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06.03.2019

Ungarn will schnelles Internet für alle

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E-Government und Industrie 4.0 wichtigste Themen / Von Waldemar Lichter (Januar 2019)

Budapest (GTAI) - Ungarns Regierung sieht die Vorbereitung und Anpassung der Unternehmen auf die Anforderungen der Digitalisierung und der Industrie 4.0 als notwendig an, um deren Zukunft zu sichern.

Digitalisierungsstrategie

Die ungarische Regierung hat ihre Digitalisierungsstrategie (Digitális Jólét Program, Programm für digitalen Wohlstand, https://digitalisjoletprogram.hu/hu/rolunk) 2015 verabschiedet und im Sommer 2017 um eine neue Version (Digitális Jólét Program 2.0) erweitert. Ziel ist es, die Gesellschaft und Unternehmen auf den digitalen Wandel vorzubereiten und sie dadurch zu dessen Gewinnern zu machen. Das Programm umfasst Strategien für mehrere Bereiche, vor allem Bildung, Start-ups und die Exportförderung.

Wichtiger Bestandteil des Programms ist es, besseren Zugang zum Internet zu schaffen und die digitale Infrastruktur auszubauen einschließlich eines leistungsfähigen Mobilfunknetzes (5G; Ausschreibung der ersten Lizenzen für Herbst 2019 geplant). Ziel ist auch, E-Government zu stärken durch die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung. Die Wirtschaft - und in diesem Zusammenhang insbesondere kleine und mittelgroße Unternehmen - sollen auf die Digitalisierung und Industrie-4.0-Anforderungen vorbereitet werden.

Im Mai 2016 ist dazu die Nationale Technologieplattform Industrie 4.0 unter der Führung des Instituts für Informatik und Automatisierung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA SZTAKI) gegründet worden. Sie zählt derzeit rund 70 Mitglieder. Zu einer der konkreten Maßnahmen gehört die Einrichtung von sogenannten I4.0-Demonstrationsfabriken. Sie sollen interessierten Unternehmen die Möglichkeit geben, sich mit den Möglichkeiten von Digitalisierungs- und Industrie-4.0-Anwendungen an konkreten Beispielen vertraut zu machen.

Finanzierungsmöglichkeiten bestehen durch die Wagniskapitalprogramme (Irinyi I Risk Capital Fund und Irinyi Venture Capital Fund II). Die Fonds unterstützen Unternehmen, die in Schlüsselbranchen im Sinne des sogenannten Irinyi-Plans zur Reindustrialisierung des Landes tätig sind und ihre Entwicklungs- und Digitalisierungsprozesse finanzieren möchten.

Strategie für künstliche Intelligenz

Auf Initiative des Ministers für Innovation und Technologie ist im Herbst 2018 die sogenannte Koalition für Künstliche Intelligenz (KI) gegründet worden. In dieser haben sich große Unternehmen, Start-ups und Forschungsinstitute zusammengeschlossen. Ziel sei es, Ungarn zum Weltmarktführer bei der Entwicklung und Anwendung von KI zu machen, sagen Regierungsvertreter. An der Initiative nehmen auch Vertreter von Ministerien und anderen Behörden teil, deren Mitwirkung wichtig ist, um den rechtlichen Rahmen für KI-Aktivitäten abzustimmen. An der KI-Koalition sind derzeit über 150 Mitglieder beteiligt (https://digitalisjoletprogram.hu/files/7d/58/7d5895514b6d8b4b1e8c91212d9cd1ae.pdf).

Mit Unterstützung der EU (Zuschuss von 20 Millionen Euro) wollen die Budapester Universitäten Technische und Wirtschaftswissenschaftliche Universität Budapest (Budapesti M?szaki és Gazdaságtudományi Egyetem, BME) und Eötvös-Loránd-Universität Budapest (ELTE) gemeinsam mit rund 80 Partnern aus der Wirtschaft an einer Plattform arbeiten, die Entwicklern und innovativen Unternehmen den Zugang zu KI-Technologien ermöglichen soll.

Einige Unternehmen bauen in Ungarn bereits ihre Kompetenzzentren für die Entwicklung und Vermarktung von KI-Lösungen und -Technologien auf. Dazu zählt zum Beispiel der deutsche Automobilzulieferer Continental. Das Unternehmen hat 2018 in Budapest ein Zentrum für Deep Machine Learning eröffent, um seine Kompetenz im Bereich automatisiertes Fahren auszubauen.

Das Thema autonomes Fahren ist von der ungarischen Regierung bereits vor einigen Jahren aufgegriffen worden. Derzeit wird eine entsprechende Teststrecke im westungarischen Zalaegerszeg fertiggestellt (https://zalazone.hu/en/). Dort soll auch die Möglichkeit geschaffen werden, den 5G-Mobilfunkstandard zu testen. Ungarn will als eines der ersten Länder weltweit die 5G-Technologie einführen.

E-Government

Die ungarische Regierung treibt die Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen voran. Eine entsprechende Übersicht findet sich unter: https://magyarorszag.hu/. Seit 2016 werden E-Personalausweise ausgestellt, bis Januar 2019 ist das vier Millionen mal geschehen. Es besteht inzwischen die Möglichkeit, die Registrierung eines Unternehmens online unter http://www.cegkapu.gov.hu zu initiieren. Zahlreiche Dokumente können online angefordert, die Kommunikation mit Behörden auf diesem Wege geführt und die Steuererklärungen elektronisch abgegeben werden. Die Digitalisierung wird insbesondere in der Finanzverwaltung (Beispiel: E-Invoicing) vorangetrieben. Das öffentliche Beschaffungssystem ist im April 2018 auf E-Procurement (https://ekr.gov.hu) umgestellt worden. Fachleute beklagen allerdings, dass nicht alle Bestandteile und Dienste der E-Verwaltung vollständig integriert und kompatibel seien.

Stärken/Schwächen

Besonders stark im Bereich der Digitalisierung und als Anbieter etwa von Industrie-4.0-Lösungen sind in Ungarn Tochtergesellschaften ausländischer, darunter vor allem deutscher Unternehmen. Dazu gehören etwa die Bosch-Gruppe und Continental. Beide bauen ihre Präsenz und ihre Entwicklungskapazitäten im Land weiter stark aus. Auch eine Reihe junger ungarischer Firmen (Start-ups) hat sich in jüngster Zeit weltweit einen Namen gemacht. Beispiele sind die Unternehmen Prezi (Präsentationssoftware), NNG (Navigationssoftware), das von IBM übernommene UStream (Video-Streaming-Dienst) oder AImotive (Softwarelösungen und KI für autonom fahrende Automobile).

Im Jahr 2017 rangierte Ungarn im Digital Economy and Society-Index (DESI), bei dem die EU-Mitgliedsstaaten im Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit im Bereich der Digitalisierung und der digitalen Wettbewerbsfähigkeit verglichen werden, nur auf Platz 21. Das Land lag damit unter dem EU-Durchschnitt. Besonders schwach wird das Land bei der Integration digitaler Technologien und im Bereich E-Government bewertet. Überdurchschnittlich gut schneidet Ungarn dagegen bei der Konnektivität und gut bei der Internetnutzung ab.

Zu den Pluspunkten Ungarns gehört auch der starke IT-Sektor. Besonders gut sind ungarische Unternehmen in den Bereichen Cyber-Sicherheit und Softwareentwicklung. Stark ist ferner die Elektronikindustrie, vor allem in der Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern bei Digitalisierungsprojekten. Allerdings leidet die IT-Branche unter einer starken Abwanderung von Fachkräften. Zu den Schwächen gehört die Vermarktung der Produkte.

Ausblick

Ein strategischer Schwerpunkt der ungarischen Wirtschaftspolitik ist es, die Unternehmen zu befähigen, den Anforderungen der Digitalisierung und der Industrie 4.0 zu entsprechen. Darauf zielen die Strategien zur Reindustrialisierung und Digitalisierung und die daraus resultierenden Maßnahmen ab. Am stärksten wird sich der Wandel in Automobil- und -zulieferindustrie manifestieren, die Branche ist für die Wirtschaft des Landes sehr bedeutend. Die Automobil- und -zulieferindustrie dürfte am schnellsten auf Anforderungen der Digitalisierung reagieren und neue Stärken entwickeln. Von den zunehmenden Digitalisierungsanstrengungen werden auch der Telekommunikations- und IT-Sektor profitieren. Auch in diesen Branchen könnten sich in Ungarn Unternehmen mit internationalem Anspruch entwickeln.

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Ministerium für Innovation und Technologie Minister: László Palkovics; http://www.kormany.hu/en/ministry-for-innovation-and-technology Schwerpunkt des seit Mai 2018 amtierenden Ministers: technologische Modernisierung und Digitalisierung der Wirtschaft
Nationales Amt für Forschung, Entwicklung und Innovation Leiter: Dr. Zoltán Birkner; https://nkfih.gov.hu Koordination diverser Forschungs- und Entwicklungsprogramme und ihrer Förderung
Nationale Technologieplattform Industrie 4.0 Tamás Várged?, MTA SZTAKI, E-Mail: vargedo.tamas@sztaki.mta.huhttps://www.i40platform.hu/en
Institut für Informatik und Automatisierung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA Számítástechnikai és Automatizálási Kutató Intézet; SZTAKI) László Monostori, Direktor, E-Mail: laszlo.monostori@sztaki.hu Führendes Institut zum Thema Industrie 4.0 und Digitalisierung der Wirtschaft; Kooperationsprojekte mit Fraunhofer Gesellschaft / Fraunhofer Austria
IVSZ - Szövetség a digitális gazdaságért http://ivsz.hu/en/ IKT-Verband
Industry Days/ Mach-Tech http://iparnapjai.hu Wichtigste Industriemesse in Ungarn; Thema unter anderem Industrie 4.0; nächster Termin: 14. bis 17.5.19

Weitere Informationen zu Ungarn finden Sie unter http://www.gtai.de/ungarn.

Mehr zum Thema Digitalisierung unter http://www.gtai.de/digitalisierung.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ungarn Personenkraftwagen (Pkw), Robotik und Automation, Verwaltung, Administration, Digitalisierung

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