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06.02.2019

Vietnam entgeht dem amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt

Verhältnis zwischen den USA und Vietnam bleibt trotz des hohen US-Handelsdefizits gut / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Vietnam versucht sich aus den Auseinandersetzungen zwischen den USA und China herauszuhalten. Bislang bleibt das Land von den Auswirkungen des Handelskonflikts verschont.

Vietnam navigiert vorsichtig und auf Ausgleich bedacht zwischen China und den USA. Ziel ist, die exportorientierte Wirtschaft des Landes vor den Handelsauseinandersetzungen zwischen den beiden Großmächten zu schützen. Auch ist Vietnam bemüht, trotz eines massiven Handelsbilanzüberschusses gegenüber den USA nicht ebenfalls ins Visier der Trump-Administration zu geraten.

Vietnam bislang noch nicht im Fokus der USA

Vietnam lieferte 2018 laut Angaben des vietnamesischen Zolls Güter im Wert von knapp 48 Milliarden US-Dollar (US$) in die USA, führte aber lediglich Waren für rund 13 Milliarden US$ ein. Damit erwirtschaftete das Land einen Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA von knapp 35 Milliarden US$. Vietnam stand 2017 hinter China, Mexiko, Japan und Deutschland auf Rang fünf der Länder, die ein Handelsungleichgewicht zu Lasten der USA unterhalten.

Länder mit dem höchsten Handelsbilanzüberschüssen gegenüber den USA 2017 (in Mrd. US$)
Ausfuhr in die USA Einfuhr aus den USA Außenhandel gesamt Saldo
China 526,0 129,8 655,8 396,2
Mexiko 317,2 243,3 560,5 73,9
Japan 139,8 67,6 207,4 72,2
Deutschland 120,0 53,5 173,4 66,5
Vietnam 48,4 8,1 56,5 40,3
Irland 49,0 10,7 59,7 38,3
Italien 51,4 18,4 69,8 33,0
Südkorea 73,4 48,3 121,7 25,1
Malaysia 38,1 13,0 51,1 25,1
Indien 50,6 25,7 76,3 24,9

Quelle: UN Comtrade

Internationale Beobachter werfen Vietnam verstärkt vor, die Landeswährung Dong künstlich niedrig zu halten, um die eigenen Exporte zu fördern. Angriffsfläche für Handelsrestriktionen seitens der USA bietet Vietnam damit genug. Dennoch erwarten Experten nicht, dass Vietnam zu sehr in den Fokus der Trump-Administration geraten wird.

Das südostasiatische Land wird aufgrund seiner wesentlich schwächeren gesamtwirtschaftlichen Leistung sowie seines Lieferportfolios nicht als relevanter Konkurrent wahrgenommen. Das Handelsvolumen mit den USA beläuft sich auf knapp 57 Milliarden US$ und ist damit im Vergleich mit wichtigeren Außenhandelspartnern der USA (wie China, Japan und Deutschland) von untergeordneter Bedeutung.

Zudem besteht keine oder nur wenig Produktkonkurrenz zwischen vietnamesischen und amerikanischen Erzeugnissen. Vietnam liefert insbesondere Elektronik (Smartphones und Haushaltselektronik), Nahrungsmittel (hier vor allem Shrimps und Pangasius), Schuhe und Bekleidung in die Vereinigten Staaten. In Kategorien, in denen die USA ihre Produktion gefährdet sieht, erlässt sie durchaus auch Schutzmaßnahmen wie Antidumping-Zölle. Betroffene Warengruppen sind beispielsweise Pangasius, Stahl und Waschmaschinen. Entsprechende Schutzmaßnahmen der USA sind jedoch im Wesentlichen produktbezogen und richten sich nicht spezifisch gegen Vietnam als Lieferstaat.

Verhältnis zwischen Vietnam und USA bisher partnerschaftlich

Die politischen Beziehungen zwischen den USA und Vietnam sind grundsätzlich intakt. Die vietnamesische und US-amerikanische Regierung stehen in gutem Kontakt, und die vietnamesische Führung hat für amerikanische Wünsche und Forderungen ein wesentlich offeneres Ohr als China.

So wurden beim Staatsbesuch von Premierminister Phuc bei Präsident Trump 2017 unter anderem Verträge über den Verkauf amerikanischer Technologie und Maschinen in den Bereichen Energie, Flugzeugtechnik und technische Dienstleistungen im Wert von 8 Milliarden US$ unterzeichnet. Zudem kommt Vietnam nach Aufhebung des amerikanischen Waffenembargos 2016 als potenzieller Käufer US-amerikanischer Waffensysteme in Betracht. Premierminister Phuc bekräftigt wiederholt, die Investitionsbedingungen für US-amerikanische Unternehmen verbessern und den Schutz gewerblicher Schutzrechte verstärken zu wollen.

Vietnam trotzt internationalen Handelsauseinandersetzungen

Vietnam konnte es bislang vermeiden, in den Sog der schwelenden Handelsauseinandersetzungen zwischen den USA und China zu geraten. Zumindest zurzeit qualifizieren Beobachter Vietnam als lachenden Dritten der Konfrontation der beiden Großmächte. Große asiatische Märkte, wie Japan, Singapur oder Südkorea, verzeichneten 2018 ein geringeres Wachstum als 2017. Vietnams Wirtschaft wuchs hingegen 2018 mit 7,1 Prozent noch stärker als im Vorjahr (6,8 Prozent). Auch bei den Exporten wurde 2018 ein Anstieg von 13 Prozent erreicht.

Analysten wie die der Deutschen Bank erwarten bei einem glimpflichen Verlauf der Auseinandersetzungen denn auch mögliche positive Aspekte für Vietnam. So ist das Land bislang kaum Zulieferer für die chinesische Produktion und damit wenig in die Wertschöpfungsketten Chinas eingebunden. Ein Nachfragerückgang nach chinesischen Produkten in den USA bleibt damit für vietnamesische Zulieferer und Exporteure zunächst nur eingeschränkt von Bedeutung.

Verlagerung chinesischer Fertigung nach Vietnam im Trend

Vietnam dürfte zudem von auf Handelssanktionen basierenden Preissteigerungen für chinesische Produkte profitieren. Laut einer im Oktober 2018 veröffentlichten Umfrage der American Chamber of Commerce in Südchina geben 22 Prozent der befragten in China produzierenden Unternehmen an, bereits Marktanteile an vietnamesische Unternehmen verloren zu haben.

Experten gehen davon aus, dass die bestehenden Unsicherheiten im amerikanisch-chinesischen Verhältnis den Trend zur Verlagerung von Produktionsstandorten aus China heraus (China+1) verstärken werden. Hiervon dürfte Vietnam als direkter Nachbar und geschätzter Standort für ausländische Investitionen der verarbeitenden Industrie positiv betroffen sein. Gerade die starke Einbindung in Freihandelsabkommen ermöglicht Unternehmen, die aus Vietnam heraus exportieren, einen guten Zugang zu Märkten, die für chinesische Güter weniger einfach zugänglich sind.

Allerdings haben diese möglichen Verlagerungseffekte 2018 noch nicht durchgeschlagen. Vielmehr gingen die neu registrierten ausländischen Investitionen 2018 um knapp 14 Prozent zurück. Es bleibt abzuwarten, ob Überlegungen in China ansässiger Unternehmen, ihre Produktion zu diversifizieren oder zu verlagern, auch tatsächlich umgesetzt werden.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Außenhandel / Struktur, allgemein, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Produktion / Produktivität, Handels-, Zollabkommen, WTO, Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern, Regionen

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