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15.03.2017

Turkmenistan erneuert Investitionsprogramm für die Bahn

Chancen für einen massiven Anstieg von Containertransporten / Von Uwe Strohbach

Aschgabat (GTAI) - Die turkmenische Regierung hat ein neues Modernisierungs- und Ausbauprogramm für die Eisenbahn im Zeitraum 2017 bis 2022 beschlossen. Es legt den Fokus auf die umfassende Erneuerung und Elektrifizierung bedeutender Bahntrassen. Zudem soll das gesamte Bahnnetz in Kooperation mit ausländischen Partnern, darunter vor allem mit Unternehmen der Zulieferindustrie, schrittweise an internationale technische Standards angepasst werden.

Turkmenistan baut sein Gleisnetz weiter aus. Zu den Projekten zählen die Errichtung einer Trasse in Nordturkmenistan Gas Atschak-Schasenem-Daschogus (212 km) und einer kleinen Strecke in Westturkmenistan Ekerem-Madaw. Geschäftschancen ergeben sich beim geplanten Weiterbau des internationalen Korridors Turkmenistan-Afghanistan (Andhoi-Akina/Masar-e-Scharif/Khulm, nordafghanische Provinz Balkh)-Tadschikistan (Pjandsch, Verwaltungsgebiet Chatlon) auf afghanischem Territorium mit Unterstützung des Ministeriums für Eisenbahntransport Turkmenistans.

Der 85 km lange turkmenische Abschnitt dieser Strecke Atamyrat-Ymamnazar/Grenze zu Afghanistan ist fertiggestellt. Das Land verfügt damit heute über acht direkte Bahnverbindungen zu seinen Nachbarländern (Usbekistan: 3, Iran: 2, Afghanistan: 2 und Kasachstan: 1). Jetzt laufen bei der turkmenischen Eisenbahn die ersten Arbeiten für die 38 km lange Strecke von Ymamnazar/turkmenisch-afghanische Grenze nach Andhoi. Mit einem zügigen Bau der insgesamt etwa 300 km langen Trasse auf afghanischem Gebiet ist aufgrund der zurzeit angespannten Lage in Nordafghanistan sowie eines noch bestehenden Abstimmungsbedarfs bezüglich der Trassenführung in Afghanistan und Tadschikistan nicht zu rechnen. Ursprünglich sollte die gesamte Strecke Ende 2018 in Betrieb genommen werden.

Beförderung von 700.000 Containern über den Nord-Süd-Korridor realistisch

Unter den zuletzt realisierten neuen Trassen kommt dem Ende 2014 offiziell in Betrieb genommenen internationalen Nord-Süd-Korridors Uzen (Kasachstan)-Gyzylgaya-Bereket-Etrek/Grenze zu Iran-Gorgan (Iran) eine besondere Bedeutung zu (934 km, turkmenischer Teil: 798 km). Die Magistrale verkürzt die bisherige Anbindung der Region (Kasachstan, Turkmenistan, Russland/Belarus) und der VR China an die Häfen des Persischen Golfs auf dem Landweg um circa 600 km. Bei der Trasse handelt es sich um das bisher einzige nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion realisierte überregionale Transportkorridorprojekt, das zwei zentralasiatische Länder miteinander verbindet.

Am 10.2.16 erreichte der erste Containerganzzug aus der VR China die Bahnstation Sarahs an der turkmenisch-iranischen Grenze. Der Zug verließ am 31.1.16 das ostchinesische Yiwu (Jinhua; Provinz Zheijiang) in Richtung Teheran. Die Laufzeit auf der Gesamtstrecke mit einer Länge von 10.400 km betrug 14 Tage. Der entsprechende Gütertransport auf dem Seeweg dauert 25 bis 30 Tage.

Im Jahr 2020/21 sollen über diese Trasse jährlich 10 Mio. bis 12 Mio. t Güter transportiert werden. Die Kasachische Eisenbahn (Kasachstan Temir Zholy) geht in ihren Entwicklungsplänen davon aus, dass im Jahr 2020 bis zu 700.000 Container auf der Trasse VR China-Kasachstan-Turkmenistan (neuer Grenzübergang Inche Borum)-Iran transportiert werden könnten. Voraussetzungen hierfür seien aber noch deutliche Verbesserungen bei der Zollabfertigung, die Gewährleistung langfristig günstiger Tarife durch alle beteiligten Partner sowie weitere Investitionen in die logistische Infrastruktur an den Grenzübergängen.

Projekt für Hochgeschwindigkeitstrasse Turkmenbaschi-Aschgabat geplant

Anfang 2017 startete die turkmenische Regierung die Umsetzung eines neuen Ausbau- und Modernisierungsprogramms für die Eisenbahn im Zeitraum bis 2022. Das Dokument konkretisiert die im Rahmen der langfristigen Strategie für den Bahntransport (2017 bis 2030) geplanten Investitionsvorhaben. Es umfasst sowohl die Fortsetzung einiger bereits im Generalplan für den Bahnsektor im Zeitraum 2012 bis 2016 verankerten Projekte sowie die Realisierung neuer Projekte.

Letztere betreffen vor allem die umfassende Modernisierung der insgesamt circa 1.500 km langen zentralen West-Ost-Bahnstrecke Turkmenbaschi-Aschgabat und Aschgabat-Farap/Grenze zu Usbekistan. Die 590 km lange Trasse von Turkmenbaschi nach Aschgabat soll in mehreren Projektphasen zu einer Hochgeschwindigkeitstrecke ausgebaut werden. Vorgesehen ist die Elektrifizierung mehrerer Gleisabschnitte.

Auf der Projektliste der turkmenischen Bahn stehen auch die Beschaffung und Modernisierung von rollendem Material, der weitere Ausbau der Bahnstandorte Bereket (ehemals Gazanjyk), Sarahs, Serhetyaka, Etrek und Farap zu leistungsfähigen Transportknotenpunkten für den Güter- inklusive Containerumschlag und Projekte für die Modernisierung der Kapazitäten der Gesellschaft Demiryolcy (Eisenbahner). Dieses Unternehmen ist Ende 2012 aus mehreren eigenständigen Struktureinheiten von Eisenbahn-Betriebshöfen hervorgegangen (Lokomotivdepots in Aschgabat, Bereket, Turkmenabat und Mary, Güterwagendepots in Turkmenbaschi und Turkmenabat sowie Güterwagen- und Reisezugwagendepot in Aschgabat). Zudem sind einige Betriebe für die materiell-technische Versorgung der Bahn Teil des Unternehmens.

Zahlreiche Investitionen in das Gleisnetz wurden bereits realisiert

Turkmenistan hat bereits erheblich in den Ausbau und die Modernisierung seines Gleisnetzes investiert. Das Streckennetz umfasst heute eine Länge von rund 3.900 km (1.1.16), gegenüber 2.530 km zum 1.1.02. Mehrere neue Bahnstrecken wurden errichtet, darunter:

- Tejen-Sarahs, 120 km (erster Zugang Turkmenistans zum Persischen Golf über die zweitgrößte Stadt Irans Mashhad)

- Aschgabat-Garagum-Daschogus, 540 km (direkte Anbindung Nordturkmenistans an die Hauptstadtregion)

- Turkmenabat-Atamyrat, 214 km (Zugang zu den Grenzen Usbekistans, Afghanistans und Tadschikistans)

- Nord-Süd-Korridor Kasachstan-Turkmenistan-Iran (Länge des turkmenischen Abschnitts: 798 km)

Angesichts der aktuellen Engpässe bei den Devisenerlösen aus dem Öl- und Gasexport steht dem turkmenischen Staat für die Umsetzung zentraler Infrastrukturprojekte im Vergleich zu den Vorjahren weniger Geld zur Verfügung. Dennoch bleibt der Ausbau der Transportinfrastruktur eine der Prioritäten der Regierung. Vom großen Interesse Turkmenistans, sich weiterhin stärker in internationale Initiativen für die Schaffung neuer Bahnkorridore einzubringen, spricht auch die Ende 2016 vollzogene Mitgliedschaft im Transasiatischen Eisenbahn-Netzwerk (Trans-Asian Railway Network). Ziel des Zusammenschlusses ist es, ein Eisenbahnnetzes für den Schienengüterverkehr durch Asien und Europa zu schaffen. Die östliche Route des Netzwerkes verläuft durch Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan.

Kontaktanschrift

Ministerium für Eisenbahntransport Turkmenistans

(Türkmenistanyn demir yol ulaglary ministrligi)

Beyik Saparmyrat Türkmenbasy sayoly, 9, 744007 Aschgabat

Tel.: 00993 12/35 25 18, 94 23 32, 35 55 45, Fax: -51 06 32, -94 18 74, -39 28 74

E-Mail: tde@online.tm, marketingrailway@online.tm, Internet: http://www.railway.gov.tm

Ansprechpartner: Deryaguly Bäsimow, Minister

(U.S.)

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Turkmenistan Eisenbahnbau

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Dominik Vorhölter

‎+49 228 24 993 219

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