Suche

20.09.2017

USA bauen Gaspipelines und Exportterminals aus

Gasexporte sollen 2017 Importe übersteigen / Unsicherheit über längerfristige LNG-Projekte / Von Eva Korfanty-Schiller

Washington (GTAI) - Die USA gehen davon aus, dieses und kommendes Jahr mehr Erdgas zu exportieren als zu importieren. Dieser auch über 2018 hinaus erwartete Wandel zum Netto-Exporteur beruht laut der Energieinformationsbehörde EIA zum einen darauf, dass die Gaslieferungen aus Kanada zurückgehen sollen. Zum anderen steigen die US-Gasexporte nach Mexiko. Auch die US-Lieferungen von verflüssigtem Erdgas (LNG) über Exportterminals legen zu. Mehrere Terminals und Gaspipelines sind im Bau. (Kontaktadressen)

Die Förderung von unkonventionellem Gas in den USA hat die Energielandschaft verändert. Die US-Gasproduktion ist laut EIA von 55 Milliarden Kubikfuß (Bcf) täglich im Jahr 2008 auf 72,5 Bcf täglich im Jahr 2016 gewachsen. Gestiegen sind auch die Exporte: Insgesamt haben die USA 2016 etwa 2.315 Bcf ausgeführt, ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dagegen sollen die Gaslieferungen aus Kanada künftig abnehmen. Die EIA prognostiziert daher für 2017 und 2018 einen Netto-Exportüberschuss.

Die heimische Förderung treibt auch die US-Gasexporte in Richtung Mexiko an. Die Gasproduktion Mexikos hat abgenommen, während der Bedarf steigt. Um die Gasmengen zu transportieren, bauen die Länder ihre Infrastruktur aus. Bis 2019 sollen sich die Pipelinekapazitäten ins Nachbarland etwa verdoppeln, Ende 2016 lagen sie bei rund 7,3 Milliarden Bcf am Tag. Allerdings sollen laut EIA-Einschätzung diese theoretisch möglichen Transportmengen nicht voll ausgeschöpft werden. Im kommenden Jahr soll die Leitung Nueces-Brownsville in Betrieb gehen. Sie nimmt Gas aus Texas auf und wird an die Offshore-Pipeline Sur de Texas-Tuxpan angeschlossen, die es weiter in Richtung Mexiko bringt. Die Projektkosten werden auf etwa 1,5 Milliarden US-Dollar (US$) geschätzt.

Über 1.500 Meilen neue und erweiterte Pipelines

Auch innerhalb der USA stehen viele Leitungsprojekte an. Zu Beginn des Jahres hatte die Regulierungsbehörde Federal Energy Regulatory Commission (FERC) neue Gaspipelinekapazitäten von mehr als 7 Bcf pro Tag genehmigt, bevor sie durch den Abgang eines Kommissionsmitglieds ihre Beschlussfähigkeit verlor und Projektgenehmigungen sich stauten. Mittlerweile ist die Kommission wieder beschlussfähig. Die zu Jahresbeginn genehmigten Projekte umfassen über 1.500 Meilen an Pipelineubau oder Erweiterungen. Nähere Informationen sind unter http://www.gtai.de/ext/usa-ferc abrufbar.

Zu den Projekten gehört die Rover-Pipeline, die laut Rover Pipeline LLC einen Projektumfang von 4,2 Milliarden US$ hat. Die Gasleitung transportiert den Rohstoff aus den Schiefergasregionen Utica und Marcellus zu Zielmärkten in den USA und nach Kanada. Zum Projekt gehören der Bau eines Pipelinesegments von Defiance County (Ohio) durch Michigan zu einer bestehenden Pipeline (Vector Pipeline) sowie mehrere Kompressorstationen und weitere Anlagen. Die Leitung ist bereits im Bau, zog allerdings wegen Umwelt- und Sicherheitsbedenken Kritik auf sich. Ein zweites Projekt, die Atlantic Sunrise Pipeline, ist eine Erweiterung der bestehenden Transco Gasleitung und soll Erdgas aus der Marcellus-Region im Osten des Landes in die Mittelatlantikstaaten und den Südosten bringen (http://www.gtai.de/ext/atlanticsunrise). Das Projekt wird auf 2,6 Milliarden bis 3 Milliarden US$ geschätzt. Dazu gehören unter anderem neue Pipelinesegmente, der Ersatz alter Segmente sowie zwei neue Kompressorstationen.

LNG-Terminals im Bau

Neben den Exporten über Pipelines sollen die Lieferungen über LNG-Terminals zulegen. Einem Bericht der Internationalen Energieagentur IEA zufolge werden weltweit immer mehr Länder zu LNG-Kunden. Demnach fragten 2005 noch 15 Länder LNG nach, 2017 waren es bereits 39. Der bereits gut versorgte und stetig wachsende Markt drückt laut der IEA die Preise. Das locke neue LNG-Kunden wie Pakistan, Thailand oder Jordanien an. Ob diese neuen Kunden langfristige Abnehmer werden, hänge aber vom Preiswettbewerb an den Gasmärkten ab, so die IEA. Die weltweit größten LNG-Verbraucher sind asiatische Länder wie Japan oder Südkorea, wobei China stark anzieht.

LNG aus den USA floss 2016 vor allem in Richtung Mexiko und Chile, aber auch nach Asien. Erste Lieferungen kamen in diesem Sommer zudem in Polen und Litauen an. Insgesamt lagen die Ausfuhren 2016 laut EIA bei rund 187 Milliarden Kubikfuß. Die Exportpreise gaben deutlich nach.

Für den künftigen Export des Gases sind viele LNG-Anlagen geplant, davon befinden sich fünf im Bau (siehe Tabelle). Sie sollen in den kommenden drei Jahren in Betrieb gehen und die Kapazitäten für die LNG-Verflüssigung von 1,4 Bcf pro Tag Ende 2016 auf 9,5 Bcf täglich Ende 2019 steigern. Aktuell ist im Land das Exportterminal Sabine Pass in Louisiana aktiv, der Betreiber Cheniere baut dessen Kapazitäten aus. Zwei weitere Anlagen sind bereits im Bau oder stehen kurz vor der Inbetriebnahme.

Trend zu kleineren Projekten

Neben diesen teils großen Projekten geht der Trend am LNG-Markt laut Medienberichten zu kleineren und günstigeren LNG-Anlagen. Um kleine Gasexporte künftig schneller genehmigen zu können, hat das Energieministerium (DOE) im September einen Vorschlag vorgelegt (http://www.gtai.de/ext/usa-doe). Darin geht es um Anträge für den Gasexport in Länder, mit denen kein Freihandelsabkommen besteht. Für diese gelten in den USA erschwerte Bedingungen.

Neue LNG-Exportterminals in den USA im Bau (Auswahl)
Projekt Unternehmen Anmerkungen
Cove Point, Maryland Dominion Energy Kapazität von 0,82 Bcf/Tag
Cameron, Hackberry, Louisiana Sempra Energy, Engie, Mitsui&Co , Japan LNG Investment Kapazität von 2,1 Bcf/Tag
Elba Island, Georgia Kinder Morgan (EIG Global Energy Partners beteiligt) Kapazität von 0,35 Bcf/Tag
Freeport, Texas Freeport LNG Development Kapazität von 2,14 Bcf/Tag
Corpus Christi, Texas Cheniere Kapazität von 2,14 Bcf/Tag

Quellen: EIA, FERC, Unternehmens- und Pressemeldungen

Viele weitere Projekte sind angekündigt. Ob alle umgesetzt werden, ist fraglich. Nicht nur die USA, auch Katar will seine Gasförderung ausbauen. Was das für künftige LNG-Projekte in den USA bedeutet, ist offen. Auch stehen den Gasexporten in den USA Interessenvertreter entgegen, die unter anderem höhere Gaspreise befürchten.

Der Thinktank Atlantic Council weist in einer Marktanalyse auf die unterschiedlichen Analystenmeinungen zum längerfristigen LNG-Markt hin, die von drohender Überversorgung bis Knappheit reichen. Bis 2020 sollten neue Exportkapazitäten den Markt gut versorgt halten. Angesichts höherer Kosten und niedriger Preise sorgten allerdings Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit von LNG dafür, dass die Investitionsentscheidungen für neue Projekte zurückgingen. Das Energieunternehmen Shell erwartet in einem Marktausblick, dass längerfristig zusätzliche Investitionsentscheidungen erforderlich sein werden, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, die nach 2020 insbesondere aus Asien kommen werde.

Von geringeren Investitionen in neue Projekte könnten die US-Exporteure profitieren, die bereits ihre finale Investitionsentscheidung getroffen haben. Die schon im Bau befindlichen Projekte in den USA werden laut Analysten größtenteils durch Langfristverträge gestützt. Die Entscheidung für neue Anlagen hänge davon ab, ob sich Kunden für langfristige Gasabnahmeverträge finden. Die Projekte, die im Genehmigungsprozess noch weiter am Anfang stehen, werden wahrscheinlich nicht alle ausgeführt werden, so der Ausblick. Vom LNG-Markt und den Bauprojekten profitieren einer Marktstudie nach neben Förderunternehmen und der Baubranche auch Technologiehersteller, beispielsweise von LNG-Trains oder Tanks.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/usa Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK USA http://www.ahk-usa.com Anlaufstelle fürdeutsche Unternehmen
U.S. Department of Energy http://www.energy.gov Ministerium
U.S. Energy Information Administration http://www.eia.org Energieinformationen
Internationale Energieagentur http://www.iea.org Energieinformationen

(EKS)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Öl, Gas

Funktionen

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche