Suche

01.03.2017

VAE planen umfangreiche Verkehrsinfrastrukturbauten

Inhalt

Metroanbindung zur Expo 2020 / Smart City-Projekte in Dubai / Von Katrin Pasvantis

VAE (GTAI) - Trotz Eintrübung des Investitionsklimas im öffentlichen Bausektor, bedingt durch den niedrigen Ölpreis, sind in den VAE zahlreiche Verkehrsinfrastruktur- sowie Großprojekte in Planung. Darunter der Ausbau einer Metro-Linie zum Ausstellungsgelände der Expo 2020 sowie dessen Anbindung an den Flughafen. Auch Großprojekte im Industrie-, Hafen- und Kraftwerksbau sind geplant. Die Expo in Dubai schafft zahlreiche direkte und indirekte Beteiligungsmöglichkeiten für Unternehmen.

Im Tiefbau/Infrastrukturbau haben aufgrund der niedrigen Ölpreise die öffentliche Investitionen nachgelassen. Laufende öffentliche Projekte werden bislang zwar in der Regel fortgesetzt, jedoch oftmals mit Verzögerungen oder Budgetkürzungen Für 2017 rechnen die meisten Analysten und Unternehmen nicht mit einer Verbesserung der Auftragslage.

Dubai und Abu Dhabi planen Neu- und Ausbau von Metrolinien

Dubai baut die Red Line seiner Metro bis zum Ausstellungsgelände der Expo 2020 aus und will auch den nahe gelegenen zweiten Flughafen Al Maktoum International Airport (AMIA) anbinden. Den 2,9 Mrd. US$ Auftrag für das "Route 2020" genannte Teilstück zur Expo hat das Expolink Consortium aus Acciona Group, Gulermak und Alstom erhalten. Weitere Pläne zum Ausbau des Metronetzes wurden vorerst vertagt. Das Stadtentwicklungsprojekt Jumeirah Central soll später ebenfalls an die Metro angebunden werden. Außerdem ist in dem Distrikt eine Schwebebahn geplant.

Abu Dhabi plant den Bau eines Metro-Systems in mehreren Phasen, für insgesamt 7 Mrd. US$, das durch ein Straßenbahnnetz (Light Rail Transit - LRT) und Zubringerbusse ergänzt wird. Die Umsetzung der ersten Phase der Metro wurde bis auf weiteres gestoppt und auch um die ersten Phasen des LRT- und Bus-Systems (LRT - Blue Line, Bus- Orange Line) ist es ruhig geworden. Im Dezember 2015 hat Arup den Auftrag erhalten, den Transport Masterplan für Abu Dhabi zu aktualisieren. Plan und Design sind laut Meed in Arbeit.

Verzögerung bei einzelnen Straßenbauprojekten

Im August 2016 hatte Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum, der Herrscher von Dubai, den Verkehrs- und Transportplan 2030 der RTA (Roads and Transport Authority) für Dubai genehmigt, darunter die Brückenverbindung Al Shindagha Crossing, die ein neues Wahrzeichen der Stadt werden soll und deren Bau 2017 starten soll. Außerdem genehmigte Sheikh Al Maktoum den Fünfjahresplan (2017 bis 2021) zum Bau von Straßen in 16 Wohngebieten. Der Plan sieht auch Maßnahmen zur Bepflanzung und Verschönerung der Straßen vor, passend zur "Grünen Strategie" der Stadt.

Die RTA möchte an der Dubai- Al Ain Road Renovierungsarbeiten für schätzungsweise 310 Mio. US$ durchführen. Das Dienstleistungsunternehmen Musanada in Abu Dhabi plant für 225 Mio. US$ eine Straßenverbindung zwischen Umm Lafina Island und Al Reem Island (US$).

Einige Straßenprojekte scheinen sich zu verzögern. So das geplante Stadtautobahnprojekt. Dubai will für 180 Mio. US$ die Stadtautobahn Sheikh Zayed Road mit Hilfe einer 35 km langen Brückenstraße über dem aktuellen Straßenverlauf auszubauen. Die Straße ist bereits größtenteils sieben- bis achtspurig in jede Richtung. Die Brücke soll vom Dubai Creek bis zum Hafen Jebel Ali verlaufen und ist für den Langstreckenverkehr mit wenigen Zu- und Abfahrten gedacht. Parsons Corporation war im April 2015 zum Berater für das Projekt ernannt worden. Das Projekt scheint vorerst nicht weiter zu kommen.

Fast fertig gestellt sind dagegen die Straßenarbeiten für den Dubai Canal, einer 3,2 km langen Wasserstraße von der Business Bay zum Meer am Jumeirah Beach Park. Der Kanal kreuzt Hauptverkehrsadern der Stadt (Stadtautobahn Sheikh Zayed Road, Al Wasl Road, Jumeirah Beach Road), so dass mehrere Brücken für Fahrzeuge und Fußgänger im laufenden Betrieb gebaut werden mussten.

Tiefbau/Infrastrukturbau: Ausgewählte Großprojekte (in Mio. US$)
Vorhaben Investitionssumme Projektstand *) Betreiber
Al Maktoum International Airport (AMIA) Expansion : Phase 2 (Phase 1) : Concourse Building 9.000 DE Dubai Aviation Engineering Projects (DAEP)
Phase 2 (Phase 1) : West Terminal 3.000 DE Dubai Aviation Engineering Projects (DAEP)
2200 MW Power Plant in Northern Emirates 2.500 ST Federal Electricity and Water Authority (FEWA)
Dubai Metro : Red Line Extension (Route 2020) 2.900 D (8%) Dubai Road and Transportation Authority
Strategic Sewerage Tunnel : Bur Dubai 2.000 DE Dubai Municipality
AMIA Expansion : Phase 2 (Phase 1) 1.564 D (3%) Dubai Aviation Engineering Projects (DAEP)
Bus Rapid Transit : Orange Line 1.500 DE Abu Dhabi DOT
200 W Mohammad Bin Rashid Al Maktoum Solar Power Plant CSP - Phase 4 1.200 PQ Dubai Electricity and Water Authority (DEWA)
Dubai Creek Harbour: Infrastructure Works 1.200 A Emaar Properties
Hamriyah Conversion to Combined Cycle Power Plant 1.200 AW Sharjah Electricity and Water Authority (SEWA)
Light Rail Transit: Blue Line 1.000 DE Abu Dhabi DOT

*) ST = Studie, DE = Design, PQ = Präqualifizierung, A = Angebotsabgabe Hauptauftrag; AW = Angebotsauswertung, D= Durchführung (Fortschritt in %)

Quellen: MEED Projects (Oktober 2016)

Al Maktoum International Airport soll weltgrößter Flughafen werden

Dubais Stadtflughafen Dubai International Airport (DXB) in Deira ist einer der geschäftigsten Flughäfen der Welt (2015: 78 Mio. Passagiere) und soll 2020 seine Kapazität von 90 Mio. Passagieren ausschöpfen. Auch das Frachtvolumen soll stark steigen. Dubai will deshalb seinen zweiten, neueren Flughafen, Dubai World Central (DWC, auch: Al Maktoum International Airport, AMIA), zum größten Flughafen der Welt ausbauen. Die Pläne bestehen schon länger, haben aber durch die Expo 2020 neuen Auftrieb bekommen.

Im September 2014 kündigte das Emirat an, bis 2030 rund 32 Mrd. US$ in den Ausbau der Kapazitäten des DWC auf 200 Mio. Passagiere und 16 Mio. t Fracht pro Jahr investieren zu wollen. Der anvisierte Zeitplan wird wohl nicht eingehalten und der Ausbau zunächst in abgespeckter Version umgesetzt. Derzeit können 5 Mio. Passagiere und 1 Mio. t Fracht transportiert werden. Angeflogen wird DWC von Flydubai und Qatar Airways, beide sollen bald sämtliche Flüge dorthin verlegen und langfristig soll auch Emirates vom DWC aus fliegen. Der Flughafen wird das Zentrum eines neuen mixed-use Stadtteils, genannt Dubai South, zu dem auch das Expo-gelände gehört.

Abu Dhabi baut ebenfalls seinen Flughafen aus. Der Bau des neuen "Midfield Terminal" ist weit fortgeschritten und soll Ende 2017 fertiggestellt werden. Der Ausbau ist Teil der 3 Mrd. US$- Expansionsstrategie von Abu Dhabis Fluglinie Etihad Airways.

Hafen Jebel Ali wird massiv erweitert

Der Umschlag in Dubais Jebel Ali Port ist 2014 um kräftige 11% auf 15,2 Mio. TEU (Twenty Foot Equivalent Units) gestiegen. Betreiber ist die DP World (Dubai Ports World). Der Hafen wird erweitert. Die Arbeiten an einem vierten Terminal für 1,6 Mrd. US$ starteten Ende Juli 2015. In einer ersten Phase soll am Terminal 4 bis 2018 eine Kapazität von 3,1 Mio. TEU aufgebaut werden. Im Februar 2016 war der Auftrag für einen weiteren Ausbau des Terminals 4 vergeben worden. Ebenfalls bis 2018 sollen 4,7 Mio. TEU hinzukommen. CH2M ist das Consultingunternehmen für diese zweite Phase. Mit den beiden Erweiterungen wird sich die Kapazität des Hafens bis 2018 auf insgesamt 26,8 Mio. TEU erhöhen. Bis 2030 wird über einen insgesamt vierzehnstufigen Plan eine Kapazität von 50 Mio. TEU angestrebt.

Abu Dhabis neuer Industriehafen, Khalifa Port, ist seit Herbst 2012 in Betrieb und ist Teil der Industriezone Kizad. Betreiber ist die Abu Dhabi Ports Company. Der alte Handelshafen Zayed Port, der 2010 noch rund 0,5 Mio. TEU abfertigte, wird aufgegeben und ist für ein Stadtentwicklungsprojekt vorgesehen. Umgeschlagen wurden im Khalifa Port 2014 rund 1,1 Mio. TEU und 12,8 Mio. t General Cargo. Die Kapazität beträgt 2,5 Mio. TEU und 12 Mio. t General Freight. Bis 2030 soll der der Hafen auf 15 Mio. TEU und 35 Mio. t General Cargo erweitert werden.

Im Februar 2016 wurde der Auftrag für den Bau eines 300m langen Zement Kai in Abu Dhabi für 15 Mio. US$ vergeben, der für den Tourismus vorgesehen ist und an dem unter anderem über 280 Boote liegen sollen. Den Auftrag hat ein Joint Venture von Alba-Tec Modern Construction & Development und Hilalco erhalten. Die Arbeiten hatten im September 2016 allerdings noch nicht begonnen.

Abwassernetze und Kläranlagen werden weiter ausgebaut

Fast 45% des zur Verfügung stehenden Wassers kommt in den VAE aus Grundwasservorkommen, weitere 42% aus Meerwasserentsalzungsanlagen und 14% aus Wiederaufbereitungsanlagen. Die Grundwasservorkommen sind von Übernutzung bedroht und sinken rasch. Zur Frischwassergewinnung setzen die Emirate hauptsächlich auf Meerwasserentsalzungsanlagen. Aus den Anlagen stammen rund 98% des kommunalen Verbrauchs (private Haushalte, Industrie, Gewerbe, teilweise Landwirtschaft). Landesweit gibt es 33 (2015) Entsalzungsanlagen. Die Federal Electricity and Water Authority (FEWA) prognostiziert bis 2030 einen Anstieg des Wasserbedarfs um fast 30%.

Es bestehen jedoch hohe Reservekapazitäten. Deshalb sind trotz des erwarteten Mehrverbrauchs in den nächsten Jahren nur begrenzt Erweiterungsinvestitionen erforderlich. Auch Abu Dhabi verfügt aktuell über ausreichende Trinkwasserkapazitäten.

Der Ausbau der Abwassernetze befindet sich in allen sieben Emiraten noch im Gange. Die Klärwerkskapazitäten sind in Abu Dhabi und Dubai stark erweitert worden und bieten aktuell eine ausreichende Leistung, werden aber angesichts des kontinuierlich steigenden Abwasseraufkommens weiter ausgebaut. Erhebliche Defizite gibt es noch in den fünf nördlichen Emiraten. Landesweit gab es laut nationalem Statistikamt 2014 rund 69 Wasseraufbereitungsanlagen, davon 37 in Abu Dhabi und 17 in Dubai. Jährlich werden 653 Mio. cbm Wasser behandelt, davon stammen 43% aus privaten Haushalten, 57% aus gemischten Quellen und 0,2% sind reine Industriewässer. Nach der Aufbereitung werden 66% zur Bewässerung verwendet und 33% ins Meer geleitet. Die entstandene Schlacke (126 t) wird zu 21% kompostiert und 79% landen auf Deponien. Abu Dhabi strebt eine 100% Nutzung des aufbereiteten Wassers an.

Müllverbrennungsanlage in Al Warsan geplant

Dubai möchte in Al Warsan für 600 Mio. US$ eine Müllverbrennungsanlage (Waste-to-Energy WTE) mit einer Kapazität von 6.000 t pro Tag errichten. Das Projekt war 2012 zum Erliegen gekommen und wurde 2016 wiederbelebt. In Abu Dhabi plant Takreer für 100 Mio. US$ ein Waste Heat Recovery Project auf dem Gelände der Ruwais Raffinerie. Die Angebote wurde evaluiert und im Oktober 2016 eine Kurzliste von Unternehmen ausgewählt, die zur weiteren Angebotsabgabe aufgefordert wurden.

Der Energiebedarf der VAE soll bis 2020 auf 40.000 MW steigen und der Staat treibt den Ausbau der Stromkapazitäten voran. Erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung, aber Atomstrom soll den wesentlichen Teil des künftigen Strommehrbedarfs decken. Abu Dhabi baut den ersten von vier 1.400-MW-Reaktoren. Auch der Bau von Kraftwerken für fossile Brennstoffe wird fortgesetzt. Jüngsten offiziellen Angaben zufolge betrug 2013 die landesweit installierte Kapazität 27.374 MW (Abu Dhabi (AD), 2014: 12.571 MW; Dubai, 2015: 9.656 MW), konsumiert wurden 105.363 GWH (AD, 2014: 52.841 GWh; Dubai, 2015: 37.200 GWh, Spitzenlast: 7.696 MW) und produziert 109.979 GWH (AD, 2014: 58.343 GWH). Wichtigste Energiequellen waren kombinierte Gas-und Dampfturbinen (71%), Gasturbinen (22%) und Dampfturbinen (7%).

FEWA plant ein 2.200 MW- Stromkraftwerk in den nördlichen Emiraten für etwa 2,5 Mrd. US$. Siemens hatte im April 2016 einen Vertrag mit FEWA für die Entwicklung des Projekts unterzeichnet. Geplante Auftragsvergabe ist 2018, Fertigstellung 2021. Der Standort des Projekts und weitere Details sind noch unklar.

Auch der Solarsektor hat neuen Schwung gewonnen. Dubais Energieversorger DEWA rief im Mai 2016 zur Angebotsabgabe für ein 200 MW- Solarkraftwerk auf, der Beratungsauftrag für das Projekt wurde im September 2016 an ein von KPMG geführtes Konsortium vergeben und der Auftrag soll wahrscheinlich im Frühjahr 2017 vergeben werden. Das Projekt ist Teil des Mohammed bin Rashid Al Maktoum Solar Parks. Dubais Strom soll bis 2020 zu 7% (2030: 25%) aus Erneuerbaren Energien stammen. Die VAE sind der größte Erzeuger von Sonnenenergie unter den Mitgliedsstaaten des Golfkooperationsrates (GCC) und dürften auch in den nächsten zehn Jahren Vorreiter bleiben.

Die Angebotsevaluierung für eine 350-MW-Photovoltaik Anlage (550 Mio. US$) von Abu Dhabis Energieversorger ADWEA in Al Ain läuft, die Zuteilung wird Anfang 2017 erwartet.

Smart City Projekte in Dubai

Die Zahl der Mobilfunkanschlüsse in den VAE stieg 2015 um 18% auf 17,9 Mio. Den Markt teilen sich der ehemalige Monopolist Etisalat (9,7 Mio.; +10%) und Konkurrent Du (7,7 Mio.; +5%). Ende Dezember 2015 waren 1,8 Mio. Breitband-Internetnutzer registriert (Etisalat: 1,1 Mio; Du: 0,7 Mio.). Beide Anbieter investieren in erweiterte Funktionen, Cloud Computing Services und die Weiterentwicklung der Infrastruktur. Dubai arbeitet mit Hochdruck am Ausbau von Smart-City-Projekten wie der Ausweitung von E-Governance, neuen Verkehrsmanagementsystemen und IoT- (Internet of Things) Adaptionen.

Etisalat hat 2016 den Bau eines Daten-Zentrums in Jebel Ali für 100 Mio. US$ ausgeschrieben, die Gebote mussten bis Mai abgegeben werden, die Evaluierung läuft. Ein weiteres Daten-Zentrum soll für die Expo gebaut werden. Die Studie für das 30 Mio. US$ Projekt läuft, die Ausschreibung wird im Frühjahr 2017 erwartet.

(K.P.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate, MENA Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Kraftwerksbau, Flughafenbau, Wasser-, Hafenbau

Funktionen

Kontakt

Thomas Hundt

‎+49 228 24 993 439

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche