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08.11.2018

Usbekistan baut Erzbergbau und Hüttenwesen massiv aus

Viele Lieferchancen für ausländische Ausrüstungsanbieter / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Usbekistan will von 2018 bis 2027 etwa 7 Milliarden US-Dollar in den Ausbau und in die Erneuerung des Erzbergbaus und des Hüttenwesens investieren.

Die Republik Usbekistan plant in den kommenden Jahren eine entschiedene Modernisierung der Erzförderung und des Hüttenwesens. Beide Industriezweige beschäftigen mehr als 100.000 Mitarbeiter. Die usbekische Montanindustrie steht für rund zwölf Prozent des wertmäßigen Ausstoßes der gesamten Industrie. Metallerzeugnisse haben auch ein hohes Gewicht in der Exportwirtschaft des Landes. Neue Vorhaben bieten ausländischen Anbietern von Maschinen und Ausrüstungen, Labortechnik und verschiedensten Verbrauchsmaterialen zahlreiche Geschäftschancen.

Usbekistan zählt zu den weltweit führenden Produzenten von Uran-, Gold- und Kupfer. In die Förderung und Verarbeitung metallischer Erze fließen pro Jahr im Schnitt etwa 300 bis 400 Millionen US-Dollar (US$). Fest geplante und gegenwärtig vorbereitete neue Projekte lassen einen Anstieg der jährlichen Investitionen erwarten.

Ausgewählte Kenndaten der Erzförderung und des Hüttenwesens Ubekistans *)
2014 2015 2016 2017
Förderung metallischer Erze (in Mio. US$) 1.177 1.205 1.196 667
Reale Veränderung gegenüber Vorjahr (in %) 7,1 2,4 1,5 2,1
Anteil an der Industrieproduktion insgesamt (in %) 3,2 3,2 3,2 3,6
Investitionen in die Erzförderung (in Mio. US$) 171 161 126 122
Produktion im Hüttenwesen (in Mio. US$) 2.763 2.752 2.699 1.547
Reale Veränderung gegenüber Vorjahr (in %) 8,6 2,8 1,6 7,8
Anteil an der Industrieproduktion insgesamt (in %) 7,6 7,3 7,2 8,4
Investitionen in das Hüttenwesen (in Mio. US$) 286 204 270 189

*) Hinweis: Am 5. September 2017 wurde der überbewertete offizielle Wechselkurs der Nationalwährung, des Usbekistan-Sum, gegenüber dem US-Dollar um etwa die Hälfte seines bisherigen Wertes abgewertet.

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Usbekistan

Edelmetall-Gigant in Nawoi investiert mehr als 3 Milliarden US-Dollar

Das Bergbau- und Hüttenkombinat Nawoi ist mit zahlreichen Gruben und vier Hüttenbetrieben an den Standorten Nawoi, Sarafschan, Utschkuduk und Samirtan das bedeutendste Bergbauunternehmen. Es ist mit rund 700.000 Beschäftigten auch das größte Industriekonglomerat im Land, denn es betreibt außerdem Unternehmen in folgenden Branchen: Maschinenbau, Chemie, Juwelier- und Marmorerzeugnisse und Bekleidung.

Das Kombinat verabschiedete im Jahr 2017 einen langfristigen Investitionsplan. Dieser sieht bis 2026 die Umsetzung von 27 Projekten mit einem Wert von 3,1 Milliarden US$ vor. Ziel ist, die Goldproduktion um 30 Prozent gegenüber dem Niveau von 2016 auszuweiten. Die Hälfte aller geplanten Projekte befindet sich in einer ersten Phase ihrer Umsetzung.

Bemessen in Weltmarktpreisen, beträgt die Goldproduktion des Kombinats inoffiziellen Schätzungen zufolge etwa fünf Milliarden US$. Beachtlich ist auch die Gewinnung von Silber und Seltene Erden. Das Unternehmen gilt nicht zuletzt als einer der weltweit größten Hersteller von Urankonzentrat.

Buntmetall-Flaggschiff Almalyk realisiert Projekte für 2,5 Milliarden US-Dollar

Der bedeutendste Buntmetallproduzent in Usbekistan ist das Bergbau-Hüttenkombinat Almalyk. Es setzt Projekte mit einem Volumen von insgesamt rund 2,5 Milliarden US$ um: Im Frühjahr 2017 startete ein Großprojekt für die Erschließung von Kupfererz-, Molybdänerz- und Edelmetallvorkommen - Joschlik 1. Dafür sind bis 2027 Investitionen von rund 1,7 Milliarden US$ geplant. Im Zeitraum bis Ende 2019/Anfang 2020 fließen die Gelder in die Erzgewinnung sowie in den Ausbau der lokalen Transport- und Energieinfrastruktur. Ab 2019 soll eine Aufbereitungsanlage mit einer jährlichen Kapazität von bis zu 23 Millionen Tonnen Erz errichtet werden.

Das Bergbau- und Hüttenkombinat Almalyk könnte bei einer vollen Auslastung seiner Produktion jährlich bis zu 3,1 Millionen Tonnen Erze verarbeiten und bis zu 115.000 Tonnen Roh- und bis zu 147.000 Tonnen Kathodenkupfer herstellen. In Almalyk entstehen 90 Prozent der Silberproduktion und 20 Prozent der Goldproduktion Usbekistans.

Erschließung der Eisenerzlagerstätte Tebinbulak geplant

Bewegung kommt in ein schon länger geplantes Projekt für die Erschließung der größten usbekischen Eisenerzlagerstätte Tebinbulak. Es soll der bisherigen Planung zufolge bis zum Jahr 2024 gebaut werden. Dann können pro Jahr bis zu 1,5 Millionen Tonnen Roheisen und bis zu 1 Millionen Tonnen Stahl hergestellt werden. Federführend ist die staatliche Usbekische Eisenbahn. Das Unternehmen soll der Regierung bis Ende 2018 eine endgültige Machbarkeitsstudie vorlegen. Der Ausbau kostet rund 1,5 Milliarden US$ und zusätzliche Energie. Der zentrale Stromversorger O´zbekenergo muss dafür zunächst die lokale Stromversorgung sicherstellen.

Die geschätzten Gesamtvorräte des im Jahr 1937 entdeckten Vorkommens in der Autonomen Republik Karakalpakstan betragen 3,5 Milliarden Tonnen Eisenerz in Form titanreicher Magnetite. Die bestätigten Vorräte werden mit rund 450 Millionen Tonnen angegeben. Der Eisengehalt liegt bei 16 Prozent.

Errichtung eines Wolfram-Clusters in Sicht

Im Sommer 2018 hat das Staatliche Komitee für Geologie und mineralische Ressourcen Usbekistans mit der Gesellschaft IFG Metals & Mining (IFG Capital Partners SA), Luxemburg eine Vereinbarung über die geologische Erschließung und industrielle Nutzung von sieben Wolframlagerstätten vereinbart. Die Investitionen in den langfristig geplanten Aufbau eines Wolframclusters werden für die kommenden 25 bis 30 Jahre auf etwa 300 Millionen US$ veranschlagt. In die praktische Umsetzung des Projekts soll das indische Unternehmen Sun Group einbezogen werden. Nach den bisherigen Planungen ist ab dem 2024 eine jährliche Produktion von bis zu 5.700 Tonnen Wolfram vorgesehen.

Grünes Licht für neue Aktivitäten in der geologischen Erkundung

Wie in allen Industriezweigen Usbekistans lässt sich seit 2017 auch im Erzbergbau und im Hüttenwesen eine fortschreitende Liberalisierung und Marktöffnung beobachten. Lizenzgeber für die Erkundung und Erschließung von Lagerstätten ist heute ausschließlich das Staatliche Komitee für Geologie und mineralische Ressourcen (http://www.uzgeolcom.uz). Lizenzanträge werden seit Januar 2018 innerhalb von 20 Tagen bearbeitet. Anfragen zu potenziellen Lagerstätten sollen nunmehr umgehend beantwortet werden.

In den letzten Monaten hat das Komitee mit einer Reihe ausländischer Partner Vereinbarungen über Projekte in der geologischen Erkundung von Erzvorkommen unterzeichnet. Die Partnerunternehmen kommen vorrangig aus der Türkei, der VR China und Russland. Bei den Vorhaben handelt es sich vorrangig um die Erkundung von Gold-, Kupfer-, Molybdän-, und Wolframvorkommen.

Eine Übersicht über Projekte im Erzbergbau und Hüttenwesen in Usbekistan können Sie hier herunterladen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter https://www.gtai.de/usbekistan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Mineralische Rohstoffe, Edelsteine, Erze, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik, Steine, Erden

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