Suche

28.09.2018

Türkische Nahrungsmittelindustrie erwartet Wachstum von 9 Prozent

Defizite bei der Fleischverarbeitung / Von Necip C. Bagoglu

Istanbul (GTAI) - Die Abnehmerbranchen der Verpackungsmaschinenindustrie in der Türkei profitieren von der steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln und der Expansion des modernen Einzelhandels. Im 2. Halbjahr 2018 wird allerdings eine schwächere Konjunktur erwartet.

Die türkische Lebensmittelbranche profitiert neben dem natürlichen Bevölkerungswachstum von den fast 4 Millionen Flüchtlingen aus Syrien und Irak sowie dem steigenden Tourismus. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes der Nahrungsmittelindustrie TÜGIS (http://www.tugis.org.tr), Necdet Buzbas, schätzt das gesamte Marktvolumen für Lebensmittel in der Türkei 2017 auf 103 Milliarden US-Dollar (US$). Den Produktionswert beziffert er mit 52 Milliarden US$. Die Vereinigung der Lebensmittelverbände TGDF (http://www.tgdf.org.tr) erwartet - wie schon im Vorjahr - für 2018 ein Umsatzwachstum von 9 Prozent.

Nachfrage nach Bioprodukten steigt

Der Kauf von Lebensmitteln erfolgt über traditionelle Märkte (Basare) sowie über Supermärkte/Discounter. Der Einkauf auf dem Markt geht jedoch infolge der fortschreitenden Urbanisierung und der steigenden Zahl großer Supermarktketten zurück. Die Beliebtheit von tiefgefrorenen und konservierten Fertigprodukten nimmt weiter zu. Etwa 140 Firmen, darunter Großunternehmen wie Tamek, Tat Gida und Tukas, produzieren rund 150 verschiedene Gemüse- und Obstkonserven. Ihre Exporte erreichten 2017 circa 1,5 Milliarden US$. Parallel zum steigenden Gesundheitsbewusstsein wächst das Interesse an Bioprodukten. Zucker- und glutenfreie Lebensmittel werden vermehrt nachgefragt.

Brotunternehmen plant drei weitere Fabriken

Das Unternehmen UNO (http://www.uno.com.tr; Tochterfirma der Yildiz-Holding) will nach den Worten seines CEO, Federico Caruncho, in den kommenden drei bis fünf Jahren drei weitere Brotfabriken errichten. Damit wird die Zahl der UNO-Brotfabriken auf zehn steigen. Das Unternehmen erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 800 Millionen Türkische Lira (TL; etwa 220 Millionen US$; 1 US$ = rund 3,654 TL, Jahresdurchschnittskurs 2017).

Nudelhersteller bauen Kapazitäten aus

Der Nudelproduzent Oba Makarnacilik (http://www.obamakarna.com.tr) investiert in den Ausbau seiner Produktion insgesamt 630 Millionen TL (etwa 96 Millionen US$; 1 US$ = rund 6,55240 TL, Stand: 15. August 2018). Davon entfallen 400 Millionen TL auf das Werk in Gaziantep (Südostanatolien), in dem 581.740 Tonnen Nudeln und 386.750 Tonnen Gries pro Jahr erzeugt werden sollen. Die restlichen 230 Millionen TL sind für die Produktion von 172.709 Tonnen Nudeln und 121.250 Tonnen Gries in Sakarya geplant. Beide Projekte werden staatlich gefördert. Im Juli 2018 wurde bekannt, dass sich zwei Finanzinstitute aus Bahrain, Venture Capital Bank und First Energy Bank, zusammen zu 50 Prozent am Kapital von Oba Makarnacilik beteiligen.

Der Nudelhersteller Göymen Food Gida (http://www.goymen.com.tr) in der Mittelmeerprovinz Mersin mit der Marke "Doga", will für die Modernisierung seiner Fabrik 160 Millionen TL (etwa 24 Millionen US$; Stand: 15. August 2018) ausgeben. Das Projekt ist ebenfalls staatlich gefördert. Jährlich sollen 186.660 Tonnen Nudeln und 157.251 Tonnen Gries produziert werden.

Probleme bei der Fleischversorgung

Da die lokale Produktion den Fleischbedarf nicht decken kann, steigen die Preise für Fleisch und Wurstwaren stark. Dadurch sinkt auch die Nachfrage. Der Pro-Kopf-Konsum an rotem Fleisch fiel 2017 auf 13,2 Kilogramm (2016: 14,8 Kilogramm). Es fehlen jährlich 500.000 Tiere für die Schlachtung. Das Versorgungsdefizit bei rotem Fleisch beläuft sich auf jährlich 150.000 bis 200.000 Tonnen. Um den Preisauftrieb einzudämmen, ordnet die Regierung Importe durch marktregulierende Stellen an und senkt die Einfuhrzölle. So stiegen die Lebendviehimporte laut Statistikamt TÜIK 2017 gegenüber dem Vorjahr um 102 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden US$.

Gleichzeitig werden lokale Produktionsprojekte gefördert. Ein größeres zurzeit gefördertes Vorhaben ist das integrierte Tierhaltungsprojekt des Milchunternehmens Sütas (http://www.sutas.com.tr). Die Investitionen werden auf umgerechnet 130 Millionen Euro veranschlagt. Das Projekt in der südostanatolischen Provinz Bingöl zielt auf die gleichzeitige Produktion von Milch und Fleisch ab, wobei aus den tierischen Abfällen auch Energie gewonnen werden soll. Darüber hinaus sollen dort Produktionslagen für Futter- und Düngemittel sowie ein Gesundheitszentrum für Tiere entstehen. Sütas mit einem Umsatz von 2,6 Milliarden TL (etwa 712 Millionen US$; Jahresdurchschnittskurs 2017) hat mehr als 4.700 Beschäftigte.

Ausbau der Geflügelproduktion und -exporte

Große Geflügelproduzenten wie Senpilic, Keskinoglu, Hastavuk und Abalioglu verfolgen ehrgeizige Expansionspläne. Die Firma Abalioglu, die früher nur im Futtermittelgeschäft tätig war, hat im Rahmen einer Neustrukturierung eine separate Sparte für Geflügel und Fleisch unter dem Markennamen "Lezita" (http://www.abalioglu.com/lezita) gegründet. Der Umsatz der Abalioglu-Gruppe soll 2018 auf 3 Milliarden TL steigen (2017: 2,3 Milliarden TL; etwa 630 Millionen US$). Das Unternehmen Senpilic (http://www.senpilic.com.tr) errichtet in Osmaniye eine Schlachtanlage für Geflügel mit einer Kapazität von 30.000 Stück pro Stunde. Außerdem baut die Firma dort ein Kühllager (998 Kubikmeter) auf. Hastavuk (http://www.hastavuk.com.tr) investiert 2018 insgesamt 30 Millionen US$ in den Ausbau der Kapazitäten und den Aufbau einer Futtermittelanlage.

Die gesamten Geflügelexporte sollen nach Plänen des türkischen Fachverbandes BESD-BIR (http://www.besd-bir.org) von 2,4 Millionen Tonnen im Jahr 2017 bis 2025 auf 3,5 Millionen Tonnen steigen. Der Pro-Kopf-Verbrauch, der 2017 auf 24,8 Kilogramm zulegte, soll sich bis 2025 auf 32,9 Kilogramm erhöhen. Die gesamte türkische Geflügelproduktion erreichte laut Verband 2017 knapp 2,4 Millionen Tonnen, darunter vor allem Hühnerfleisch. Der Exportwert für Geflügelfleisch wird für 2017 mit 443 Millionen US$ beziffert.

Produktion von Fleisch, Milch und Eiern in der Türkei (1.000 t)
Warengruppe 2017 2018 1)
Rotfleisch 1.126,4 253,3
.Rind 987,5 221,6
.Büffel 1,3 0,1
.Schaf 100,1 27,1
.Ziege 37,5 4,5
Huhn 2.136,7 925,5 2)
Eier (Mio. Stück) 19.281 8.152 2)

1) 1. Quartal; 2) Januar bis Mai

Quelle: TÜIK

Milchindustrie baut Kapazitäten aus

Die Milchindustrie mit einem Jahresumsatz von rund 20 Milliarden TL (etwa 5,5 Milliarden US$; Jahresdurchschnittskurs 2017) und 41.000 Beschäftigten expandiert weiter. Das Unternehmen für Molkereiprodukte Teksüt (http://www.teksut.com) in Gönen/Balikesir mit einem Umsatz von 380 Millionen TL (etwa 104 Millionen US$; Jahresdurchschnittskurs 2017) will 2018 weitere 15 Millionen TL (etwa 2,3 Millionen US$; Kurs vom 15.08.2018) investieren. Damit soll die tägliche Milchproduktionskapazität von derzeit 1.000 Tonnen verdoppelt werden. Die Firma Pinar Süt (http://www.pinar.com.tr) führt in Izmir ein Modernisierungsprojekt für die Produktion von 965 Tonnen Molkereierzeugnissen pro Jahr durch. Die Investitionen belaufen sich auf 34 Millionen Euro. Der Markt für Eier leidet unter den stark steigenden Preisen, die sich im Jahresvergleich fast verdoppelt haben. Die Firmen versuchen durch Exporte die schwache Inlandsnachfrage zu kompensieren. Der Eierverband YUM-BIR (http://www.yum-bir.org) erwartet für 2018 einen Exportanstieg von 6 Prozent auf 400 Millionen US$.

Produktion von Milch und Milchprodukten in der Türkei (1.000 t)
Warengruppe 2017 2018 *)
Rohmilch 9.111,7 4.400,1
Trinkmilch 1.548,9 780,8
Sahne 32,9 14,9
Milchpulver 45,2 21,3
Fettarmes Milchpulver 87,7 29,7
Butter 59,4 27,2
Kuhkäse 662,2 311,2
Schafs-, Ziegen und Büffelkäse 27,8 16,7
Joghurt 1.172,2 487,4
Joghurt-Getränk (Ayran) 717,3 294,8

*) Januar bis Mai

Quelle: TÜIK

Ferrero verstärkt Türkei-Engagement

Im Süßwarenbereich will die italienische Ferrero-Gruppe ihr Engagement im Haselnusshandel und in der Nutella-Produktion ausweiten. Die türkische Ferrero-Tochter (http://www.ferrero.com.tr), die 2017 - inklusive Haselnusshandel - einen Umsatz von 1 Milliarde TL (etwa 274 Millionen US$; Jahresdurchschnittskurs 2017) erreichte, erwartet für 2018 einen Umsatzzuwachs von 20 Prozent. Die Ferrero-Gruppe bezieht 70 Prozent ihres gesamten Haselnussbedarfs aus der Türkei. Der lokale türkische Markt für Nutella wird mit rund 70.000 Tonnen angegeben.

Der Schokoladenhersteller Sölen Cikolata (http://www.solen.com.tr), der 2017 umfangreiche Investitionen in die Automatisierung tätigte, strebt für 2018 einen Umsatz von mehr als 1 Milliarde TL an (2017: 904 Millionen TL; etwa 247 Millionen US$). Nestle (http://www.nestle.com.tr) erhielt 2018 ein staatliches Förderzertifikat für die jährliche Produktion von 31,7 Millionen Kilogramm Instantkaffee (Nescafe, Cappucino u.Ä.) und 27,8 Millionen Kilogramm Kekse in Bursa (Investitionen: 26 Millionen Euro).

Der Hersteller von Tomatenmark, Ketchup, Mayonnaise und verschiedenen Soßen, Assan Foods (http://www.assanfoods.com), der in die Produktionsanlagen in Izmir und Susurluk bisher 50 Millionen US$ investierte, will seinen Umsatz von 100 Millionen US$ (2017) innerhalb von fünf Jahren verdoppeln. Die Firma will ihr Engagement nach Asien ausweiten und plant, in den kommenden zwei Jahren dort eine Fabrik zu errichten.

Alkoholische Getränke und Limonade werden hoch besteuert

Die Verbrauchsteuern auf alkoholische Getränke wurden mit Ministerratsbeschluss Nr. 2018/11674 (Staatsanzeiger Nr. 30412 vom 05. Mai 2018) geändert. Während die Belastung auf Whiskey, Likör und Wein gesenkt wurde, wurden die Abgaben auf Anisschnaps ("Raki"), Wodka und Gin angehoben. Die hohen Steuern stellen ein grundsätzliches Hindernis für die Marktentwicklung dar. Der Produzent und Importeur von Alkoholika, Mey Icki (https://mey.com.tr), der 2011 von der britischen Diageo-Gruppe zu einem Preis von 1,5 Milliarden Euro aufgekauft wurde, stand 2017 auf Platz 4 der umsatzstärksten Firmen der türkischen Lebensmittel- und Getränkebranche.

Die Anfang 2018 eingeführte Sonderverbrauchsteuer ÖTV von 10 Prozent auf Fruchtsäfte, kohlensäurehaltiges Mineralwasser, Limonade und Cola-Getränke belastet die Nachfrage. Bei kohlensäurehaltigem Mineralwasser besteht ein erhebliches Wachstumspotenzial, zumal der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von nur 11 Liter weit unter dem europäischen Durchschnitt liegt. Die Danone-Tochterfirma für Tafel- und Mineralwasser, Danone Su (http://www.danone.com.tr; Umsatz 2017: 200 Millionen Euro) übernahm im Mai 2018 die restlichen 49,9 Prozent am bekannten türkischen Tafel- und Mineralwasserproduzenten Sirma. Danone Su besaß bereits 50,1 Prozent dieser Firma.

Die umsatzstärksten Nahrungsmittel- und Getränkeunternehmen in der Türkei (2017)

Unternehmen Umsatz (Mio. TL) *) Export (Mio. US$) Internetadressen
Anadolu Efes Biracilik (Bier) 12.947 769 http://www.anadoluefes.com.tr
Coca Cola Icecek (Cola-Getränke) 8.521 k. A. http://www.coca-cola.com.tr
Ülker Bisküvi (u.a. Biskuitwaren) 4.811 271 http://www.ulker.com.tr
Mey Icki (Alkoholika) 4.060 k. A. http://www.mey.com.tr
Eti Gida (Biskuitwaren) 3.170 116 http://www.etietieti.com
Konya Seker Fabrikasi (Zucker, Milchprodukte) 2.774 63 http://www.konyaseker.com.tr
Sütas (Molkereiprodukte) 2.658 33 http://www.sutas.com.tr
Banvit (Geflügel) 2.531 89 http://www.banvit.com
Kerevitas (Tiefkühlprodukte) 2.421 87 http://www.kerevitas.com.tr
Abalioglu Yem-Soya (Futtermittel, Soja) 2.369 49 http://www.abalioglu.com

*) 1 US$ = rund 3,654 TL, Jahresdurchschnittskurs 2017, Deutsche Bundesbank

Quelle: Wirtschaftsmagazin "Capital" August 2018

Dieser Artikel ist relevant für:

Türkei Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

Funktionen

Sofia Hempel Sofia Hempel | © GTAI/Rheinfoto

Kontakt

Sofia Hempel

‎+49 228 24 993 215

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche