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21.05.2019

Usbekistan will Pharmabranche kräftig ausbauen

Zügige Einführung internationaler Standards geplant / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Usbekistans Pharmabranche soll für Investoren attraktiver werden. Neue institutionelle Strukturen, mehr Fördergelder und spezielle Freizonen sind hierfür wichtige Instrumente.

Die zentralasiatische Republik Usbekistan startet eine neue Offensive für den Ausbau der Produktion von Arzneimitteln und medizinischen Verbrauchsartikeln. Dafür hatte Präsident Schawkat Mirsijojew am 10. April 2019 den Erlass "Über weitere Maßnahmen zur beschleunigten Entwicklung der pharmazeutischen Industrie in Usbekistan in den Jahren 2019 bis 2021" verabschiedet. Folgende Pläne sollen umgesetzt werden:

Aktionen zur Entwicklung der Pharmaindustrie in Usbekistan
Bezeichnung der Maßnahme
Umstrukturierung der staatlichen Agentur für die Entwicklung der pharmazeutischen Industrie
Implementierung international üblicher Standards in der gesamten Kette von präklinischen Studien bis zum Großhandel
die beschleunigte Modernisierung bestehender und die Errichtung neuer Kapazitäten
Ausweitung des Produktionssortiments
Gründung eines Fonds für die Förderung der pharmazeutischen Produktion
Eine verstärkte Gewinnung ausländischer Investoren für neue Projekte.

Quelle: Präsidialerlass vom 10. April 2019

Gegenwärtig gibt es im Land rund 150 Produzenten pharmazeutischer Erzeugnisse und medizinischer Verbrauchsartikel, darunter zahlreiche kleine Unternehmen. Der Anteil der einheimischen Produktion am mengenmäßigen Verbrauch von Arzneimitteln soll in den kommenden fünf Jahren auf bis zu 70 Prozent steigen. Er liegt heute bei etwa 55 Prozent.

Das Gewicht der usbekischen Produzenten am wertmäßigen Verbrauch von Arzneimitteln beträgt etwa 25 Prozent. Grund dafür sind teure Importpräparate. Usbekistan führte 2018 pharmazeutische Erzeugnisse im Wert von 852 Millionen US-Dollar (US$) ein - 40 Millionen US$ mehr als 2017.

Menge der in Usbekistan produzierten Pharmazeutika und Arzneimitteln
2014 2015 2016 2017
Arzneimittel ohne Hormone oder Antibiotika (in Tonnen) 18.242 23.577 24.430 30.364
Vitamine, Provitamine (in Tonnen) 413 1.220 3.906 239
Diagnostische Reagenzien und andere pharmazeutische Präparate (in Tonnen) 311 464 503 200
Arzneimittel mit Hormonen (Corticosteroide) (in Tonnen) 5 8 63 123
Impfstoffe (in Tonnen) 5 5 6 11

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Usbekistan

Agentur für Pharmaindustrie wird zentraler Ansprechpartner

Die beim Ministerium für Gesundheitswesen angesiedelte Agentur für die Entwicklung der pharmazeutischen Industrie soll in den kommenden Monaten Kompetenzen des Mutterhauses übernehmen. Dann wird sie für folgende Aufgaben zuständig sein:

Leistungen der Agentur für die Entwicklung der usbekischen Pharmaindustrie

Aufgabe
Erarbeitung und Umsetzung von Strategien und Konzepten für den Ausbau der medizinischen Industrie
Überwachung der Arzneimittelherstellung und des Großhandels mit pharmazeutischen Präparaten und medizinischen Verbrauchsartikeln
Lizenzierung der Produktion und des Großhandels mit Pharmaka
Staatliche Regulierung, Standardisierung und Zertifizierung von Erzeugnissen der pharmazeutischen Industrie
Unterstützung lokaler Firmen bei der Suche nach Investitions- und Kooperationspartnern im Ausland.

Quelle: Präsidialerlass vom 10. April 2019

Flächendeckende Einführung der "guten Arbeitspraxis" bis spätestens 2022

Ein besonderes Kernelement des Präsidialerlasses ist die flächendeckende Einführung von international anerkannten Richtlinien für "gute Arbeitspraxis" (GxP). Das sind Regeln zu Hygiene, Räumlichkeiten, Ausrüstung, Dokumentation und Kontrollen in der gesamten Pharmaziebranche. Dieses Vorhaben soll bis Ende 2021/Anfang 2022 umgesetzt werden.

So müssen alle Labors für die Durchführung von vorklinischen Studien eine Zertifizierung nach den Prinzipien der Guten Laborpraxis (Good Laboratory Practice/GLP) durchlaufen. Kliniken des Ministeriums für Gesundheitswesen, die klinische Studien durchführen, bedürfen einer Pflichtzertifizierung nach den Qualitätsstandards der Guten Klinischen Praxis (Good Clinical Practice/GCP).

Alle inländischen Hersteller von Arzneimitteln müssen gewährleisten, dass sie ihre Produkte gemäß den Qualitätsstandards der Guten Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice/GMP) fertigen. Alle Großhändler, die pharmazeutische Erzeugnisse vertreiben, brauchen künftig ein Zertifikat für die Gute Vertriebspraxis (Good Distribution Practice/GDP).

Acht spezialisierte Freizonen winken mit Steuerpräferenzen

Die Regierung hat acht freie Wirtschaftszonen für die Ansiedelung von Branchenunternehmen errichtet. Es handelt sich um die Freizonen Nukus-Pharm (Autonome Republik Karkalpakstan), Zomin-Pharm (Region Jizzakh), Kosonsoy-Pharm (Region Namangan), Syrdaryo-Pharm (Region Syrdarja), Boysun-Pharm (Region Surchandarja), Bustonlik-Pharm und Parkent-Pharm (beide Gebiet Taschkent) sowie Andischan-Pharm (Region Andischan).

In den Sonderwirtschaftszonen profitieren Unternehmer für maximal 30 Jahre von steuerlichen und anderen Vorzugsbedingungen. Der tatsächliche Zeitraum, in dem sie die Präferenzen erhalten, hängt von der Höhe der investierten Kapitals ab: Für 0,3 Millionen bis 3 Millionen US$ erhalten Investoren drei Jahre. Für einen Wert über 3 Millionen bis 5 Millionen gibt es fünf Jahre. Für eine Investition von mehr als 5 Millionen bis 10 Millionen US$ dauern Vorzugsbedingungen sieben Jahre und für mehr als 10 Millionen US$ zehn Jahre.

Noch zögern in- und ausländische Investoren. Mit der fortschreitenden Liberalisierung und Marktöffnung der usbekischen Wirtschaft zeichnet sich ein wachsendes Interesse an den Freizonen ab. Mehrere Unternehmen aus Indien und Südkorea, darunter die Gesellschaften Kyung Dong Pharm Co. Ltd und DongKoo Bio&Pharma Co., Ltd., kündigten Engagements an.

Das Gelände der Freizone Nukus-Pharm in der Stadt Nukus und den Landkreisen Kanlykul und Turtkul wurde im April 2019 auf 42,3 Hektar erweitert. Grund dafür sind mehrere geplante Investitionsprojekte. Die dort registrierten Unternehmen produzieren Lakritzerzeugnisse (Extrakt und Fertigerzeugnisse), Glasverpackungen für die Pharmaindustrie, Einwegspritzen, onkologische Pflaster und Glycerinsäure.

Auch außerhalb der Freizonen planen ausländische Investoren Projekte. Die Vorhaben werden in der Regel ebenfalls vom Staat mit verschiedenen Präferenzen gefördert. Das Unternehmen RV Healthcare PTE LTD aus Singapur will in den Jahren 2019 und 2020 in der Region Choresm eine pharmazeutische Fabrik für die Herstellung von virenhemmenden Arzneimitteln und Krebspräparaten sowie Biostimulatoren errichten. Die italienische Gesellschaft Kedrion Biopharma plant, in der Hauptstadt Taschkent das Faktor-VIII-Präparat für die Heilung von Hämophilie herzustellen.

Kontaktadresse

Farmatsevtika Tarmo´gini Rivojlantirish Agentligi

(Agentur für die Entwicklung der pharmazeutischen Industrie)

Ansprechpartner: Sardor Kariev, Vorsitzender

Chingis Aytmatov ko´chasi 1a

100084 Taschkent/Republik Usbekistan

T +998/71 234 06 04

F +998/71 235 06 73

farmagentlik@minzdrav.uz

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter http://www.gtai.de/usbekistan erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Arzneimittel, Diagnostika

Funktionen

Kontakt

Dominik Vorhölter

‎+49 228 24 993 219

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