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29.08.2019

Türkische Arzneimittelindustrie setzt auf Biopharmazeutika

Hersteller bauen Produktion aus / Von Necip C. Bagoglu

Istanbul (GTAI) - Die Nachfrage und Produktion von Biopharmazeutika ist in den letzten fünf Jahren massiv gestiegen. Mehrere Firmen wollen deshalb ihre Werke erweitern.

Bei der Entwicklung der türkischen Pharmabranche kommt biotechnologisch hergestellten Präparaten zunehmende Bedeutung zu. Das landesweite Marktvolumen für Biopharmazeutika schätzt der Generalsekretär des Arbeitgeberverbandes der Arzneimittelindustrie IEIS, Turgut Tokgöz, für 2018 auf 5,4 Milliarden Türkische Lira (TL), umgerechnet 947 Millionen Euro (1 Euro = 5,7 TL, Jahresdurchschnittskurs 2018).

Innerhalb der verschreibungspflichtigen Medikamente erreichten Biopharmazeutika 2018 einen Anteil von 17,6 Prozent. Die bisher in diesem Bereich getätigten Investitionen beziffert Tokgöz mit circa 5 Milliarden TL, umgerechnet 877 Millionen Euro.

Stark wachsender Markt für Biopharmazeutika

Vor allem seit 2017 sei eine beschleunigte Marktexpansion zu beobachten. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahren unvermindert fortsetzen. Der Verband hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2024 zwei neue Referenzarzneimittel und 39 Biosimilars lokal herzustellen. Er verfolgt außerdem das Ziel, 20 bisher importierte biopharmazeutische Präparate im Inland zu produzieren. Etwa 32 Prozent der von der Türkei importierten Arzneimittel sind biotechnologische Pharmazeutika.

Der wachsende Markt führt dazu, dass Unternehmen, teilweise in Kooperation mit wissenschaftlichen Forschungszentren und unter der Koordinierung des IEIS, ihre Produktionsstätten ausbauen, wie das türkische Wirtschaftsmagazin „Ekonomist“ Anfang August in einem Artikel berichtete.

Produktion von Biopharmazeutika in der Türkei
Jahr Referenzprodukt (Mio. TL) Biosimilar (Mio. TL) Referenzprodukt (Mio. Packungen) Biosimilar (Mio. Packungen)
2015 2.950 79,5 22,26 2,27
2016 3.296 123,6 22,27 3,41
2017 3.948 190,0 23,22 4,47
2018 5.143 281,6 23,17 7,42
2019 *) 5.691 434,2 21,37 7,42

*) 1. Halbjahr

Quelle: Arbeitgeberverband der pharmazeutischen Industrie (IEIS)

Abdi Ibrahim setzt ehrgeizige Exportziele

An der Spitze der Projekttätigkeit steht der Pharmahersteller Abdi Ibrahim (http://www.abdiibrahim.com.tr; Umsatz 2018: 2,6 Milliarden TL). Über seine Tochterfirma AbdiBio nahm das Unternehmen im Mai 2018 das größte Produktionswerk des Landes für biotechnologisch hergestellte Präparate in Esenyurt bei Istanbul in Betrieb. In dem Werk werden jährlich 11 Millionen Durchstechflaschen und 9 Millionen Spritzen zur Behandlung von Krebs, Diabetes, Rheuma, Blutkrankheiten und Krankheiten des zentralen Nervensystems produziert. Von den Gesamtexporten von Abdi Ibrahim (2018: 56 Millionen US-Dollar, US$) sollen im kommenden Jahr etwa 20 Prozent durch die Ausfuhren von Biopharmazeutika erwirtschaftet werden. Wichtige Zielmärkte sind der Nahe Osten und Nordafrika, wie der Ekonomist schreibt.

CinnaGen will zum globalen Player aufsteigen

Das iranische Unternehmen CinnaGen (http://www.cinnagenilac.com), das kürzlich sein neues Werk in der Industriezone Cerkezköy (Provinz Tekirdag) in Betrieb nahm, will langfristig zu den zehn größten Herstellern weltweit von biotechnologischen Arzneimitteln aufsteigen. Das Unternehmen hat für weitere Forschungsarbeiten 70 Millionen US$ eingeplant. Bis 2023 werden Exporte von 100 Millionen US$ angestrebt. Erst kürzlich schloss CinnaGen mit Abnehmern in Algerien Lieferverträge im Wert von 45 Millionen US$ für die nächsten drei Jahre ab, so der Ekonomist.

Der Pharmaproduzent Dem Ilac (http://www.demilac.com.tr), einer der größten Versorger von Blutprodukten im Land, errichtet zurzeit in Yalova eine Fabrik für Biopharmazeutika, wo verschiedene Ampullen, Flaschen und Spritzen produziert werden sollen, berichtet weiter das türkische Wirtschaftsmagazin. Das Unternehmen will in den kommenden fünf Jahren mindestens drei mit eigenem Know-how entwickelte bioähnliche Präparate auf den Weltmarkt bringen.

Der Pharmahersteller Nobel Ilac, der auch in Usbekistan und Kasachstan Produktionswerke betreibt, nimmt an einem staatlich geförderten Programm ("BIOSIM-1") der Wissenschaftsanstalt Tübitak (http://www.tubitak.gov.tr) teil. Dabei ist die Entwicklung von zehn neuen Produkten vorgesehen, die auch exportiert werden sollen.

Amgen plant weiter hohe Investitionen

Ein anderer wichtiger Akteur in Bereich der Biopharmazeutika ist der internationale Pharmariese Amgen (http://www.amgen.com.tr), der über seine lokale Tochterfirma, Mustafa Nevzat (http://www.mn.com.tr), bisher im Land insgesamt 800 Millionen US$ investierte. Die Amgen-Tochterfirma betreibt zwei Produktionswerke in Sekerpinar und Yenibosna. Für die Entwicklung neuer bioähnlicher Präparate plant das Unternehmen 222 Millionen TL ein, heißt es im Artikel des Ekonomist.

Das Unternehmen Ilko Ilac (http://www.ilko.com.tr), das seit Ende 2013 mit der südkoreanischen Biotechnologiefirma Genexine kooperiert, betreibt neben seiner Produktionsstätte in Konya zwei Forschungszentren in Technologieparks in Ankara und Istanbul. Das Werk in Konya zählt zu den größten Pharmainvestitionen in Anatolien. Für die Produktion und den internationalen Vertrieb gründeten die genannten türkischen und koreanischen Partner ein Joint Venture unter der Bezeichnung ILKOGEN (http://www.ilkogen.com.tr).

Das Unternehmen Kocak Farma (http://www.kocakfarma.com) mit einem Umsatz von mehr als 1 Milliarde TL (2018) investierte bisher in diesen Bereich insgesamt 223 Millionen US$. Weitere Investitionen von 96 Millionen US$ sind geplant. Kocak Farma erwartet für 2019 einen Umsatzzuwachs von 50 Prozent, wie das Wirtschaftsmagazin berichtet.

Die türkische Arzneimittelindustrie gehört zu den Branchen, die der Staat besonders stark fördert und die Entwicklung vorantreibt. Jährlich importiert die Türkei Arzneimittel im Wert von knapp 1 Milliarde US$. Mit dem gezielten Ausbau der heimischen Pharmaindustrie soll nicht nur die langfristige Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten aus lokaler Erzeugung gesichert, sondern auch ein Beitrag zur Verminderung des Handelsbilanzdefizits geleistet werden.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in der Türkei sind unter http://www.gtai.de/tuerkei abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Türkei Arzneimittel, Diagnostika

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