Suche

25.06.2019

USA investieren massiv in Solar-Speicher-Anlagen

Kostensenkungen und Steuergutschriften befeuern Branche / Von Ullrich Umann (Juni 2019)

Washington, D.C. (GTAI) - Die USA entwickeln sich zum weltgrößten Markt für Energiespeicher. Regeln und Tarife für Speicherdienstleistungen werden vorbereitet.

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Sinkende Installations- und Betriebskosten für Energiespeicher landesweite Regularien und Tarife für Speicherdienstleistungen erst in Vorbereitung
Abschreibungsmöglichkeiten für Solar-Speicher-Anlagen bis Ende 2022 Förderung fossiler Energieträger durch die US-Regierung
Wind- und Solarenergie werden dank geringer Gestehungskosten attraktiver Je nach Bundesstaat unterschiedliche oder keine Förderung für erneuerbare Energien

US-Regierung finanziert Forschung und erarbeitet Marktregeln

Der Markt für Energiespeicher entwickelt sich rasant. Sinkende Installationskosten bei einer steigenden Nachfrage nach Speicherkapazitäten sind die ausschlaggebenden Triebkräfte dafür. Für den breiten Ausbau der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen sind Investitionen in Speichertechnologien sogar zu einer wichtigen Voraussetzung geworden.

Wegen der hohen Bedeutung der Speichertechnologien hat das zuständige US-Energieministerium (U.S. Department of Energy, DOE) ein Programm unter dem Arbeitstitel Energy Storage Systems (ESS) aufgelegt. Auf dieser Grundlage wird die Zusammenarbeit zwischen Regierungseinrichtungen, Forschungslabors und der Industrie forciert. An ESS nehmen zum Beispiel die Sandia National Laboratories, das Pacific Northwest National Laboratory sowie das Oak Ridge National Laboratory teil.

Zusätzlich zur Technologieentwicklung möchte das DOE transparente Marktregeln für Dienstleistungen der Energiespeicherung aufstellen, zumal einige Bundesstaaten, etwa Texas, die Erzeugung und die gewerbliche Speicherung von Elektroenergie in getrennten Unternehmen gesetzlich vorschreiben. Investoren in Speicherkapazitäten erhalten mit den künftigen Marktregeln klare Rahmenbedingungen.

Mit der Ausarbeitung effizienter Regeln hat das DOE die nachgeordnete Federal Energy Regulatory Commission (FERC) beauftragt. FERC forderte daraufhin im Mai 2019 mit der Verordnung 841 alle Netzbetreiber auf, Vorschläge zur Regel- und Tarifgestaltung für Speicherleistungen einzureichen. Darunter waren auch die Regional Transmission Organizations (RTO) und die Independent System Operators (ISO).

Regelwerk soll Investitionsschub auslösen

"Die Regeln werden Mechanismen kodifizieren, um landesweit gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen", kommentierte in diesem Zusammenhang Daniel Finn-Foley, Senior Energy Storage Analyst bei GTM Research (das Unternehmen gehört inzwischen zu Wood Mackenzie Power&Renewables). Finn-Foley betrachtet die Festlegung von Regularien und Tarifen als einen Katalysator, der hohe Investitionen in Speicherkapazitäten auslösen dürfte.

Der Fachverband Energy Storage Association (ESA) brachte im November 2018 im US-Kongress zusätzlich einen Gesetzesvorschlag ein (Energy Storage Tax Incentive and Deployment Act), wonach Investitionen in Energiespeicher steuerlich besser berücksichtigt und gefördert werden. Doch verlief diese Initiative durch den sich zeitlich anschließenden Government Shutdown sowie angesichts der angespannten Haushaltslage - eine Konsequenz der Einkommenssteuerreform 2017 - weitgehend im Sand.

Eine steuerliche Berücksichtigung ist auf der Grundlage bestehender Regelungen trotzdem möglich, allerdings befristet bis 2023. So können Investitionen in gekoppelte Solar-Speicher-Anlagen beim Finanzamt steuermindernd geltend gemacht werden. Die Abschreibungshöhe hängt von der installierten Solar- und Speicherkapazität ab.

Rekordwachstum bei Energiespeichern bis einschließlich 2022

Für die Installation von Solar-Speicher-Anlagen dürfte 2019 sogar ein Rekordjahr werden, mutmaßt Ravi Manghani, Direktor für Energiespeicher bei Wood Mackenzie Power & Renewables. Neben dem Steuerspareffekt sorgen dafür die jährlich um 12 Prozent sinkenden Installationspreise, aber auch die im Vergleich zu anderen Energiequellen äußerst niedrigen Gestehungskosten für Solarstrom. Demnach lassen sich nach Betriebsaufnahme einer Solar-Speicher-Anlage äußerst lukrative Margen erwirtschaften.

Manghani sieht aber noch ein weiteres Argument für anschwellende Investitionen: Gekoppelt an leistungsstarke Energiespeicher können Wind- und Solaranlagen Nachfrageschwankungen nach Elektroenergie ausbalancieren. Für das Ausgleichen von Verbrauchsspitzen würden dann keine Gaskraftwerke mehr benötigt. Einen weiteren Beitrag zum US-Markt für Stromspeicher finden Sie unter http://www.gtai.de/MKT201906288007

Bundesstaaten fördern unterschiedlich

Jeder Bundesstaat ist weitgehend autonom in seiner Energiepolitik. Das wirkt sich auch aus auf die Ausarbeitung von Normen, Standards und Regularien zum Ausbau und Betrieb der Verteilungsnetze wie auch der Energiespeicher. Fachleute beobachten aber Nachahme- und Schneeballeffekte. Darüber hinaus stellt der Fachverband ESA eine Plattform dar, über die Bundesstaaten voneinander lernen können.

Speicher entstehen insbesondere in Bundesstaaten, die eine zukunftsgerechte Energie- und Umweltpolitik betreiben, etwa in Kalifornien, im State of New York oder auch auf Hawaii, betont Timothy Fox, Vice President bei ClearView Energy Partners. So drängt zum Beispiel der Gouverneur des State of New York, Andrew Cuomo, darauf, die Speicherkapazitäten in seinem Bundesstaat bis 2025 auf 1,8 Gigawatt (GW) und bis 2030 auf 3 GW auszuweiten. Im Ergebnis könnte New York seinen Clean Energy Standard einhalten, wonach 50 Prozent des Stromverbrauchs 2030 aus erneuerbaren Quellen zu bedienen sind.

Weitere Bundesstaaten prüfen, wie sie die Installation von Energiespeichern fördern können. So deklarierten neben Kalifornien und New York auch Oregon, Massachusetts und New Jersey ehrgeizige Energiespeicherziele, die die dortigen Versorgungsunternehmen einzuhalten haben. Große Fortschritte beim Kapazitätsausbau weisen zudem New Hampshire, Florida und Texas auf, alles drei republikanisch regierte Bundesstaaten, wo eher auf Deregulierung als auf Zielvorgaben für grünen Strom gesetzt wird. Doch sorgen die denkbar günstigen Stromerzeugungskosten in Wind- und Solaranlagen dafür, dass Firmen in diesem Bereich stark investieren.

Noch existieren zu wenige Speicherkapazitäten

Aktuell stehen allerdings erst für 2 Prozent des generierten Stroms Speicherkapazitäten zur Verfügung, wie der Fachverband ESA mitteilt. Seit den 1930er Jahren wurden dafür vorrangig Pumpspeicherwerke errichtet. Ausschlaggebende Motive dafür waren die Katastrophenvorsorge sowie der mögliche Ausfall von Kraftwerks- oder Übertragungsleistungen aus technischen Gründen. Als ein neues Motiv kommt die wachsende Stromgenerierung aus erneuerbaren Quellen hinzu, wofür moderne Energiespeicher zwangsläufig errichtet werden müssen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
U.S. Department of Energy (DOE) - Office of Electricity http://www.energy.gov/oe/office-electricity Dr. Imre Gyuk, Department of Energy / Office of Electricity, Director of Energy Storage, E-Mail: imre.gyuk@hq.doe.gov
The DOE Global Energy Storage Database http://www.energystorageexchange.org Enthält Übersicht von Projekten und Förderprogrammen in allen US-Bundesstaaten
Programm Energy Storage Systems (ESS) http://www.sandia.gov/ess-ssl/ Förderprogramm des DOE zur Entwicklung von Speichertechnologie
U.S. Department of Energy (DOE) http://www.energy.gov/oe/information-center/library/fact-sheets#storage Aufstellung von Speichertechnologien und Forschungsprojekten
Federal Energy Regulatory Commission (FERC) http://www.ferc.gov Regulierungsbehörde für Energiemärkte
Energy Storage Association (ESA) http://energystorage.org Verband für Energiespeicherung

Mehr Informationen zum Land unter http://www.gtai.de/usa

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Strom-/ Energieerzeugung, sonst. erneuerb. Energien, Stromübertragung und -verteilung

Funktionen

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche