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16.08.2019

Verhaltene Aussichten nach Spaniens Außenhandelsrekord

Dynamik lässt im 1. Quartal 2019 nach / Von Oliver Idem

Madrid (GTAI) - Der spanische Außenhandel dürfte 2019 moderater wachsen. In Zukunft verheißt das Mercosur-Handelsabkommen gute Chancen. Deutschland ist neben Frankreich der wichtigste Handelspartner.

Der spanische Außenhandel knüpft 2019 bislang nicht an das Rekordjahr 2018 an. Laut dem Industrieministerium wuchsen die Importe im 1. Quartal noch um 3,2 Prozent. Die Ausfuhren stagnierten hingegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Risiken sind die anhaltende Unklarheit in der Brexit-Frage sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Freihandelsabkommen EU-Mercosur bietet besondere Chancen

Längerfristig ist aus spanischer Sicht das Freihandelsabkommen der Europäischen Union (EU) mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay besonders interessant. Ende Juni 2019 gab die Kommission eine grundsätzliche Einigung bekannt. Die Ratifizierung wird aber längere Zeit brauchen. Der Zollabbau betrifft einige Exportschwerpunkte Spaniens. Noch verkauft das Land nur etwa 15.000 Kraftfahrzeuge jährlich in die Mercosur-Staaten, dürfte aber bald mehr Potenzial ausschöpfen. Auch Nahrungsmittel, chemische Erzeugnisse, Maschinen sowie Textilien und Bekleidung werden profitieren. Skepsis herrscht aber laut Presseberichten in den Bereichen Landwirtschaft und Viehzucht.

Industrieministerium will Exporte diversifizieren und steigern

In Spanien dominieren Klein- und Kleinstunternehmen das Bild. Die Gesamtzahl der Exporteure lag zwar 2018 laut vorläufigen Zahlen bei rund 204.000. Nur rund 38.000 dieser Unternehmen führten jedoch Waren für mehr als 50.000 Euro aus. Insgesamt 51.768 Akteure waren regelmäßig im Auslandsgeschäft aktiv. Diese Zahl bedeutete mit einem Plus von 2,4 Prozent gegenüber 2017 einen neuen Rekordwert.

Die wachsenden Exporterfolge spanischer Unternehmen in den letzten Jahren belegen eine Zunahme der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt. Das Industrieministerium will die Stärken ausbauen und zum Beispiel durch finanzielle Instrumente fördern. Mittels eines Zweijahresplans 2019/2020 sollen die Exporte diversifiziert und gesteigert werden. Vorgesehen ist, mehr Unternehmen zu regelmäßigen Exporteuren zu entwickeln. Als zu erschließende Absatzmärkte stehen die NAFTA-Staaten, Brasilien, Marokko, Südafrika, die Türkei, Russland, Indien, China sowie Japan und Südkorea im Fokus. Weitere Ziele sind eine höhere Wertschöpfung und die Steigerung ausländischer Investitionen in Spanien.

Außenhandel Spaniens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2017 2018 Veränderung 2018/17
Importe 310.380 328.463 5,8
Exporte 283.716 292.063 2,9
Handelsbilanzsaldo -26.664 -36.400 36,5

Quelle: Eurostat

Das hohe spanische Warenhandelsdefizit ist keine Ausnahme. Allerdings trägt die positive Dienstleistungsbilanz zu einem ausgeglicheneren Gesamtbild bei. Die EU-Kommission rechnete im Juli 2019 für das laufende Jahr sowie für 2020 mit einem Leistungsbilanzüberschuss von jeweils 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Deutschland ist wichtigstes Lieferland

Deutschland behielt auch 2018 seine Position als wichtigster Beschaffungsmarkt für Spanien. Der Lieferanteil sank jedoch um 0,4 Prozentpunkte gegenüber 2017. Vor allem bei Maschinen, Fahrzeugen sowie medizinischen und pharmazeutischen Produkten liefert Deutschland mehr Waren als die Konkurrenz.

Wichtigste Lieferländer 2018 (Anteile in %)
Anteil 2018
Deutschland 13,8
Frankreich 11,6
China 6,9
Italien 6,7
Niederlande 5,1
Sonstige 55,9

Quelle: Eurostat

Die EU bildet den mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt für Spanien

Von den spanischen Ausfuhren gehen knapp zwei Drittel in die EU. Als direkter Nachbar dominiert auf der Exportseite traditionell Frankreich. An zweiter Stelle folgt Deutschland mit einem 2018 um 0,4 Prozentpunkte gesunkenen Anteil von 10,9 Prozent. Unter den Ländern außerhalb der EU finden sich die USA an sechster, Marokko an neunter und China an zehnter Stelle.

Seit 2000 haben sich die Zielmärkte für spanische Warenexporte diversifiziert und das Land wurde etwas unabhängiger von der wirtschaftlichen Entwicklung der EU-Partner. Deren Anteil lag 2018 noch bei 65,6 Prozent und damit um 7,9 Punkte unter dem Wert von 2000. Die Ausfuhren nach Asien verbesserten sich um 3,4 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent. Zudem verdoppelten sich die Lieferungen nach Afrika auf 6,5 Prozent.

Wichtigste Abnehmerländer 2018 (Anteile in %)
Anteil 2018
Frankreich 15,2
Deutschland 10,9
Italien 7,8
Portugal 7,3
Vereinigtes Königreich 6,7
Sonstige 52,1

Quelle: Eurostat

Deutschland führt bei Lieferungen von Kfz, Maschinen, Chemikalien

Deutschland prägte 2018 insbesondere bei den Lieferungen von Maschinenbauerzeugnissen und Fahrzeugen das Bild. Hier erreichte der Warenwert 23,6 Milliarden Euro. Im Detail betrachtet trugen dazu vor allem Straßenfahrzeuge (11 Milliarden), elektrische Maschinen (3 Milliarden), Maschinen für verschiedene Zwecke (2,7 Milliarden) sowie Kraftmaschinen und -ausrüstungen (2,2 Milliarden) bei. Für medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse (2,3 Milliarden Euro) war Deutschland ebenfalls der wichtigste Beschaffungsmarkt Spaniens.

Spanien verzeichnete 2018 gegenüber dem Vorjahr besonders hohe wertmäßige Importzuwächse bei Erdöl und Erdölprodukten (SITC 3 und 33). Ein wesentlicher Grund dürfte der um rund 31 Prozent gestiegene Ölpreis sein.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code 2017 2018
Gesamt 310.380 328.463
Chemische Erzeugnisse 5 43.571 47.528
.Arzneimittel 54 13.020 13.994
Fertigerzeugnisse 8 43.097 43.739
Mineralische Brennstoffe 3 40.545 48.001
.Erdöl 33 30.173 36.998
Straßenfahrzeuge 78 38.341 39.319
Vorerzeugnisse 6 34.631 37.001
.Eisen/Stahl 67 8.118 9.214
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 27.353 28.207
Maschinen 71-74 24.657 25.605
Elektronik 75, 76, 776 14.396 15.629
Elektrotechnik 77 minus 776 13.516 14.066
Rohstoffe 2 13.120 13.844
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 9.618 8.216
Getränke/Tabak 1 3.571 3.606
Tierische/pflanzliche Öle 4 2.915 2.687
Sonstiges 9 1.049 1.015

Quelle: Eurostat

Verhaltene Erwartungen für Exporte von Kfz und Kfz-Teilen

Mitte 2019 waren die Erwartungen für die spanischen Ausfuhren uneinheitlich. Die Schwäche der europäischen Kfz-Märkte dürfte die wichtigen Fahrzeugexporte negativ beeinflussen. Ebenso rechnen spanische Hersteller von Kfz-Teilen mit einer Abschwächung ihrer Ausfuhren.

Wesentlich besser sind die Aussichten für chemische Erzeugnisse. Der Branchenverband Feique erwartet ein Umsatzplus von 2,6 Prozent auf 67,6 Milliarden Euro. Getragen wird der Aufwärtstrend unter anderem durch eine starke Auslandsnachfrage.

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code 2017 2018
Gesamt 283.716 292.063
Straßenfahrzeuge 78 49.172 48.022
Vorerzeugnisse 6 42.290 44.356
.Eisen/Stahl 67 7.794 8.685
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 37.794 38.442
Chemische Erzeugnisse 5 37.258 39.362
.Arzneimittel 54 10.730 10.811
Fertigerzeugnisse 8 30.572 31.062
Maschinen 71-74 22.208 21.693
Mineralische Brennstoffe 3 19.653 22.670
.Erdöl 33 17.931 20.926
Elektrotechnik 77 minus 776 10.468 11.858
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 10.210 10.039
Rohstoffe 2 7.857 8.489
Tierische/pflanzliche Öle 4 4.953 4.325
Getränke/Tabak 1 4.408 4.651
Elektronik 75, 76, 776 3.636 3.605
Sonstiges 9 3.415 3.490

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen zu Spanien finden Sie unter http://www.gtai.de/spanien

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Spanien Außenhandel / Struktur, allgemein

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