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09.02.2017

US-Öl- und Gasindustrie schaltet in den Expansionsmodus

Analysten sehen Ende der Investitionsflaute/ "Tight Oil"-Förderung soll besonders zulegen / Von Martin Wiekert

Washington (GTAI) - Die seit etwa zweieinhalb Jahren andauernde Konsolidierung im Upstream-Sektor der US-Öl- und Gasindustrie könnte nach Ansicht von Marktexperten in naher Zukunft überwunden sein. Die Anzahl der aktiven Förderstätten ("Rig Count") hat sich seit ihren Tiefstständen im 1. Halbjahr 2016 bereits wieder um mehr als 50% erhöht. Hält dieser Trend an, dürften auch die Ausgaben für produktivitätssteigernde Förder-, Automatisierungs- und Steuerungstechnik bald wieder zunehmen. (Internetadressen)

Die Hoffnungen auf eine Erholung der Upstream-Branche (Exploration und Produktion) werden durch die Stabilisierung der Welterdölpreise gestützt. Begünstigt durch die jüngsten Produktionsdrosselungen der OPEC hielt sich der Barrel-Preis der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) von Dezember bis Anfang Februar in einer Spannbereite von 50 bis 54 US$. Dies ist zwar immer noch ein Minus von rund 50% gegenüber dem Niveau von Mitte 2014, im Vergleich zu den Preisen von weniger als 30 US$ zu Beginn des vergangenen Jahres aber schon wieder ein deutlicher Anstieg.

Produktion wächst wieder

Nach Daten der U.S. Energy Information Administration (EIA) befindet sich die US-Rohölproduktion schon seit Oktober 2016 wieder auf Wachstumskurs. Die Behörde rechnet damit, dass dies auch 2017 und 2018 so bleiben wird. In ihrem Short-Term Energy Outlook vom Januar sagt sie für diese Jahre WTI-Durchschnittspreise von 52 und 55 US$ pro Barrel (2018) voraus. Die Förderung soll laut der EIA auf 9,0 Mio. Barrel pro Tag (bpd) beziehungsweise 9,3 Mio. bpd zulegen (2016: 8,9 Mio. bpd). Auch bei der Erdgasproduktion erwartet die EIA wieder leichte Zuwächse.

US-Produktion von Rohöl und Erdgas (Veränderungen in %)

Jahre Rohölproduktion (Mio. Barrel pro Tag) Veränderung Zum Vorjahr Erdgasproduktion (Mrd. Kubikfuß pro Tag) 1) Veränderung zum Vorjahr
2014 8,76 17,3 70,93 7,0
2015 9,42 7,5 74,14 4,5
2016 8,89 -5,6 72,36 -2,4
2017 2) 9,00 1,2 73,78 2,0
2018 2) 9,30 3,3 76,62 3,8

1) Trockengas; 2) Prognose laut Short-Term Energy Outlook vom Januar 2017

Quelle: U.S. Energy Information Administration

Bohraktivitäten zuletzt stark angestiegen

Der Anstieg der Bohraktivitäten deutet ebenso auf eine Trendwende hin. Nach einer Statistik des Service-Unternehmens Baker Hughes waren Ende Januar 2017 mit 712 Anlagen rund 15% mehr Förderstätten in Betrieb als zwölf Monate zuvor. Zum Höhepunkt der Branchenkrise im Frühjahr 2016 waren zeitweilig nur noch etwas mehr als 400 "Rigs" operativ.

Aktive Öl- und Gasbohranlagen in den USA (in Einheiten; Veränderungen in %)

Anzahl 27.1.17 Anzahl 27.1.16 Veränderung 27.1.17/ 27.1.16
Gesamt 712 619 15,0
nach Ort
.Land 689 590 16,8
.Binnengewässer 2 1 100,0
.Offshore 21 28 -25,0
nach Rohstoff
.Erdöl 566 498 13,7
.Erdgas 145 121 19,8
.Verschiedene 1 1 0

Quelle: "Rotary Rig Count" von Baker Hughes, 27.1.17

"Fracking"-Operationen im Aufwind

Das Investitionsklima hat sich derweilen wieder spürbar verbessert. Mehrere Analystenstudien lassen für 2017 ein Wachstum der Upstream-Investitionen in längerfristige Anlagegüter ("Capital Expenditures") im deutlich zweistelligen Prozentbereich erwarten.

Branchendienst Wood Mackenzie sieht dabei die unkonventionelle Ölgewinnung aus dichten Gesteinsschichten ("Tight Oil") an der Speerspitze der Erholung. Die Aktivitäten im Permian-Basin (West-Texas und New Mexico) könnten den Analysten zufolge besonders stark zulegen. Letztere profitierten von gesunkenen Break-Even-Kosten, Größenvorteilen und ihrer hohen Anpassungsflexibilität bei sich ändernden Marktbedingungen. Für die USA ohne Alaska und Hawaii ("Lower 48 States") prognostiziert Wood Mackenzie in seinem Global Upstream Outlook 2017 Kapitalausgaben von rund 61 Mrd. US$. Dies würde eine Zunahme von rund 23% gegenüber 2016 bedeuten. In den beiden Vorjahren hatten sich die Investitionen in der US-Öl- und Gasexploration noch um weit über die Hälfte reduziert.

Förderproduktivität muss weiter gesteigert werden

Weitere Effizienzverbesserungen sollten laut Wood Mackenzie 2017 die im Tight-Oil-Bereich drohenden Kostensteigerungen (durch höhere Löhne und ansteigende Ausgaben für Oilfield-Services) kompensieren. In den vergangenen Jahren haben sich hier gerade die kleineren Produzenten als außerordentlich innovationsstark erwiesen. Fortschritte in der Bohrtechnik und in der Förderlogistik trugen maßgeblich dazu bei, dass die Branche in der Krise nach dem Ölpreiscrash erstaunlich widerstandsfähig geblieben ist.

Experten sehen vor allem in der Digitalisierung von Operationen noch umfassende Potenziale. Nach Schätzungen von McKinsey und von General Electric könnte die Öl- und Gasindustrie durch einen vermehrten Einsatz digitaler Technologien rund ein Fünftel ihrer Kapitalaufwendungen einsparen. Die dafür gefragte Technik ist außerordentlich vielfältig. Zentrale Bausteine wären dabei leistungsfähige Mess-, Steuerungs-, Automatisierungs- und Fernüberwachungssysteme, bei denen auch deutsche Branchenausrüster gut im Markt positioniert sind.

Marktunsicherheiten bleiben bestehen

Bezüglich der künftigen Geschäftschancen in der US-Öl-und Gasindustrie bestehen indes noch einige Unsicherheiten. Zwar könnte die sich andeutende Konjunkturbelebung die Nachfrage nach amerikanischen Energierohstoffen zumindest kurzfristig beflügeln. Ebenso dürfte die Branche von der von Präsident Donald Trump angekündigten Deregulierungsoffensive profitieren. Die Markterholung hängt jedoch entscheidend davon ab, ob sich die Erholung der Welterdölpreise als nachhaltig erweist. Wegen der vielen hier wirkenden Einflussfaktoren lässt sich dies kaum zuverlässig prognostizieren.

Investitionen in der US-Öl- und Gaswirtschaft (in Mrd. US$)

2014 2015 2016 Veränd. 2016/15
Private Anlageinvestitionen im US-Bergbau, einschließlich Erdöl- und Erdgasexploration *) 156,3 101,2 51,6 -49,0
.davon in den Bereichen Erdöl und Erdgas *) 146,2 94,8 k.A. k.A.
Auslieferungen von Bergbau-, Öl- und Gasfeldausrüstungen 32,7 20,5 11,5 -43,9

*) "Structures" (Bauwerke; Ausrüstungen ("Equipment") sind hier nicht enthalten)

Quelle: U.S. Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis, U.S. Census

Internetadressen

Offshore Technology Conference 2017

Internet: http://2017.otcnet.org

(führende US-Branchenmesse, nicht nur für den Offshore-Bereich, in Houston/Texas)

U.S. Department of Commerce

Internet: http://www.commerce.gov

U.S. Department of Energy (DOE)

Internet: http://www.energy.gov

U.S. Energy Information Administration (EIA)

Internet: http://www.eia.gov

Short-Term Energy Outlook der EIA

Internet: http://www.eia.gov/forecasts/steo

American Petroleum Institute (API):

Internet: http://www.api.org

(Industrievereinigung für die US-Öl- und Gaswirtschaft)

America's Natural Gas Alliance (ANGA)

http://anga.us

Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

Internet: http://www.ahk-usa.de

(Anlaufstellen für deutsche Unternehmen in den USA)

Der Delegierte der Deutschen Wirtschaft/Representative of German Industry and Trade - RGIT):

Internet: http://www.rgit-usa.com

(W.M.)

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USA Öl, Gas

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