Suche

07.04.2016

Tschechien unterstützt Firmen beim Kauf von Elektroautos

Staat will Marktanteil alternativer Antriebsarten erhöhen / Förderprogramme mit Hilfe von EU-Fonds / Von Gerit Schulze

Prag (gtai) - Tschechien startet im Frühjahr 2016 mehrere Förderprogramme, um den Kauf von Elektrofahrzeugen und anderen alternativen Antriebsformen anzukurbeln. Unternehmen und Gemeinden sollen Zuschüsse für deren Anschaffung bekommen. Die Wachstumsraten bei Autos ohne Verbrennungsmotor sind zwar groß, ihr Anteil am Gesamtmarkt aber immer noch marginal. Darum will die Regierung in Prag nun auch in Aufklärungsprogramme investieren. Außerdem sind steuerliche Änderungen als Kaufanreiz im Gespräch.

Autos mit alternativen Antriebsarten hatten in Tschechien 2015 erstmals einen Anteil von mehr als 2% an den Neuzulassungen. Insgesamt wurden über 5.300 Pkw mit Gas-, Elektro- oder Hybridtechnologie verkauft. Dabei haben sich die Verkäufe von Kraftwagen, die mit komprimiertem Erdgas (CNG) fahren, sogar verdoppelt.

Bei reinen Elektrofahrzeugen gab es einen Zuwachs um ein Drittel auf 268 Pkw. Das entsprach einem Anteil an den Neuzulassungen von lediglich 0,12%. Auf deutsche Hersteller entfielen 71% des Absatzes von Batterieautos.

Trotz der hohen Zuwachsraten sind die absoluten Zahlen noch sehr gering. Insgesamt sind in den vergangenen fünf Jahren laut Importeursverband SDA 650 Elektrofahrzeuge neu zugelassen worden. Im 1. Quartal 2016 kamen nur 44 Neuwagen dazu. Der Energiekonzern CEZ schätzt, dass zurzeit etwa 1.000 batteriebetriebene Autos im Land unterwegs sind und bis Jahresende 1.500. Um die Entwicklung zu beschleunigen, plant die Regierung daher finanzielle Unterstützung für neue Fahrzeugtechnologien. Dazu gehören vor allem Elektromobile und Erdgasautos.

Neuzulassungen von Pkw mit alternativem Antrieb in Tschechien
2012 2013 2014 2015 Veränderung 2015/14 in %
Insgesamt 1.435 1.501 3.466 5.322 54
.Erdgas (CNG) 470 379 1.402 2.751 96
.Autogas (LPG) 514 647 1.481 1.279 -14
.Elektro 89 37 197 268 36
.Hybrid 362 438 386 1.024 165
Anteil an allen Neuzulassungen in % 0,8 0,9 1,8 2,3 28

Quelle: Verband der Autoimporteure SDA

Das tschechische Ministerium für Industrie und Handel will noch in diesem Jahr 80 Mio. Tschechische Kronen (Kc; rund 3 Mio. Euro, Wechselkurs am 22.3.16: 1 Euro = 27,035 Kc) für die Anschaffung von Elektroautos bereitstellen. Das Geld kommt aus dem EU-Programm "Unternehmen und Innovationen für Konkurrenzfähigkeit" mit dem Unterprogramm zur Förderung von kohlendioxidarmen Technologien. Ziel ist es, tschechische Unternehmen bei der Einführung von Innovationen unter anderem auf dem Gebiet der Elektromobilität und Energiespeicherung zu unterstützen. Antragsteller dürfen ihren Sitz nicht in Prag haben.

Um die Zuschüsse können sich Firmen bewerben, die ihren Fuhrpark mit Elektroautos erweitern wollen. Förderfähig sollen Fahrzeuge der unteren Mittelklasse und Lieferwagen sein. Ausgenommen sind Luxus-, Gelände- und Sportwagen.

Die Mindestförderung beträgt 70.000 Kc (rund 2.600 Euro). Maximal können pro Firmenfuhrpark 3 Mio. Kc (111.000 Euro) bewilligt werden. Kleine Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten bekommen bis zu 70% Förderung, für Großbetriebe ab 250 Beschäftigten gilt eine Obergrenze von 50%. Außerdem können Unternehmen Zuschüsse zum Bau von firmeneigenen Ladesäulen beantragen (maximal 50.000 Kc).

Öffentlicher Nahverkehr soll sauberer werden

An Städte und Gemeinden als Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs richtet sich ein Förderprojekt, das aus dem Integrierten Regionalen Operationellen Programm (IROP) der EU finanziert wird. Einer der Schwerpunkte dort ist die Entwicklung nachhaltiger Verkehrsformen. Noch bis Ende Juli 2016 läuft ein Aufruf für Projektanträge zum Kauf von CNG-, LNG-, Elektro- oder Wasserstoffautos. Für die Anschaffung solcher Transportmittel gibt es eine Prämie von bis zu 150.000 Kc (rund 5.500 Euro).

Der tschechische Bushersteller SOR Libchavy rechnet sich laut Medienberichten durch das Förderprogramm bereits neue Geschäftschancen aus. Das Unternehmen hat in den vergangenen fünf Jahren 24 Elektrobusse verkauft. Nach Firmenangaben kostet ein acht Meter langer Batteriebus mit 9 Mio. Kc (330.000 Euro) zwar mehr als doppelt so viel wie ein Dieselbus (4 Mio. Kc). Dafür seien die Betriebskosten bei Elektroantrieb mit 3 Kc je km (0,11 Euro) deutlich günstiger als mit Verbrennungsmotor (12 Kc).

Für eine schnellere Marktdurchdringung der Elektromobilität in Tschechien ist daher vor allem auch Aufklärungsarbeit nötig. Für diese stellt das Umweltministerium aus dem Nationalen Umweltprogramm deshalb Millionenbeiträge bereit. Anfang März 2016 wurden die Förderanträge von 16 Gemeinden, Bildungsträgern und Stiftungen gebilligt. Sie bekommen jeweils bis zu 2 Mio. Kc (74.000 Euro), um die Öffentlichkeit von den Vorteilen sauberer Mobilitätstechnologien zu überzeugen.

Ein weiteres Anreizinstrument wäre die sogenannte Straßensteuer (silnicni dan), die bislang nur für kommerziell genutzte Autos bezahlt werden muss. Angedacht ist, diese Steuer auf alle Fahrzeuge zu erheben. Bei der Festsetzung der Steuerhöhe sollen künftig die ausgestoßenen Schadstoffmengen berücksichtigt und somit emissionsfreie Modelle begünstigt werden.

Ausbau der Ladeinfrastruktur wird forciert

Der im Oktober 2015 verabschiedete Nationale Aktionsplan "Saubere Mobilität" geht davon aus, dass bis 2030 rund 250.000 Autos mit Elektroantrieb und 300.000 Autos auf CNG-Basis in Tschechien registriert sein könnten. Dafür muss die Infrastruktur ausgebaut werden. Innerhalb der nächsten vier Jahre ist angestrebt, das Netz der Ladestationen für Elektroautos auf 1.300 zu erweitern. In allen 14 Bezirkshauptstädten (kraj) sowie entlang der Autobahnen soll ein Aufladen künftig möglich sein.

Der einheimische Energiekonzern CEZ hatte bis Ende März 2016 im Land 54 öffentliche Ladepunkte eingerichtet. Bis Ende 2017 will der deutsche Energieriese Eon an Tschechiens Autobahnen 15 Schnellladestationen für 36 Mio. Kc errichten. Außerdem ist der Prager Stromversorger PRE sehr aktiv beim Aufbau der Ladeinfrastruktur und hat derzeit rund 25 Ladepunkte.

Die Zahl der öffentlichen CNG-Zapfstationen soll sich bis 2020 auf 200 verdoppeln. Aktuell sind in Tschechien rund 13.000 Fahrzeuge mit CNG-Antrieb unterwegs, darunter fast 900 Busse. Die Autos können an 112 öffentlichen Zapfstationen "aufgetankt" werden (Stand März 2016). Eon und RWE gehören zu den führenden Anbietern von CNG. Bei Autogas (LPG) will künftig vor allem Vemex zusammen mit Gazprom Germania die Tankinfrastruktur ausbauen.

(S.Z.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschechische Republik Straßenfahrzeuge, allgemein, Nutzfahrzeuge (Nfz), Straßenverkehr, Elektromobilität

Funktionen

Regina Wippler Regina Wippler | © GTAI

Kontakt

Regina Wippler

‎+49 228 24 993 416

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche