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14.06.2017

Umwelttechnik hat in den USA auch nach Ausstieg aus Pariser Klimaabkommen Chancen

Ausbau von erneuerbaren Energien, Stromnetzen, Wasserinfrastruktur und Recycling gehen weiter / Von Martin Wiekert (Mai 2017)

Washington (GTAI) - Nachdem US-Präsident Trump am 1.6.17 den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ankündigte, sind die Perspektiven für Umwelttechnologien in den USA ungewisser geworden. Dennoch rechnen Beobachter auch für die nächsten Jahre mit Wachstum in wichtigen Teilmärkten. Denn neben der Bundesebene haben vor allem die Bundesstaaten und Kommunen Einfluss auf die Nachfrage nach Umwelttechnologien - und sie dürften an ihren ambitionierten Zielen festhalten.

Den unter Präsident Obama ausgegebenen Energie- und Umweltschutzzielen fühlt sich die neue US-Regierung nicht mehr verbunden. Dies gilt für die Pariser Zusage, den US-Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen bis 2025 um 26 bis 28% gegenüber dem Stand von 2005 zu verringern, ebenso wie für die Vorgaben des von der Vorgängeradministration entwickelten Clean Power Plans (CPP). Dennoch gibt es in fast allen Teilmärkten für Umwelttechnologien weiterhin gute Geschäftschancen, allen voran beim Ausbau der erneuerbaren Energien (EE), aber auch bei der Netzinfrastruktur, in der Wasserwirtschaft und im Recyclingsektor. Unternehmen müssen sich differenziert mit den regionalen Unterschieden und den Bedingungen in ihrem jeweiligen Marktsegment auseinandersetzen.

Bundesstaaten fördern Ausbau der erneuerbaren Energien

Die USA gehören bei der Nutzung der Wind- und Solarenergie zu den international führenden Nationen. Sowohl auf Bundesebene (Steuervergünstigungen etc. ) als auch auf Bundesstaatenebene (Quotenregelungen für den Einsatz erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung etc.) gibt es vielfältige Unterstützung. Gerade die bundesstaatlichen Fördermaßnahmen sind teilweise sehr ambitioniert und können die regionale Entwicklung stark beeinflussen. Zudem sind die Kosten der erneuerbaren Energien inzwischen so weit gesunken, dass sie unter guten Bedingungen auch konventionellen Energieträgern den Rang ablaufen können. Gerade Regionen im mittleren Westen und im "Rust Belt" der USA setzen zum Teil stark auf erneuerbare Energien. Diese Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass 2016 rund 63% der neuen Kraftwerkskapazitäten aus dem Bereich der EE beigesteuert wurden. Zwar möchte die Trump-Regierung nun die Kohle als Energieträger in Form von "clean coal" fördern. Viele Experten bezweifeln aber, dass dies langfristig die Transition weg von Kohle und hin zu Erdgas und EE aufhalten wird.

Weitere Informationen: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-erneuerbare-energien,t=branche-kompakt-usmarkt-fuer-solaranlagen-macht-kraeftigen-wachstumssprung,did=1668538.html

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-erneuerbare-energien,t=branche-kompakt-aussichten-fuer-windenergie-in-den-usa-bleiben-trotz-fragezeichen-positiv,did=1659272.html

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=uskohleindustrie-hat-weiter-zu-kaempfen,did=1596180.html.

Ein interessantes Marktsegment ist der Corporate-Markt. Wenn Großunternehmen im Rahmen von CSR-Strategien und Imagekampagnen verstärkt auf regenerativ erzeugten Strom setzen, entstehen für Independent Power Producers im Bereich der EE interessante Kooperationsmöglichkeiten (auch im Hinblick auf die Nutzung der Bundessteuerkredite).

Netzausbau und Fracking schaffen Nachfrage

In der Energiewirtschaft ist zudem ein Aus- und Umbau der Netzinfrastrukturen zu erwarten. Dabei geht es weniger um Effizienzsteigerungen, sondern um Erhöhung der Netzwerkstabilität und Resilienz gegenüber Wetterereignissen. Die Trump-Regierung kündigte an, in den Aus- und Umbau der Netze zu investieren. Die Planung und Umsetzung moderner Netztechnologien können hier auch ein Betätigungsfeld für deutsche Unternehmen sein. Inwieweit die America-First-Politik hier eine Rolle spielen wird, ist noch abzuwarten.

Ein weiteres Betätigungsfeld für Umwelttechnologieanbieter liegt in der Eindämmung von Umweltbelastungen durch "Fracking". Der hohe Wasserverbrauch und die Belastungen für den Boden verlangen sowohl nach hochwertigen Wasserschutztechnologien als auch nach Erfahrungen im Bergbau und der Tiefenbohrung.

"Grünes Bauen" bei kommerziellen Gebäuden im Trend

Die Verbesserung der Energieeffizienz ist in den USA bisher eher selektiv ein Thema. Dies liegt vor allem daran, dass Energie vielerorts sehr billig ist. Die Energieeffizienz von Wohngebäuden ist in der Regel noch sehr stark ausbaufähig. Verhältnismäßig lange Amortisierungszeiten bei Modernisierungsmaßnahmen in Verbindung mit relativ häufigen Umzügen verhindern hier oft entsprechende Investitionen. Im kommerziellen Gebäudesektor sind wegen der Popularität des "grünen Bauens" die Marktchancen für Energieeffizienzprodukte und -dienstleistungen besser. Standards wie LEED oder Energy Star sorgen hier für eine rege Nachfrage. Durch den LEED finden auch umweltfreundliche Materialien und die Ressourceneffizienz verstärkt Beachtung.

Wasserwirtschaft besonders im Süden ein Thema

Die Wasserinfrastruktur hat in vielen Teilen der USA einen hohen Investitionsbedarf. Viele Rohrleitungssysteme sind dringend sanierungsbedürftig, und aufgrund von Dürreproblemen kommt es in manchen Regionen zunehmend zu Versorgungsengpässen. Die Versorgung mit sauberem Wasser war auch eine Trump'sche Wahlkampfforderung. Folglich dürfte dieser Bereich auch Bestandteil der geplanten Infrastrukturoffensive werden. Andererseits hat Trump aber auch angekündigt, Umweltregulierungen im Wasserbereich zurückzudrehen. Die Auswirkungen sind noch nicht abzusehen.

Interessant für den Einsatz neuer, intelligenter Wassermanagement-Systeme könnten die Staaten Kalifornien und Texas sein. Die Unterversorgung mit Wasser, vor allem im landwirtschaftlichen Bereich in den trockenen Teilen der Bundesstaaten könnte durch den Einsatz intelligenter Management- und Bewässerungssysteme abgemildert werden. Weitere Informationen: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=uskongress-beschliesst-neues-wasserinfrastrukturpaket,did=1599122.html

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=kalifornien-braucht-nachhaltige-loesungen-fuer-die-wasserkrise,did=1483298.html

Dringlichkeit von Abfallwirtschaftskonzepten steigt

Die Recyclingquoten sind in den USA noch vergleichsweise gering. Bevölkerungswachstum und steigende Urbanisierung bei gleichzeitigen Deponieraumengpässen lassen jedoch das Problem der Abfallentsorgung immer dringender werden. Selektiv setzen einzelne Städten interessante Programme auf. Hier könnten sich auch deutsche Unternehmen bei Planung, Aufbau und Umsetzung einbringen. Schwierig ist zurzeit noch die Etablierung von Systemen zur Mülltrennung, wodurch das Recycling von Materialien erschwert und die thermische Verwertung in den Vordergrund gerückt wird.

Das industrielle Recycling, etwa von Metallen, hängt stark an den Rohstoffpreisen, die in den letzten Jahren vergleichsweise niedrig waren. Eine Erholung der Rohstoffpreise und eine anziehende Industriekonjunktur könnten Recyclingtechnologien und den Einsatz von Sekundärrohstoffen künftig wieder attraktiver machen. Weitere Informationen: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-recycling-und-entsorgungswirtschaft,t=branche-kompakt-abfallwirtschaft-in-den-usa-auf-stetigem-expansionspfad,did=1628560.html

KMU der Umweltwirtschaft sollten sich vor dem Eintritt in den amerikanischen Markt intensiv mit den Voraussetzungen in ihrem Teilmarkt beschäftigen und die verschiedenen Regionen gegenüberstellen. Die USA sind sehr groß und müssen differenziert betrachtet werden, um lokale Regelungen und Marktchancen zu evaluieren. Dabei sollten sich Unternehmen zuerst auf eine oder wenige Absatzregionen konzentrieren und sich über ausschreibende Stellen und mögliche lokale Partner informieren. Die AHKs vor Ort informieren, organisieren Reisen in mögliche Zielgebiete und helfen bei der Anbahnung von Kontakten (http://www.ahk-usa.com).

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Abfallentsorgung, Recycling, Energieeinsparung, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung, alternative Energien

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