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18.06.2018

USA machen bei Fotovoltaik schnelle Fortschritte

Importabhängigkeit bei Solarzellen soll sinken / Von Ullrich Umann

Berlin (GTAI) - Der US-Markt für Solaranlagen hat sich für Projektentwickler, Hersteller, Importeure und Installateure zu einem guten Geschäft entwickelt. Öffentliche und private Finanzierungen, aber auch die gesetzliche Aufstellpflicht in Kalifornien ab 2020 befeuern die Entwicklung. Solarzellen werden überwiegend importiert. Um US-Hersteller zu schützen und Investoren zum Aufbau von Montagewerken zu bewegen, hat die Regierung im Februar 2018 Einfuhrquoten und Importzölle erlassen. (Kontaktadressen)

Die installierte Kapazität bei Solaranlagen wächst in den USA um 20 Prozent pro Jahr, wie das Marktforschungsunternehmen Freedonia festgestellt hat. Im Jahr 2016 gab es landesweit 1,3 Millionen Anlagen mit einer installierten Nennleistung von 14,8 Gigawatt (GW). Neben ökologischen Argumenten und gesunkenen Preisen in der Gestehung, führen auch die finanzielle Förderung einzelner Bundesstaaten und Kommunen dazu, dass mehr Solaranlagen aufgestellt werden.

Privat finanzierter Solarstrom rückt auf

Hinzu gesellen sich immer mehr Privatfinanzierungen. So haben Banken inzwischen genügend Erfahrungen mit den finanziellen Risiken bei Solaranlagen gesammelt. Sie bieten neben Leasinggesellschaften auch das Leasen von Solarpaneelen an. Der seit Jahren zu beobachtende Preisverfall bei Solarpaneelen hat der Aufwärtsentwicklung bei Solarstrom sogar noch einen zusätzlichen Impuls verliehen.

Kritisch betrachten Investoren das teilweise langwierige Antrags- und Genehmigungsverfahren. Anlagenbetreiber, die überschüssigen Sonnenstrom in das Netz einspeisen wollen, treffen mancherorts auf eine abweisende Haltung der Netzbetreiber. Diese sind nicht überall und auch nicht ohne zeitliche Verzögerung in der Lage, die schwankenden Einspeisemengen aus Solaranlagen technisch auszugleichen.

Kalifornien ist Vorreiter bei Fotovoltaik

Unter allen Bundesstaaten erntet Kalifornien den weitaus meisten Solarstrom. Hier bestehen dafür zum einen gute natürliche Voraussetzungen. Zum anderen greift ab 2020 die Vorschrift, dass jedes neu gebaute Haus über eine Solaranlage verfügen muss. Diese Aufstellpflicht konnte die California Energy Commission durchsetzen.

Private Häuserbauer kommen somit in zwei Jahren um die Installation von Solarpaneelen gar nicht mehr herum. Deshalb entschließen sich einige Häuserbauer schon jetzt zu einer Installation. Aktuell hält Kalifornien einen Anteil am US-Markt für fotovoltaische Module von 25 Prozent. Ab 2020 dürfte diese Quote sogar noch steigen, sollten andere "sonnenverwöhnte" Bundesstaaten nicht mit einer Aufstellpflicht nachziehen.

Im Schnitt werden in Kalifornien jedes Jahr circa 80.000 Häuser gebaut. Dies bedeutet, dass in diesen Bundesstaat ab 2020 pro Jahr Solaranlagen mit einer kumulierten Nennleistung von 260 Megawatt auf privaten Dächern installiert werden. Eine Dachanlage kostet bis zu 10.000 US-Dollar (US$).

USA bei Solarzellen stark importabhängig

Einen Großteil der für die Module und Anlagen notwendigen Solarzellen importieren die USA aus Malaysia, China, Südkorea, Thailand und Vietnam (in dieser Reihenfolge). Aus inländischer Produktion stammen 9 Prozent. Dieses Ungleichgewicht veranlasste die US-Regierung im Februar 2018 dazu, eine Einfuhrquote für Solarzellen von 2,5 Gigawatt pro Jahr zu erlassen. Dabei wird nach dem Prinzip "first-come, first-serve" vorgegangen. Auf alle weiteren Importe wird ein Abgabensatz von 30 Prozent erhoben, der bis 2022 graduell auf 15 Prozent sinkt.

Herkunft und Verfügbarkeit von Solarmodulen in den USA (Stand 2016)
Herkunft Nennleistung in kW
Inventar zum Jahresanfang 1.448.319
Produktion über das Jahr 1.114.886
Importe über das Jahr 12.777.051
Käufe von OEM aus den USA 29.777
Verfügbarkeit gesamt 15.370.033
Inlandsabsatz 13.315.707
Export 135.480
Gesamtabsatz 13.451.187
Inventar zum Jahresende 1.918.846

Quelle: U.S. Energy Information Administration

Angeregt hatten diese Importverschärfung mit Suniva und Solar World Americas zwei in den USA angesiedelte Hersteller. Das erstgenannte Unternehmen befindet sich im chinesischen und das zweitgenannte noch im deutschen Mehrheitsbesitz. Beide Firmen durchlaufen derzeit ein Konkursverfahren. Eine Reihe von Herstellern in den USA hatten wegen des Preisverfalls bei Solarzellen schon ihr Geschäft aufgeben müssen.

Chinesische Investoren bauen Werke

Im Frühjahr 2018 verkündeten drei chinesische Hersteller, Jinko Solar, Sun Power und First Solar, in den USA produzieren beziehungsweise ihre Produktion ausweiten zu wollen. Jinko Solar errichtet nach eigenen Angaben ein Werk in Jacksonville (Florida). First Solar erweitert seine bestehende Montage in Ohio und Sun Power hat wiederum Solar World Americas übernommen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/usa Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK USA http://www.ahk-usa.com Anlaufstelle für deutsche Unternehmen in den USA

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Strom-/ Energieerzeugung, Solar

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