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21.08.2018

Ungarns Außenhandel eilt von Rekord zu Rekord

Automobilindustrie tätigt umfangreiche Investitionen / Von Waldemar Lichter (August 2018)

Budapest (GTAI) - Ungarns Ausfuhren erklimmen seit 2010 immer neue Höchststände. Das ist der starken Automobilindustrie zu verdanken. Aufgrund der boomenden Konjunktur steigen auch die Importe.

Die ungarische Wirtschaft hat von dem Beitritt des Landes zur Europäischen Union (EU) im Jahr 2004 stark profitiert. Der hohe Zufluss von ausländischen Direktinvestitionen im verarbeitenden Gewerbe hat den industriellen Wandel beschleunigt und das Ausfuhrpotenzial deutlich erhöht. Zwischen 2004 und 2017 haben sich die Exporte verdoppelt. Die Importe nahmen im selben Zeitraum um rund 77 Prozent zu.

Die hohen Exporte, deren Volumen deutlich über dem der Importe liegt, verschaffen Ungarn seit Jahren einen komfortablen und kontinuierlichen Handelsbilanzüberschuss. Dieser stieg 2016 auf den bisherigen Rekordwert von 9,7 Milliarden Euro. Der allergrößte Teil dessen ist auf den Überschuss mit EU-Mitgliedsländern (2016: 8,9 Milliarden; 2017: 9,1 Milliarden Euro) zurückzuführen.

Für die nächsten Jahre ist mit einem weiteren Anstieg der Ausfuhren zu rechnen. Das ist der günstigen Entwicklung im Industriesektor und zahlreichen neuen Vorhaben zum Aufbau von Produktionswerken, vor allem durch ausländische Investoren, zu verdanken. Vorreiter ist die Automobilindustrie. Aber auch in der Elektronik-, Elektrotechnik- und chemischen beziehungsweise pharmazeutischen Industrie sowie im Agrarsektor und der Nahrungsmittelbranche sind ausländische Unternehmen sehr aktiv.

Im Automobilsektor bauen die drei seit Jahren in Ungarn tätigen Autohersteller ebenso wie die zahlreichen Zulieferer ihre Kapazitäten weiter aus. Im Sommer 2018 kündigte auch BMW die Errichtung eines neuen Werks bei Debrecen an. All das stärkt das Exportpotenzial des Landes weiter. Auf der anderen Seite sind auch steigende Importe von Kfz-Teilen zu erwarten. Die ungarische Wirtschaftspolitik zielt verstärkt darauf, die Wertschöpfung der Industrie zu steigern und entsprechende Vorhaben zu fördern. Die Ausfuhren von höherwertigen verarbeiteten Erzeugnissen auch anderer Zweige dürften deshalb steigen.

Außenhandel Ungarns (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2012 2017 Veränderung 2017/2012
Importe 74.078 94.994 28,2
Exporte 80.612 100.559 24,7
Handelsbilanzsaldo 6.534 5.565 -

Quelle: Eurostat

Außenhandel nach Handelspartnern

Deutschland ist wichtigstes Liefer- und Abnehmerland

Deutschland steht unter Ungarns Handelspartnern seit Jahren unangefochten auf Platz 1. Die von der ungarischen Regierung angestrebte Diversifizierung des Außenhandels und insbesondere der Exporte etwa Richtung Asien hat bisher keine Früchte getragen. Die EU bleibt die dominierende Zielregion für ungarische Ausfuhren (Anteil 2017: 79,5 Prozent) und Herkunftsregion der Importe (76,6). Asien kam 2017 auf Export- und Importanteile von 5,8 beziehungsweise 12,2 Prozent.

Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland erreichte 2017 mit 51,2 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Das waren 7,3 Prozent mehr als im Jahr davor und rund 47,6 Prozent mehr als 2012. In der Rangliste der wichtigsten Zielländer für deutsche Exporte belegte Ungarn 2017 den 15., bei den wichtigsten Importherkunftsländern den 14 Rang. Im bilateralen Handel mit Deutschland erzielt das mitteleuropäische EU-Land dabei seit 2000 einen wachsenden Überschuss. Nach Angaben von Destatis belief sich dieser 2017 auf 1,3 Milliarden Euro, gegenüber 2,2 Milliarden Euro im Jahr davor.

Dies ist zum großen Teil auf enger gewordene Zulieferbeziehungen zwischen deutschen und ungarischen Unternehmen zurückzuführen. Zahlreiche deutsche Unternehmen investierten in Ungarn und produzieren inzwischen dort in eigenen Werken. Sie beziehen Vorprodukte und Komponenten für die Fertigung in Ungarn und exportieren die dort hergestellten Erzeugnisse teilweise auch nach Deutschland. Zu den wichtigsten Importprodukten aus Deutschland gehörten 2017 Maschinen (Anteil: 22,5 Prozent) sowie elektrische Maschinen und Elektrotechnik (20,9), Fahrzeuge (18,4), Metalle und Metallwaren (8,4), Kunststoffe/Kautschuk und -produkte daraus (7,4) sowie chemische Erzeugnisse (6,3 Prozent).

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Außenhandel nach Warengruppen

Hohe Einfuhren von Maschinen und Anlagen

Aufgrund der günstigen Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre wachsen die Einfuhren von Konsum- und Investitionsgütern. Die große Zahl von Neu-, Erweiterungs- und Modernisierungsprojekten ausländischer Investoren zogen entsprechende Importe von Maschinen und Anlagen nach sich. Infolge der starken Verflechtung der ungarischen Industrie mit dem Ausland, vor allem mit der deutschen Wirtschaft, legen auch die Einfuhren von für die Produktion benötigten Vorprodukten und Komponenten zu.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code *) 2012 2017
Gesamt 74.078 94.994
Vorerzeugnisse 6 10.435 13.602
Maschinen 71-74 9.148 12.669
Chemische Erzeugnisse 5 8.645 11.695
Elektronik 75, 76, 776 11.650 11.233
Elektrotechnik 77 minus 776 6.172 9.596
Straßenfahrzeuge 78 4.674 9.377
Fertigerzeugnisse 8 5.283 8.631
Mineralische Brennstoffe 3 9.589 7.750
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 3.583 4.495
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 2.353 3.062
Rohstoffe 2 1.748 1.961
Getränke/Tabak 1 365 515
Tierische/pflanzliche Öle 4 188 208
Sonstiges 9 247 199

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: Eurostat

Automobilindustrie ist bedeutendster Exportzweig

Das große Gewicht der Automobil- und -zulieferindustrie spiegelt sich in der ungarischen Exportstatistik wider. Die Ausfuhren von Straßenfahrzeugen haben sich innerhalb von fünfzehn Jahren bis 2017 fast vervierfacht. Hinzu kommen die hohen Exporte von Kolbenverbrennungsmotoren und Teilen davon (SITC 713), die in der Position Maschinen enthalten sind. Diese haben sich zwischen 2002 und 2017 von 3,3 Milliarden auf 6,6 Milliarden Euro verdoppelt. Ein bedeutender Exportzweig ist auch die Pharmaindustrie, vertreten vor allem durch den ungarischen Konzern Gedeon Richter, aber auch Tochtergesellschaften einiger internationaler Konzerne wie Teva, MSD, GSK und Egis.

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code *) 2012 2017
Gesamt 80.612 100.559
Maschinen 71-74 11.945 15.112
Straßenfahrzeuge 78 7.693 14.364
Chemische Erzeugnisse 5 8.604 12.070
Elektrotechnik 77 minus 776 8.342 11.940
Elektronik 75, 76, 776 13.638 11.604
Vorerzeugnisse 6 8.926 11.039
Fertigerzeugnisse 8 7.374 9.652
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 6.252 6.810
Mineralische Brennstoffe 3 3.285 3.072
Rohstoffe 2 2.231 1.856
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 1.229 1.721
Tierische/pflanzliche Öle 4 531 557
Getränke/Tabak 1 348 474
Sonstiges 9 215 287

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen zu Ungarn finden Sie unter http://www.gtai.de/ungarn

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