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24.09.2019

Usbekistan will Stromerzeugung massiv ausbauen

Milliarden-Investition auch in die Stromübertragung und -verteilung geplant / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Usbekistan muss im Zeitraum bis 2030 kräftig in die Erneuerung und den Ausbau der Stromwirtschaft investieren. Der Kapazitätsbedarf für neue Anlagen beträgt mindestens 26 Gigawatt.

Die Elektrizitätswirtschaft in der zentralasiatischen Republik Usbekistan bleibt auf Jahre hinaus eine der investitionsträchtigsten Branchen. Die Gründe liegen auf der Hand: Infolge eines großen Investitionsstaus ist in vielen Landesteilen eine kontinuierliche Stromversorgung nicht gewährleistet. Der seit 2017 anhaltende Wirtschaftsaufschwung zieht eine wachsende Stromnachfrage nach sich. Das Ministerium für Energiewirtschaft Usbekistans prognostiziert bis 2030 eine durchschnittliche jährliche Ausweitung des Stromverbrauchs um etwa 6 bis 7 Prozent.

Verdoppelung des Strombedarfs bis 2030 prognostiziert

Die Stromlieferungen im Land betragen 2019 etwa 60 Milliarden Kilowattstunden. Die hierfür erforderliche Stromerzeugung beziffert das Ministerium auf 65 Milliarden Kilowattstunden. Im Jahr 2030 müssen bei einem erwarteten Strombedarf von 112 Milliarden Kilowattstunden 121 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt werden.

Kraftwerkszubau von 26 Megawatt erforderlich

Zur Deckung der prognostizierten Stromnachfrage braucht Usbekistan eine Kraftwerksleistung von 31,8 Gigawatt (GW), darunter von 5 Gigawatt zur Abdeckung von Spitzenlasten. Unter Berücksichtigung der in den kommenden fünf Jahren absehbaren Stilllegungen alter Stromerzeugungsanlagen (etwa 6 bis 7 Gigawatt) ergibt sich ein erforderlicher Kraftwerkszubau von mindestens 26 Gigawatt.

Der Kapitalbedarf für die neuen Objekte beträgt etwa 35 Milliarden US-Dollar. Für die geplanten Projekte sollen vorrangig private Investoren, darunter vor allem ausländische Firmen, gewonnen werden. Erste Projekte in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) werden zurzeit mit interessierten Investoren vorbereitet. Im Juli 2019 kündigte die Regierung an, den Großteil der heute betriebenen Kraftwerke schrittweise an private Investoren zu verkaufen. In staatlicher Hand bleiben strategisch wichtige Wasser- und Spitzenlastkraftwerke. Die Prognosen für Neubauprojekte und Stilllegungen betreffen Kraftwerke, die aus heutiger Sicht mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit bis 2030 realisiert werden.

Strommix setzt sowohl auf Ökostrom als auch auf Kernenergie

Der bis 2030 angepeilte ausgewogene Strommix soll eine hohe Versorgungssicherheit und effektive Stromerzeugung gewährleisten. Gas- und einige Kohlekraftwerke stehen heute für 86 Prozent der Elektrizitätserzeugung. Die übrigen 14 Prozent entfallen auf Wasserkraftwerke. Der Anteil von Photovoltaik- und Windkraftwerken an den installierten Kraftwerkskapazitäten würde demnach bis 2030 soll auf 21 Prozent steigen. Aktuell umfasst das Energiekonzept Pläne für den Bau von 25 größeren Photovoltaikanlagen.

Erste 100-Megawatt-Photovoltaikanlagen in Sicht

Anfang August 2019 unterzeichnete die Regierung Usbekistans und die Asiatische Entwicklungsbank eine Vereinbarung über die Gewährung von Beratungsleistungen für die Errichtung von Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtkapazität von 1.000 Megawatt. Die Vorhaben mit einem Projektwert von 800 Millionen US-Dollar sollen mit privaten Investoren als PPP-Projekte realisiert werden. Standort für das Pilotprojekt dieser Initiative, den Bau eines 100-Megawatt-Kraftwerks, ist die Region Dshisak (Jizzak).

Weiter fortgeschritten ist ein ähnliches Kooperationsprojekt, das die Regierung mit der Internationalen Finanzkorporation (IFC) als Projektberater realisiert. Bis Ende 2019 soll der Sieger einer Ausschreibung für den Bau eines 100-Megawatt-Solaranlage in der Region Nawoi bekanntgegeben werden. Das Gesamtprojekt umfasst zehn 100-Megawatt-Kraftwerke mit einem Projektwert von 1 Milliarde US-Dollar.

Darüber hinaus wollen mehrere ausländische Unternehmen Photovoltaikanlagen errichten (PPP-Projekte). Hierzu zählen zum Beispiel das kanadische Unternehmen Sky Power Global (Kapazität: 1.000 Megawatt; Projektwert: 1,3 Milliarden US-Dollar) und die französische Gesellschaft Total Evren (100 Megawatt; 150 Millionen Euro).

Mehrere Wind- und Wasserkraftwerke in der Planung

Die Firmen Etko Co Enerji (Türkei) und Siemens Gamesa (Deutschland/Spanien) wollen in den Bau von Windkraftanlagen in Usbekistan 500 Millionen US-Dollar (600-Megawatt) beziehungsweise 100 Millionen US-Dollar (100 Megawatt) investieren.

Der Hauptakteuer in der Wasserkraftbranche, das Staatsunternehmen O´zgidroenergo (http://www.uzgidro.uz), plant bis 2025 vier Wasserkraftwerke mit einer installierten Kapazität von jeweils mehr als 30 Megawatt und 16 kleine Objekte zu errichten. Weitere 21 Anlagen will das Unternehmen modernisieren. Im Jahr 2018 haben die 37 usbekischen Wasserkraftwerke 7,9 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt.

Vorbereitungen für den ersten Atommeiler Usbekistans angelaufen

Fest geplant ist auch der Bau eines Atomkraftwerks in Dshisak mit einer Kapazität von 2,4 Gigawatt. Es soll für 11 Milliarden US-Dollar von Rosatom errichtet werden, aus zwei Blöcken des Typs WWER 1200 bestehen und künftig jährlich bis zu 18,9 Milliarden Kilowattstunden Strom liefern. Die Inbetriebnahme ist für 2028 und 2030 vorgesehen. Der Baustart soll 2022 erfolgen.

Das Projekt soll aus staatlichen Geldern und über einen Kredit Russlands finanziert werden. Kontaktpartner für die Vorbereitung und Umsetzung des Vorhabens ist die Agentur für die Entwicklung der Kernenergie UzAtom (http://www.uzatom.uz).

Projektion der Erzeugungskapazitäten nach Energieträgern für 2030
Energieträger Installierte Leistung (in GW) Anteile an den Kapazitäten (in %) Zum Vergleich: Anteile 2018 (in %)
Energieträger, insgesamt 31,8 100,0 100,0 *)
.Erdgas 16,3 51,3 73,0
.Photovoltaik 5,0 15,7 0,0
.Wasserkraft 3,8 11,9 16,0
.Kohle 2,6 8,2 11,0
.Kernenergie 2,4 7,6 0,0
.Windkraft 1,7 5,3 0,0

*) installierte Leistung: 14,1 Gigawatt, darunter Gas- und Kohlekraftwerke: 12,2 Gigawatt und Wasserkraftwerke: 1,9 Megawatt

Quelle: Ministerium für Energiewirtschaft der Republik Usbekistan

Projekte in der Stromübertragung und -verteilung für 12 Milliarden US-Dollar

Zur Sicherstellung einer stabilen Stromversorgung will Usbekistan auch viele Geld in die Hochspannungs- und Verteilernetze investieren. Im Zeitraum bis 2030 sollen 2,4 Milliarden US-Dollar in den Bau von 2.700 Kilometern Hochspannungsleitungen und neun neuen Umspannwerken fließen. Zur Finanzierung sieht der Staat eigene Quellen und Kredite von Geberbanken vor.

Die in der Stromverteilung erforderlichen Investitionen sind mit annähernd 10 Milliarden US-Dollar noch um ein Vielfaches höher. Zahlreiche Transformatorstationen und mehr als 140.000 Stromleitungen bedürfen einer Modernisierung. Bei der Umsetzung der Projekte in der Stromverteilung setzt Usbekistan auf privates Kapital, darunter vor allem auf PPP-Projekte.

Kontaktadresse

Ministerium für Energiewirtschaft der Republik Usbekistan

Ansprechpartner: Alisher Sultanov, Minister; Sherzod Khodjayev, stellvertretender Minister

Istiqbol ko´chasi, 21

100047 Taschkent/Usbekistan

T +99871/236 02 14, 236 00 13, 232 05 18 (Fachbereich Investitionen/perspektivische Entwicklung)

info@minenergy.uz

http://www.minenergy.uz

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter http://www.gtai.de/usbekistan erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Kraftwerksbau

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