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18.10.2018

Umbau der kubanischen Energiewirtschaft geht weiter

Bioenergie und Photovoltaik mit interessanter Projektpipeline / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Kuba will bis 2030 wesentlich mehr Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen als heute. Dafür sind bereits einige Projekte angelaufen, auch unter deutscher Beteiligung.

Kuba hält auch unter dem neuen Präsidenten Miguel Díaz-Canel an dem Ziel fest, bis 2030 rund 24 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu generieren. 14 Prozent sollen dann aus Bioenergieanlagen gewonnen werden, vorwiegend auf Grundlage von Zuckerrohrbagasse. 6 Prozent entfallen dann den Plänen zufolge auf Windkraft, 3 Prozent auf Photovoltaik und 1 Prozent auf Windenergie.

Bis dahin ist es noch ein langer Weg. 2013 gingen knapp 96 Prozent der Erzeugung auf fossile Energieträger zurück, unter ihnen vor allem Rohöl sowie Heizöl/Diesel, und bis 2017 hat sich an diesem Anteil wenig geändert. In allen erneuerbaren Bereichen gibt es jedoch interessante Projekte, die teils schon vertraglich bestätigt sind. Auch effiziente konventionelle Kraftwerke erleben einen starken Zubau.

Bioenergie führt Ausbaupläne an

Nach den jüngsten Regierungsplänen aus dem Jahr 2017 sollen in 25 Zuckerfabriken Bioenergieanlagen installiert oder die vorhandene Ausrüstung modernisiert werden. Dadurch würde eine zusätzliche Kapazität von 930 Megawatt (MW) entstehen. Momentan liegt die installierte Leistung bei rund 530 MW.

In den meisten Fällen werden die Projekte von ausländischen Partnern zusammen mit dem kubanischen Staatskonzern Zerus umgesetzt. Bislang bestehen bereits Kooperationen mit ausländischer Beteiligung in den Zuckerfabriken Héctor Rodríguez, Uruguay, Jesús Rabi (alle drei mit Ausrüstung aus China) und 30 de Noviembre (Finanzierung aus Indien) sowie 5 de Septiembre (Verwaltung durch die brasilianische Firma Odebrecht).

Die jüngsten Pläne stammen von der britischen Firma Havanna Energy, die zusammen mit Zerus die Zuckerfabrik Ciro Redondo für 200 Millionen US-Dollar (US$) mit einer 62-MW-Anlage ausstatten wird. Die Ausrüstung stammt von der chinesischen Shanghai Electric, die ebenfalls Finanzierungspartner des Projekts ist. Havanna Energy hat ein weiteres Vorhaben, ebenfalls über 62 MW, in der Zuckerfabrik Mario Muñoz bereits in Planung. Beide Anlagen sollen 2021 ans Netz gehen.

Von deutscher Seite gibt es ebenfalls Interesse am Aufbau einer Biogasanlage in einer Zuckerfabrik. Bislang wurde jedoch noch keine abschließende Einigung mit der kubanischen Seite erzielt.

PV-Projekt mit deutscher Beteiligung

Auch im Bereich Photovoltaik (PV) nimmt die Dynamik zu. Bereits Ende 2017 unterzeichnete das deutsche Unternehmen Eff Management einen Vertrag mit dem kubanischen Stromanbieter Unión Eléctrica de Cuba (UNE), wodurch letzterer über 25 Jahre hinweg den Strom aus einem 45-MW-Park in der Provinz Mayabeque abnehmen wird. Eff Management ist über seine kubanische Filiale Eff Solar als rein ausländisches Unternehmen verantwortlich für den Aufbau und Betrieb des Parks. Gleiches gilt für das spanische Unternehmen Assyce Yield Energía, das einen Park mit 55 MW aufbauen wird. Beide Projekte werden über Batteriespeicher verfügen, um die Stromleistung unabhängig von der Tageszeit abgeben zu können.

Bereits seit 2015 verhandelt das britische Unternehmen Hive Energy über den Bau eines PV-Parks mit 50 MW in der Sonderwirtschaftszone Mariel, rund 50 Kilometer westlich von Havanna. Die Investition würde Hive Energy ebenfalls als rein ausländisches Unternehmen durchführen. Bislang ist es jedoch noch nicht zum finalen Abschluss gekommen, da sich die Finanzierung über 67 Millionen US$ als schwierig erweist.

Derzeit verfügt Kuba laut UNE über eine installierte PV-Leistung von rund 65 MW (Peak), die sich auf über 30 Standorte verteilt. Bisheriges Zentrum ist die Provinz Sancti Spíritus, die drei Parks mit bis zu 4,4 MW beheimatet. Der lokale Stromversorger Empresa Eléctrica de Sancti Spíritus hat Pläne für sechs weitere Parks. Die Finanzierung für einige der Vorhaben stammt aus China.

Die verbauten PV-Panels stammen zum Teil aus dem Ausland (vorwiegend aus China), zum Teil aus heimischer Produktion. Die Panelfabrik Ernesto Che Guevara in der Provinz Pinar del Río hat eine Jahreskapazität von 10 MW (Peak) und stellt auch andere Komponenten wie Ladestationen für Batterien her. Die Produktion soll auf 50 MW (Peak) pro Jahr ausgebaut werden und künftig auch Produkte wie Wechselrichter, Kabel, Transformatoren und Unterkonstruktionen umfassen. Ein Zeitplan für den Ausbau ist jedoch nicht bekannt.

Erste große Windparks entstehen

In der Windenergie ist die Entwicklung langsamer. Das staatliche Stromunternehmen UNE baut derzeit die beiden Windparks Herradura I (51 MW) und II (50 MW) auf. Die Generatoren kommen von den chinesischen Unternehmen Goldwind (34 Turbinen á 1,5 MW) und Dongfang (20 Turbinen á 2,5 MW). Die ersten Abschnitte der Parks sollen ab Dezember 2018 ans Netz gehen. Im Fall von Goldwind umfasst der Vertrag den Transport, die Installation und das Testen der Ausrüstung sowie eine zweijährige Garantie.

Dank eines Kredits aus Indien Anfang Oktober 2018 kann der Bau eines weiteren Parks angestoßen werden. Details über dessen Größe und Lage sind bislang nicht bekannt. Bislang sind in Kuba nur 11,7 MW in vier kleinen Windparks installiert, die allesamt Demonstrationszwecken dienen. In der aktuellen Liste der Investitionsmöglichkeiten der kubanischen Regierung ist ein weiterer Windpark mit 40 MW in der Gemeinde Manatí ausgeschrieben.

Ausbau von Dieselkraftwerken

Um die Stromversorgung sicherer vor Ausfällen zu machen, investiert die kubanische Regierung außer in erneuerbare Energien weiterhin in effiziente konventionelle Quellen. MTU Friedrichshafen erhielt mehrere Aufträge für neue Dieselkraftwerke, die von dem Unternehmen derzeit aufgebaut werden. Das größte unter ihnen befindet sich mit 84 MW in Cienfuegos, in direkter Nachbarschaft zu der gleichnamigen Raffinerie. Weitere Anlagen entstehen in Matanzas (67,2 MW) und Cabaiguán (33,6 MW). Neben MTU ist auch MAN mit seiner Dieselgeneratorensparte in Kuba aktiv.

Laut Presseberichten vom April 2018 könnte Siemens zusammen mit der französischen Total ein Gaskraftwerk in der Bucht von Matanzas, rund 120 Kilometer östlich von Havanna, bauen. Demnach würde Total das Flüssiggas importieren, lagern und dem von Siemens zu errichtenden Kraftwerk bereitstellen. Die installierte Leistung soll bei 600 MW liegen. Siemens schloss bereits 2016 ein Memorandum of Understanding mit dem Stromversorger UNE zur Verbesserung der kubanischen Energieinfrastruktur ab.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministerio de Energía y Minas (Minem) https://www.minem.gob.cu Kubanisches Energie- und Bergbauministerium
Deutsches Büro zur Förderung von Handel und Investitionen in Kuba http://www.kuba.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Cámara de Comercio de la República de Cuba http://www.camaracuba.cu Kubanische Handelskammer

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kuba sind unter http://www.gtai.de/kuba abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuba Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien, Strom-/ Energieerzeugung, Bioenergie

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