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08.03.2017

Usbekistans Transportsektor setzt auf die neue Seidenstraße

Projekte für mehr als 8 Mrd. US$ bis 2020 geplant / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Das im Herzen Zentralasiens und an der alten Karawanenroute gelegene Usbekistan hegt ambitiöse Pläne zum Ausbau seiner Verkehrswege. Das Land will sich zu einem Bindeglied für internationale Transporte zwischen Europa und Asien entwickeln. Von 2016 bis 2020 sind Investitionen von etwa 8 Mrd. US$ vorgesehen. Davon können auch ausländische Ausrüstungslieferanten und Dienstleister profitieren.

Der Transportsektor nimmt bei der angestrebten Diversifizierung der Wirtschaft Usbekistans eine Schlüsselstellung ein. Der zentralasiatische Staat kann sich bei der Errichtung des Transportkorridors Europa - Kaukasus - Asien, einem zentralen Teil der neuen Seidenstraße, als Transitland positionieren. Die Nutzung dieses Potenzials als Transportbrücke setzt einen massiven Ausbau und eine umfassende Modernisierung der Transport- und Logistikstruktur voraus. Die neuen länderübergreifenden Projekte bedürfen einer engen Kooperation mit den Anrainern. Vor allem die wirtschaftlichen Beziehungen zu den Nachbarn Tadschikistan und Kirgisistan müssen deutlich intensiviert werden.

"Double landlocked" Lage erfordert moderne Transportinfrastruktur

Für Usbekistan ist der Ausbau des Transportsektors von existenzieller Bedeutung: die GUS-Republik ist nicht nur eines der 44 Länder der Welt, die keinen direkten Zugang zu einem offenen Meer haben, sondern sie ist neben Liechtenstein auch das einzige Land, das vom Meer durch die Territorien zweier Staaten getrennt ist ("double-landlocked").

Diese Geografie und der schwach entwickelte Transport- und Logistiksektor der zentralasiatischen Nachbarn führen zu überdurchschnittlich hohen Frachtkosten im internationalen Warenverkehr von und nach Usbekistan. Die Regierung ist sich bewusst, dass nur leistungsfähige Straßen- und Bahntrassen sowie moderne Logistikzentren den geografischen Wettbewerbsnachteil abmildern können.

Zugleich muss Usbekistan viele hausgemachte Probleme lösen, die den internationalen Warenverkehr gegenwärtig unnötig verteuern: die Fuhrparks der Speditionen bedürfen einer Erneuerung, die Verfahren im Schienengüterverkehr einer Effizienzsteigerung und die Warenverzollung einer Entbürokratisierung.

Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen in den Transportsektor Usbekistans *)
2012 2013 2014 2015 2016
Investitionen (in Mio. US$) 1.706,0 1.976,1 1.732,3 1.329,5 1.609,0
Anteil am investierten Kapital in die Gesamtwirtschaft (in %) 14,8 15,2 11,9 9,0 10,5
.ausländische Investitionen und Kredite (in Mio. $) 664,5 830,0 417,6 386,6 k.A.
.Anteil am insgesamt investierten ausländischen Kapital (in %) 28,4 33,0 14,5 13,1 k.A.

*) inklusive Lagerung/Logistik und Pipelines

Quelle: Staatliches Komitee für Statistik, Recherchen von Germany Trade & Invest

Die jährlichen Bruttoanlageinvestitionen in den Transportsektor weisen seit 2009 mit Ausnahme von 2015 ein Niveau von 1,6 Mrd. $ und mehr gegenüber weniger als 0,7 Mrd. $ in den fünf Vorjahren aus. Den Anteil der Investitionen in den Transportsektor am insgesamt im Land investierten Kapital gibt die Statistik für 2014 bis 2016 mit durchschnittlich 10,5% an. Für 2017 rechnet die Regierung mit einem Kapitalzufluss in die Branche von etwa 1,8 Mrd. $.

Transport- und Logistiksektor benötigt jährlich mehr als 3 Mrd. US$

Die im mittelfristigen Entwicklungsprogramm für die Transport- und Logistikbranche (2016 bis 2020) avisierten Projekte und die jüngsten Ausbau- und Modernisierungsinitiativen summieren sich auf 8,0 Mrd. bis 8,5 Mrd. $. Der Kapitalbedarf für die Modernisierung und den Ausbau der Transport- und Logistikstruktur ist jedoch deutlich größer. Nach Berechnungen des Zentrums für Wirtschaftsforschung in Taschkent beträgt er für den Zeitraum 2015 bis 2030 mindestens 47 Mrd. $, das heißt jährlich im Schnitt mehr als 3 Mrd. $.

Viele der geplanten und schon gestarteten Vorhaben fokussieren neue Transportkorridore nach Europa und Südostasien. In Richtung Europa hat das Land Transporte über die neue Bahntrasse Baku (Aserbaidschan) - Tiflis/Achalkalaki (Georgien) - Kars (Türkei) sowie über den türkischen Hafen Mersin mittels Transit über Turkmenistan, Iran und die Türkei im Visier. Nach Südostasien wünscht sich das Land, intensiv in das Logistikzentrum Chorgos (VR China) eingebunden zu werden. In der Perspektive will Usbekistan auch von dem Korridor Zentralasien - Naher Osten (Kasachstan - Usbekistan - Turkmenistan - Iran - Oman/Persischer Golf, Golf von Oman) stärker profitieren.

Vervierfachung des Güterverkehrs auf der Straße und Schiene erwartet

Das mittelfristige Investitionsprogramm basiert auf der Prognose, dass der jährliche Straßengüterverkehr einschließlich der Transite von 1,47 Mrd. t (2016) auf etwa 2,10 Mrd. t im Jahr 2020 anwachsen wird. Für den Schienengüterverkehr wird ein Zuwachs von 68,0 Mio. t auf circa 85,0 Mio. t erwartet. Bis 2030 könnte das Frachtvolumen über Straße und Schiene auf insgesamt 6 Mrd. t zulegen.

Die mittel- und langfristigen Aussichten für das Transportgewerbe basieren auf einem angenommenen jahresdurchschnittlichen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 7 bis 8%. Zudem wird ein stetig wachsender Anteil der Industrie am BIP, darunter vor allem der verarbeitenden Industrie, vorausgesetzt. Das Gewicht der Industrie an der gesamtwirtschaftlichen Produktion wird den zu Grunde gelegten Prognosen zufolge von 24,3% (2015) auf bis zu 37,0% (2030) steigen. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am BIP soll dabei von heute etwa 16 bis 17% auf mindestens 22% im Jahre 2030 anziehen.

Regionen forcieren Errichtung von Logistikzentren

Das Investitionsprogramm für den Transportsektor umfasst neben Projekten im Straßen- und Gleisbau auch den Ausbau und die Modernisierung intermodaler Logistikzentren, so in:

- Nawoi auf dem Flughafengelände in Nawoi (Luftfahrtdrehkreuz in Zentralusbekistan; Internet: http://www.navoi-airport.com),

- Angren nahe der Hauptstadt Taschkent (Internet: http://www.clangren.uz),

- Pap in der Region Namangan (2015 von der Usbekischen Eisenbahn errichtet; Internet: http://www.railway.uz) sowie in

- Termez an der Grenze zu Afghanistan (Region Surchandrja), Alat (Region Buchara), Nukus (Republik Karakalpakstan), Andishan (Region Andishan) und Utschkuduk (Region Nawoi).

Darüber hinaus sollen bis 2020 in den Regionen zahlreiche exportorientierte Logistikzentren für die Lagerung, Verarbeitung und den Transport von Obst und Gemüse entstehen. Erste Projekte wurden schon umgesetzt. Kontaktpartner ist die Assoziation für den Aufkauf und die Lagerung von Obst, Gemüse, Wein und Melonenkulturen Usulgurshisawdoinwest (Internet: http://www.uzsavdo.uz).

Entwicklung des Straßen- und Schienengüterverkehrs in Usbekistan
2000 2010 2013 2014 2015 2016
Straßengüterverkehr
.Beförderungsmenge (in Mio. t) 701,2 1.066,1 1.258,3 1.327,4 1.399,8 1.473,5
..öffentlicher Sektor 1) 229,3 343,3 398,5 419,1 440,1 k.A.
...private Spediteure 203,1 333,0 392,3 413,2 438,3 k.A.
..nichtöffentlicher Sektor 2) 471,9 722,8 859,8 908,3 959,7 k.A.
.Transportleistung (in Mrd. tkm) 8,9 24,5 29,2 31,5 33,9 33,9
..öffentlicher Sektor 1) 7,7 20,8 22,2 23,8 25,7 k.A.
Öffentlicher Schienenverkehr 1)
.Beförderungsmenge (in Mio. t) 42,4 56,9 63,7 65,7 67,2 68,0
.Transportleistung (in Mrd. tkm) 15,0 22,3 22,9 22,9 22,9 23,2
Nichtöffentlicher Schienengüterverkehr 2)
.Beförderungsmenge (in Mio. t) 129,1 140,5 161,5 162,4 164,5 k.A.
.Transportleistung (in Mrd. tkm) 1,4 1,8 2,0 1,9 1,9 k.A.

1) Beförderung durch juristische und natürliche Personen der Transportwirtschaft; 2) Werk- und innerbehördlicher Verkehr; vorwiegend Transporte in den Sektoren Bergbau/ Hüttenwesen und Baustoffproduktion (Zement) in den Regionen Nawoi und Taschkent

Quelle: Zusammengestellt nach Angaben des Staatlichen Komitees für Statistik

(U.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Transport und Verkehr, allgemein, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Eisenbahnbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Schienenverkehr, Straßenverkehr, Logistik / Speditionen

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