegend eine verheißungsvolle Zukunft zugeschrieben. Ein bedeutendes Signal setzte diesbezüglich das Ministerium für Wissenschaft und Technologie 2017 mit der Konferenz StartUp Thailand: ScaleUp Asia. Zur finanziellen Unterstützung will das Ministerium umgerechnet rund 77 Millionen US$ in entsprechende Fonds für Technologie und Innovation injizieren.

Die Zahl der in verschiedenen Formen öffentlich unterstützten Start-ups soll sich 2017 auf rund 1.500 Vorhaben mehr als verdoppelt haben. Im Jahr 2016 wurden 700 Start-ups mit immerhin 7.500 Beschäftigten gefördert. Den Kapitalzufluss aus verschiedenen Quellen schätzte das Ministerium 2016 dabei auf 86 Millionen US$. Der aktuelle Bestand an verfügbarem Risikokapital für Investitionen in Start-ups soll rund 300 Millionen US$ betragen.

Zu den aktivsten Risikofonds zählt "500 TukTuks", der 2015 von "500 Startups Silicon Valley" lanciert wurde, ausgestattet mit einem Kapital von 12 Millionen US$ für 60 bis 70 Start-ups im Zeitraum von drei Jahren bis 2018. Ende 2017 waren es 46 Start-ups, davon fast die Hälfte wachsend - darunter Firmen wie Skootar, Claim Di Bike, Seekster, Pomelo und Fastwork.

Die Thailand Tech Startup Association konzediert ihrem Sektor für das letzte Jahr einen bedeutenden Beitrag in der Schaffung von Arbeitsplätzen, Berufskarrieren und Geschäftschancen. Start-ups spielten eine Schlüsselrolle in der digitalen Transformation von KMU und schafften damit direkte und indirekte Arbeitsplätze. Die Schwerpunkte liegen bisher in den Sektoren Immobilien, Logistik, Banken, Finanzierung und Gesundheitspflege.

Laut dem Verband sollen 2016 rund 100 technische Start-ups für 310 Millionen US$ gegründet worden sein. Bis Ende 2018 könnte der Gesamtwert auf rund 1 Milliarde US$ angestiegen sein - nicht zuletzt dank wachsender Interessen globaler Risikoinvestoren. Die ersten Start-ups kamen aus der Telekommunikation, angetrieben von den großen Mobilfunkanbietern mit Projekten wie AIS The Start-up oder DTAC Accelerate. Im Fintech-Sektor sind Kasikornbank, Siam Commercial Bank und Bank of Ayudhya auf neuen Pfaden unterwegs.

Zu den Pionieren zählte Techsauce Media (Medien, Forschung, Events) - gegründet von der digitalen Marketingfirma Thumbsup und HUBBA, einem Anbieter von Co-working Space. Eine Erfolgsgeschichte schrieb auch InVent mit dem Start-up Ookbee als der thailändischen Version von Amazon für Literatur, Comics, Musik und Magazine; weitere Engagements folgten mit Meditech Solution, Computerlogy, Infinity Levels Studio, Sinope, Playbasis und Golfdigg. Ein prominentes neueres Beispiel für die Verbesserung der Effizienz im Bau- und Immobiliensektor ist die BuilkOneGroup mit der Entwicklung von Software, Big Data Analytics und Plattformen für Kommunikation und E-Commerce.

Der Handelsgigant Tesco Lotus schuf mit "Hackathon 2018" eine neue Bühne für Studenten, Jungunternehmer und Start-ups zur Kooperation in Innovationen, Technologien, Anwendungen und Lösungen unter dem Motto Retail 4.0. Hierunter subsummiert Tesco Lotus Veränderungen im Kundenbedarf durch Kriterien wie den digitalen Wandel, gesünderen Lebensstil, neue Familienstrukturen oder die alternde Bevölkerung.

Futurimus am Siam Square

Im Herzen von Bangkok entsteht auf 10.000 Quadratmetern der Siam Innovation District mit einem Investment von rund 30 Millionen US$. Federführend ist die Chulalongkorn University in Partnerschaft mit privaten Unternehmen (Public Private Partnership). Der Innovationshub beherbergt vier zentrale Flächen mit den Bezeichnungen Marketplace, Futurium, Industry Liaison und Talent Building. Konzipiert als das landeserste Innovation One-Stop Service Centre soll das Netzwerk Start-ups, Unternehmer, Investoren, Erfinder und Entwickler einschließen.

Das Futurium widmet sich der Zukunft Thailands mit Smart Cities und Ausstellungen zu bahnbrechenden Innovationen. Das Projekt Industry Liaison soll den Zugang innovativer Produkte und Dienste zu Industrie und Märkten erleichtern. Der Fokus von Innovation wird hierbei schwergewichtig in vier Ebenen gesehen: alternde Gesellschaft, nachhaltige Entwicklung, Roboter und digitale Wirtschaft. Genannt wird in diesem Rahmen eine Vielzahl möglicher Geschäftsfelder wie Asean Lifestyle, Mode- und Kulturdesign, kreativer Tourismus, innovative Nahrungsmittel, Bioenergie oder auch Smart Farming.

Handicap Humankapital

Unbestritten ist, dass Start-ups über gute Ideen verfügen. Die Herausforderung besteht in der unternehmerischen Durchführung und hier insbesondere im Faktor der beruflichen Qualifikation. Dies war die Kernaussage eines Seminars zum Thema Asia Capital Market: Driving Force for Startups in Bangkok im Herbst 2017 mit fachlicher Expertise aus Japan und Südkorea.

Stünden zur Finanzierung durchweg nationale und regionale Fonds zur Verfügung, liege der Engpass in Bildung und Training und damit auch der Befähigung zur Kontrolle des Unternehmens und des anvertrauten Risikokapitals. Vor diesem Hintergrund initiierte das Ministerium für Wissenschaft mit 28 Universitäten Trainingskurse für Unternehmer und Start-ups, an denen 2017 rund 3.000 Studenten partizipierten. Gesucht wird zudem die Kooperation mit dem Ausland für Startup Training und Business Matching mit Kontakten zu bisher bereits 20 Ländern.

Für die Kanalisierung von privaten Risikokapitalfonds lancierte der Stock Exchange of Thailand (SET) zur Jahresmitte 2017 die Plattform LIVE als dem ersten Handelsmarkt für Start-ups und KMU. Unterstützt wird die Plattform vom National Startup Committee, der Betreiber ist die LiveFIN Corporation mit dem SET als dem einzigen Gesellschafter. Die Idee von LIFE besteht darin, Start-ups den Zugang zu Betriebskapital über Fundraising zu erleichtern und die Handelsliquidität anzuheben mit dem Ziel der Stärkung des langfristigen Geschäftswachstums.

(W.D.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Thailand Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Start-up

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