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27.09.2018

Vietnam investiert in Maschinen

Gute Wirtschaftslage treibt den Absatz / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Die vietnamesische Wirtschaft expandiert, daher benötigen Industriebetriebe Maschinen. Eigene Anlagen aber baut das Land noch kaum. Auch Industrie 4.0 steckt noch in den Anfängen.

Vietnams Wirtschaft wächst dynamisch. Für 2018 prognostizieren Weltbank und Deutsche Bank ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6,8 Prozent, die Asian Development Bank ist mit 7,1 Prozent noch optimistischer. Wachstumstreiber ist neben rasant steigenden Exporten ein konstant hoher Zufluss ausländischer Investitionen.

Das Geschäftsklima ist gut. Der Vietnam Manufacturing Purchasing Managers Index (PMI), ein von Nikkei erhobener Frühindikator für das produzierende Gewerbe, steht seit mehr als 30 Monaten auf Expansion und erreichte im Juni 2018 einen Rekordwert von 55,7 Punkten. Die produzierenden Unternehmen verzeichnen einen Anstieg der Auftragseingänge aus dem In- und Ausland und fahren ihre Investitionen hoch.

Produzierendes Gewerbe expandiert

Die Industrieproduktion legte im ersten Halbjahr 2018 mit einer Steigerung von 10,5 Prozent ebenfalls deutlich zu. Lediglich der schwächelnde Öl- und Minensektor geht, wie auch schon 2017, leicht zurück. Die Produktionsindizes der verarbeitenden Industrie, die rund Dreiviertel der Gesamtindustrieproduktion ausmacht, verzeichnen hingegen ein starkes Wachstum von 12,7 Prozent. Die wichtigsten Industriebereiche Elektronik und Textil legten um mehr als 17 beziehungsweise mehr als 13 Prozent zu. Auch die Pharmaindustrie erzielte Steigerungen von mehr als 16 Prozent.

Trotz guter Wirtschaftsdaten steht das Land vor Herausforderungen. Rein vietnamesische Unternehmen arbeiten vielfach mit veralteten Maschinen und Ausrüstungen. Um die Produktivität zu erhöhen und international wettbewerbsfähiger zu werden, bedarf es in vielen Betrieben neuer oder zumindest modernisierter Ausstattung. Einheimische Unternehmen sind aber bislang noch zurückhaltend, was die Anschaffung neuer Anlagen und Maschinen angeht.

Freihandelsabkommen erfordern mehr Wertschöpfung

Branchenkennern zufolge entwickeln sich vor allem die Bereiche Textil, Pharma und die Baubranche kräftig. Auch die Autoindustrie ist nach langen Jahren der Stagnation in Bewegung geraten. Entsprechend zieht die Nachfrage nach Maschinen an.

Eine Zulieferindustrie ist in vielen Industriezweigen kaum vorhanden. Gerade im Maschinenbau ist das Land nach wie vor schwach aufgestellt. Zwar existieren umfangreiche Regierungsvorgaben und Förderpläne, sie werden aber nach Ansicht von Brancheninsidern nicht konsequent genug umgesetzt. Während der klassische Baumaschinenbereich zunehmend auch durch die heimische Produzenten bedient werden kann, müssen für neue Methoden entsprechende Maschinen und Anlagen ins Land gebracht werden.

Die Produktion von Pharmazeutika nimmt Fahrt auf. Zwar importiert das Land den Großteil insbesondere komplexerer Arzneimittel. Zunehmend beginnen jedoch vietnamesische Unternehmen, ihre Produktionskapazitäten auszubauen. So hat das Industriekonglomerat Vingroup im April 2018 angekündigt, eine Pharmaproduktion mit einem Investitionsvolumen von 96,5 Millionen US-Dollar (US)$ aufzubauen. Traphaco Pharmaceutical produziert bislang an vier Standorten und will bis 2020 zwei weitere Fabrikationsstätten eröffnen. Auch ausländische Investoren verstärken ihr Engagement.

Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist eines der wichtigsten Standbeine der vietnamesischen Wirtschaft. Der Sektor trug 2017 mit Exporten in Höhe von 26 Milliarden US$ rund 12 Prozent zu den Gesamtexporten des Landes bei. Um Ursprungsregeln der von Vietnam abgeschlossenen Freihandelsabkommen zu erfüllen, muss das Land eine höhere lokale Wertschöpfung erzielen. Heimische Unternehmen, aber auch ausländische Betriebe investieren vermehrt in technische Innovationen. Vermehrt bauen sie der reinen Näherei vorgelagerte Prozesse, wie Spinnen, Weben und Färben, aus.

Die Kfz-Industrie erlebt seit September 2017 einen Entwicklungsschub. Das 3,5 Milliarden US$-Autoprojekt Vinfast des Industriekonglomerats Vingroup belebt eine Branche, für die die Aussichten noch Mitte 2017 eher düster waren. Ausländische Autobauer wie Toyota, aber auch der vietnamesische Branchenriese Thaco, verstärken ihre Investitionen. International agierende Kfz-Zulieferer, auch aus Deutschland, beginnen sich im Land niederzulassen.

Die Bauwirtschaft läuft rund, der Sektor soll 2018 um 9,6 Prozent wachsen, so Prognosen von BSC, dem Branchenanalysedienst der Bank for Investment and Development. Auch für die Zeit von 2018 bis 2021 erwarten die Analysten konstante Steigerungen von knapp acht Prozent. Die Bauproduktion stieg 2017 um fast 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf knapp 49 Milliarden US$. Hoch- und Tiefbaufirmen können Aufträge einholen und investieren in Ausrüstungen. Neue und moderne Bautechniken, wie die Verwendung von Fertigelementen, finden zunehmend Eingang in den durch menschliche Arbeitskraft und konventionelle Bautechnik dominierten Sektor.

Industrie 4.0 noch Zukunftsmusik

Menschliche Arbeitskraft ist günstig und im Überfluss vorhanden. Daher ist das Land gerade für arbeitskräfteintensive Industrien wie die Textilbranche attraktiv. Noch finden sich nur ansatzweise Automatisierungstendenzen. Allerdings prognostiziert die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), dass sich dies in den kommenden Jahren ändern wird.

Auch die Digitalisierung steht noch am Anfang. Zwar sind Begriffe wie Industrie 4.0, E-Government oder Smart City in aller Munde und sollen nach dem Willen der Regierung vorangetrieben werden. Faktisch aber sind bislang nur einige wenige Unternehmen willens und technisch in der Lage, diesem Trend zu folgen. Eine Beispiel für ein Vorreiter ist der neugegründete Automobilbauer Vinfast.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie, Textil- und Ledermaschinen, Bau- und Baustoffmaschinen

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