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24.01.2019

USA beziehen 2019 wohl mehr Maschinen aus Deutschland

Wichtige Abnehmerbranchen stehen unter Modernisierungsdruck / Von Ullrich Umann

Washington, D.C. (GTAI) - Die deutschen Maschinenlieferungen in die USA haben sich 2018 solide entwickelt. Für 2019 sehen die Vorzeichen fortgesetzt gut aus.

Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt für Maschinen und Anlagen aus Deutschland, und das dürfte auch 2019 so bleiben: Die Manufacturers Alliance for Productivity and Innovation, kurz MAPI, hat für das neue bereits laufende Jahr für die USA ein Industriewachstum von 3,9 Prozent vorausgesagt. Dieses Plus hatte sich nach Angaben der US-Notenbank Federal Reserve bereits im November 2018 im Vergleich zum Vorjahresmonat ergeben.

Auch die Association for Manufacturing Technology (AMT) sieht für das 1. Halbjahr 2019 eine hohe Maschinennachfrage. Als Triebkräfte sieht Vizepräsident Pat McGibbon eine solide Kapazitätsauslastung in der Industrie, steigende Produktionszahlen sowie anhaltend hohe Unternehmensgewinne.

Industrie bleibt Wachstumstreiber

Für die US-Wirtschaft, die 2019 um etwa 2,5 Prozent zulegen soll, bleibt die Industrie damit ein Wachstumstreiber. Davon profitieren Maschinenbauer in Deutschland, die wie die Konkurrenz aus Japan zu den wichtigsten Lieferanten von Maschinen und Anlagen in die USA gehören.

Nach Angaben des deutschen Maschinenbauverbands VDMA haben die Maschinen- und Anlagenexporte in die USA von Januar bis September 2018 mit 14,158 Milliarden Euro um 6,9 Prozent zugelegt. Die US-Exporte entsprachen 10,8 Prozent der deutschen Branchenausfuhren. Die gesamten deutschen Exporte von Waren und Dienstleistungen in die USA stiegen in den ersten elf Monaten 2018 im Vorjahresvergleich um 2,2 Prozent auf 105 Milliarden Euro. Die Importe stiegen laut den Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden um 4,9 Prozent auf 60 Milliarden Euro.

Abnehmerbranchen haben veralteten Maschinenpark

Dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau kommt zugute, dass die US-Branchen Metallverarbeitung, Maschinenbau und Nahrungsmittelverarbeitung noch relativ wenig automatisiert produzieren und zum Beispiel eher wenige Roboter einsetzen. Moderner arbeiten Fahrzeugbau, Luft- und Raumfahrtindustrie, Medizintechnik sowie IKT- und Elektronikindustrie.

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Wie das Beratungsunternehmen McKinsey & Company feststellte, lag das Alter des Maschinenparks in der US-Industrie 1980 im Schnitt bei 16 Jahren. Mittlerweile sind es 25 Jahre. Die Metallverarbeitung sowie der Maschinen- und Anlagenbau weisen den ältesten Kapitalstock auf. Um den Abwärtstrend umzukehren, müssten die Betriebe laut McKinsey jährlich 115 Milliarden US-Dollar für neue Investitionsgüter ausgeben.

Produktionsstandort USA im Aufwind

Die MAPI Foundation zählt gleich fünf Gründe auf, warum die US-Industrie 2019 wachsen wird. Erstens sind dies Produktivitätssteigerungen, unter anderem durch die breite Einführung und Anwendung neuer Technologien wie des 3D-Drucks. Hinzu komme der anhaltende Aufschwung beim Fracking, der Förderung von Erdgas und Erdöl durch nichttraditionelle Methoden, was über niedrige Brennstoffpreise die Kosten der Industrie senkt. Drittens verlagerten US-Unternehmen Arbeitsplätze zurück in die USA, weil in wichtigen Schwellenländern Einkommen und Löhne stiegen. Als ein Beispiel zitiert MAPI die Eröffnung von Call-Centern in Nebraska, die vormals in Indien betrieben wurden.

Als vierten Grund nennt MAPI die Sorge der US-Industrie über den Technologietransfer insbesondere in Richtung VR China, wodurch Firmen nun verstärkt zu Hause produzieren wollten. Zuletzt konstatiert MAPI das Logo "Made in U.S.A." - gewerbliche und private Kunden wollten gezielt heimische Arbeitsplätze sowie die heimische Wirtschaft stärken.

McKinsey sagt ebenfalls Wachstum voraus

McKinsey begründet das fortgesetzte Industriewachstum in den USA mit einer weltweit steigenden Nachfrage nach hochwertigen Industriegütern, einer weiterhin höheren Produktivität durch den Einsatz neuester Technologien sowie mit neuen Wertschöpfungsketten unter stärkerer Einbeziehung der USA. Wenn der gegenwärtige Trend anhält, so das McKinsey Global Institute, könnte die Industrieproduktion in den USA bis 2025 um 530 Milliarden US-Dollar oder ein gutes Fünftel der derzeitigen Jahresleistung zulegen.

Als größte Risiken für das Industriewachstum sieht MAPI den Handelskrieg unter Präsident Trump, der 2019 eskalieren könnte. Hinzu kommen möglicherweise weiter steigende Zinsen, was auch den Außenwert des US-Dollar nach oben treiben und damit die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie schmälern würde.

Jobs entstehen für Hochqualifizierte

Nach einer Umfrage von AlixPartners unter amerikanischen Industriefirmen möchten 37 Prozent der Unternehmen im eigenen Land investieren - und ebenso viele in Mexiko -, während es 2011 erst 19 Prozent waren. Die Zahl neuer Arbeitsplätze steigt allerdings weniger kräftig als die Industrie zulegt. Grund ist die wachsende Automatisierung - die auch besser ausgebildete Mitarbeiter erfordert. Gefragt sind insbesondere IT-Kenntnisse. Damit eröffnet sich für die deutsche Wirtschaft in den USA ein weiteres Betätigungsfeld: die breite Einführung der dualen Berufsausbildung für Facharbeiter.

Weitere Informationen zu den USA sind unter http://www.gtai.de/usa abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Robotik und Automation

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