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14.12.2016

Wachstumsaussichten in der indischen IT-Industrie bleiben positiv

Weltgrößter Exporteur von IT/BPM-Dienstleistungen / Umsatzplus auch im Inland erwartet / von Heena Nazir

Mumbai (GTAI) - Indien hat eine der größten Softwareindustrien der Welt. Sie erwirtschaftet circa 9,3% des Bruttoinlandsprodukts und ist ein bedeutender Arbeitgeber. Etwa 3,5 Mio. Mitarbeiter sind allein im organisierten Sektor beschäftigt. Globale politische und wirtschaftliche Entwicklungen sowie das schwache Wachstum im indischen Banken- und Finanzsektor trüben aktuell die Geschäftschancen. Dennoch legt die Branche im Vergleich zu anderen Industriezweigen immer noch kräftig zu.

Indiens Informationstechnologie- und Business Process Management-Sektor (IT/BPM) hat sich zu einer der führenden Branchen des Landes entwickelt. Der Sektor (E-Commerce ausgenommen) erwirtschaftete im Finanzjahr 2015/16 (1.4. bis 31.3.) circa 9,3% des indischen Bruttoinlandsprodukts. Der Gesamtumsatz der IT/BPM-Branche soll laut dem indischen Fachverband National Association of Software and Services Companies (Nasscom) von 132 Mrd. US$ in 2015/16 auf 143 Mrd. $ im laufenden Finanzjahr steigen. Dies entspräche einer Wachstumsrate von 8,5%.

Etwa 52% des Gesamtumsatzes entfallen auf den Bereich IT-Dienstleistungen, darunter Software-Tests, Management von IT-Infrastruktur sowie Systemeinbindung und Kundenbetreuung. Circa 20% erwirtschaftet der BPM-Bereich. Dazu gehören der Betrieb von Call-Centern und andere Formen von Kundenbetreuung, Buchhaltungsdienstleistungen sowie logistische Unterstützung. Circa 18% des Umsatzes werden mit Engineering, Research & Development (ER&D) und Packaged Software erzielt. Die restlichen 10% macht der Verkauf von Hardware aus.

IT/BPM-Branche ist stark exportorientiert

Die Branche ist stark auf Auslandsmärkte ausgerichtet. Im Finanzjahr 2015/16 wurden 97,7 Mrd. $ mit Exporten umgesetzt. In 2016/17 sollen die Ausfuhren um circa 10,3% auf 108 Mrd. $ ansteigen. Veränderungen der Weltwirtschaft treffen den Sektor unmittelbar. Die Unsicherheiten über die wirtschaftliche Entwicklung Großbritanniens nach einem EU-Austritt haben dazu geführt, dass viele große IT-Firmen ihre Erwartungen für das Umsatzwachstum im laufenden Finanzjahr nach unten korrigierten (Weitere Informationen zum Thema: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=indiens-itbranche-fuerchtet-brexitfolgen,did=1594664.html). Auch die Verlangsamung des Wachstums im indischen Finanz- und Bankensektor trübt die Geschäftsaussichten der Branche.

Im Verhältnis zu anderen Wirtschaftszweigen wächst sie jedoch immer noch relativ stark, und langfristig gesehen bleiben die Aussichten positiv. Nasscom zufolge gehen Impulse im Exportgeschäft derzeit von den weltweit steigenden IT-Ausgaben, disruptiven Technologien, welche neue Leistungsdimensionen abdecken, sowie von der steigenden Nachfrage nach Lösungen für SMAC aus. SMAC steht für soziale Netzwerke, mobile Anwendungen, Analytics und Cloud. Deren Markt soll sich bis 2020 auf 225 Mrd. $ belaufen.

Umsatz im Inland steigt

Im Inland erwartet Nasscom in 2016/17 ein Umsatzplus von 3,2%. Wachstumsimpulse gehen insbesondere von Nachfragezuwächsen bei Notebooks, Tablets, iPads und Hardware zur Datenspeicherung, Cloud Services und Applikationen für Mobiltelefone aus. Für eine kräftige Dynamik sollen künftig auch eine stärkere Anpassung der Produkte und Dienstleistungen an den lokalen Markt sowie wachsende Ausgaben der öffentlichen Hand für IT sorgen.

Das wohl größte und wichtigste laufende Projekt ist "Digital India". Die Regierung möchte im Rahmen der Kampagne den Zugang zum Internet für die indische Bevölkerung erleichtern und in die digitale Infrastruktur investieren. Zudem sollen E-Governance-Angebote ausgebaut werden, um mehr Transparenz in bürokratische Abläufe zu bringen (Weitere Informationen zum Thema: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=indien-investiert-17-mrd-us$-in-digital-indiakampagne,did=1590362.html).

IT/BPM-Branche profitiert von Kostenvorteilen in Indien

Ein Grund für die positive Entwicklung des Sektors liegt auch in der Attraktivität des Standorts Indien im internationalen Vergleich. Obgleich die Branche allmählich ihre Wettbewerbsvorteile verliert und zunehmend internationaler Konkurrenz ausgesetzt ist, profitieren die Firmen aktuell von den Kostenvorteilen des Landes und dem stetigen Zufluss gut ausgebildeter IT-Fachkräfte mit guten Englischkenntnissen.

Fachrichtungen wie IT, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften sind sehr beliebt, da die Gehälter im Vergleich zu anderen Sektoren sehr hoch und die Karrierechancen vielversprechend sind. Die Ausbildung von Ingenieuren wurde durch die Errichtung von Eliteuniversitäten wie dem Indian Institute of Technology (IIT) gestärkt. Die IT-Industrie war in 2015/16 mit 3,5 Mio. Beschäftigten im organisierten Sektor der größte Arbeitgeber in der Privatwirtschaft. Im laufenden Finanzjahr 2016/17 soll die Zahl Nasscom zufolge auf 3,7 Mio. ansteigen. Im nicht-organisierten Sektor dürfte die Zahl noch deutlich höher liegen.

Start-ups beflügeln den IT/BPM-Sektor

Der Boom der indischen Start-up-Branche wirkt sich positiv auf die IT/BPM-Industrie aus. Im Jahr 2015 zählte Nasscom 4.200 Start-up-Unternehmen. Damit ist ihre Zahl im Vergleich zur Vorjahresperiode um 40% gestiegen und soll sich bis 2020 weiter auf 11.500 erhöhen. Die indische Regierung hat das Potenzial erkannt und die "Startup India"-Mission ins Leben gerufen. Sie beabsichtigt, rund 1,5 Mrd. $ in Start-ups zu investieren.

IT-Standort Bengaluru wird teurer

Laut einer offiziellen Studie des Department of Industrial Policy and Promotion haben ausländische Firmen im Finanzjahr 2015/16 rund 5,9 Mrd. $ in den Bereich Computer, Software und Hardware in Indien investiert und damit mehr als doppelt so viel wie in der Vorjahresperiode. Auch deutsche IT-Unternehmen sind stark vertreten. So betreiben etwa SAP, Mercedes Benz und Volkswagen F&E-Zentren in Bengaluru, Pune und an anderen Technologiestandorten in Indien.

Indiens IT-Branche konzentriert sich auf wenige Schlüsselregionen um die Metropolen New Delhi/Gurgaon, Mumbai, Hyderabad, Chennai und Bengaluru. Letzteres ist eines der wichtigsten IT-Zentren des Landes und wird als das indische Silicon Valley bezeichnet. Das angenehme Klima, der hohe Lebensstandard und qualifizierte Fachkräfte ziehen hier IT-Investitionen an.

Allerdings sind in den letzten Jahren die Kosten am Standort Bengaluru gestiegen. Unternehmen investieren daher vermehrt in günstigere Technologie-Cluster wie Hyderabad oder Chennai. Auch Kolkata und Nagpur rücken immer mehr in den Vordergrund, da sie Kostenvorteile von bis zu 20% gegenüber etablierten IT-Regionen aufweisen. Infosys beispielsweise hat den Bau einer Produktionsstätte in Kolkata angekündigt.

Regierung setzt Wachstumsimpulse

Die indische Regierung hat die Bedeutung der IT-Branche für das Wirtschaftswachstum erkannt und ihr höchste Priorität zugeordnet. Sie ist bestrebt, die Investitionsbedingungen für in- und ausländische Firmen zu verbessern, und hat den Sektor in die "Make in India"-Kampagne integriert. Diese zielt darauf ab, die industrielle Wertschöpfung im Land zu steigern.

Im Jahr 2012 wurde zudem ein Strategieplan für die IT/BPM-Industrie mit dem Titel "National Policy on Information Technology" verabschiedet. Der Fokus liegt auf der Entwicklung der digitalen Infrastruktur, der Stärkung von Forschung und Ausbildung sowie der Verbesserung der Rahmenbedingungen für Investitionen durch den Ausbau von Sonderwirtschaftszonen und Industrieparks.

Informationen zu Investitionsprojekten in der indischen IT-Branche: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=indiens-itbranche-zieht-investitionen-an,did=1599128.html

(HENA)

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Indien EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Computer, -Hardware, Peripheriegeräte etc., Digitalisierung

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