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11.12.2017

Wandel im US-Einzelhandel setzt sich fort

Steigender Umsatz für 2018 erwartet / Onlinekäufe immer häufiger mit dem Smartphone / Von Robert Matschoß

Washington, D.C. (GTAI) - Das positive Konsumklima sorgt für steigende Umsätze im US-Einzelhandel. Im traditionell an Thanksgiving beginnenden Weihnachtsgeschäft dürften die US-Amerikaner mit bis zu 680 Milliarden US-Dollar erneut mehr als im Vorjahr in Geschäften und Onlineshops ausgeben. Allerdings sieht sich der stationäre Handel erheblichem Druck vom E-Commerce ausgesetzt. (Kontaktadressen)

Auf den Truthahn folgt das Shopping. Mit dem amerikanischen Erntedankfest, Thanksgiving, am vierten Donnerstag im November beginnt in den USA traditionell die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts. Der Einzelhandelsverband National Retail Federation (NRF) rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz der Branche von bis zu 680 Milliarden US-Dollar (US$) in der gesamten Holiday Season (1. November bis 25. Dezember). Das wären 4 Prozent mehr als im Vorjahr. In den letzten fünf Jahren lag der Anstieg bei durchschnittlich 3,5 Prozent. Nicht in diesen Zahlen enthalten sind die Umsätze mit Kfz und -Teilen sowie die Benzinverkäufe an Tankstellen und Restaurantumsätze. Für den höheren Umsatz dürfte auch sorgen, dass die Verbraucher kalendarisch bedingt gegenüber dem Vorjahr bis zum 25. Dezember 2017 einen Tag mehr Zeit für ihre Einkäufe haben.

Konsumfreude lässt Umsätze steigen

Von Januar bis Oktober 2017 erwirtschaftete der US-Einzelhandel ein Umsatzplus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das Jahr 2018 geht der Marktforscher eMarketer von einer Steigerung um 3,3 Prozent aus, allerdings einschließlich der Kfz- und Benzinverkäufe. Besonders Bau- und Gartenmärkte konnten zuletzt infolge der guten Konjunktur im Wohnungsbau ihren Umsatz ausbauen.

Der wesentliche Grund für den Aufwärtstrend ist das hohe Konsumentenvertrauen. Der von dem Verband Conference Board monatlich ermittelte Indikator erreichte im Oktober 2017 den höchsten Wert seit fast siebzehn Jahren. Die Beschäftigungsgewinne am Arbeitsmarkt sprechen für eine weiterhin positive Konsumentwicklung, selbst wenn die Reallohnentwicklung zuletzt nur moderat ausgefallen ist.

Insgesamt sitzen die Dollars wieder lockerer in den Taschen der US-Amerikaner. Verunsichert durch die Finanzkrise hatten sie jahrelang einen größeren Anteil ihres Einkommens auf die hohe Kante gelegt. Diese Zurückhaltung scheint nun überwunden. So ist die Sparquote im Herbst 2017 erstmals unter das Vorkrisenniveau gesunken, vermeldet das U.S. Bureau of Economic Analysis. Mittelfristig wirft dies die Frage auf, ob das Konsumtempo gehalten werden kann, wenn die Lohnentwicklung nicht anzieht, zumal die privaten Haushalte bereits jetzt 13 Billionen US$ Schulden haben. Die derzeit im US-Kongress verhandelte Steuerreform könnte - je nach Ausgestaltung - zusätzlich konsumfördernd wirken.

Verkäufe der US-Einzelhändler nach Sektoren (in Mrd. US$, nominal, Veränderungen in %)
Sektoren 2016 Veränderung2016/15 2017Jan.-Okt. VeränderungJan.-Okt. 2017/16
Einzelhandel insgesamt 4.862,9 2,9 4.125,4 4,1
Einzelhandel ohne Kfz- und Kfz-Teilehändler sowie Tankstellen 3.722,7 2,5 3.700,3 3,9
.Kfz- und Kfz-Teilehändler 1.140,1 4,1 990,0 4,2
.Tankstellen 418,7 -5,7 378,1 8,3
.Möbel- und Einrichtungsgeschäfte 110,5 3,5 93,1 3,9
.Elektronik und Haushaltsgeräteläden 97,6 -4,4 74,9 -1,4
.Bau- und Gartenmärkte 350,5 5,7 317,3 7,8
.Lebensmittel- und Getränkehändler 701,6 2,3 590,6 2,2
.Drogerien und Apotheken 329,2 4,4 273,0 0,4
.Bekleidungsläden 258,4 1,0 201,5 0,6
.Sportgeschäfte 88,5 1,3 66,0 -4,5
.Allgemeine Warenhäuser 675,8 0,1 547,4 1,7
.Andere Einzelhandelsgeschäfte 125,9 5,4 106,9 3,4
."Nonstore"-Händler *) 566,0 11,1 486,7 10,1

*) umfasst neben dem Onlinehandel unter anderem Haustürgeschäfte und Kataloghandel

Quelle: U.S. Department of Commerce

Prognosen zu bedeutenden Eckdaten für den Einzelhandel
Indikator 2017 2018
Privater Konsum (realer Anstieg in %) 2,7 2,5
Verfügbares Realeinkommen (Anstieg in %) 1,5 2,4
Verbraucherpreise (CPI, Anstieg in %) 2,1 2,1
Arbeitslosenquote (Jahresdurchschnitt in %) 4,4 4,0

Quelle: Blue Chip Economic Indicators, Konsensprognose vom November 2017

Mit dem Smartphone in den Showroom - oder auch nicht

Der Wandel im US-Einzelhandel unter dem Einfluss des Onlinehandels setzt sich fort.

Branchenprimus Walmart erweitert seine Lieferoptionen und hat im letzten Jahr sein Onlineangebot auf 70 Millionen Artikel erhöht, kleinere E-Commerce-Firmen aufgekauft und so seine Onlineverkäufe um 50 Prozent gesteigert.

Große Ketten experimentieren zudem mit neuen Formaten und Services, um ihre Attraktivität für die sich wandelnden Bedürfnisse der Käuferschaft zu erhalten. Viele Einzelhändler klagen darüber, dass Verbraucher sich in einer Filiale beraten lassen, die Produkte dort ausprobieren, nur um sie dann bei einem Onlineanbieter günstiger zu kaufen ("showrooming"). Nun experimentieren laut einem Bericht der New York Times Bekleidungsketten wie Nordstrom und Urban Outfitters damit, genau solche "Showrooms" einzurichten - kleinere Filialen mit weniger Artikeln und qualifizierter Beratung.

Die Aussichten im E-Commerce bleiben rosig: Der Marktforscher Freedonia rechnet damit, dass der E-Commerce-Umsatz im US-Einzelhandel bis 2020 durchschnittlich um 11% pro Jahr gegenüber 2015 auf 491 Milliarden US$ steigen wird. Am umsatzstärksten Einkaufstag des Jahres, dem Montag nach Thanksgiving (Cyber Monday), erreichte der Onlineabsatz laut Adobe Analytics mit rund 6,6 Milliarden US$ einen neuen Rekord. Das sind rund 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei wird der Absatz über mobile Endgeräte immer wichtiger und der Handel optimiert seine Verkaufsseiten für diese Geräte. Am Cyber Monday lagen laut Adobe die über das Smartphone generierten Umsätze um rund 39 Prozent über dem Vorjahreswert.

Umsatzentwicklung im Einzelhandel und E-Commerce in den USA (Veränderungsraten jeweils zum Vorjahresquartal in %) *)
Q1 2016 Q2 2016 Q3 2016 Q4 2016 Q12017 Q22017 Q32017
Einzelhandelinsgesamt 2,5 2,2 2,1 3,7 5,1 4,0 4,3
.E-Commerce 14,7 15,5 15,4 14,2 15,4 16,0 15,5
E-Commerce Anteil am Einzelhandel 7,8 8,0 8,2 8,2 8,5 8,9 9,1

*) basierend auf saisonbereinigten Zahlen

Quelle: U.S. Department of Commerce

Ausführliche Informationen zum E-Commerce und Onlinehandel in den USA und weiteren Ländern finden Sie unter: http://www.gtai.de/us-onlinehandel

Unterm Strich trotzdem mehr Filialen in 2017

Trotz erhöhter Onlineumsätze dürften einer Prognose des Marktforschers IHL Group zufolge im Jahr 2017 mehr Geschäfte eröffnet als geschlossen werden. Zwar schließen Kaufhausgrößen wie JC Penney oder Macy's Filialen und vor allem Bekleidungsgeschäfte haben zu kämpfen. Hinzu kam die Insolvenz der Elektronikmarktkette Radio Shack. Auf der anderen Seite expandieren vor allem die Supermarkt- und Discounterketten wie Dollar General, Dollar Tree oder 7-Eleven. Auch Aldi und Lidl bauen ihre Präsenz aus und erhöhen den Druck im Lebensmittelsegment.

Weitere Informationen zur Wirtschaftslage, Branchenentwicklung, Geschäftspraxis sowie zu Recht und Zoll in den USA finden Sie auf unserer Länderseite http://www.gtai.de/usa

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/usa Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK USA http://www.ahk-usa.com Anlaufstellen für deutsche Unternehmen in den USA
Representative of German Industry and Trade (RGIT) http://www.rgit-usa.com Delegierter der Deutschen Wirtschaft
National Retail Federation (NRF) http://www.nrf.com Einzelhandelsverband
NRF's Big Show 2018 http://www.nfrbigshow.nrf.com Jährliche NRF-Konferenz und -Messe zum US-Einzelhandel (nächster Termin: 14.-16.01.18)
U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS), Consumer Expenditure Survey http://www.bls.gov/cex Daten des Arbeitsministeriums zu den Konsumausgaben

(R.O.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Großhandel, E-Commerce, Einzelhandel, Digitalisierung

Funktionen

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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