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24.07.2019

Ukraine will von Chinas Infrastrukturinvestitionen profitieren

Großes Engagement in der Strombranche / Von Fabian Nemitz

Kiew (GTAI) - China ist ein wichtiger Handelspartner der Ukraine. Als Investor spielte das Land bislang keine große Rolle. Nun will Peking hohe Summen für Infrastrukturprojekte bereitstellen.

Die Ukraine und China bauen ihre wirtschaftlichen Beziehungen aus. In der letzten Zeit gab es mehrere Kontakte zwischen Vertretern beider Staaten, etwa beim Belt and Road Forum im April 2019 in Peking. Wichtiges Thema sind Infrastrukturkredite. Außerdem weitet China sein Engagement in der Energie- und Logistikbranche aus.

Absatzmarkt, Agrarressourcen und Transportrouten locken China

Die Ukraine ist aus mehreren Gründen interessant für China: Durch das Land verlaufen wichtige Transportrouten der neuen Seidenstraße. Zudem hat die Ukraine Potenzial als Produktionsstandort und Absatzmarkt. Die Löhne sind niedriger als in der Volksrepublik. Obendrein verfügt die Ukraine über ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (EU).

Nach Einschätzung der Economist Intelligence Unit hemmt allerdings der Konflikt mit Russland das chinesische Engagement in der Ukraine. Peking will es sich nicht mit dem "strategischen Partner" Russland verscherzen und hält seine Präsenz in Grenzen. Im Nachbarland Belarus ist China wesentlich stärker engagiert.

Kredite aus China sind nicht an Reformen geknüpft

Die finanzschwache Ukraine wiederum hegt Interesse an Krediten und Investitionen aus der Volksrepublik. Zwar erhält Kiew umfangreiche Hilfen von der EU und internationalen Gebern, doch sind diese an Reformen geknüpft. China bietet deshalb eine Alternative.

Nichtsdestotrotz dürfte der Westen, dessen Kredite und Finanzhilfen weitaus umfangreicher sind als die chinesischen, auch künftig der wichtigste Partner bleiben. Ursächlich hierfür ist nicht zuletzt seine politische Unterstützung im Hinblick auf den Konflikt mit Russland.

China investiert in neue U-Bahnlinie und Straßenbau

Zu den geplanten Infrastrukturprojekten, an denen chinesische Unternehmen beteiligt sind, gehört der Bau einer neuen U-Bahnlinie in Kiew und einer Ringstraße um die Stadt für je 2 Milliarden US-Dollar (US$). Hinzu kommen Gelder für den Ausbau der Straße Odessa-Mykolajiw-Cherson für bis zu 200 Millionen US$ und den Bau einer neuen Dnjepr-Brücke bei Krementschuk für knapp 340 Millionen US$.

Eigentlich hatte China Ende 2017 angekündigt, 7 Milliarden US$ in die Infrastruktur der Ukraine investieren zu wollen. Doch während es bei den beiden letztgenannten Projekten Bewegung gibt, sind viele andere Vorhaben noch Zukunftsmusik. Scheitern könnte deren Umsetzung, wenn es der Ukraine nicht gelingt, Staatsgarantien bereitzustellen.

Schon jetzt führen Sinohydro Corporation und Xinjiang Communications Construction Group Straßenbauarbeiten in der Ukraine durch, darunter bei Projekten mit Finanzierung durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und die Europäische Investitionsbank (EIB).

Viele Aktivitäten in der Energiebranche

Auch in der Energiebranche wächst in letzter Zeit die Aktivität chinesischer Firmen. Ende 2018 hat Dongfang Electric International Corporation den Auftrag zum Bau eines neuen Blocks (660 Megawatt) für ein Kohlekraftwerk in Slowjansk (Gebiet Donezk) erhalten. In der Ausschreibung haben sich die Chinesen dazu verpflichtet, 85 Prozent der Finanzierung zu übernehmen.

Xian Electric Engineering Co. hat mit dem staatlichen Stromnetzbetreiber Ukrenergo im März 2019 einen Vertrag über 19,4 Millionen Euro zur Modernisierung der Umspannstation Brovarska (Gebiet Kiew) geschlossen. Das Projekt wird von der EIB unterstützt. China National Nuclear Power und die Firmentochter China Zhongyuan Engineering Corporation haben Interesse am Fertigbau der Blöcke 3 und 4 des Kernkraftwerks Chmelnyzkyj sowie dem Bau einer Strombrücke nach Polen bekundet.

Chinesische Unternehmen als Generalauftragnehmer für Solar- und Windparks

Firmen aus der Volksrepublik beteiligen sich zudem am Ausbau der erneuerbaren Energien. China Machinery Engineering Corporation (CMEC) war Generalauftragnehmer für den Bau des Solarkraftwerks Nikopol SPP (200 Megawatt) von DTEK Renewables. Die Ausrüstungen lieferten chinesische Unternehmen. Beim Bau des Solarparks Pokrovska SPP (240 Megawatt) greift DTEK Renewables zum Teil auf Technik aus China zurück: Risen Energy liefert die Solarpaneele, Siemens baut die Umspannstation.

Ein Beispiel für ein norwegisch-chinesisches Joint Venture ist der Bau der Solaranlage Progressovka (148 Megawatt) durch Scatec und PowerChina Guizhou Engineering. Dabei fungieren die Chinesen als Generalauftragnehmer und steuern 65 Prozent der Finanzierung bei.

Chinesische Firmen sind auch bei Windkraftprojekten aktiv. Power Construction Corporation of China (Powerchina) ist Auftragnehmer für den Bau des 250-Megawatt-Windparks Syvash. Investoren sind die norwegische NBT und die französische Total Eren. Die Turbinen liefert Nordex.

CNEEC stellt Gelder für Wasserkraftwerk bereit

Für die Finanzierung der dritten Ausbaustufe des Pumpspeicherkraftwerks Dnister haben Ukrhydroenergo und die chinesische CNEEC im November 2018 ein Kreditabkommen über 500 Millionen US$ geschlossen. Gegen das Projekt gibt es aber Vorbehalte heimischer Turbinenproduzenten.

Günstige Kredite für Kauf chinesischer Öl- und Gasausrüstungen

Der chinesische Kreditversicherer Sinosure und der staatliche Konzern Naftogaz haben im April 2019 eine Vereinbarung unterzeichnet, die den Weg für günstige Kredite chinesischer Lieferanten über 1 Milliarde US$ ebnet. Ein Teil davon wird für den Kauf von Bohrausrüstungen von Honghua International verwendet.

Cofco erweitert Terminal im Hafen Mykolajiw

Die chinesische Cofco betreibt seit 2016 ein Getreideterminal im Hafen Mykolajiw und plant, weitere 30 Millionen US$ in das Terminal und die Binnenschifffahrt zu investieren. Dagegen hat Hutchison Port (Hongkong) Pläne zum Einstieg in den Hafen Tschornomorsk gestoppt. China Harbour Engineering Company (CHEC) führt Ausbaggerarbeiten an Häfen durch.

Bau von Logistikzentren an der Grenze zur EU

China hegt zudem Pläne für Logistikzentren in Kowel, Lwiw (Lemberg) und Uschhorod. Allein in den Bau eines solchen Zentrums in Kowel könnten 600 Millionen Euro fließen, sagte Oleksandr Sawtschenko, der frühere Gouverneur des Gebiets Wolhynien. Der Großteil des Schienengüterverkehrs zwischen China und Europa verläuft über Belarus. Transporte über die Ukraine können helfen, die Routen zu diversifizieren.

Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Umsetzungszeitraum und Projektstand Durchführer / Generalauftragnehmer
Vierte U-Bahn-Linie in Kiew rund 2.000 möglicher Realisierungszeitraum: 2021 bis 2026 China Pacific Construction Group
Kohlekraftwerk (660 MW) in Slowjansk 684 geplante Inbetriebnahme: 1. Block: Juli 2022; 2. Block: Juli 2023 Dongfang Electric Corporation; Auftraggeber: Donbasenergo
Dnjepr-Brücke bei Krementschuk 340 geplanter Baubeginn: 2019 China Road and Bridge Corporation (CRBC)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen

Tabelle mit wichtigen chinesischen Firmen nach Sektoren
Sektor Firmenname Aktivitäten
Straßenbau CRBC EPC-Durchführer
Solar CMEC EPC-Durchführer
Solar CNBM China Betreiber von Solarparks

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen

Internetlinks

Chinese Commerce Association

Internet: http://cca.com.ua

Silk Road Association of Ukraine

Internet: http://silklink.org

Unter http://www.gtai.de/seidenstrasse finden Sie zahlreiche weitere GTAI-Beiträge zum Thema neue Seidenstraße.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in der Ukraine sind unter http://www.gtai.de/ukraine erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ukraine, China Transport und Verkehr, allgemein, Wirtschaftsbeziehungen zur EU, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Kraftwerksbau, Wasser-, Hafenbau, Seidenstraße

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