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27.09.2018

Vietnams verarbeitende Industrie benötigt Maschinenimporte

Deutsche Anlagen in einzelnen Sparten gefragt / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Vietnams Industrieproduktion wächst. Lokale Maschinenbauer können den Bedarf nicht decken, Anlagenlieferungen aus dem Ausland ziehen an.

In Vietnam produzierende Unternehmen haben angesichts steigender Produktionsvolumina und höherer internationaler Ansprüche an die Warenqualität einen wachsenden Bedarf an modernen Maschinen. Dieser kann nur selten durch den inländischen Maschinenbau gedeckt werden. Eine Ausnahme bildet lediglich der Landmaschinenbau sowie Maschinen und Anlagen für den Bausektor. Hier bietet die lokale Industrie für heimische Ansprüche geeignete Maschinen.

Ansonsten befindet sich der vietnamesische Maschinen- und Anlagenbau technisch noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Zwar hat die Regierung sich zum Ziel gesetzt, den Sektor als Grundlagenindustrie zu fördern, bislang jedoch ohne großen Erfolg. Es existieren nur wenige größere nationale Maschinenhersteller.

Vietnamesische Maschinenbauunternehmen
Branchenunternehmen Produktion Website
Industrial Machinery and Instruments Holding (IMI) Betonmischanlagen und -pumpen, kleine Agrarmaschinen, aber auch Werkzeugmaschinen; Bestückung mit Komponenten aus Europa http://imi-holding.com/en/
Construction & Industry Equipment Group Betonmischanlagen http://cie.com.vn/index.aspx
VEAM Landmaschinen, Generatoren, Pumpen http://veamcorp.com/
Hoa Phat Group Pumpen und Anlagen für die Stahlproduktion http://www.hoaphat.com.vn/en/
Truong Hai Auto Corporation(THACO) Landmaschinen http://thacogroup.vn/en/

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Auch ausländische, im Land aktive Maschinenbauer decken die Nachfrage meist nicht ab. So fertigen Betriebe ausländischer Investoren vorwiegend für den Export oder zur Unterstützung der eigenen Produktion. Deutsche Firmen wie Gühring (Präzisionswerkzeuge), Fischer Stanz- und Umformtechnik, Groz-Beckert (Strick- und Nähmaschinennadeln), Wiha (Handwerkzeuge) oder Schaeffler (Wälzlager) haben Werke errichtet. Samsung beginnt mit dem Aufbau seiner eigenen Maschinenproduktion, um kostengünstig, zeit- und ortsnah einen Teil der für die Produktion erforderlichen Anlagen selbst herstellen und vor allem warten zu können.

Ausländische Investoren importieren Maschinen und Anlagen

Aufgrund der Schwäche des vietnamesischen Maschinenbaus ist das Land auf importierte Maschinen angewiesen. 2017 steigerte sich der Einfuhrwert von Maschinenbauerzeugnissen gemäß der breiten Produktdefinition des lokalen Zolls um 18 Prozent gegenüber 2016 auf knapp 34 Milliarden US-Dollar (US)$. (Nach der engeren internationalen Warenklassifikation SITC 71 - 74 beliefen sich die Einfuhren 2017 auf geschätzte 21 Mrd. US$).

Vietnams bedeutendster Maschinenlieferant ist nach wie vor China. Das "Reich der Mitte" stellte 2017 mit einem Warenwert von knapp elf Milliarden US$ fast ein Drittel aller Maschinenlieferungen. An zweiter Stelle folgte Südkorea mit 8,6 Milliarden US$ vor Japan mit 4,3 Milliarden US$. Deutschland lag mit Exporten im Wert von 1,3 Milliarden US$ knapp hinter Taiwan mit 1,4 Milliarden US$ auf Rang fünf.

Deutsche Produkte verfügen nach wie vor über einen hervorragenden Ruf im Land, sind für lokale Unternehmen in der Regel aber zu teuer. 85 Prozent aller vietnamesischen Unternehmen sind klein und produzieren für den lokalen Markt oder benachbarte asiatische Länder wie Laos, Kambodscha oder Thailand. Ihre Maschinen beziehen diese Unternehmen aus finanziellen Gründen vorzugsweise aus China, Korea oder Taiwan.

Potenzielle Abnehmer für deutsche Maschinenbauprodukte finden sich eher bei den restlichen fünfzehn Prozent der großen und international agierenden Unternehmen wie Vingroup oder TH Milk Food JSC. Diese sind in der Lage, deutsche Anlagen zu finanzieren und kaufen die Maschinen auch, um von deren gutem Ruf zu profitieren.

Unternehmen, die für die unter Qualitätsgesichtspunkten anspruchsvollen Märkte Europa, USA, Japan oder Australien produzieren, benötigen Anlagen, die diesen Anforderungen gewachsen sind. Mehr als siebzig Prozent aller Exportgüter Vietnams werden allerdings nicht durch lokale, sondern durch ausländisch investierte Unternehmen hergestellt. Diese importieren auch den Löwenanteil aller Maschinen. Den Zollstatistiken zufolge kauften ausländische Investoren 2017 mit 19,4 Milliarden US$ rund 58 Prozent aller importierten Anlagen.

Die wichtigsten ausländischen Investoren sind Südkorea vor Japan, Singapur und Taiwan. Ostasiatische Unternehmen kaufen in der Regel die benötigten Maschinen auf dem jeweiligen Heimatmarkt. Chancen für deutsche Lieferanten ergeben sich hier vorrangig bei Komponenten und Spezialanlagen. Haben deutsche Unternehmen bereits im jeweiligen Heimatmarkt zugeliefert, ergeben sich zudem nicht selten Mitnahmeeffekte. Die ostasiatischen Firmen vertrauen dann auch bei der Produktion in Vietnam auf die deutschen Ausrüstungen.

Partner für den Markteinstieg in Vietnam

Ein enges Vertriebsnetz und ein landesweiter After-Sales-Service sind für den Geschäftserfolg in Vietnam unabdingbar. Die Auslandshandelskammer (AHK) bietet Vertriebspartnersuchen an. Die Niederlassungen erfahrener Handelshäuser wie Rieckermann, Illies, Melchers, DKSH, Terramar oder Corvet können den Markteinstieg mit ihrem Verkaufs- und Wartungspersonal erleichtern. Dieses ist ansonsten schwer zu rekrutieren.

Der vietnamesische Zoll informiert über Zollsätze und Einfuhrverfahren (http://www.customs.gov.vn). Die technischen Anforderungen an ausländische Produkte sind von Sparte zu Sparte unterschiedlich. Von deutschen Maschinen wird erwartet, dass sie die international gängigen Zertifikate aufweisen.

Ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht stehen unter http://www.gtai.de/recht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen unter http://www.gtai.de/zoll zur Verfügung.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade and Invest http://www.gtai.de/vietnam Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK Vietnam https://vietnam.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Vietnam Chamber of Commerce and Industry (VCCI) http://e.vcci.com.vn Industriedachverband
Viet Nam Association of Mechanical Industry (VAMI) http://www.vami.com.vn Maschinenbauverband
National Research Institute Of Mechanical Engineering (Narime) http://narime.gov.vn/narime/en/ Entwickelt Pilotprojekte im Maschinenbau
ProPak Vietnam http://www.propakvietnam.com/home/ Messe für Verpackungsmaschinen, 19. bis 21.03.19 in Ho-Chi-Minh-Stadt mit deutschem Gemeinschaftsstand
Metalex Vietnam https://www.metalexvietnam.com Messe für Werkzeugmaschinen, jährlich im Oktober, 11. bis 13.10.18 in Ho-Chi-Minh-Stadt
Vietnamwood https://www.vietnamwoodexpo.com Messe für Holzbearbeitungsmaschinen, 18. bis 21.09.19 in Ho-Chi-Minh-Stadt
VIIF 2018 http://www.viif.vn/en/Scripts/default.asp Messe für Industrie und Werkzeugmaschinen, 23. bis 26.10.18 in Hanoi

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Import

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