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05.04.2019

Urbanisierung lässt Chinas Bauwirtschaft weiter wachsen

Verlagerung stadtplanerischer Aufgaben ins Inland / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - Vieles an der chinesischen Wirtschaftsentwicklung ist unsicherer geworden. Doch der Faktor Urbanisierung generiert zuverlässig Wachstum für die Bauwirtschaft.

Stadtentwicklung erlebt in China angesichts der Geschwindigkeit der Urbanisierungsprozesse eine neue Dimension: China hat 1,4 Milliarden Einwohner und knapp 60 Prozent davon lebten 2018 in Städten; 1987 waren es erst 25,3 Prozent. 2020 sollen es deutlich über 60 Prozent und bis 2030 sogar 70 Prozent sein. Davon wohnt nur ein kleiner Teil in den bekannten Metropolen Beijing (21,5 Millionen Einwohner), Shanghai (24,2 Millionen) oder Guangzhou (14,9 Millionen). Das Gros hat seinen Wohnsitz in einer von rund 100 Millionenstädte, deren Namen im Westen nur selten geläufig sind.

Die kontinuierliche Verstädterung Chinas stellt heute und auch langfristig einen wichtigen Impulsgeber für Stadtplaner, Wohnungs- und Tiefbauprojekte dar: Hierfür müssen nicht nur neue städtische Strukturen geschaffen werden. Herausfordernd ist überdies deren effiziente Anbindung mit dem Hinterland und untereinander. Dies, sowie die Planung ganzer Stadtviertel oder Parzellen davon sowie repräsentativer Einzelobjekte, ist auch für ausländische und deutsche Architektur- und Planungsbüros immer wieder interessant.

Neben der fortbestehenden Nachfrage der nach wie vor durch Zuzug charakterisierten Städte der ersten Reihe (in China werden die Städte nach Größe und Entwicklungsstand in Reihen eingeteilt. Es gibt keine offizielle Definition, aber Beijing, Shanghai, Shenzhen und Guangzhou gelten allgemeinhin als Städte der ersten Reihe) ist in jüngerer Vergangenheit eine Verlagerung der Aktivitäten ins Hinterland festzustellen. Beispielsweise plant AS+P aus Frankfurt abgesehen von drei vergleichbaren Projekten in Shanghai und Chongqing derzeit ein Hochhauscluster in der 3,7-Millionenstadt Suining.

Smarte Stadtentwicklungen gefragt

Das 3,6 Quadratkilometer umfassende Wettbewerbsareal ist Teil einer 66 Quadratkilometer großen Stadterweiterung und soll Raum bieten für 150.000 Einwohner und 250.000 Arbeitsplätze. Unter dem Stichwort "E-CBD" soll bei hoher städtebaulicher Verdichtung ein Geschäftszentrum (central business district) entstehen, in dem gewohnt und gearbeitet wird und das überdies für die umliegenden Quartiere Zentrumsfunktionen übernimmt - und zwar unter Beachtung der Schlagwörter Ecological, Electronics, E-Commerce, Economical und E-Mobility.

Neue Geschäftschancen bei der smarten Entwicklung chinesischer Städte erwartet sich auch die AG Infrastruktur, die der Ostasiatischen Verein (OAV) in Hamburg im Verbund mit Siemens und Volkwagen 2018 ins Leben gerufen hat. Inzwischen haben sich weitere im Bau tätige Firmen und Architekten wie HPP Architects und Obermeyer angeschlossen. Ziel ist die Verbesserung der Infrastruktur in den asiatisch-pazifischen Ländern sowie Förderung deutscher Unternehmensaktivitäten aus dem Bau-, Ingenieurs- und Technologiebereich. Weitere Informationen unter: https://www.oav.de/leistungen/ag-infrastruktur.html

China denkt in Städte-Clustern

Suining gehört zum Chengdu-Chongqing City Cluster, eines von fünf Schlüssel-Stadtclustern, welche für die moderne Entwicklung des Landes künftig eine noch größere Rolle spielen werden. Zu ihnen gehören außerdem die Hauptstadtregion Jing-Jin-Ji, das Jangtse-Delta mit Shanghai, die Greater Bay Area mit Guangzhou, Shenzhen, Hongkong und Macau sowie der Mittellauf des Jangtse mit Wuhan. Die Regierung identifizierte im 13. Fünfjahresplan zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung (2016-2020) ganze 19 Städteclustern, auf die bis 2030 rund 80 Prozent der Wirtschaftsleistung entfallen sollen.

In Chongqing selbst entsteht derzeit die weltgrößte Raffles City mit einer Bruttogeschossfläche von mehr als 1,1 Millionen Quadratmetern. Investor CapitaLand aus Singapur im Verbund mit Arup (Großbritannien) und Safdie Architects (Israel) baut den gigantischen Komplex aus sechs Türmen. Vier von den Türmen werden auf 250 Metern Höhe über eine 300 Meter lange Luftbrücke miteinander verbunden sein. Der Komplex soll noch 2019 fertiggestellt werden.

Beijing forciert überdies mehrere "Groß-Regionen" wie die Beijing-Tianjin-Hebei-Region oder das 2017 vorgestellte Konzept der Guangdong-Hongkong-Macau-Greater Bay Area, der die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau sowie neun Städte und Kreise im südlichen Perlflussdelta, darunter Guangdong, Shenzhen, Zhuhai und Foshan, angehören sollen. Die 55 Kilometer lange Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke, die 2018 für den Verkehr freigegeben wurde, soll das Zusammenwachsen der Region unterstützen.

Urbanisierung bietet langfristig Geschäftschancen in China

Darüber hinaus wird Urbanisierung im Rahmen abkühlender Wirtschaftszahlen von politischer Seite zunehmend als wichtiger Wachstumstreiber für heute noch ländliche Regionen entdeckt. "Ländliche Wiederbelebung" (rural revitalization) heißt das neue Zauberwort, womit Konsum, Investitionen und Beschäftigung in bisher wenig produktiven Regionen geschaffen werden sollen.

Tatsächlich ist in China ein allmählicher Umschwung zu beobachten - die Menschen wandern nicht mehr so umfangreich in die wirtschaftlich prosperierenden Großstädte an der Ostküste, sondern zunehmend in die sich neu entwickelnden urbanen Strukturen im chinesischen Hinterland.

Vor diesem Hintergrund wird Urbanisierung auf lange Sicht ein Wachstumstreiber für die Bauwirtschaft bleiben. "Insofern sind wir als Stadtplaner nicht direkt davon abhängig, was heute gebaut und verkauft wird", so Johannes Dell von AS+P in Shanghai.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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China Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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