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07.12.2018

Wachsende Industrie-Investitionen in Afrika

Südafrika und Marokko ziehen die meisten Projekte an / Von Marcus Knupp

Berlin (GTAI) - Mehr ausländische Investitionsprojekte haben 2017 ihren Weg nach Afrika gefunden. Die Verteilung über den Kontinent wird gleichmäßiger.

Der Africa Attractiveness Report des Consulting-Unternehmens EY (Ernst & Young) analysiert jährlich den Zustrom ausländischer Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI). Erfasst werden dabei Projekte, die tatsächliche physische Investitionen auslösen und neue Arbeitsplätze schaffen. Im Jahr 2017 ist deren Zahl in Afrika um 6 Prozent auf 718 gestiegen, nachdem sie 2016 um 12 Prozent eingebrochen war. Sie bleibt damit allerdings noch um 8 Prozent unter ihren zehnjährigen Mittel, wie der im Oktober 2018 veröffentlichte Report vermerkt.

FDI-Projekte in Afrika (Anzahl; Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in %)
Jahr Projekte BIP-Wachstum
2008 874 5,9
2009 754 3,9
2010 694 7,0
2011 923 5,1
2012 826 4,4
2013 882 5,3
2014 722 5,1
2015 771 3,4
2016 676 1,5
2017 718 2,8

Quelle: EY

Mehr Länder profitieren

Der gesamte Zufluss von FDI nach Afrika ist heute gleichmäßiger über die Regionen des Kontinents verteilt als früher. Nord-, West- und Ostafrika sowie das südliche Afrika erhielten 2017 jeweils etwa ein Viertel der Projekte, lediglich Zentralafrika spielt weiterhin eine Nischenrolle mit einem Anteil von unter einem Prozent. War Südafrika bisher meist unangefochten das mit Abstand wichtigste Ziel ausländischer Investoren, so hat Marokko 2017 gleichgezogen, was die Anzahl der Projekte angeht.

Den größten Zuwachs konnte mit einem Sprung von 16 auf 62 Vorhaben zwischen 2016 und 2017 Äthiopien verbuchen. Eine starke Zunahme stellten die Analysten von EY daneben in Simbabwe, Kenia, Tansania, Uganda und Ghana fest. Neue Standorte rücken in den Fokus, unter anderem durch unterschiedlich dynamisches Wirtschaftswachstum, die lokale Verbesserung der Investitionsbedingungen oder Fortschritte bei der regionalen wirtschaftlichen Integration sowie beim Ausbau der Infrastruktur.

Wichtigste FDI-Zielländer in Afrika 2017 (nach Zahl der Projekte)
Land Projekte 2016 Projekte 2017 Anteil Projekte 2017 (in %) Anteil geschaffener Arbeitsplätze 2017 (in %)
Südafrika 139 96 13 3
Marokko 81 96 13 21
Kenia 40 67 9 4
Nigeria 51 64 9 12
Äthiopien 16 62 9 16
Ägypten 79 56 8 6
Ghana 28 43 6 4
Tansania 22 35 5 3
Algerien 17 24 3 12
Côte d'Ivoire 34 23 3 1
Uganda 9 14 2 2
Simbabwe 7 13 2 1
Ruanda 11 12 2 0
Mosambik 15 11 2 3
Sambia 13 11 2 1
Andere 114 91 13 13
Insgesamt 676 718 100 100

Quelle: EY

Aufschwung bei Industrie-Projekten

In den einzelnen Ländern dominieren unterschiedliche Branchen das Geschehen. Investoren greifen damit strukturelle Stärken des jeweiligen Standorts auf. So profitiert Kenia von einer hohen Penetration mit Smartphones und einem vergleichsweise großen Angebot von IT-Entwicklern. Vor allem Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden haben Technologieprojekte in der sogenannten "Silicon Savannah" angestoßen.

Ein anderer Schwerpunkt wird in Äthiopien sichtbar. Hier investieren vermehrt chinesische Unternehmen, die infolge steigender Kosten in ihrem Heimatmarkt Teile der Produktion verlagern, in den Aufbau einer Textilindustrie. In Marokko gewinnt der Aufbau einer lokalen Automobilindustrie mit der Ansiedlung von immer mehr Zulieferbetrieben an Fahrt. Generell beobachten die Analysten eine Zunahme von Investitionen in die produzierende Industrie. Neben einer Verbesserung der Rahmenbedingungen in einigen Ländern fördert die wachsende lokale Nachfrage nach Konsumgütern diesen Trend.

Europa und Amerika bleiben Top-Investoren in Afrika

Nach Zahl der Projekte waren die USA auch 2017 unverändert das wichtigste Herkunftsland von FDI-Vorhaben in Afrika. Weit übertroffen werden sie allerdings von den EU-Ländern, wenn deren Investitionen zusammengefasst werden. China liegt nach den USA, dem Vereinigten Königreich und Frankreich an vierter Stelle, gefolgt von Deutschland auf Rang fünf, das die Zahl seiner Investitionsprojekte 2017 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt hat.

Wichtigste FDI-Herkunftsländer in Afrika 2017 (nach Zahl der Projekte)
Land Zahl der Projekte Anteil (in %) Veränderung gegenüber Vorjahr (in %) Anteil an den geschaffenen Arbeitsplätzen (in %)
USA 130 18 43 12
Vereinigtes Königreich 72 10 76 5
Frankreich 61 9 -25 13
China 54 8 -18 15
Deutschland 39 5 105 5
Schweiz 30 4 11 3
Südafrika 29 4 0 1
Niederlande 22 3 175 2
VAE 19 3 -46 1
Italien 17 2 -15 2

Quelle: EY

Weitere Informationen zu den Investitionen in einzelnen Ländern Afrikas enthält der GTAI-Wirtschaftsausblick, zu finden in der Länderauswahl unter http://www.gtai.de/afrika

Dieser Artikel ist relevant für:

Afrika Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures

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