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23.03.2017

Turkmenistan treibt Bau des neuen Hafens am Kaspisee voran

Generalplan für Seetransporte wird umgesetzt / Aufstockung der Handelsflotte geplant / Von Uwe Strohbach

Aschgabat (GTAI) - Turkmenistan investiert erheblich in die Errichtung eines neuen Seehafens und in den Ausbau seiner Handelsflotte. Der Hafen soll sich zu einer leistungsfähigen Drehscheibe für Transporte zwischen Asien und Europa entwickeln. Für den Hafenbetrieb ist das Land auf ausländisches Know-how angewiesen. Geschäftschancen bieten sich auch bei der Aus- und Weiterbildung der künftig am Hafen tätigen Fachkräfte. (Kontaktanschrift)

In der mittel- und langfristigen Strategie der turkmenischen Regierung für die Modernisierung und den Ausbau der Transportwirtschaft nimmt die Umsetzung des "Generalplans für die Entwicklung des internationalen Seehafens Turkmenbaschi und der turkmenischen Handelsflotte im Zeitraum 2010 bis 2020" eine Schlüsselstellung ein. Zentrale Eckpunkte sind die Errichtung eines neuen Hafens am Ostufer des Kaspisees sowie der Auf- und Ausbau einer eigenen Handelsflotte.

Künftiger Hafen umfasst fünf Terminals

Die Umsetzung des auf 1,5 Mrd. US$ veranschlagten Hafenprojekts in Turkmenbaschi ist bereits fortgeschritten. Die Grundsteinlegung für den neuen internationalen Seehafen mit einer Gesamtfläche von 121 ha erfolgte am 15.8.13. Die Bauarbeiten auf dem Hafengelände begannen im Frühjahr 2014. Der Seehafen soll offiziell Ende 2017 fertiggestellt sein.

Das Projekt umfasst fünf schlüsselfertige Hafenterminals, darunter ein RoRo-Ropax-Terminal (Fähr- und Passagierterminal) und Terminals für den Umschlag von Containern, Stückgut, Schüttgut und Polypropylen. Hinzu kommen weitere Einzelprojekte wie der Bau einer Werft und der Ausbau der Hafeninfrastruktur. Hauptauftragnehmer für das Gesamtvorhaben ist das türkische Unternehmen Gap Insaat Yatirim ve Dis Ticaret A.S. (Bauausführung; E-Mail: info@gapinsaat.com, Internet: http://gapinsaat.com). Mit der Bauplanung und -überwachung sowie der Durchführung von Ausschreibungen ist das auf Wasserbau und Hafenlogistik spezialisierte deutsche Architektur- und Ingenieurunternehmen Inros Lackner AG beauftragt (E-Mail: torsten.retzlaff@inros-lackner.de, Internet: http://www.inros-lackner.de).

Entwicklung der turkmenischen See- und Flusstransporte *)
2010 2011 2012 2013 2014 2015
Beförderungsmenge (in Mio. t) 5,2 7,1 8,5 8,5 8,6 9,1
Beförderungsleistung (in Mio. Tonnenkilometer) 252 411 479 458 477 477

*) Die einzigen Binnenwasserstraßen Turkmenistans, der Fluss Amudarja und der Karakumkanal, sind für das Transportgewerbe von sehr geringer Bedeutung; das Gros des Umschlags im bisherigen Seehafen Turkmenbaschi entfällt auf den Ölterminal (Kapazität: bis zu 9,2 Mio. t Rohöl und Ölprodukte)

Quelle: Staatliches Statistikkomitee Turkmenistans

Der Hafen wird nach Angaben des Staatlichen Dienstes für See- und Flussschiffahrt Turkmenistans über eine jährliche Umschlagkapazität von 17 Mio. bis 18 Mio. t sowie eine Abfertigungskapazität von bis zu 300.000 Passagieren verfügen. Unter Einschluss der bestehenden Kapazitäten im alten Seehafen beträgt die Kapazität 25 Mio. bis 26 Mio. t (ohne Berücksichtigung des Ölterminals). Der Containerterminal soll einen jährlichen Umschlag von bis zu 400.000 Standardcontainern (TEU) ermöglichen.

Vom Hafen in Turkmenbaschi gibt es gegenwärtige reguläre internationale Verbindungen für Frachttransporte in Richtung Russland (Astrachan, Gebiet Astrachan; Olja, Gebiet Archangelsk; Machatschkala, Republik Dagestan), Aserbaidschan (Hauptstadt Baku) und Kasachstan (Atyrau, Gebiet Atyrau; Aktau, Gebiet Mangistau) sowie zu den iranischen Häfen Bandar Anzali und Neka.

Beschaffung von Passagierfähren und Öltankern geplant

Seine Schiffsflotte weitet Turkmenistan seit einigen Jahren stetig aus. In den Jahren 2009 bis 2016 stellte das Land unter anderem mehrere Öltanker aus russischer Produktion (OAO Krasnoje Sormowo, Nishni Nowgorod), einen in Estland gebauten Universaltanker und mehrere Schlepper aus der türkischen Werft Dearsan Gemi Insaat in Dienst. In naher Zukunft sollen Passagierfähren und weitere Öltanker die einheimische Seeflotte komplettieren.

Marktkennern zufolge setzt ein erfolgreicher Betrieb des neuen Seehafens die Schaffung effektiver Logistikdienstleistungen, die Anbahnung enger Kooperationsbeziehungen mit ausländischen Logistikunternehmen sowie Investitionen in die Aus- und Weiterbildung der künftig im Hafen tätigen Fachkräfte voraus. Ausländisches Know-how bei der Bewältigung dieser Aufgaben sei gefragt.

Turkmenistan betreibt am Ufer des Kaspisees, des größten Binnensees der Erde (371.000 qkm), noch einige kleinere Hafenanlagen an den Standorten Ekarem, Alaja, Garabogaz Kianly und Tscheleken. Hierbei handelt es sich mit Ausnahme der Anlage in Garabogaz um Dienstleistungshäfen für die Ölindustrie. Der Staatskonzern Türkmennebit und ausländische Investoren, darunter vor allem die Gesellschaften Dragon Oil (VAE) und Petronas Carigali (Malaysia), nutzen diese Objekte. Der kleine Verladehafen in Garabogaz befindet sich am Nordostufer der gleichnamigen Bucht und dient dem Umschlag von Sulfat und anderen chemischen Erzeugnissen aus der lokalen Produktion.

Kontaktanschrift

Türkmenistanyn Deniz we derya ulaglary döwlet gullugy

(Staatlicher Dienst für See- und Flussschiffahrt Turkmenistans)

Ansprechpartner: Amanmyrat Gurdov, Vorsitzender des Staatlichen Dienstes für See- und Flussschiffahrt Turkmenistans

Sagadam köc., 8 A, 745000 Turkmenbaschi

Tel.: 00993 243/238 43, 213 46, 246 39, Fax: 00993 243/207-44, 81

E-Mail: administrasiya@turkmenmaritime.gov.tm

(U.S.)

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Turkmenistan Wasser-, Hafenbau

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‎+49 228 24 993 219

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