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25.10.2018

Usbekistan steckt Milliarden in die Energieversorgung

Regierung sucht Partner für Erneuerung von Kraftwerken / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Kraftwerke ins Usbekistan sind alt, ineffektiv und nicht ökologisch. Das Land investiert in die Stromwirtschaft. Ausländische Firmen drängen auf den Markt für erneuerbare Energien.

Usbekistans Elektrizitätswirtschaft rüstet sich für die Zukunft. Mit finanzieller Unterstützung von Geberbanken und ausländischen Investoren fließen im Zeitraum 2018 bis 2021/22 mehr als 10 Milliarden US-Dollar in die Branche. Bei manchen Projekten sind Finanzierungsfragen offen. Andere werden nicht fristgerecht umgesetzt. Dies schmälert das Auftragsvolumen nicht, denn es kündigen sich neue Projekte von privaten ausländischen Investoren an.

Kraftwerksleistung soll bis 2030 um 12.400 Megawatt steigen

Bis 2030 sollen die installierten Kraftwerkskapazitäten von heute rund 14.100 Megawatt auf mindestens 26.500 Megawatt steigen. Um dies zu erreichen, hat die staatliche Gesellschaft O´zbekenergo von 2018 bis 2030 70 Einzelprojekte im Wert von insgesamt 20,3 Milliarden US$ geplant. Dabei sind Blockkraftwerke im Besitz von Industrieunternehmen mit eingerechnet. Es geht um den Bau eines Atommeilers, die Modernisierung bestehender und die Inbetriebnahme neuer Kombi- und Wasserkraftwerke sowie die Errichtung von Photovoltaikanlagen und Windparks.

Staatliche Gesellschaft O'zbekenergo ist Ansprechpartner

Hauptauftraggeber der Investitionen ist die staatliche Gesellschaft O´zbekenergo (http://www.uzbekenergo.uz). Sie betreibt alle zehn Wärmekraftwerke Usbekistans mit einer installierten Kapazität von 12.100 Megawatt sowie das gesamte Übertragungs- und Verteilernetz. Im Jahr 2017 produzierte O´zbekenergo 52,1 Milliarden Kilowattstunden Strom. Der Anteil an der landesweiten Elektrizitätserzeugung betrug 86 Prozent.

Bei den übrigen Investitionen handelt es sich um ausländische Direktinvestitionen in Solar- und Windkraft sowie um Projekte der staatlichen Gesellschaft O´zbekgidroenergo (http://www.uzgidro.uz). Die Gesellschaft investiert von 2018 bis 2021/22 schätzungsweise 0,8 bis 1,0 Milliarden US$ in Ausbau und Modernisierung der Wasserkraftwerke. Stromerzeugung aus Wasserkraft soll bis 2030 im Vergleich zu 2017 um zwei Drittel auf 13,2 Milliarden Kilowattstunden steigen. O´zbekgidroenergo erzeugte 2017 rund 7,9 Milliarden Kilowattstunden Strom. Das waren 13 Prozent der Stromproduktion Usbekistans. Das Unternehmen verwaltet und steuert 37 Wasserkraftwerke mit einer installierten Kapazität von 1.900 Megawatt.

Neben Kraftwerken müssen Verteiler- und Übertragungsnetze erneuert werden

Der Investitionsbedarf in der Stromwirtschaft ist heute größer denn je. Die Energienachfrage wächst. Dies zeigen zahlreiche Projekte wie die Modernisierung und der bis 2026 geplante Ausbau des staatlichen Goldbergbau- und Metallverhüttungsunternehmens in Nawoi. Die Regierung rechnet dafür mit einem zusätzlichen Bedarf von 303 Megawatt installierter Kraftwerkskapazitäten. Aktuell erzeugen die Kraftwerke für den usbekischen Goldproduzenten rund 400 Megawatt Strom.

Ebenso müssen veraltete, ineffektiv arbeitende und ökologisch nicht mehr zeitgerechte Anlagen erneuert werden. Der Großteil der installierten Kapazitäten in den Wärmekraftwerken hat die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer überschritten. Zwei Drittel der Umspannwerke und des 8.800 Kilometer langen Übertragungsnetzes mit Spannungsebenen von 220 bis 500 Kilovolt wurden vor mehr als 30 Jahren errichtet. Drei Fünftel des 226.200 Kilometer langen Verteilernetzes für die Endkunden, mit einer Spannung von 0,4 bis 110 Kilovolt sowie 40.000 Transformatoren benötigen eine Generalüberholung oder müssen neu installiert werden.

Eine Übersicht über Projekte für den Ausbau der Energieversorgung in Usbekistan können Sie hier herunterladen.

Bedingungen für Sonnen- und Windenergie sind günstig

Seit der im Jahr 2017 von der Regierung auf den Weg gebrachten Marktöffnung und wirtschaftlichen Liberalisierung des Landes wächst das Interesse ausländischer Firmen an Direktinvestitionen in die regenerative Stromerzeugung. Usbekistan verfügt über ein großes Potenzial an erneuerbaren Energien. An etwa 320 Tagen im Jahr scheint die Sonne. Das jährliche Gesamtpotenzial an Solarenergie beträgt zirka 51 Milliarden Tonnen Öläquivalent (eine Tonne Öläquivalent = 11,63 Kilowattstunden), schreibt die Weltbank in einer Studie über erneuerbare Energie in Usbekistan. Das technische Potenzial zur Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen wird auf mindestens 480 Terrawattstunden geschätzt.

Eine Studie der deutschen Beratungsfirmen Geo-Net Umweltconsulting und Intec - GOPA International Energy Consultants schätzt das Leistungsvermögen von Windenergie auf mindestens 520.000 Megawatt installierte Kapazität - mehr als 1 Milliarde Megawattstunden Strom pro Jahr. Real sei es sicher höher, heißt es. Die von den Firmen identifizierten Flächen für den Bau von Windparks sind großzügig. Sie bieten hohe bis mittlere Windgeschwindigkeiten und eine nahgelegene Netzanbindung.

Ausländischen Firmen kündigen Investitionen an

Der kanadische Solarentwickler Sky Power Global hatte im Mai 2018 einen Stromabnahmevertrag mit O´zbekenergo geschlossen. Damit garantiert das usbekische Staatsunternehmen dem Solarentwickler eine langfristige Abnahme von grünem Strom. Sky Power Global will Solarparks mit einer Gesamtkapazität von 1.000 Megawatt errichten und künftig jährlich bis zu 1 Milliarde Kilowattstunden Strom ins Netz einspeisen.

Ein ähnlich großes Vorhaben verfolgt die US-amerikanische Gesellschaft Headwall Power International. Auch der indische Mischkonzern Shapoorji Pallonji, der französische Entwickler von Wind- und Solarenergie Total EREN SA und das Unternehmen für erneuerbare Energien der Vereinigten Arabischen Emirate Masdar - Abu Dhabi Future Energy wollen in Photovoltaik investieren.

Regierung setzt auf öffentlich-private Partnerschaften

Die usbekische Regierung will ausländische private Investoren für öffentlich-private-Partnerschaften in der usbekischen Photovoltaikbranche gewinnen. Diese Projekte sollen eine installierte Gesamtleistung von 1.000 Megawatt und einem Wert von 1 Milliarde US$ umfassen. Dafür hat die Regierung eine Vereinbarung mit der internationalen Entwicklungsbank International Finance Corporation (IFC) unterzeichnet. Die IFC berät die Regierung bei der Suche nach geeigneten Partnern.

Für ein erstes 100-Megawatt-Pilotpojekt laufen Vorbereitungen. Es soll im Frühjahr international ausgeschrieben werden. Das türkische Unternehmen Etko Co Enerji will den ersten großen Windpark mit einer Leistung von 600 Megawatt errichten. Der spanisch-deutsche Windkraftanlagenhersteller Siemens Gamesa Renewable Energy prüft die Umsetzung eines 100-Megawatt-Projektes.

Es fehlen geeignete Gesetze für Kooperationen mit Privatwirtschaft

Erste Projekte nach dem Geschäftsmodell der öffentlich-privaten Partnerschaft bahnen sich an. Doch es fehlen noch grundlegende Gesetze für solche Kooperationen. Die Regierung will gemeinsam mit ausländischen Rechtsberatern klare Regeln für öffentlich-rechtliche Partnerschaften und für die Einspeisung grüner Energien in das Stromnetz schaffen. Ziel ist es, ein marktkonformes Wirtschaftsrecht zu erarbeiten. Bei Projekten zur Nutzung alternativer Energien garantiert die Regierung bereits Entlastungen bei Steuern und Zöllen sowie eine Bereitstellung von Flächen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter http://www.gtai.de/usbekistan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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