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17.06.2019

US-Förderpolitik für Energieeffizienz in Gebäuden hat viele Ebenen

Projektstandort entscheidet über Normen, Standards und Förderung / Von Ullrich Umann

Washington, D.C. (GTAI) - Die Förderpolitiken für Energieeffizienz in den USA finden sich vor allem auf Ebene der Bundesstaaten. Aber auch die Zentralregierung gibt Regeln vor.

Die staatliche Energieeffizienzpolitik der USA ist vertikal und horizontal ausgerichtet. Die vertikale Struktur nimmt im Department of Energy (DOE), als dem zuständigen obersten Ressort innerhalb der US-Regierung, ihren Anfang. Sie zieht sich weiter über die nachgeordnete Environmental Protection Agency (EPA), geht in die jeweilige Regulierungskompetenz der 50 Bundesstaaten über und endet letztendlich bei den lokalen Selbstverwaltungen. Jede dieser Verwaltungsebenen fällt eigenständige Beschlüsse, stellt eigene Förderkriterien auf und gewährt entsprechende Unterstützungen.

Horizontal fächert sich die Energieeffizienzpolitik im Gebäudebau gemäß den Anwendungsgebieten Wohnimmobilien, Gewerbeimmobilien, Industrieimmobilien sowie Infrastruktur auf. Über dieser Vertikal-Horizontal-Struktur schwebt zusätzlich eine Matrix, gegliedert nach den acht Klimazonen, die im Flächenstaat USA anzutreffen sind. Je nach Klimazone unterscheiden sich die Förderkriterien noch einmal, wie dem "Building Energy Codes Program" des DOE zu entnehmen ist. Dem Programm ist ein eigenes Internetportal gewidmet, von dem aus zusätzliche Links zu den Förderprogrammen der 50 Bundesstaaten führen.

Die Frage, wo ein Projekt geplant ist, ist deshalb für die anzuwendenden Normen und Standards sowie für die Inanspruchnahme von Fördermöglichkeiten von entscheidender Bedeutung. Das DOE hat aus diesem Grund eine Aufstellung aller Countys und ihrer jeweiligen Zuordnung zu einer der Klimazonen erstellt.

Nationale Umweltbehörde vergibt das Label Energy Star

Die Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) ist nach dem DOE die zweite wichtige Institution auf der Ebene der US-Regierung. Programme zur Erhöhung der Energieeffizienz spielen auch bei ihrem Vorgehen eine Rolle, wenn auch nur indirekt über den Energieverbrauch von Haushaltsgeräten und elektrischen Installationen. So vergibt die EPA das Label Energy Star für Heiz- und Klimatechnik, Elektroinstallationen und Haushaltsgeräte. Das Label ist Teil der Gesamtbewertung der Energieeffizienz eines Gebäudes.

Eigenen Angaben zufolge hat das Energy Star Programm im Jahr 2017 dazu beigetragen, dass Privathaushalte 370 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom einsparen konnten. Geräte und Anlagen mit diesem Label sind inzwischen in 90 Prozent aller Haushalte anzutreffen. Der Erfolg des Labels Energy Star hat die Industrie dazu bewogen, 7,9 Milliarden US-Dollar (US$) in die Verbesserung des Energieverbrauchs entsprechender Technik zu investieren.

Einen weiteren Bericht zu Förderprogrammen im Bereich der Gebäudeenergieeffizienz sowie zusätzliche Kontaktanschriften finden Sie unter: http://www.gtai.de/MKT201906148000

Darüber hinaus beschäftigen sich gemeinnützige Organisationen auf der Bundesebene mit dem Thema Energieeffizienz im Gebäudebau. An vorderster Stelle ist hier der American Council for an Energy-Efficient Economy (ACEEE) zu nennen, der sich als "Katalysator zur Förderung von Energieeffizienzrichtlinien, -programmen, -technologien, -investitionen und -verhalten" versteht. ACEEE setzt sich unter anderem dafür ein, dass landesweit einheitliche Energieeffizienzkriterien Einzug in die Baunormen der einzelnen Bundesstaaten halten - dies ist nämlich nicht der Fall.

ACEEE sieht zwar die Fortschritte, die beim Einzug energieeffizienter Lösungen im Gebäudebau über die letzten 40 Jahre hinweg erzielt wurden. Doch bezeichnet die Organisation die Lage landesweit als immer noch nicht zufriedenstellend. Die größten Reserven sieht ACEEE in Kommunen mit niedrigen Durchschnittseinkommen. Dabei soll es nicht einmal an fehlenden oder knappen Fördergeldern liegen, sondern an unzureichenden Vorschriften oder sogar am Desinteresse der Lokalpolitik.

ACEEE stellt auf seiner Internetseite eine Datenbank mit Informationen über Energieeffizienzprogramme der einzelnen Bundesstaaten und vereinzelter Kommunen zur Verfügung. Für den gleichen Zweck ist auch die Database of State Incentives for Renewables & Efficiency (DSIRE) zu empfehlen (siehe Kontaktadressen).

Ein weiterer wichtiger Mitspieler auf Bundesebene ist die American Society of Heating, Refrigerating and Air-Conditioning Engineers (ASHRAE). Die Gesellschaft arbeitet unter anderem an der Ausarbeitung moderner Effizienzstandards für Gebäudeinstallationen. Mit ihren 57.000 Mitgliedern in insgesamt 132 Ländern, davon der überwiegende Teil in den USA, übt ASHRAE einen großen Einfluss auf Forschung, Entwicklung sowie auf die Formulierung von Standards und Normen für Heiz- und Klimaanlagen aus.

Gemeinsam mit dem International Code Council (ICC), dem U.S. Green Building Council (USGBC), der Illuminating Engineering Society of North America (IES) und dem American National Standards Institute (ANSI) hat ASHRAE Normen und Standards zur Planung und für den Bau hocheffizienter umweltfreundlicher Gebäude erarbeitet.

Landesweite Richtlinien und Anreize
Richtlinien und Anreize Beschreibung
Appliance Standards(Geräte-Standards) US-Regierung und einige Bundesstaaten haben Mindesteffizienzstandards für bestimmte Geräte und Einrichtungen festgelegt. Normen können vorschreiben, dass Produkte einen bestimmten maximal zulässigen Energieverbrauch einhalten oder dass ein Produkt bestimmte Merkmale/Vorrichtungen enthält.
Building Codes (Baunormen) Einige gewerbliche und/oder private Baunormen definieren Anforderungen an die Energieeffizienz von Design, Material und Geräten, die im Fall von Neubauten und Renovierungen verwendet werden. Landesweite Mindestvorschriften können von den lokalen Behörden geändert werden.
Commissioning and Retro-Commissioning(Inbetriebnahme und Wiederinbetriebnahme) Im Rahmen des Energy Star Programms der EPA können sogenannte Contractors die ordnungsgemäße Installation und Betriebsbereitschaft aller verbauten elektrischen Geräte in sämtlichen Bau- oder Renovierungsphasen eines Gebäudes bescheinigen.
Financial Incentives and Programs(finanzielle Anreize und Programme) Bundesstaatliche und kommunale Anreize helfen Gebäudeeigentümern bei der Steigerung der Energieeffizienz, indem sie die Kosten für diese Zwecke senken. (DSIRE)
Lead-By-Example (Führungsbeispiel) Bundesstaatliche und kommunale Verwaltungen können Benchmarks durch Energieeffizienzprogramme und Richtlinien für öffentliche Einrichtungen und öffentliche Gebäude schaffen.

Quelle: Department of Energy, Energy Efficiency & Renewable Energy (https://www.energy.gov/eere/slsc/energy-efficiency-policies-and-programs)

Einmal mehr liegt es an den Bundesstaaten, ob und wieweit sie Vorgaben akzeptieren und umsetzen. Das DOE kann den Bundesstaaten auf Anfrage technische und personelle Hilfe zur Umsetzung leisten, etwa im Rahmen der Regional Energy Efficiency Organizations (REEO) oder der National Association of State Energy Officials (NASEO).

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Department of Energy (DOE) http://www.energy.gov/sites/prod/files/2015/10/f27/ba_climate_region_guide_7.3.pdf Aufstellung aller Countys und deren Klimazone
Building Energy Codes Program http://www.energycodes.gov DOE-Programm mit Links zu den Förderprogrammen der 50 Bundesstaaten
ACEEE https://database.aceee.org Informationen über Programme von Bundesstaaten und Kommunen
Database of State Incentives for Renewables & Efficiency (DSIRE) http://www.dsireusa.org Informationen über Programme von Bundesstaaten und Kommunen

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Weitere Informationen zu den USA sind unter http://www.gtai.de/usa abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Energieeinsparung, Umweltpolitik, Hochbau

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