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28.06.2019

Ungarns Bausektor wächst ungebremst weiter

Tiefbau profitiert von europäischen Fördergeldern / Von Waldemar Lichter

Budapest (GTAI) - Der Boom in der ungarischen Bauwirtschaft hält unvermindert an. Das Wachstum hat sich sowohl im Tief- als auch im Hochbau zum Jahresanfang 2019 deutlich beschleunigt.

Die ungarische Baubranche erreichte 2018 das Rekordniveau von umgerechnet 10,5 Milliarden Euro, davon 5,7 Milliarden Euro im Hoch- und 4,8 Milliarden Euro im Tiefbau. Im Vergleich dazu belief sich der Gesamt-Output der ungarischen Bauwirtschaft 2015 auf umgerechnet 7,0 Milliarden Euro. Auf den Hochbau entfielen davon 3,4 Milliarden Euro, auf den Tiefbau 3,6 Milliarden Euro.

Januar bis April 2019: Zunahme von über 40 Prozent

Prognosen für 2019 und die folgenden Jahre gehen von weiteren Höchstständen aus. Nach Angaben des zentralen Statistikbüros Ungarns KSH hat sich die Produktion im Bausektor seit Anfang 2019 sogar deutlich beschleunigt und in den ersten vier Monaten die Marke von 40 Prozent Zuwachs überschritten. Nach Schätzungen des europäischen Baunetzwerks Euroconstruct wird sich das Wachstum im ungarischen Bausektor 2019 gegenüber den beiden Vorjahren zwar abschwächen, aber mit 9,2 Prozent für das Gesamtjahr immer noch recht hoch ausfallen.

Entwicklung der Bauproduktion (Veränderungen gegenüber der Vorjahresperiode in Prozent)
Bauwirtschaft insgesamt Hochbau Tiefbau
2014 13,5 2,0 28,8
2015 3,0 4,8 1,6
2016 -18,8 -3,7 -33,0
2017 29,7 26,3 35,4
2018 22,3 16,0 31,4
Januar bis April 2019 40,1 34,3 47,9

Quelle: Zentrales Statistikbüro Ungarns KSH

Wohnungsbau profitiert von Fördermaßnahmen

Der Hochbau profitiert zum einen von den staatlichen Fördermaßnahmen für den Wohnungsbau. Dazu gehört zum einen das sogenannte CSOK-Programm (Családi Otthonteremtési Kedvezmény). Es sieht staatliche Zuschüsse und zinsgünstige Bankkredite für den Bau oder Kauf von Wohnungen durch kinderreiche Familien vor. Bis April 2019 haben mehr als 100.000 Familien dieses 2015 eingeführte Förderprogramm in Anspruch genommen.

Auch die Reduzierung der Mehrwertsteuer für neu errichtete Wohnobjekte von 27 Prozent auf 5 Prozent haben dem Wohnungsbau Impulse verliehen. Diese Vergünstigung kann noch bis Ende 2023 für Wohnobjekte genutzt werden, die über eine vor dem 1. November 2018 erteilte Baugenehmigung verfügen. Nach Schätzungen von Euroconstruct wird die Zahl der fertiggestellten Wohnungen 2019 rund 27.000 Einheiten und in den Jahren 2020 bis 2022 jährlich 26.000 bis 27.000 erreichen.

Bauproduktion nach Bauart (reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent)
Bauvolumen 2018 in Mio. Euro Veränderung 2019* Veränderung 2020* Veränderung 2021*
Hochbau 9.230 8,7 4,5 3,4
.Neubau 5.206 9,2 1,1 2,0
.Renovierung 4.024 8,0 8,8 5,2
Darunter
.Wohnungsbau 3.843 9,2 2,9 -0,9
..Neubau 2.306 10,0 -5,0 0
..Renovierung 1.537 8,0 15,0 -2,0
.übriger Hochbau 5.387 8,3 5,6 6,4
Tiefbau 4.841 10,2 7,3 3,8
.Neubau 2.562 11,0 7,5 5,0
.Renovierung 2.279 9,4 7,1 2,4
Insgesamt 14.070 9,2 5,4 3,5

* Prognose

Quelle: Euroconstruct, Juni 2019

Der Tiefbausektor profitiert im hohen Maße von Fördergeldern der Europäischen Union (EU) für die Realisierung diverser Projekte im Infrastrukturbereich. Zu den Finanzierungsprioritäten gehörten seit dem EU-Beitritt Ungarns im Jahr 2004 Vorhaben im Transportsektor. Im Zeitraum 2004 bis 2020 soll laut Angaben des Budapester Forschungsinstituts Kopint-Datorg die Hälfte der EU-Fördergelder für die Modernisierung der Transportinfrastruktur verwendet worden sein. In der nächsten EU-Finanzperiode 2021 bis 2027 dürften vor allem Projekte zum Ausbau des Schnellstraßennetzes und die Fertigstellung der Umgehungstraßen rund um Budapest finanziert werden.

Umfangreiche Straßenbauinvestitionen

Die ungarische Regierung plant, für die Entwicklung des Straßennetzes bis 2024 umgerechnet über 1 Milliarde Euro auszugeben. Die Finanzierung erfolgt je zur Hälfte aus dem Staatshaushalt und aus EU-Fördergeldern. Bereits angekündigt worden sind der Ausbau der Autobahnen M1 in Richtung Österreich sowie M7 als Verbindung zwischen Budapest und dem Balaton (Plattensee). Anfang April 2019 kündigte die Europäische Kommission an, Ungarn aus dem Kohäsionsfonds 105,5 Millionen Euro für den Ausbau der Budapester Ringautobahn M0 zu gewähren.

Zur Anbindung der Autobahn M8 an die M7 ist der Bau einer Teilstrecke zwischen Kecskemét und Székesfehérvár geplant. Der Tender für die Projekterstellung ist im Frühjahr 2019 beendet worden. Sieger sind die Architekturbüros Unitef-83, Fömterv, Utiber und Tura-Terv. Die Kosten für diese Projektphase werden auf umgerechnet 24,1 Millionen Euro geschätzt.

Noch 2019 soll mit den Planungen für eine neue Brücke über die Theiß in Szolnok begonnen werden. Die Kosten der Projekterstellung werden auf umgerechnet 5,2 Millionen Euro geschätzt, die des Brückenbaus auf bis zu 92,6 Millionen Euro. Der Tender für die Planungsphase soll noch im Herbst 2019 veröffentlicht werden. Die Auftragsvergabe soll 2020 erfolgen. Die Brücke wird bis 2025 errichtet.

Zu anderen größeren Straßenprojekten gehört der Bau der Strecke zwischen Tornyosnémeti und der slowakischen Grenze (Autobahn M30). Die Arbeiten wurden im April 2019 aufgenommen. Die Gesamtkosten werden auf rund 564 Millionen Euro geschätzt. Für rund 460 Millionen Euro wird ferner bis Ende 2019 ein Abschnitt der Autobahn M44 zwischen Tiszakürt und Kondoros errichtet. Mit dem Bau wurde 2016 begonnen. Aufträge gingen an Duna Aszfalt Kft., Hodut Kft., und an ein Konsortium bestehend aus EuroAszfalt Kft., Swietelsky Magyarország Kft., Soltut Kft. und A-Hid Zrt.

Umgerechnet 543 Millionen Euro soll außerdem ein neuer Abschnitt der Autobahn M85 zwischen Csorna, Sopron und Fertörákos kosten. Meldungen zufolge haben unter anderem die Konsortien zwischen Strabag Epitö Kft., Strabag AG und Belfry PE Kft. sowie zwischen EuroAszfalt Kft., Swietelsky Magyarország Kft. und Betonutépitö Zrt. Aufträge erhalten.

Tiefbauproduktion (reale Veränderung in Prozent)
Bauvolumen in Mio. Euro 1) Veränderung 2018 Veränderung 2019 2) Veränderung 2020 2)
Tiefbau, insgesamt 4.841 10,2 7,3 3,8
.Transportinfrastruktur 3.579 38,2 10,0 9,4
..Straßen 1.627 10,0 5,0 0
..Bahnanlagen 1.195 10,0 15,0 5,0
..Übrige Verkehrsinfrastruktur 756 10,0 10,0 0
.Telekommunikation 188 10,0 5,0 5,0
.Energieversorgung 264 20,0 5,0 30,0
.Wasserversorgung 517 10,0 7,0 5,0
.Sonstiges 293 5,0 -15,0 0

1) zu Preisen von 2018, ohne Steuern; 2) Prognose

Quelle: Euroconstruct, Juni 2019

Weitere Informationen zu Ungarn finden Sie unter http://www.gtai.de/Ungarn.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ungarn Bauwirtschaft, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Wohnungsbau, Hochbau

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