Suche

25.02.2019

US-Nahrungsmittelindustrie leidet unter Handelsstreit

Inhalt

Firmen investieren in Automatisierung / Von Heiko Steinacher (Januar 2019)

San Francisco (GTAI) - Der Handel setzt auf Bioprodukte und Hausmarken. Innovative Verpackungen liegen im Trend. Branchenunternehmen stehen weiter unter Druck.

US-Produzenten sind in allen Segmenten der Nahrungsmittelindustrie vertreten. Zu den größten zählen Archer Daniels Midland, Conagra Brands, Frito-Lay, General Mills, Kellogg Company, Kraft Heinz Company, Mondelez International, Tyson Foods (alle USA), COFCO International (China), Danone (Frankreich), Fonterra (Neuseeland), Grupo Bimbo (Mexiko), JBS (Brasilien), Maruha Nichiro (Japan), Nestlé (Schweiz) und Unilever (Niederlande).

Viele Betriebe sind Konzerngesellschaften und abhängig von großen Einzelhändlern, wie Walmart und Kroger. Die Rivalität unter den Unternehmen ist stark, der Markt konzentriert. Der Pool potenzieller Ausrüstungskäufer ist daher begrenzt. Um Marktanteile zu verteidigen oder auszubauen, investieren die Betriebe hohe Beträge in die Automatisierung und in Robotertechnologien. Übernahmen stehen an der Tagesordnung: Im März 2018 hat die Campbell Soup Company für 6,1 Milliarden US-Dollar (US$) den Snack-Food-Produzenten Snyder's Lance übernommen, im April General Mills für 8,3 Milliarden US$ den Tierfutterhersteller Blue Buffalo und im Juni Conagra Brands für 11 Milliarden US$ den Hersteller von abgepackten Lebensmitteln Pinnacle Foods. Die meisten Maschinen, die Branchenunternehmen aus dem Ausland beziehen, stammen aus Deutschland, Italien und den Niederlanden, doch haben in den letzten Jahren die Bezüge aus Schwellenländern stark zugenommen.

Lieferungen nach bedeutenden Marktsegmenten (in Mrd. US$; Veränderungen in %)
Segment 2017 Veränderung 2017/16 Januar bis Oktober 2018 *) Veränderung Januar bis Oktober 2018/17 *)
Insgesamt 819,0 5,0 671,9 1,4
.Fleisch-, Geflügel- und Fischerzeugnisse 235,1 5,8 194,0 0,6
.Molkereierzeugnisse 116,7 4,1 94,2 -2,3
.Getreide- und Ölsaatverarbeitung 90,5 2,9 78,2 5,5

*) Oktober 2018 vorläufig

Quelle: U.S. Census Bureau

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens D&B Hoovers haben die Einzelhandelsumsätze mit Nahrungsmitteln und Getränken von Januar bis November 2018 gegenüber demselben Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent zugelegt auf gut 675 Milliarden US$. Mit rund 30 Prozent machen Produkte aus Fleisch, Geflügel und Fisch den größten Anteil des Branchenumsatzes aus. Auf Molkereierzeugnisse entfallen 15 Prozent, auf Getreide und Speiseöle 10 Prozent.

Überangebot an Fleisch lässt Preise sinken

Der Handelsstreit mit wichtigen Abnehmerländern führt zu einem Angebotsüberschuss an Schweine- und Rindfleisch und entsprechend zu Preisrückgängen, was deren Konsum 2019 um 3 bis 4 Prozent beflügeln soll, im Gegensatz zu Geflügel (nur +1 Prozent). Andererseits greifen Verbraucher zunehmend zu vegetarischen Fleischalternativen. Stark im Kommen sind auch Snacks, sowohl proteinhaltig als auch "on-the-go". Letztere, Erzeugnisse vor allem aus Fleisch, Gemüse und Zerealien, ersetzen zunehmend komplette Mahlzeiten. Tyson Foods bietet zum Beispiel vorverpackte Fleisch- und Käseplatten an. Laut dem Marktforschungsunternehmen Freedonia wird die US-Nachfrage nach Fleisch, Geflügel und Fisch unter Berücksichtigung all dieser Entwicklungen bis 2022 bei jährlich rund 207 Milliarden US$ stagnieren.

Produktionsindizes der nahrungsmittelverarbeitenden Industrie (real, saisonbereinigt; Jahresdurchschnitt 2012 = 100)
Nahrungsmittelgruppe September 2018 Oktober 2018 November 2018 *)
Nahrungsmittel insgesamt 115,1 114,3 114,1
.Getreide- und Ölsaaten 114,7 112,1 109,8
.Zucker und Süßwaren 117,1 109,9 112,5
.Obst- und Gemüsehaltbarmachung, Feinkost 112,8 110,2 106,8
.Molkereiprodukte 103,0 103,2 103,3
.Tierschlachtung und -verarbeitung 112,0 113,1 114,3
.Backwaren und Tortillas 109,5 110,1 112,1

*) vorläufig

Quelle: Federal Reserve

Hinsichtlich der US-Nachfrage nach Molkereierzeugnissen erwartet Freedonia bis 2022 ein mittleres Wachstum pro Jahr um knapp 2 Prozent auf dann 89 Milliarden US$. Der Milchkonsum ist in den letzten fünf Jahren um 8 Prozent zurückgegangen und soll auch, zumindest bis 2020, weiter sinken, vor allem weil Verbraucher ersatzweise öfter zu Pflanzenmilch greifen. Dennoch hat sich ein gewaltiger Angebotsüberhang bei Milch gebildet, nachdem Mexiko, China und Kanada Strafzölle auf US-Milchprodukte verhängt hatten, als Antwort auf die Handelsrestriktionen der Trump-Regierung gegen diese Länder. Das US-Landwirtschaftsministerium gab im August 2018 bekannt, dass es Milch im Wert von bis zu 50 Millionen US$ direkt von ausgesuchten Bauern aufkaufen wird.

Käse gefragter als Milch

Besser läuft es bei Käse: Besonders beliebt sind in den USA Cheddar und Mozzarella, aber auch gesäuerte Milchprodukte, wie Hüttenkäse, Dips und Joghurts stehen hoch im Kurs. Die Käseproduktion ist 2018 schätzungsweise auf über 5,5 Millionen Tonnen angewachsen. Chobani führte 2018 seine Marke Gimmies (griechischer Joghurt) speziell für Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren ein, Danone North America einen laktosefreien, steviagesüßten Joghurt.

Molkereien stehen zunehmend in Wettbewerb zu Großkunden, die Milch direkt von Bauern kaufen. Die Handelskette Kroger zum Beispiel hat ihre eigenen Milchbetriebe und betreibt auch Eiscreme- und Käsereianlagen.

Der US-Markt für Backwaren soll bis 2022 (dann rund 83 Milliarden US$) um jährlich knapp 3 Prozent steigen, wobei der Zuwachs bis 2020 stärker ausfallen soll als in den Jahren danach. Süßwaren sollen im selben Zeitraum um knapp 2 Prozent zulegen auf dann 46 Milliarden US$. Vor allem im Schokoladensegment hat sich der Wettbewerb verschärft. Starkes Wachstum verzeichnen Produkte mit hohem Kakaogehalt. Gerade in dem Bereich haben die USA in den letzten Jahren immer mehr Waren importiert, vor allem aus Belgien, der Schweiz und Frankreich.

Ausgewählte Investitionsprojekte in der Nahrungsmittelindustrie (in Mio. US$)
Investor Investitionssumme Fertigstellung Anmerkung
Spartan Michigan LLC 510 Dezember 2020 Fertigungsanlage für Molkereierzeugnisse in St Johns (Michigan)
Costco Wholesale Corporation 440 Herbst 2019 Riesige Hühnerfarm in Fremont (Nebraska)
Lindt & Sprüngli (USA) Inc. 200 Ende 2022 Erweiterung der Schokoladenfabrik in Stratham, New Hampshire
Hormel Foods Corporation 150 Anfang 2020 Fabrik für Pizzabeläge in Nevada (Iowa)

Quelle: Food Processing

In allen Marktsegmenten ist die Gesundheit ein wesentliches Motiv bei der Produktwahl. So greifen Hersteller verstärkt auf gesündere Zutaten zurück oder solche, die als gesünder empfunden werden, wie Bio-Weizenmehl, Rohrzucker, Reissirup und Maisstärke. Auch Vollkorn- und Produkte mit niedrigem Natriumgehalt werden populärer. Ferner spielen Kohlenhydratarmut sowie Zucker- und Fettfreiheit bei vielen Erzeugnissen eine immer wichtigere Rolle. Einige Hersteller nehmen auch Gluten aus ihren Produkten heraus. So hat General Mills die Zutatenliste für viele seiner Cheerios- und Chex-Zerealien entsprechend angepasst.

Markt für Bio-Nahrungsmittel wächst stark

Der US-Markt für Bio-Nahrungsmittel ist laut der Organic Trade Association 2017 um mehr als 6 Prozent auf gut 45 Milliarden US$ nach oben geklettert. Im Jahr 2018 soll er sogar um zehn bis 15 Prozent zugelegt haben. Zum Vergleich: Der Nahrungsmittelumsatz insgesamt ist 2017 nur um gut 1 Prozent gewachsen. Obst und Gemüse bilden weiterhin das größte Segment im Biomarkt, besonders stark aber legen Bio-Milchprodukte zu. Auch Bio-Salate erfreuen sich großer Beliebtheit.

Mancher Lebensmitteleinzelhändler hat nur noch eine bis zwei bekannte Marken im Sortiment und setzt ansonsten auf Handels- beziehungsweise Hausmarken ("Private Labels"). Trotz der geringeren Gewinnmargen sind diese aufgrund der großen Bestellmengen sowohl für Hersteller als auch Handel profitabel.

Im Juni 2017 hat Lidl zehn Geschäfte in North Carolina und South Carolina eröffnet. 90 weitere, über die ganze USA verteilt, sollten bis Mitte 2018 folgen, tatsächlich war es nur knapp die Hälfte. Aldi betreibt rund 1.700 Geschäfte in den USA und will dort bis 2022 noch 800 weitere eröffnen.

Neben Werbung in sozialen Medien setzen Marketingfachleute stark auf innovative Verpackungen, zum Beispiel aus umweltfreundlichen Materialien oder verbraucherfreundlich bei Convenience Food.

Fleischproduktion (in Mio. Pfund; Veränderung in %)
Segment 2017 2018 *) 2019 *) Veränderung 2019/18 * )
Insgesamt 100.169 102.580 105.431 2,8
.Rindfleisch 26.187 26.939 27.875 3,5
.Schweinefleisch 25.584 26.310 27.715 5,3
.Masthühner 41.662 42.670 43.250 1,4
.Truthahn 5.981 5.890 5.905 0,3

*) Prognose

Quelle: U.S. Department of Agriculture (USDA)

Umsatzstärkste Unternehmen in der US-Nahrungsmittelindustrie 2017 (in Mio. US$; Veränderung in %)
Unternehmen Umsatz im Fiskaljahr 2017 Veränderung 2017/16
PepsiCo, Inc. 63.525 1,2
Archer Daniels Midland Company 60.828 -2,4
Tyson Foods Inc. 38.260 3,7
Coca-Cola Company 35.410 -15,4
CHS Inc. 31.935 5,2
Kraft Heinz Company 26.232 -1,0
Mondelez International, Inc. 25.896 -0,1
Anheuser-Busch Companies, LLC 16.820 k.A.
General Mills, Inc. 15.740 0,8
Kellogg Company 12.923 -0,7

Quelle: D&B Hoovers

Getränkehersteller weiten Produktportfolio aus

Der Umsatz von Softdrinks und Speiseeis wird laut D&B Hoovers bis 2022 pro Jahr um durchschnittlich 2 Prozent wachsen. Rund 70 Prozent des Umsatzes von alkoholfreien Getränken machen kohlensäurehaltige aus. Sodawasser verliert gegenüber Mineralwasser, das klar als solches gekennzeichnet ist, zunehmend an Boden. Auch Tee und Kaffee, vor allem trinkfertig gebrüht als Cappuccino oder Eiskaffee, sowie Sport- und Energiedrinks gewinnen Marktanteile. Das Medienunternehmen GlobalData schätzt, dass auch die Nachfrage nach Getränken auf Pflanzenbasis weiter zunehmen wird, besonders da auch immer mehr Nicht-Vegetarier zu solchen greifen.

Lieferungen von Trinkwasser (in Mrd. Gallonen)
2007 2012 2017 2022 *)
Gesamt 9,51 10,4 13,95 16,9
.stilles Wasser in PET-Flaschen 4,72 6,45 9,23 11,71
.stilles Wasser in Großbehältern 2,77 2,09 2,43 2,57
.stilles Wasser in anderen Behältnissen 1,18 1,06 1,25 1,46
.Wasser mit Geschmacksstoffen 0,55 0,46 0,4 0,37
.Mineralwasser mit Kohlensäure 0,29 0,34 0,64 0,79

*) Prognose

Quelle: Freedonia

Um gesundheitsbewusste Kunden zurückzugewinnen, weiten die Hersteller ihre Produktportfolios aus und bieten neue kalorien- und zuckerarme sowie Kaffee- und Teedrinks zum Konsumieren für unterwegs an. Auch nahm dank der Einführung von vier neuen Geschmacksrichtungen und eines auf jüngere Zielgruppen ausgerichteten Branding der Umsatz von Diet Coke im 1. Halbjahr 2018 zu, während der von Diät-Softdrinks insgesamt zurückging.

Passen die Marktführer Coca-Cola, PepsiCo und Keurig Dr Pepper ihr Angebot ständig den sich ändernden Bedürfnissen der Kunden an und investieren hohe Summen in das Marketing neuer wie auch etablierter Marken, ziehen sich kleinere Anbieter zurück in Nischen, wie Mineralwasser und Limonaden mit Bioqualitätssiegel.

Auch wechseln die großen Hersteller oft die Verpackungen. Coca-Cola und PepsiCo bieten Zwölfer-Packs mit wechselnden Designs an, zum Beispiel anlassbezogen mit Weihnachtsmotiven vor den Festtagen, die bequem auf eine Kühlschrankebene passen. Bei Wasser gibt es Behältnisse in immer mehr Größen. Dabei spielen biologisch abbaubare, recycelbare oder recycelte Materialien eine wichtige Rolle.

Beobachter sagen eine Welle von Übernahmen voraus, mit der die Großen der Branche die rückläufige Nachfrage nach Softdrinks abfedern wollen. Mit dem israelischen Sprudelgerätehersteller Sodastream wird sich PepsiCo voraussichtlich für rund 3,2 Milliarden US$ einen besonders dicken Happen einverleiben.

Getränkeproduktion (ohne Wasser, in Mrd. Gallonen)
2007 2012 2017 2022 *)
Gesamt 43,5 43,7 45,9 48,9
.kohlensäurehalte Erfrischungsgetränke 14,6 13,2 12,2 11,3
.Bier 5,8 5,8 5,5 5,5
.Fruchtsäfte 3,3 3,3 3,3 3,2
.Sportgetränke 1,4 1,4 1,5 1,7
.Wein 0,6 0,7 0,8 0,9
.Spirituosen 0,3 0,3 0,4 0,5

*) Prognose

Quelle: Freedonia

Bei alkoholischen Getränken hat Bier mit fast 48 Prozent (2017) den größten Marktanteil. Während der Bierkonsum insgesamt leicht abnimmt (laut der Beverage Information Group 2017 um 1,1 Prozent), setzt sich der Höhenflug der Craft-Biere fort. Die Brauer tüfteln mit immer neuen Geschmackskombinationen. Importbiere hatten 2017 einen Marktanteil von knapp 17 Prozent.

Auch bei Getränken mit höherem Alkoholgehalt versuchen die Produzenten, mit einzigartigen Mixturen zu punkten. So hat BOM BOM Brands im Juni 2018 ein neues Produkt auf Rum-Basis unter der Marke Fully Baked auf den Markt gebracht, das sich an Veganer und generell gesundheitsbewusste Kunden richtet.

Weitere Informationen zu den USA sind unter http://www.gtai.de/usa abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Getränke, Nahrungsmittel

Funktionen

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche