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19.01.2018

Vietnams Getränkemarkt wächst

Jüngere konsumieren Modegetränke / Privatisierung staatlicher Brauereien sorgt für Bewegung / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Eine wachsende, junge Bevölkerung und steigende Einkommen verheißen gute Aussichten für den Getränkemarkt in Vietnam. Der Verbrauch von alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken steigt. Ausländische Unternehmen sind gut im Markt vertreten und investieren weiter. Wichtige Staatsbrauereien werden privatisiert und müssen sich modernisieren, um ihre Stellung zu behaupten. Hohe Zölle und Verbrauchsteuern erschweren die Einfuhr von Getränken.

Die Verkaufszahlen von alkoholischen wie nicht-alkoholischen Getränken werden in den kommenden Jahren anziehen. Das Statistikportal Statista prognostiziert für nicht-alkoholische Getränke im Zeitraum von 2018 bis 2021 Umsatzsteigerungen von durchschnittlich 13 Prozent. Im Jahr 2018 sollen in diesem Segment Produkte im Wert von vier Milliarden US-Dollar verkauft werden. Der Löwenanteil entfällt auf Softdrinks mit Umsätzen von 2,8 Milliarden US$. Neben modernen Fertigtee- oder Kaffeezubereitungen oder Energydrinks stehen zunehmend auch Funktions- und Wellnessgetränke auf dem Einkaufszettel der gesundheitsbewussten Bevölkerung.

Ein stabiles Wachstum, wenn auch auf niedrigerem Niveau, dürften es bei alkoholischen Getränken geben. Hier rechnet Statista jährlich mit durchschnittlich sechs Prozent von 2018 bis 2021. Die Umsätze 2018 belaufen sich schätzungsweise auf 6,7 Milliarden US$. Wichtigste Produktgruppe ist Bier mit einem prognostiziertem Umsatz von knapp fünf Milliarden US$. Vietnam ist der verbrauchsstärkste Biermarkt Südostasiens. Rund vier Milliarden Liter Bier wurden allein 2017 getrunken. Laut Weltgesundheitsorganisation entfielen 2014 rund 97 Prozent der in Vietnam konsumierten alkoholischen Getränke auf den Gerstensaft.

Privatisierung staatlicher Brauereien gibt Impulse

Wichtigster Bierbrauer im Land ist die Sai Gon Beer Alcohol Beverage Corporation (SABECO) mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent. In einem international stark beachteten Bieterverfahren hatte die Regierung im Dezember 2017 Anteile im Wert von 4,8 Milliarden US$ an ThaiBeverage veräußert, ein Unternehmen der thailändischen TCC-Gruppe. Thai Beverage hält damit über seine Tochter Vietnam Beverage 54 Prozent der Anteile an dem ehemaligen Staatsunternehmen. TCC hatte bereits Anfang 2016 die vietnamesischen Cash & Carry-Märkte der deutschen Metro aufgekauft und will Presseberichten zufolge in den kommenden Jahren die Marktanteile von Sabeco bis auf 50 Prozent hochtreiben.

Der niederländische Brauer Heineken ist mit einem Marktanteil von 25 Prozent bedeutendster Konkurrent von Sabeco. Heineken investiert in den Ausbau seiner Produktionskapazität und hat 2017 mit Investitionen in Höhe von 185 Millionen US$ mit der Erweiterung einer seiner Brauereistandorte in Vung Tau begonnen.

Neben Sabeco ist die rivalisierende staatliche Brauerei Hanoi Beer Alcohol Beverage Association (HABECO) drittgrößter Bierabfüller im Land. Angaben der Vietnam Beverage Association zufolge besitzt Habeco gut 18 Prozent Marktanteil. Auch bei Habeco will der Staat 2018 einen Großteil seiner Anteile von 82 Prozent veräußern. Zeitungsberichten zufolge ist der dänische Brauer Carlsberg, der bereits 17 Prozent der Anteile hält, am Ausbau seiner Position interessiert.

Marktbeobachter erwarten, dass die Privatisierung der beiden wichtigsten Brauereien des Landes Marktimpulse geben dürfte. Beide Unternehmen müssen sich modernisieren und effizienter werden, wollen sie angesichts aggressiver internationaler Konkurrenz ihre Stellung im Markt halten.

Bei Softdrinks halten ausländische Unternehmen mehr als 50 Prozent der Marktanteile. Suntory PepsiCo (Softdrinks), Coca Cola, Red Bull und La Vie (Nestlé) produzieren im Land. Coca Cola will seine Produktion bis 2030 auf über 1,2 Millionen Liter pro Jahr steigern und hatte Anfang 2017 seine Investition in die Hanoier Abfüllerei um 285 Millionen auf 580 Millionen US$ aufgestockt. Tan Hiep Phat (THP) ist wichtigster privater Getränkehersteller in Vietnam und nach Coca Cola umsatzstärkstes Unternehmen im Bereich der Erfrischungsgetränke.

Wein und Spirituosen kommen häufig aus dem Ausland

Die vietnamesische Produktion allein kann den Durst, insbesondere auf alkoholische Getränke, nicht löschen. Im Jahr 2016 wurden Getränke im Wert von zwei Milliarden US$ eingeführt. Davon entfielen 1,4 Milliarden US$ oder gut 70 Prozent auf Alkoholika.

Vietnams Getränkeeinfuhren (in Mio. US$, Veränderung in %)
Land 2014 2015 2016 Veränderung 2016/15
Singapur 432 541 539 -0,4
Thailand 305 361 387 7,2
Hongkong 276 251 265 5,5
Taiwan 141 172 163 -5,2
Laos 111 166 163 -1,8
USA 55 78 119 52,6
Deutschland 5,8 4,2 4,8 15,2
Gesamt 1.642 1.966 1.996 1,5

Quelle: UN Comtrade (SITC 11)

Deutsche Getränkelieferungen erreichten nur einen Wert von knapp fünf Millionen US$. Aber sie legen seit dem Einbruch von 2015 wieder zu. Im Jahr 2016 stiegen sie um 15 Prozent. In den ersten zehn Monaten 2017 expandierten sie laut Destatis um 26 Prozent auf 5,2 Millionen US$ und könnten im Gesamtjahr das Niveau von 2014 erreicht haben.

Steuern und Zölle erhöhen die Kosten

Einfuhren alkoholischer und nicht-alkoholischer Getränke aus der EU unterliegen Importzöllen von zwischen 20 und 50 Prozent, die den Verkauf erheblich verteuern. Allerdings sollen sie im Rahmen des EU-Vietnam-Freihandelsabkommens innerhalb von zehn Jahren nach Inkrafttreten schrittweise auf null abgesenkt werden. Auf den Verkauf alkoholischer Getränke wird zudem eine Special Sales Tax erhoben, die seit dem 1. Januar 2018 für Wein und Bier bei 65 Prozent und für Spirituosen mit einem Alkoholgehalt von mehr als 20 Prozent bei 30 Prozent liegt.

Auch die Produzenten von Softdrinks müssen sich auf Gegenwind einstellen. Die Regierung hat den drei Jahre alten Vorschlag wiederbelebt, auf alle zuckerhaltigen Getränke, damit auch Fruchtsäfte und trinkfertige Kaffee- und Teeprodukte, eine Sonderverbrauchssteuer in Höhe von zehn Prozent zu erheben. Damit soll das auch in Vietnam wachsende Problem des Übergewichts bekämpft werden. Lediglich Milchprodukte werden als Grundnahrungsmittel behandelt und daher nach den bisherigen Vorschlägen von der Sondersteuer ausgenommen.

(F.B.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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