Suche

15.08.2019

Transport in Dänemark soll schneller werden

Ausbau des Straßennetzes hat Priorität / Von Michal Wozniak

Stockholm (GTAI) - Die dänische Regierung will die Transportzeiten im Land verkürzen. Innerhalb von zehn Jahren sollen dafür 15 Milliarden Euro in die Verkehrsinfrastruktur investiert werden.

Im Frühsommer 2019 stellte die dänische Regierung das Ergebnis einer überparteilichen Einigung für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Land vor (im Originalwortlaut unter: bit.ly/2GGtr6w). Demnach sollen zwischen 2021 und 2030 über 15 Milliarden Euro in den Ausbau der Verkehrswege fließen. Das erklärte Ziel ist, mehr Durchlass auf den Hauptverkehrsadern der Nord-Süd-Achsen zu schaffen. "Wir wollen die Transportzeiten verkürzen. Mit dem Infrastrukturplan können wir einen schnelleren Transport von A nach B sicherstellen, unabhängig davon, ob man mit dem Zug, Bus oder Auto reist", sagte der damalige Verkehrsminister Ole Birk Olesen bei einer Pressekonferenz.

Geplante öffentliche Ausgaben für Infrastrukturvorhaben (in Mio. Euro *)
Straße Schiene
Neue Projekte 5.505,0 1.218,9
Laufende Projekte 361,6 2.558,3
Sonderprojekte 1.339,4 281,3
Wartung und Erneuerung 991,2 2.839,5
Gesamt 8.197,2 6.897,9

*) Umrechnungskurs vom 30. Juli 2019: 1 Euro = 7,4666 Dänische Kronen

Quelle: Investitionsplan 2030

Autobahnen werden künftig noch stärker genutzt

Mehr als die Hälfte der Mittel, etwa 8,2 Milliarden Euro, sollen dem Straßenausbau zugutekommen. Laut neuesten Angaben von Eurostat werden 88,5 Prozent der Tonnenkilometer im dänischen Gütertransport auf der Straße abgewickelt. Bei Passagierkilometern haben Straßenfahrzeuge einen nochmal um 3 Prozentpunkte höheren Anteil. Prognosen sehen vor allem einen weiteren Zuwachs bei der Nutzung von Autobahnen, insbesondere des sogenannten "großen H", der Strecke von Nordjütland bis zur deutschen Grenze, zwischen Esbjerg und Kopenhagen, sowie zwischen Helsingor und Rodby. Neben dem Ausbau der Autobahnen verfolgt die Politik als zweites Ziel den Ausbau lokaler Verbindungen, um das Wirtschaftswachstum in kleineren Städten zu fördern.

Übersichtskarte der Straßeninvestitionen in Dänemark

MKT201908148004.15

Quelle: Vejdirektoratet

Insgesamt ist der Bau von sechs neuen Schnellstraßen- und Autobahnabschnitten vorgesehen. Die Arbeiten sollten zwischen 2022 und 2024 starten. Der neue Transport- und Bauminister Benny Engelbrecht kündigte allerdings an, die großen Vorhaben noch mal überprüfen zu wollen. Dies könnte eine Verzögerung nach sich ziehen. Die geschätzten Kosten der Einzelvorhaben liegen zwischen 200 Millionen (Verbindung: Naestved-Ronnede) und 1 Milliarde Euro (Haderslev-Give). Kleiner fallen die Investitionen bei Modernisierungs- und Ausbauprojekten aus. Dort bewegen sich die Kostenvoranschläge in den meisten Fällen unterhalb von 120 Millionen Euro.

Ausgewählte Infrastrukturprojekte in Dänemark
Projekt Investitionssumme in Mio. Euro *) Status
Egholmlinje (3. Limfordsforbindelse): Neue Verbindung zwischen Vendsyssel via Aalborg nach Vestbjerg 883,9 Geplanter Baustart 2024; Bauzeit 8 Jahre
Sydlig Ring 5: Neubau einer Autobahn von Koge nach Frederikssundsvej (35 km) 870,6 Abschluss der Voruntersuchung Mitte 2021; geplanter Baustart 2025
Naestved-Ronnede: Neubau einer Autobahn durch Jylland, zwischen Give und Haderslev (je nach Verlauf: 70 bis 83 km) 777 bis 1.004 Geplanter Baustart 2023; Bauzeit 8 Jahre
Ny bane over Vestfyn: Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen Odense V und Kauslunde (35 km Länge) 642,8 Geplanter Baustart 2024; Bauzeit 7 Jahre
Frederikssundmotorvejens 3. Etape: Neubau einer Autobahn von Tvaerveg nach Frederikssund (ca. 17 km) 455,3 Geplanter Baustart 2022; Bauzeit 7 Jahre
Udvidelse af E45: Verbreiterung von 4 auf 6 Spuren zwischen Hornstrup und Skanderborg S (35 km) 401,8 Geplanter Baustart 2023; Bauzeit 6 Jahre
Kobenhavns Lufthavn Station: Neubau eines Personen- und Güterbahnhofs; Flughafen Kopenhagen 334,8 Geplanter Baustart 2022; Bauzeit 5 Jahre
Udvidelse af E45: Ausbau einer Umgehungsstraße von Aarhus (16 km) 200,9 Voraussichtlicher Abschluss der Voruntersuchung Mitte 2020; geplanter Baustart 2021

*) Umrechnungskurs vom 30.07.19: 1 Euro = 7,4666 Dänische Kronen

Quelle: Ministerium für Transport, Bau und Wohnwesen

Begleitvorhaben bieten Chancen für kleinere Unternehmen

Neben neuen Projekten wurden auch mehr Mittel für die Instandhaltung bestehender Verbindungen veranschlagt. Zwischen 2021 und 2023 sollen dafür im Straßenbereich knapp 100 Millionen Euro jährlich fließen, im Bahnbereich nahezu dreimal so viel. Ein gesondertes Budget von über 1,5 Milliarden Euro ist für Begleitvorhaben ausgegliedert worden. Diese dürften wegen ihres kleineren Umfangs und teilweise hochspezialisierter Thematik für spezialisierte Klein- und Mittelständler besonders interessant sein. Sie umfassen unter anderem folgende Bereiche: bessere Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen, Verkehrssicherheit, Lärmschutz, neue Fahrradinfrastruktur, Erhöhung der Geschwindigkeiten im Eisenbahnverkehr sowie Analyse, Studien und Planung künftiger Infrastrukturprojekte.

Umstellung des Signalsystems verzögert sich

Beim Ausbau der Schienentrassen geht es hauptsächlich um die Elektrifizierung der Strecken zwischen Fredericia und Aalborg in Ostjutland sowie der Nordwestbahn zwischen Roskilde und Holbaek/Kalundborg. Daneben soll die Umstellung des Signalsystems auf das europäische ERTMS (European Rail Traffic Management System) abgeschlossen werden. Ein Konsortium aus den Unternehmen Ramboll, Atkins, Emch+Berger sowie Parsons ist für die Planung und Aufsicht über "das erste landesweite Upgrade auf ERTMS in der Europäischen Union" zuständig. Wegen technischer Probleme, die unter anderem zu einem Rechtsstreit mit dem Techniklieferanten Alstom geführt haben, wurde der Abschluss des Vorhabens von 2023 auf 2030 verlegt.

Übersichtskarte der Bahninvestitionen in Dänemark

MKT201908148004.14

Quelle: Vejdirektoratet

Großauftrag für Passagierzüge

Das letzte Puzzleteilchen zur Erneuerung des Passagiertransports in Dänemark ist der Kauf von 100 bis 150 "Zukunftszügen". Ab 2024 sollen die ersten ausgeliefert werden. Die dänische Bahngesellschaft DSB hat für dieses Projekt ein Budget von knapp 2,7 Milliarden Euro eingeplant. Die vier Bewerber: Alstom, Bombardier, Siemens und Stadler, buhlen nicht nur um den Zugverkauf, sondern auch um den damit verbundenen Wartungsauftrag. Dieser ist für 16 Jahre angelegt und könnte zu einem späteren Zeitpunkt auf 30 Jahre verlängert werden. Als technischer Berater des Vorhabens fungiert die US-amerikanische WSP. Laut Planung soll die Auftragsvergabe vor Ende 2019 stattfinden.

Die Züge sollen eine Höchstgeschwindigkeit von mindestens 200 Kilometer pro Stunde erreichen und einen stufenlosen Einstieg ermöglichen. Zudem sollen sie auf marktgängigen Standardlösungen basieren, die bereits in anderen europäischen Ländern eingesetzt werden und erprobt sind.

Kontaktadressen:

Institution Adresse Beschreibung
Ministerium für Transport, Bau und Wohnwesen http://www.trm.dk Zuständig für Infrastruktur- und Transportpolitik
Vejdirektoratet http://www.vejdirektoratet.dk Staatliche Agentur, zuständig für Straßeninvestitionen
Bane Danmark http://www.bane.dk Staatliche Agentur, zuständig für Schieneninvestitionen

Weitere Informationen zu Dänemark finden Sie unter http://www.gtai.de/Daenemark

Dieser Artikel ist relevant für:

Dänemark Eisenbahnbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau

Funktionen

Kontakt

Charlotte Schneider

‎+49 228 249 93 279

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche