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06.03.2019

Vereinigtes Königreich will mit Digitalisierung die Produktivität steigern

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Digitale Lösungen sollen Gesundheitssystem modernisieren / Von Robert Scheid (Januar 2019)

London (GTAI) - Das Thema Digitalisierung spielt im Vereinigten Königreich eine große Rolle. Das Land gilt als E-Government-Vorreiter, die Infrastruktur ist noch ausbaufähig.

Digitalisierungsstrategie

Die Debatte über eine Digitalisierungsstrategie für die britische Wirtschaft hat nach der Veröffentlichung der Industrial Strategy im Januar 2017 (http://www.gov.uk/government/topical-events/the-uks-industrial-strategy) an Schwung gewonnen. Hauptziel der Industriestrategie ist es, die stagnierende Produktivität zu steigern. Dies kann nur mit Hilfe der Digitalisierung erreicht werden, hat die britische Regierung erkannt.

Im März 2017 wurde deshalb aufbauend auf der Industriestrategie eine gezielte Digitalisierungsstrategie veröffentlicht (http://www.gov.uk/government/publications/uk-digital-strategy). Die darin formulierten Leitlinien sollen den Dialog mit der Privatwirtschaft in Schwung bringen. Die Strategie umfasst sieben Bausteine: Zu diesen gehören der Ausbau der digitalen Infrastruktur (5G und Glasfaser) sowie E-Government-Dienstleistungen, Bildungsprogramme für Bürger sowie neue Initiativen im Bereich Netzsicherheit.

Die Strategie sieht vor, Unternehmen auf verschiedenen Wegen zu fördern. Sie werden dabei unterstützt, digitale Werkzeuge einzusetzen, um so ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Gleichzeitig werden die Rahmenbedingungen für (digitale) Start-ups optimiert. Darüber hinaus sollen die Stärken des Vereinigten Königreiches in Bereichen wie Fintech, Netzsicherheit, Gaming, Virtual Reality, E-Government (GovTech) sowie künstliche Intelligenz ausgebaut werden, um die Digitalisierung der Gesamtwirtschaft zu forcieren.

Strategie für künstliche Intelligenz

Im April 2018 veröffentlichte die Regierung den sogenannten Artificial Intelligence Sector Deal als Ergänzung zur Industriestrategie (http://www.gov.uk/government/publications/artificial-intelligence-sector-deal). In Planung ist die Gründung eines Government Office for Artificial Intelligence. Das Office soll die verschiedenen Fördermöglichkeiten koordinieren. Ferner ist die Gründung eines Artificial Intelligence Council geplant, hier sollen Privatwirtschaft und Wissenschaft zusammenarbeiten. Interessant ist zudem die Einrichtung eines Centre for Data Ethics and Innovation. Das Centre soll die ethische Datennutzung, unter anderem im Bereich künstliche Intelligenz, sichern.

Ein weiteres Strategiepapier zum Thema künstliche Intelligenz veröffentlichte die Regierung im Dezember 2018 (http://www.gov.uk/government/publications/industrial-strategy-the-grand-challenges/industrial-strategy-the-grand-challenges#artificial-intelligence-and-data).

Das Vereinigte Königreich ist bereits einer der wichtigsten Standorte in Europa für künstliche Intelligenz. Wichtige Akteure im medizinischen Bereich (Deepmind, Babylon) gewinnen an Aufmerksamkeit. Andere Unternehmen wie Swiftkey werden von großen Technologieunternehmen (Microsoft) gekauft, diverse Start-ups wie Kwiziq (Fremdsprachenlernen), Cleo (private Finanzen) und Mindtrace (unter anderem autonomes Fahren) sind im Vereinigten Königreich angesiedelt. Die Regierung unterstützt die Entwicklung der künstlichen Intelligenz mit gezielten Maßnahmen wie Forschungsstipendien und -krediten.

E-Government

Bereits im November 2012 veröffentlichte die Regierung das Strategiepapier Government Digital Strategy. Im Dezember 2013 gab es eine Aktualisierung (http://www.gov.uk/government/publications/government-digital-strategy), die unter anderem Cloud-basierte Dienstleistungen in den Fokus rückt.

Die Strategie ist in der Fläche umgesetzt worden. Bereits seit mehreren Jahren können britische Bürger fast alle öffentlichen Anträge im Internet abwickeln, Arzttermine online buchen, Gemeindesteuern über das Netz zahlen und ebenso Gesellschaften gründen. Damit gehört das Vereinigte Königreich zu den Vorreitern unter den europäischen Referenzländern. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie E-Government Survey 2018 der Vereinten Nationen. Hier rangiert das Vereinigte Königreich 2018 im Länderranking auf Platz 4 weltweit und auf Platz 2 in Europa. Nur Dänemark, Australien und Südkorea konnten besser abschneiden. In der vorangegangenen Studie aus dem Jahr 2016 kamen die Briten auf den Spitzenplatz weltweit. Zum Vergleich: Deutschland belegte 2018 Platz 12 und 2016 Platz 15.

Ein weiteres Erfolgsbeispiel im Bereich E-Government des Vereinigten Königreichs ist das öffentliche Ausschreibungs- und Beschaffungswesen, das komplett online abgewickelt (http://www.gov.uk/contracts-finder) werden kann. Auch die Beschaffungen des staatlichen Gesundheitssystems National Health Service (NHS) werden online getätigt (http://www.supplychain.nhs.uk/suppliers/new-suppliers/). Darüber hinaus können Unternehmen im Rahmen des GovTech Catalyst Programms Lösungsansätze vorschlagen, um die Effizienz der öffentlichen Verwaltung zu steigern und diese gegebenenfalls auch verwirklichen.

Stärken/Schwächen

Das Vereinigte Königreich gehört zu den digitalen Vorreiterländern in Europa. Die Start-up-Szene floriert dank innovativer Jungunternehmer und risikofreudiger Wagniskapitalgeber. Technologieaffine Konsumenten fragen digitale Produkte und Dienstleistungen nach. Weltbekannte Hochschulen machen Fortschritte im Bereich Forschung und Entwicklung. Auch die öffentliche Verwaltung profitiert von der Digitalisierung.

Ausbaufähig ist die digitale Infrastruktur. Gemessen an diesem Teilindikator schneidet das Vereinigte Königreich im E-Government Survey der Vereinten Nationen im Vergleich zu anderen Bereichen wie Humankapital oder Onlinedienstleistungen schlecht ab. Unternehmen und Regierungsvertreter fordern höhere Investitionen in 5G-Technologie und schnelle Breitbandverbindungen.

Ausblick

Aufbauend auf den erfolgreichen Aktivitäten im Bereich E-Government setzt das Vereinigte Königreich auf digitale Lösungen, um das nationale Gesundheitssystem (NHS) zu modernisieren. Hier hat das Land bereits gute Voraussetzungen durch erstklassige Forschungseinrichtungen an den Hochschulen sowie innovative Start-ups im Bereich künstliche Intelligenz. Die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft gehört in den kommenden Jahren zu den Wachstumsmärkten. Die größte Hürde ist jedoch die langsame, komplexe Verwaltungsstruktur im NHS und die damit verbundene schleppende Akzeptanz für die Einführung neuer Technologien.

Trotz des bevorstehenden Brexits wird die robuste digitale Start-up-Szene ein wichtiges Standbein der Wirtschaft bleiben. Auch wenn die britische Wirtschaft in Zukunft weniger in die europäische Wirtschaft integriert sein könnte, wird London weiterhin als attraktive Stadt für Jungunternehmen aus der ganzen Welt florieren.

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Department for Digital, Culture, Media & Sport http://www.gov.uk/government/organisations/department-for-digital-culture-media-sport Ministerium
Digital Catapult Center http://www.digicatapult.org.uk Fördert die Digitalisierung im Land
Government Digital Service http://www.gov.uk/government/organisations/government-digital-service Unterstützt Digitalisierung im öffentlichen Sektor
Alan Turing Institute https://www.turing.ac.uk Institut für Datenwissenschaft und künstliche Intelligenz
UK Research & Innovation http://www.ukri.org Öffentliche Körperschaft

Mehr Informationen zum Vereinigten Königreich finden Sie unter http://www.gtai.de/vereinigtes-koenigreich.

Mehr zum Thema Digitalisierung finden Sie unter http://www.gtai.de/wirtschaft-digital.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigtes Königreich Gesundheitswesen allgemein, Robotik und Automation, Verwaltung, Administration, Brexit, Digitalisierung

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‎+49 228 249 93 279

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