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20.02.2018

Vietnam behindert Einfuhren ausländischer Automobile

Importe brechen ein / Ausländische Autobauer bezweifeln WTO-Konformität / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Am 1. Januar 2018 hat die vietnamesische Regierung Dekret 116 in Kraft gesetzt, das detaillierte Anforderungen an Vertrieb und Produktion von Automobilen beinhaltet. Auch neue Regelungen für den Import von Kraftfahrzeugen wurden aufgestellt. Diese treffen die Einfuhren aus ASEAN, aber auch aus Europa schwer. Das offizielle Ziel der Regierung hinter den Maßnahmen ist der Verbraucherschutz. Es werden jedoch Vermutungen laut, dass gleichzeitig die einheimische Industrie geschützt werden soll.

Die neuen Importvorgaben der vietnamesischen Regierung erschweren die Einfuhr von Automobilen massiv. Im Januar 2018 sind die Neuwagenimporte nach Angaben des vietnamesischen Statistikamtes gegenüber dem Vormonat um 74 Prozent eingebrochen. Dabei sind zum Jahresbeginn Zölle auf vietnamesische Einfuhren von Automobilen aus Staaten der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) weggefallen (Mehr Informationen zum Wegfall der Zölle und zum Automobilmarkt in Vietnam finden Sie unter http://www.gtai.de/mkt201802198003). Verbraucher, die sich auf kostengünstige Einfuhrwagen gefreut hatten, steigen nun auf Fahrzeuge aus heimischer Produktion um oder verschieben ihre Kaufentscheidung.

Unrealistische Vorgaben erzwingen Importstopps

Insbesondere zwei Vorgaben von Dekret 116 verursachen den starken Einfuhrrückgang. So benötigen Importeure seit Anfang 2018 für die Einfuhr von Neuwagen nach Vietnam ein Vehicle Type Approval-Zertifikat (VTA). Dieses soll die Konformität des Fahrzeugs mit vietnamesischen Vorgaben bestätigen und ist durch die Behörden des exportierenden Staates zu erteilen. Problematisch ist, dass ein VTA, wie es der Regierung vorschwebt, im Ausland nicht existiert und durch ausländische Behörden nicht ausgestellt werden kann.

Deutsche Autobauer sind von den Vorgaben ebenfalls betroffen. Deutsche Behörden erteilen keine Bescheinigungen über die Konformität eines Fahrzeugs mit vietnamesischen Regelungen. Allerdings hoffen Branchenexperten vorsichtig darauf, dass eine klassische Homologation der Economic Commission for Europe (ECE) den Ansprüchen der vietnamesischen Behörden genügen wird. Eine endgültige Entscheidung hierzu steht noch aus. Ein Abkommen über die Anerkennung von ECE-Bescheinigungen, wie es beispielsweise zwischen der Europäischen Union (EU) und Malaysia, Thailand oder Südkorea besteht, existiert mit Vietnam nicht.

Schwieriger wird es für Importe aus ASEAN-Staaten wie Thailand oder Indonesien. Ein thailändisches oder indonesisches VTA gibt es nicht. Da ein dem europäischen ECE vergleichbares und im gesamten ASEAN-Raum anerkanntes Zertifikat ebenfalls nicht besteht, sind Importe aus den ASEAN-Staaten zur Zeit faktisch ausgeschlossen. Sowohl Honda als auch Toyota haben daraufhin im Januar 2018 erst einmal sämtliche Exporte nach Vietnam gestoppt.

Neuregelungen treiben Prüf- und Lagerkosten in die Höhe

Zweiter Knackpunkt des Dekrets ist die Anforderung, dass seit dem 1. Januar 2018 bei jeder Schiffsladung jeweils ein Fahrzeug einer jeglichen Modellreihe von vietnamesischen Behörden im Hinblick auf Emissionen und Sicherheit getestet werden muss. Die japanische Handelskammer in Vietnam schätzt die Kosten für eine Untersuchung auf 10.000 US-Dollar und die Prüfdauer auf zwei Monate.

In dieser Zeit dürfen die anderen Fahrzeuge der jeweiligen Schiffsladung nicht ins Land verbracht, sondern müssen im Hafen zwischengelagert werden. In der Vergangenheit musste lediglich die erste Lieferung eines Modells untersucht werden. Nachfolgende Schiffsladungen derselben Produktionsreihe waren von der Eingangsuntersuchung mit erfasst.

Weitere Regelungen wie die rückwirkende Verpflichtung zur Ausstattung von Vertragswerkstätten mit einer Karosserie- und Lackiereinrichtung machen gerade Nischenanbietern im High-End-Segment Schwierigkeiten. Aufgrund zu geringer Stückzahlen waren diese Arbeiten in der Vergangenheit meist ausgelagert worden. Ohne entsprechende Werkstatt erhält der Vertragshändler im Land aber nicht die ab dem 1. Januar 2018 neu zu beantragende Importlizenz.

Regierung argumentiert mit Verbraucherschutz

Die vietnamesische Regierung begründet die Neuregelungen damit, vietnamesische Verbraucher vor qualitativ minderwertigen Importen von Kraftfahrzeugen (Kfz) zu schützen. Branchenvertreter wissen, dass der Verbraucherschutz beim Autokauf gestärkt werden muss. Daher hatten sie bereits in der Vergangenheit strengere Bedingungen gerade für Importeure unterstützt, um den Markt gegen unqualifizierte Ein- und Ausfuhrunternehmungen abzusichern.

Die nun eingeführten neuen Anforderungen und die damit verbundenen Behinderungen sehen deutsche und andere internationale Autobauer allerdings kritisch. Es wird die Vermutung laut, dass die Regierung nicht nur die eigenen Verbraucher, sondern auch die heimische, noch nicht ausgebildete Kfz-Industrie protegieren möchte.

Umsetzungsregelungen wurden Mitte Januar bekanntgegeben und rückwirkend in Kraft gesetzt. Dass die Neuregelungen vor dem Recht der Welthandelsorganisation (World Trade Organisation, WTO) Bestand haben, halten nicht wenige Stimmen für zweifelhaft. Vor allem, dass den betroffenen Unternehmen keine hinreichende Übergangsfrist eingeräumt wurde, um sich auf die Neuregelungen vorzubereiten, erachten Branchenvertreter für kaum regelkonform .

(F.B.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Einfuhrverbote, -beschränkungen, NTHs, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein, Personenkraftwagen (Pkw), Nutzfahrzeuge (Nfz)

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