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06.02.2019

Viele Städte in den USA verfolgen Smart-City-Projekte

Schwerpunkte und Konzepte teils sehr verschieden / Von Heiko Steinacher

San Francisco (GTAI) - US-Städte werden in den nächsten Jahren viel Geld in Smart-City-Initiativen investieren. Daimler und Bosch wollen im Jahr 2019 Robotertaxen auf die Straßen von San José bringen.

Das kalifornische San José soll im 2. Halbjahr 2019 Pilotstadt des App-basierten, vollautomatisierten und fahrerlosen Mitfahr-Services von Daimler und Bosch werden. Dazu haben die beiden Konzerne mit der Metropole im Silicon Valley im Herbst 2018 eine Entwicklungskooperation vereinbart. Die als Robotertaxen auserkorenen Fahrzeuge der Mercedes S-Klasse sollen bereits in wenigen Jahren serienreif sein.

Pioniere sind die deutschen Projektpartner auf diesem Gebiet allerdings nicht. Die US-Konkurrenz tüftelt schon seit langem an fahrerlosen Transportsystemen. So hat die Tochterfirma Waymo der Google-Holding Alphabet bereits in Phoenix, Arizona, Tests mit Robotertaxis durchgeführt. Auch die General-Motors-Tochter Cruise Automation will ihren Roboterauto-Fahrdienst 2019 in mindestens einer US-amerikanischen Stadt starten. Die Dienste sollen bald öffentlich zugänglich sein und dann mit Firmen wie Uber konkurrieren.

Autonome Fahrzeuge sind nur ein kleiner Baustein von Smart Cities

Autonome Fahrdienste bilden zwar einen wichtigen, aber nur kleinen Teil im Rahmen der groß angelegten Smart-City-Projekte vieler US-Großstädte. Um sauberer, effizienter und vernetzter zu werden, investieren diese immer höhere Milliardensummen. Die International Data Corporation (IDC) erwartet in den nächsten fünf Jahren einen Anstieg der US-Investitionen in Smart Cities im Schnitt um jährlich 19 Prozent (siehe auch GTAI-Bericht "Großstädte in den USA sollen smarter werden", http://www.gtai.de/MKT201807188007).

Union Point, eine Kleinstadt bei Boston, hat bereits mehr als 200 Millionen US-Dollar (US$) in intelligente Infrastruktur investiert. Weitere 100 Millionen US$ sollen 2019 und 2020 folgen. General Electric (GE) wird dort Technologien wie sensorgestützte Straßenleuchten installieren. Das Start-up Optimus Ride und das Entwicklungsunternehmen LStar Ventures kooperieren mit Union Point im Rahmen eines Pilotprojekts zum autonomen Fahren.

Casinos in Las Vegas setzen schon auf das Internet of Things

Las Vegas will seine Stadtplanung vor allem im Hinblick auf Verkehr, Sicherheit und Effizienz optimieren. Die Casinos dort nutzen bereits Internet-of-Things (IoT)-Plattformen und maschinelles Lernen, um Fehler bei der Erfassung von Ausgaben im Rahmen von Loyalitätsprogrammen zu vermeiden.

Nun sollen die Technologien auch für technische Smart-City-Innovationen genutzt werden. Dazu stellt die Wüstenstadt bis 2025 rund 500 Millionen US$ für drei Pilotprojekte bereit. Bei den ersten beiden geht es um Sensortechnik für Echtzeit-Updates zur Verkehrsflussoptimierung und zum Schutz von Fußgängern. Im Rahmen des dritten Projekts soll festgestellt werden, wann Müllbehälter voll sind und Ampeln nicht funktionieren. Partner bei den Projekten sind der Anbieter von drahtlosen Netzwerken Ingenu und das im September 2018 von FLIR Systems übernommene Start-up Acyclica.

Henderson, ebenfalls Nevada, testet IoT-Technologien auch in den Bereichen öffentliche Sicherheit, Stadtverwaltung und Bildung. Dabei kommen neben

Sensortechnik auch intelligente Wasserverbrauchsmessung sowie Telematik- und Drohnenerkennungssysteme zum Einsatz. Für ihre digitale Transformation sucht die Stadt sowohl öffentliche als auch private Partner.

ÖPP-Verträge sind bei Smart-City-Projekten keine Seltenheit

Kansas City, Missouri, hat einen ÖPP-Vertrag (öffentlich-private Partnerschaft) mit dem Technologieanbieter Cisco Systems und dem Mobilfunkbetreiber Sprint abgeschlossen. Über die Stadt wurden 25 Datenterminals verteilt, die nicht nur Informationen liefern, sondern auch in Notfallsituationen benutzt werden können. Die Investition von 16 Millionen US$, die zu gut drei Vierteln von den privaten Partnern finanziert wurde, soll sich in rund fünf Jahren durch Werbeeinnahmen amortisieren.

Vorreiter auf diesem Gebiet ist New York. Seit rund zwei Jahren sind dort unter dem Namen LinkNYC bereits zahlreiche WLAN-Hotspots online. Auch New York wählte eine ÖPP mit Technologiefirmen, und die Refinanzierung wird ebenfalls über Werbeeinnahmen angestrebt (GTAI-Bericht zu Smart-City-Initiativen in Ney York: http://www.gtai.de/MKT201802278000).

Ferner kooperiert Dallas im Rahmen einer ÖPP, der Dallas Innovation Alliance (DIA), mit privaten Akteuren. Im letzten Jahr hat die DIA neun Projekte begonnen, darunter zu öffentlichen Wi-Fi-Hotspots, Mobilitätsforschung sowie intelligenten Bewässerungs- und Parksystemen.

San Francisco Bay Area erhält neue Reiseplanungs-App

Die öffentliche Nahverkehrsgesellschaft Bay Area Rapid Transit (BART) hat eine Reiseplanungs-App veröffentlicht, die Transitdaten von mehr als 30 Verkehrsbetrieben sowie Auto-, Fahrrad- und Gehwege in der San Francisco Bay Area einbezieht. Die Software dafür stammt von HaCon, einem Tochterunternehmen von Siemens. Auch andere US-Großstädte wollen Apps einführen, die eine Reiseplanung von Tür zu Tür mit Zahlungsfunktion ermöglichen.

Portland testet auch Straßenlaternen und Ampeln mit IoT-Sensoren. Die Technik dafür liefert GE. Verläuft das Projekt erfolgreich, soll es auf die ganze Stadt ausgeweitet werden. Columbus, Ohio, will außerdem Platooning-Technik einsetzen, um den Straßengüterverkehr zu revolutionieren. Lkw können dadurch in einem Konvoi fahren, was vor allem den Kraftstoffverbrauch verringert.

Pittsburgh, Pennsylvania, will sein System vernetzter Ampeln in den nächsten beiden Jahren um 150 Kreuzungen erweitern und dazu seine Zusammenarbeit mit dem Start-up Surtrac ausbauen. Und Denver, Colorado, will in den nächsten vier Jahren bis zu 1.500 vernetzte Elektroautos kaufen, die nicht nur das Klima verbessern, sondern gleichzeitig auch als Speicherreserve und Puffer für das Stromnetz dienen sollen.

Darüber hinaus investieren noch zahlreiche weitere US-Städte in Smart-City-Initiativen. Laut einer Forschungsarbeit aus dem Jahr 2016, an der mehrere internationale Hochschulen beteiligt waren, fanden von 335 in den USA durchgeführten Smart-City-Projekten nur 69 in großen Städten statt, weitaus mehr dagegen in kleineren. Dabei setzen die Städte verschiedene Schwerpunkte, wie die Beispiele oben zeigen.

US-Importe ausgewählter forschungs- und entwicklungsintensiver Erzeugnisse (Mio. US$, Veränderung jeweils gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum in %)
Produktart (SITC-Warengruppe) Gesamtjahr 2017 Januar bis Oktober 2018 Veränderung Januar bis Oktober 2018 aus Deutschland Veränderung
Synthesefasern (266) 926 842 7,2 40 -5,7
EDV-Anlagen (752) 84.896 77.645 12,4 412 11,3
Nachrichtentechnik (764) 138.752 113.009 3,7 1.160 20,6
Einrichtungen für die Elektrizitätsverteilung (773) 20.739 19.278 11,3 351 10,6
Medizinische Elektronik (774) 9.345 8.268 7,5 2.111 4,9
Halbleiter-Bauelemente (776) 44.390 36.717 2,3 517 7,1
Fortgeschrittene Elektrotechnik (778) 40.766 38.369 12,9 1.654 7,0
Fortgeschrittene Optik (871) 4.394 4.044 14,3 553 8,0
Zähler (873) 2.898 2.663 9,5 68 25,1
Fortgeschrittene Messgeräte (874) 27.709 24.365 6,6 3.291 9,9

Quelle: U.S. International Trade Commission

Weitere Informationen zu den USA sind unter http://www.gtai.de/usa abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Straßenfahrzeuge, allgemein, Elektronik, allgemein, Digitalisierung, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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