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28.06.2019

Ungarn will Triest als Exporthafen nutzen

Bau eines Hafen- und Logistikzentrums geplant / Von Waldemar Lichter

Budapest (GTAI) - Ungarn möchte den italienischen Adriahafen Triest zur Drehscheibe für seine Exportwirtschaft machen. Deshalb soll dort ein eigenes Logistikzentrum errichtet werden.

Die Regierung in Budapest beabsichtigt, in der norditalienischen Hafenstadt Triest eine Hafen- und Logistikbasis zu gründen. Damit sollen für ungarische Exportunternehmen bessere Bedingungen geschaffen werden, um einen schnellen und reibungslosen Transport ihrer Ausfuhrgüter zu den Zielmärkten zu ermöglichen. Das kündigte Ungarns Außen- und Außenwirtschaftsminister Peter Szijjarto am 21. Juni 2019 bei einer Logistikkonferenz in Mogyorod an.

Geplant ist, das Hafen- und Logistikzentrum auf einem rund 32 Hektar großen Gelände in Triest zu errichten. Die notwendigen Investitionen werden auf einen Betrag zwischen 60 Millionen und 100 Millionen Euro geschätzt. Der Kaufvertrag für das Grundstück soll laut Szijjarto von der Regierung Anfang Juli 2019 unterzeichnet werden. Ungarische Unternehmen sollen die Möglichkeit erhalten, ihre für die Ausfuhr bestimmten Waren innerhalb von 24 Stunden über die Straße oder Schiene auf den Seeweg zu bringen.

Investitionen in Straßen- und Schienenwege

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft im Logistiksektor zu stärken, sollen nach Worten von Szijjarto die Transportwege verbessert werden. So soll in die Verkehrsinfrastruktur in Nord-Süd-Richtung investiert und die Zahl der grenzüberschreitenden Verbindungen erhöht werden. Bis 2024 sollen umgerechnet 9,9 Milliarden Euro in das Straßennetz und 4,6 Milliarden Euro in die Schienenwege investiert werden. Bis 2022 soll ferner der ungarische Abschnitt der von Litauen nach Griechenland führenden Fernstraße Via Carpatia fertiggestellt werden.

Verlierer der Entscheidung für Triest dürfte Koper sein. Der slowenische Adriahafen ist wichtigster Wettbewerber der Italiener im Kampf um Güterströme aus Ungarn. Koper spielt eine große Rolle für die ungarischen Containertransporte. Durch das geplante Logistik- und Hafenzentrum in Triest könnten die Slowenen jedoch an Bedeutung verlieren.

Keine Beteiligung Ungarns am Hafen Koper

Die Bevorzugung von Triest könnte auch mit dem misslungenen Versuch der ungarischen Regierung zusammenhängen, Anteile am Hafen Koper zu erwerben und sich am Ausbau der für diesen Standort wichtigen Bahnstrecke Divaca - Koper zu beteiligen. Durch eine zweite Gleisführung (geschätzte Kosten: über 1 Milliarde Euro) würde der Hafen besser an sein Hinterland angebunden werden. Zudem würde eine schnellere Verbindung nach Ljubljana und dann weiter nach Ungarn geschaffen.

Die ungarische Regierung hatte bereits im Herbst 2016 ihre Bereitschaft signalisiert, sich mit 200 Millionen Euro an dem kostspieligen Projekt zum Ausbau der Bahntrasse zu beteiligen. Pressemeldungen zufolge soll sie dabei aber gefordert haben, im Gegenzug eigene Logistikfirmen (etwa die Bahngesellschaft Gysev Cargo) am slowenischen Gütertransportgeschäft auf der Schiene zu beteiligen.

Außerdem wollten die Ungarn ein 5 Hektar großes Grundstück in der Nachbarschaft des Hafens Koper für die Dauer von 99 Jahren pachten. Dort hätte ein Logistikterminal entstehen können. Ungarische Baufirmen sollten ferner an dem Ausbauprojekt Divaca - Koper beteiligt werden. Angestrebt wurde schließlich auch die Übernahme eines Minderheitsanteils am Hafen Koper.

All das stieß jedoch auf Widerstand der slowenischen Regierung. Infrastrukturministerin Alenka Bratusek erklärte im September 2018 schließlich, dass der Hafen Koper nicht zu verkaufen sei und das Bahnprojekt aus eigener Kraft realisiert werde.

Weitere Informationen zu Ungarn finden Sie unter http://www.gtai.de/Ungarn.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ungarn, Italien Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Logistik / Speditionen

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Fabian Möpert

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