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19.10.2018

Vietnams Bergbau muss in die Modernisierung investieren

Marktzugang für ausländische Investoren häufig mühsam / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Vietnam ist reich an Rohstoffen. Während der Kohlebereich schwächelt, gewinnt der Abbau von Eisenerzen an Bedeutung. Branchenunternehmen investieren in die vertiefte Wertschöpfung.

Der Bergbau nimmt nach wie vor eine wichtige Rolle im Wirtschaftsgefüge ein: Dem vietnamesischen Statistikamt zufolge belief sich sein Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt in den ersten neun Monaten 2018 auf 7,3 Prozent. Allerdings verliert der Bergbau gegenüber Handel und herstellender Industrie zunehmend an Bedeutung.

Vietnams wichtigstes Abbauprodukt ist die Kohle. In der nordvietnamesischen Provinz Quang Ninh finden sich die wichtigsten Kohlereserven. Daneben verfügt das Land über bedeutende Vorkommen an Eisen- und Metallerzen wie Bauxit, Wolfram, Eisenerz, Chromit, Kupfer, Zink, Uran oder seltene Erden. Edelmetalle wie Gold ergänzen das Rohstoffportfolio.

Die einzelnen Bergbausegmente entwickeln sich unterschiedlich. Die Kohleindustrie konnte in den ersten neun Monaten 2018 nach zwei schwachen Vorjahren erstmals wieder Produktionssteigerungen vermelden. Dennoch reicht die Produktion nicht aus, um mit dem wachsenden heimischen Bedarf mitzuhalten. Da der Übertagebau langsam erschöpft ist, müsste verstärkt in den Untertagebau eingestiegen werden. Dies allerdings führt mangels moderner Abbautechnologien zu erhöhten Kosten. Nicht nur auf dem Weltmarkt, sondern auch im Inland droht vietnamesische Kohle zu teuer zu werden.

Vietnam wandelt sich infolgedessen vom Kohleproduzenten und -exporteur zunehmend zum Kohleimporteur. So stiegen die Kohleeinfuhren laut Zollstatistiken in den ersten sechs Monaten 2018 auf 1,2 Milliarden US-Dollar (US$). Vom Volumen her schossen die Importe gegenüber dem Vorjahreszeitraum damit um knapp 60 Prozent, wertmäßig sogar um 83 Prozent in die Höhe.

Die Erzförderung entwickelt sich hingegen positiv. Vietnam hält die drittgrößten Bauxitreserven der Welt. Der Abbau erfolgt zurzeit im Wesentlichen in der Tan Rai Mine im zentralen Hochland. Die Mine versorgt zwei von Vinacomin betriebene Aluminiumoxid-Raffinerien in Tan Rai und Nhan Co. Auch die Wolframförderung im nordvietnamesischen Nui Phao zieht an. Neben Wolfram werden dort Kupfer und Flussspat abgebaut.

Reserven und Produktion wichtiger Rohstoffe (in 1.000 Tonnen)
Ressource Reserven Produktion 2016 Produktion 2017
Kohlewasserstoffe
.Kohle 48.878.000 38.700 38.200
Mineralien
.Bauxit 3.700.000 1.200 2.000
.Flussspat 110.000 33 33
.Rohphosphat 30.000 2.800 3.000
.seltene Erden (in Tonnen) 22.000.000 220 100
.Ilmenit (Titan) 1.600 240 300
.Wolfram 95 7 7
.Zinn 11 6 5
.Aluminiumoxid - 600 600
.Antimon k.A. 1 1

Quellen: General Statistics Office Vietnam, U.S. Geological Survey

Modernisierung des Bergbaus steht auf dem Programm der Regierung

Der Bergbau Vietnams kämpft mit Problemen. Die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen arbeitet Branchenkennern zufolge mit veralteten Anlagen und Technologien und leidet unter schlechter Infrastruktur, geringer Produktivität und einem überschießenden Energiebedarf. Die Arbeitsbedingungen sind schwierig. Umweltprobleme nehmen massiv zu. Gilt dies bereits für die großen, häufig staatlichen Bergbauunternehmen, stellen sich die Probleme noch um einiges verschärft bei der Vielzahl kleiner Minen dar.

Strategiepläne der Regierung sehen vor, den Bergbausektor bis 2030 in Richtung technologisch hochwertiger und umweltfreundlicher Produktion umzugestalten. Auch steht eine bessere Kontrolle und Schließung illegaler Minen und Abbauanlagen, die veraltete und umweltschädliche Technologien verwenden, auf dem Programm. Zudem plant die Regierung den Ausbau von Verarbeitungsstätten insbesondere bei Kohle, Erz und Edelmetallen, um eine höhere Wertschöpfung zu erzielen. Details, insbesondere die Finanzierung entsprechender Projekte, sind allerdings noch unklar.

Masan Resources ist auf dem Weg vom Bergbau- zum Chemieunternehmen

Die wichtigsten Bergbauunternehmen des Landes sind die Vinacomin-Gruppe sowie Masan Resources. Vinacomin ist das im Kohlebergbau maßgebliche Unternehmen. Das bislang noch zu 100 Prozent im Staatseigentum stehende Konglomerat förderte 2017 rund 35 Millionen Tonnen Kohle und erzielte einen Gesamtumsatz von 4,4 Milliarden US$. Im 1. Halbjahr 2018 kamen 86 Prozent aller in Vietnam abgebauten Kohle aus von Vinacomin betriebenen Minen. Zudem fördert Vinacomin Zink, Kupfer sowie sonstige Eisenerze und verfügt über eigene Verarbeitungsstätten.

Die Vinacomin-Gruppe steht im Restrukturierungs- und Privatisierungsprozess. Am Mutterkonzern will der Staat 2019 knapp 35 Prozent seiner Anteile in den Verkauf geben. Einige der mehr als 60 Untergesellschaften sollen entweder vollständig oder teilweise privatisiert werden.

Masan Resources ist das bedeutendste private Bergbauunternehmen. Es zählt zu den wenigen Branchenunternehmen, die in technischer Hinsicht nach internationalen Standards Rohstoffe fördern und weiterverarbeiten.

Masan betreibt die in der nördlichen Provinz Thai Nguyen gelegene Wolfram- und Kupfermine Nui Phao. In das Nui Phao-Projekt war Masan 2010 eingestiegen; 2013 hatte sich Masan mit der deutschen H.C. Starck GmbH zu einem Joint Venture zusammengeschlossen, um seine Verarbeitungskapazitäten auszubauen. Den deutschen Investor hatte Masan im Sommer 2018 für - nach Unternehmensangaben - 29 Millionen US$ ausgekauft.

Das in Nui Phao abgebaute Wolfram wird in der Masan-eigenen Prozessoranlage in Wolframkonzentrate umgewandelt. Die Anlage produziert zudem Kupfer-, Flussspat- und Bismutkonzentrate. Masan plant, seine Downstream-Aktivitäten auszuweiten und vertieft in die Metall- und Chemieproduktion einzusteigen.

Ausländisches Engagement ist relativ gering

Ausländische Investitionen im Bergbaubereich sind verhältnismäßig gering und beliefen sich im Juni 2018 auf lediglich 110 Projekte im Wert von knapp 5 Milliarden US$. Zwar ist ausländischen Branchenunternehmen ein Engagement in Vietnam auch in Form eines zu 100 Prozent ausländisch investierten Unternehmens erlaubt. In den Markt hineinzukommen aber sei, so Beobachter, schwierig.

Im Jahr 2017 war das neuseeländische Unternehmen Besra aus dem Goldabbau in den zentralvietnamesischen Minen Bong Mieu und Phuoc Son ausgestiegen. Unternehmensangaben zufolge hatten massive Steuerprobleme mit den lokalen Behörden den Rückzug aus dem vietnamesischen Markt verursacht. Der kanadische Betreiber der Ban Phuc Nickelmine, das Unternehmen Asian Mineral Resources, hatte 2018 seine 90-Prozent-Beteiligung am Bergbauprojekt an ein vietnamesisches Unternehmen, die Ta Khoa Mining Limited, verkauft.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Mining Vietnam 2020 https://miningvietnam.com/en-us Leitmesse für Bergbau in Vietnam; vom 22. bis 24. April 2020
Mineral Commodity Summaries 2018 https://minerals.usgs.gov/minerals/pubs/mcs/2018/mcs2018.pdf Studie der U.S. Geological Survey

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

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Vietnam Bergbau / Rohstoffe, allgemein

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