Suche

16.11.2018

US-Strafzölle auf Aluminium laufen bisher ins Leere

Alupreise in den USA inzwischen mit die höchsten der Welt / Hersteller kämpfen mit geringer Produktivität und steigenden Energiekosten / Von Ullrich Umann

Washington, D.C. (GTAI) - Die USA haben trotz der neuen Strafzölle zuletzt mehr Rohaluminium importiert, auch aus Deutschland. Die US-Hersteller profitieren bislang nicht von dem Schutz.

Die Aluminiumpreise in den USA gehören inzwischen zu den höchsten der Welt. Damit verteuerten sich alle Produkte, die aus diesem Metall bestehen oder es beinhalten - von Fahrzeugen über Medizintechnik und Solaranlagen bis hin zu Getränkedosen.

Die USA verbrauchen mit einem Jahresbedarf von 5,641 Millionen Tonnen weltweit 9 Prozent des Rohaluminiums, stellen aber nur 1 Prozent der Weltproduktion. Die Verhängung von Strafzöllen (10 Prozent) auf Aluminiumimporte im März 2018 führte offensichtlich nicht zu sinkenden Einfuhrmengen.

Deutsche Aluminium-Exporte legen zu

Bei den Aluminiumimporten im 2. und im 3. Quartal 2018, in den ersten Monaten nach Zollverhängung, entwickelten sich einzig die Importe aus China rückläufig. Die Lieferungen aus Deutschland und anderen Ländern hingegen wiesen nach oben. Wichtige Lieferanten, darunter die norwegische Norsk Hydro, konnten die Zölle komplett an ihre US-Kunden weiterreichen.

Der Gesamtverband der Aluminiumindustrie GDA aus Düsseldorf bestätigte die Angaben der Norweger auch im Namen von deutschen Exporteuren. Trotzdem sieht der GDA die Handelspolitik der USA mit Sorge, insbesondere wenn ein offener Handelskrieg ausbrechen sollte.

US-Einfuhr von Aluminium im 3. Quartal 2018 (in Millionen US-Dollar, Veränderung in Prozent)
Herkunftsland Importe 3. Quartal 2017 Importe 3. Quartal 2018 Veränderung
China 1.234 721 -42
Kanada 385 423 10
Deutschland 189 238 26
Indonesien 113 156 38
Bahrain 115 143 24

Quelle: U.S. International Trade Commission (USITC)

Deutscher Aluminiumverband warnt vor Handelskrieg

Deutsche Aluminiumexporteure punkten in den USA laut GDA vor allem mit Qualität. Die Luft- und Raumfahrtbranche und andere US-Abnehmerindustrien benötigen höhere Qualitäten als die vor Ort hergestellten. Zudem arbeiten einige US-Aluminiumhütten mit veralteten und wenig produktiven Anlagen mit hohen Kosten. Es gibt nur noch sechs aktive Hütten, seit 2000 wurden insgesamt 17 stillgelegt. Im Jahr 2017 wurden mit 0,74 Millionen Tonnen Rohaluminium gerade einmal 13 Prozent des Inlandsbedarfs aus heimischen Quellen befriedigt, bei Einfuhren von 4,9 Millionen Tonnen.

Nach Einführung der Strafzölle erklärte immerhin Amerikas größter Hersteller, Century Aluminium, die Hütte Hawesville (Kentucky) für 150 Millionen US-Dollar modernisieren zu wollen. Viel passiert ist seit den Ankündigungen jedoch nicht. Vielmehr brach der Century-Aktienkurs im Oktober 2018 ein, nachdem sich die Gewinne weiter verringert hatten.

Sogar Alcoa zahlt Strafzölle

Der Aluminiumkonzern Alcoa aus Pittsburgh produziert nur 14 Prozent seines Outputs in den USA. Auf die US-Importe seiner ausländischen Werke, etwa aus Kanada, muss Alcoa nun Strafzölle entrichten. Die Firma hat 2018 lediglich eine einzige stillgelegte Aluminiumhütte im südlichen Indiana wieder in Betrieb genommen und will es auch dabei belassen: Die Exportchancen haben sich verschlechtert, seitdem Kanada, China und andere Länder ihrerseits mit Strafzöllen auf US-Alulieferungen geantwortet haben.

US-Einfuhr von Aluminium 2017 (in Millionen US-Dollar, Veränderung in Prozent)
Herkunftsland Einfuhrwert Veränderung gegenüber dem Vorjahr
China 1.566 30,0
Kanada 509 3,3
Deutschland 263 2,1
Bahrain 168 25,8

Quelle: USITC, 2018

Sanktionen verteuern Rohstoff

Außerdem schoss der Weltmarktpreis für raffiniertes Bauxit beziehungsweise Aluminiumoxid (Elektrokorund/ELK) um 60 Prozent in die Höhe, nachdem die US-Regierung im April 2018 Sanktionen gegen Rusal verhängt hatte: Der russische Aluminiumkonzern produziert global 6 Prozent dieses Ausgangsstoffes für Aluminium, darunter am irischen Standort Aughinish.

Die US-Aluminiumhütten konnten nach dem sanktionsbedingten Wegfall der Rusal-Lieferungen nicht kurzfristig auf andere Herkunftsländer wie China oder Brasilien umdisponieren, zumal ein großer Hersteller in Brasilien aus Umweltgründen vorübergehend stillgelegt wurde.

Für die Interessen ihrer in- und ausländischen Mitgliedsfirmen setzt sich in den USA die Aluminium Association (https://www.aluminum.org) ein. Die Organisation, die bei der Ausarbeitung von Industriestandards mitarbeitet und Marktstudien bereitstellt, lehnt die Strafzölle wegen der preistreibenden Wirkung entlang der Abnehmerketten ab.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen finden Sie unter: http://www.gtai.de/usa

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Handels-, Zollabkommen, WTO

Funktionen

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche