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01.03.2019

USA investieren in CO2-freie Energieerzeugung

Wind und Solar bringen Strompreise zum Purzeln / Von Ullrich Umann

Washington, D.C. (GTAI) - Stromkonzerne in den USA setzen verstärkt auf alternative Energiequellen. Die Bundesstaaten flankieren mit Gesetzen und Fördergeldern.

In den USA steigt der Anteil CO2-freier Stromquellen am Energiemix. Zugleich sollen vielerorts die Treibhausgas-Emissionen gesenkt werden. Im Ausland mag diese Entwicklung überraschen. Schließlich haben sich die USA vom Pariser Klimaschutzabkommen offiziell verabschiedet.

Doch ist die US-Regierung in Washington für die Regulierung der Energieversorgung auf unterster Ebene nur bedingt zuständig. Hierfür zeichnen die Bundesstaaten verantwortlich. Und unter ihnen formierte sich unmittelbar nach dem Austritt aus dem Pariser Abkommen Widerstand.

Klima-Allianz der Bundesstaaten wächst

Gleich 15 Gouverneure schmiedeten 2017 die sogenannte U.S. Climate Alliance. Inzwischen umfasst sie 21 Bundesstaaten, die sich untereinander koordinieren und die Senkung der Treibhausgas-Emissionen und den Ausbau Erneuerbarer Energien fördern.

Alle Mitglieder verpflichten sich, die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens zur Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes einzuhalten. Die wichtigsten Arbeitsschwerpunkte sind dabei die Finanzierung sauberer Energiearten, die Modernisierung der Stromwirtschaft, die Errichtung energieeffizienter Gebäude und die breite Einführung klimaneutraler Fahrzeugantriebe.

Bundesstaaten sind unterschiedlich ambitioniert

Bei der Aufstockung CO2-freier Energiearten gehen die Bundesstaaten verschiedene Wege und geben ein unterschiedliches Tempo vor. Einige von ihnen streben einen Anteil von 100 Prozent grünen Stroms am Energiemix an und das bis 2030, andere bis 2040, 2045 oder 2050. Wieder andere Bundesstaaten setzen sich vorerst Zwischenziele.

Landesweit liegt der Anteil der Erneuerbaren am Energiemix nach Angaben der U.S. Energy Information Administration (EIA) bei 18,3 Prozent, Wasserkraft eingeschlossen. Die Gesamtinvestitionen in erneuerbare Energien haben nach jüngsten Statistiken aus dem Jahr 2017 bei 40,2 Milliarden US-Dollar (US$) gelegen. Davon entfielen 19,8 Milliarden US$ auf Solarkraft, 19,2 Milliarden auf Windkraft, 0,7 Milliarden auf die Herstellung von Biotreibstoffen, 0,4 Milliarden auf Biomasse und 0,1 Milliarden US$ auf die Nutzung von Wellen- und Gezeitenkraftwerken.

Grüner Strom bietet Preisvorteile

Selbst Bundesstaaten, die der Klima-Allianz nicht angehören, zum Beispiel Texas und Maine, steigern den Anteil CO2-freier Energiearten. Der Grund sind die gesunkenen Installationskosten für Wind- und Solarkraftanlagen sowie günstige Gestehungspreise für grünen Strom. Maine hat sich als Windkraftproduzent in der Region Neuengland auf den ersten Platz vorgeschoben. Derzeit diskutiert das Parlament eine Gesetzesinitiative, einen "Green New Deal", wonach bis 2030 komplett auf Erneuerbare umgestellt werden soll.

Umwelt- und Klimaschutz hat sich außerdem als ein handfestes Standortargument im Wettbewerb der Bundesstaaten untereinander etabliert: Damit werden Investoren, Unternehmen und qualifizierte Fachkräfte angelockt.

Stromgestehungskosten nach Erzeugertechnologie (in US$ pro Megawattstunde, Stand 2018)

Kernkraft 151
Kohle 102
Erdgas (Kraft-Wärme-Koppelung) 58
Solar 43
Wind 42

Quelle: Lazard/Inside Climate News

Ostküste setzt auf Offshore-Windkraft

Massachusetts möchte die Treibhausgas-Emission bis 2050 um 80 Prozent im Vergleich zu 1990 einschränken und baut dafür unter anderem einen der größten Offshore-Windparks an der Ostküste. New Jersey setzt sich Zwischenziele und will bis 2030 einen Anteil der Erneuerbaren von 50 Prozent erreichen. Dafür werden Offshore-Windkapazitäten von 3.500 Megawatt errichtet. Die Komplettumstellung auf 100 Prozent CO2-freie Energiequellen soll bis 2050 erfolgen.

Einen GTAI-Bericht zu den Plänen des Bundesstaats New York finden Sie unter: http://www.gtai.de/MKT201901248001

Illinois ist der Allianz erst vor kurzem, 2019, beigetreten. Die Probleme im Bereich Treibhausgas-Emission sind hier besonders groß, denn der Bundesstaat bezieht fast zwei Drittel seiner Elektroenergie aus fossilen Brennstoffen. Mit dem Allianz-Beitritt soll aber eine Wende glaubhaft signalisiert werden.

Gesetzlich vorgegebene Klimaziele in ausgewählten Bundesstaaten

Bundesstaat Senkung der Treibhausgas-Emission - Zwischenziel Senkung der Treibhausgas-Emission - Endziel Anteil Erneuerbarer am Strommix - Zwischenziel Anteil Erneuerbarer am Strommix - Endziel
Kalifornien 40% bis 2030 1) 100% bis 2050 1) 50% bis 2030 100% bis 2045
Colorado 26% bis 2025 2) k.A. 30% bis 2020 k.A.
Connecticut 45% bis 2030 3) 80% bis 2050 3) 20% bis 2020 40% bis 2030
Hawaii k.A. 100% bis 2045 k.A. 100% bis 2045
Maryland 40% bis 2030 2) 95% bis 2050 2) 25% bis 2020 k.A.
Massachusetts 25% bis 2020 1) 80% bis 2050 1) 16% bis 2020 k.A.
Minnesota 30% bis 2025 2) 80% bis 2050 2) 25% bis 2025 k.A.
New Jersey k.A. 80% bis 2050* 50% bis 2030 100% bis 2050
New York 40% bis 2030 1) 80% bis 2050 1) 50% bis 2030 100% bis 2040
North Carolina k.A. k.A. 12,5% bis 2021 k.A.
Oregon 10% bis 2020 1) 75% bis 2050 1) 50% bis 2040 k.A.
Rhode Island 45% bis 2035 1) 80% bis 2050 1) 38,5% bis 2035 k.A.
Vermont 50% bis 2028 1) 75% bis 2050 1) 75% bis 2032 k.A.
Washington 25% bis 2035 1) 50% bis 2050 1) 15% bis 2020 k.A.
Illinois k.A. k.A. 40% nos 2030 100% bis 2050

1) im Vergleich zu 1990; 2) im Vergleich zu 2005; 3) im Vergleich zu 2001

Quelle: U.S. Climate Alliance, 2018 Annual Report

Kohlekraft läuft aus

Die Tennessee Valley Authority hat unlängst die Schließung des Kohlekraftwerks Paradise Fossil Plant verfügt, das Präsident Trump laut Twitter-Meldungen eigentlich retten wollte. Ein zweites Kohlekraftwerk in Tennessee, Bull Run Fossil Plant, wird bis 2022 vom Netz genommen. Arizona schaltet 2019 das Kohlekraftwerk Navajo Generating Station ab.

Insgesamt werden 2019 4,5 Gigawatt an Kohlekapazitäten vom Netz genommen. Im Jahr 2018 betrug der Vergleichswert 13,7 Gigawatt. Dennoch bleiben damit landesweit 245,6 Gigawatt an installierten Kapazitäten in Kohlekraftwerken in Betrieb.

Pennsylvania, ehemals der viertgrößte Emittent von Treibhausgasen nach Texas, Kalifornien und Florida, verabschiedet sich ebenfalls von der Kohleverstromung. Allerdings wird hier auf Erdgas als Energieträger umgestellt, das vor Ort in den Appalachen gefördert wird.

CO2-Ausstoß 2018 landesweit gestiegen

Die Senkung der Treibhausgas-Emission kostet Zeit, zumal gerade Hochkonjunktur mit anziehendem Stromverbrauch und gewachsenem Transportaufkommen herrscht. Daher hat sich der CO2-Ausstoß 2018 um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht, wie das Marktforschungsunternehmen Rhodium Group festgestellt hat. In den Jahren zuvor hatte sich die Emission kontinuierlich verringert.

Stromkonzerne werden grün

Stromkonzerne bereiten den Komplettausstieg aus der fossilen Energieerzeugung von sich aus vor, so zum Beispiel Xcel Energy in Minnesota; immerhin der viertgrößte Stromerzeuger in den USA. Ab 2050 will der Konzern nur noch klimaneutralen Strom anbieten. Aber auch noch mächtigere Wettbewerber, so etwa Duke Energy oder Southern Power, stocken den Anteil grünen Stroms auf, vorerst jedoch ohne einen Komplettverzicht auf herkömmliche Erzeugerarten anzukündigen.

Weitere Informationen zu den USA sind unter http://www.gtai.de/usa abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Energiepolitik, Energieeinsparung, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/Energieerzeugung, Solarthermie, Waste to Energy

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