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16.09.2019

Thailand wird zum Hub der Motorradindustrie

Exporte steigen, doch Inlandsmarkt stagniert / Von Thomas Hundt

Bangkok (GTAI) - Thailand entwickelt sich zum Produktionsstandort schwerer Sport- und Freizeitmotorräder. Internationale Hersteller bauen ihre Kapazitäten aus.

Thailand liegt beim Fertigungsvolumen von Motorrädern weltweit auf dem fünften Rang. Nur Indien, China, Indonesien und Vietnam produzieren mehr Motorräder. Aus den thailändischen Fabriken rollten 2018 - wie im Vorjahr - knapp 2,1 Millionen Krafträder.

Motorradindustrie in Thailand (Stückzahlen)
2017 2018
Produktionskapazität 3.560.000 3.660.000
Produktion 2.055.193 2.063.076
mit einem Hubraum bis 150 Kubikzentimeter 1.578.526 1.666.718
mit einem Hubraum über 150 Kubikzentimeter 476.667 396.358
Absatz im Inland 1.810.771 1.788.323
mit einem Hubraum bis 250 Kubikzentimeter 1.759.307 1.725.237
mit einem Hubraum über 250 Kubikzentimeter 51.464 63.086
Exporte Completely Built Units 368.358 371.190
Exporte Completely Knocked Down Units 480.723 515.085

Quellen: Krungsri Research, Automotive Industry Club der Federation of Thai Industries

Die Produktion sank in der ersten Jahreshälfte 2019 um knapp 7 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Ungefähr 80 Prozent der Krafträder - hauptsächlich Kleinkrafträder und Scooter - werden für den Inlandsmarkt produziert.

Die inländische Nachfrage kühlte sich in der ersten Jahreshälfte 2019 um 4 Prozent ab. Gründe für die Zurückhaltung der Käufer auf dem Lande sind die trüben Aussichten in der Landwirtschaft. Der Absätze in den Städten stottern wegen der hohen Verschuldung der Haushalte ebenfalls.

Die Regierung vergibt bis Ende 2019 aber noch Förderkredite an die Motorradtaxifahrer, die sich neue Modelle anschaffen wollen. Fachleute erwarten zudem zum Jahresende steigende Verkäufe, weil ab dem 1. Januar 2020 die Verbrauchsteuer, die beim Kauf von Motorrädern - bisher gestaffelt nach Hubraumgröße - auf Basis der CO2-Emissionen berechnet wird. Damit werden Motorräder ab 2020 etwas teurer.

Individuelle Mobilität wandelt sich

Auf jeden der 38 Millionen Einwohner im Alter über 15 Jahre kommt ein zugelassenes Kraftfahrzeug. Beim Department of Land Transport sind 21 Millionen Motorräder und 18 Millionen Automobile registriert. Viele Fahrer, die ihre Motobikes und Scooter täglich als Fortbewegungsmittel nutzen, werden langfristig von ihren Motorrädern auf Autos umsteigen oder neue Verkehrskonzepte nutzen.

In der Metropole Bangkok setzen sich als Transportmittel beispielsweise der öffentliche Nahverkehr und die Taxis durch. Auch die ersten Angebote im Carsharing und Carpooling finden Zulauf. Die Nachfrage nach Motorrädern wird sich mit den steigenden Einkommen in Richtung teure Sport- und Freizeitgefährte wandeln.

Der Handel bietet inzwischen ebenfalls elektrisch angetriebene Krafträder an. Die Verkäufe beliefen sich im ersten Halbjahr 2019 auf 350 Stück, Tendenz steigend. Die thailändische Firma Deco Green Energy setzte die meisten ab. Sie produziert Elektroroller, deren Technik aus Taiwan stammt.

Erfolgreiche Förderung der Motorradindustrie

Die Marktforscher von Krungsri Research erwarten 2020 und 2021 einen leichten Anstieg der Motorradproduktion auf 2,1 Millionen bis 2,2 Millionen Stück. Der Produktionswert dürfte wesentlich kräftiger zulegen, weil immer mehr hochwertige Motorräder für thailändische Käufer und für internationale Märkte gebaut werden.

Das Board of Investment of Thailand (BOI) hat die Entwicklung frühzeitig gefördert und befreit seit 2012 ausländische Investoren, die Motorräder mit mehr als 248 Kubikzentimeter Hubraum fertigen, von Einfuhrabgaben auf Maschinen und Motorradteile. Das BOI erlässt den Investoren auch für fünf Jahre die Zahlung der Körperschaftssteuer.

Zwölf Unternehmen produzieren ein breites Spektrum

Die vier großen japanischen Konzerne Honda, Yamaha, Suzuki und Kawasaki halten über 87 Prozent der Fertigungskapazitäten. Sie stellen hauptsächlich leichte und mittelschwere Motorräder her. Thai Honda Manufacturing ist der größte Hersteller und kann bis zu 1,7 Millionen Stück jährlich bauen. Honda dominiert auch den Inlandsmarkt. Vier von fünf verkauften Motorrädern sind Modelle von Honda.

Sym aus Taiwan, Zongshen Ryuka (China) und GPX (Thailand) fertigen ebenfalls leichte Krafträder. Schwere Maschinen bauen Triumph (Großbritannien), BMW (Deutschland), Ducati (Italien), Benelli Keeway (Italien/China) und CF Moto (China). Auch die US-amerikanische Aktiengesellschaft Harley-Davidson errichtet ein Werk, das im Industriepark Hemaraj Eastern Seaboard Industrial Estate in der Provinz Rayong liegen wird.

Für den Kfz-Standort spricht die breit aufgestellte Zulieferindustrie. Das Thailand Automotive Institute zählt im Kfz-Sektor insgesamt 720 Tier-1-Zulieferer, davon fertigen 28 Prozent Module für Motorräder und 18 Prozent Komponenten für Motorräder und Automobile. Thailand ist mit 2,2 Millionen Pkw der größte Automobilhersteller in Südostasien.

Die Synergieeffekte nutzt die Fabrik der Firma BMW Manufacturing im Amata City Industriepark in der Provinz Rayong. Das Werk kann sowohl sieben verschiedene Automodelle mit einer maximalen Fertigungskapazität von 20.000 Pkw als auch bis zu 10.000 Motorräder aus sieben unterschiedlichen Baureihen montieren. BMW meldet, dass 2018 insgesamt 15.302 Pkw und 3.077 Motorräder gebaut wurden. Das Werk setzte 47 Prozent der Motorräder in Thailand ab und exportierte 53 Prozent nach China, Malaysia, in die Philippinen und Vietnam.

Die italienische Marke Ducati fertigt seit 2014 außer in ihrem Stammwerk in Bologna in Thailand ihr gesamtes Programm an Hochleistungsmotorrädern. Die Fabrik im Amata-Industriepark in Rayong verfügt über eine Jahreskapazität von 20.000 Stück. Der weitaus größte Teil der Ducati-Bikes wird exportiert.

Triumph errichtete bereits 2003 ein erstes Werk im Industriepark Amata City in der Provinz Chon Buri, das Komponenten herstellt. Inzwischen sind zwei weitere Motorradfabriken dazugekommen. Triumph hat damit seine Fertigungskapazitäten auf 120.000 Stück ausgebaut.

Freihandel als Standortvorteil

Die Exportchancen innerhalb der ASEAN-Freihandelszone und der Zugriff auf Freihandelsabkommen mit Indien oder China sind weitere Argumente für den Standort. Das Montagewerk von Triumph in Indien leidet beispielsweise nach Angaben der indischen Presse unter steigenden Zöllen, welche die dortige Regierung seit 2018 auf die Einfuhr von Motorradkomponenten erhebt. Importe von fertigen Motorrädern aus Thailand, die unter den Vorzugszoll des Freihandelsabkommens ASEAN-India Free Trade Area fallen, seien günstiger, meldet Triumph.

Selbst die indische Firma Royal Enfield, ein Produzent von klassischen Motorrädern, lässt seit 2019 Motorräder in Thailand montieren. Diese Aufgabe übernimmt der thailändische Kfz-Hersteller United Auto. Die Kapazität ist zunächst auf ungefähr 1.200 Stück pro Jahr ausgerichtet und entspricht dem aktuellen Absatz von Royal Enfield-Motorrädern in Thailand.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Thailand können Sie unter http://www.gtai.de/thailand abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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