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15.10.2018

Wasserknappheit in Saudi-Arabien kurbelt Investitionen an

Energieeffizienz und erneuerbarer Energien werden wichtiger / Von Maycaa Hannon

Bonn (GTAI) - Das Königreich investiert in Meerwasserentsalzung, um den steigenden Wasserbedarf zu decken. Mehrere Projekte werden derzeit entlang des roten Meeres umgesetzt.

Das starke Bevölkerungswachstum, der rapide Anstieg der Urbanisierung und der hohe Wasserbedarf der Landwirtschaft stellen seit vielen Jahren eine wachsende Herausforderung für den Wassersektor in Saudi-Arabien dar. Somit steigt der Investitionsbedarf in diesem Bereich und ermöglicht neue Geschäftschancen.

Saudi-Arabien deckt heute bereits 70 Prozent des Trinkwasserbedarfs aus dem Persisch-Arabischen Golf und dem Roten Meer. Im Jahr 2016 produzierte die saudi-arabische Saline Water Conversion Corporation (SWCC) circa 2,4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser täglich, vor allem durch Entsalzung. Die Verdampfung findet meist in großen Anlagen statt, die mit fossilen Energieträgern versorgt werden. Energiekosten machen 40 bis 50 Prozent der Gesamtkosten des Entsalzungsprozesses aus. Deswegen besteht besonderer Bedarf an der Bereitstellung von solaren und energieeffizienten Entsalzungstechnologien.

Kooperationen mit deutschen Unternehmen bei der Forschung

Um Entwicklungs- und Forschungsmaßnahmen in diesem Bereich voranzubringen, wurde 2010 die National Initiative for Water Desalination by Using Solar Energy gegründet. Bei saudi-arabischen Unternehmen besteht zudem großes Interesse an bilateralen Forschungskooperationen mit deutschen Unternehmen und Forschungsinstitutionen im Bereich der effizienten Nutzung von Solarenergie, die zu einer Kostensenkung auf dem Gebiet der Meerwasserentsalzung beitragen soll.

Mit der "Vision 2030" nimmt Saudi-Arabien die größte Wirtschaftsreform seiner Geschichte auf. Diese zielt auf eine geringere Abhängigkeit vom Öl, eine diversifizierte Wirtschaft und einen stärkeren Privatsektor ab. Insbesondere im Wassersektor will sich der Staat als Investor und Betreiber zurückziehen. Die National Water Company hat im Juli 2017 ein internationales Beraterteam zur Durchführung von PPP-Projekten engagiert. Dieses besteht aus den Firmen Mizuho Financial Group, White & Case und Atkins.

Der Staat ist traditionell der größte Investor. Um private Investitionen zu fördern, wird eine Teilprivatisierung der SWCC angestrebt. Die SWCC ist ein staatliches Unternehmen, das den Großteil der Meerwasserentsalzungsanlagen im Königreich betreibt. Damit sollen in Zukunft zumindest die Aktivitäten zur Wasserproduktion auf den privaten Sektor übertragen werden. Daneben wird die Wasserentsalzungsanlage in der Stadt Ras Al Khair zu hundert Prozent privatisiert. Die zu erwartenden Einnahmen aus den geplanten Privatisierungen werden auf 11 Milliarden US-Dollar (US$) geschätzt.

Mehr Ausschreibungen seit Anfang 2018

Neben den großen Entsalzungsanlagen soll auch in kleinere Systeme investiert werden. Um die wachsende Nachfrage zu decken, plant Saudi-Arabien jährlich 175 Millionen Rial (39.96 Millionen Euro; 1 Euro = 4,38 Rial) für den Kauf von entsalztem Wasser aus mobilen Stationen auszugeben. Die Mobilstationen für die Entsalzung werden zunächst in den Regionen Jazan und Asir zur Verbesserung der Wasserversorgung eingesetzt. In Zukunft sollen sie bei Bedarf auch in anderen Gebieten zum Einsatz kommen.

Bereits seit Anfang des Jahres wurden verstärkt Ausschreibungen für mehrere Meerentsalzungsanlagen entlang der Küste des Roten Meeres bekannt gegeben.

Aktuell findet zusätzlich die Evaluierung der Gebote für den Bau von mehreren "satellite desalination plants" am Roten Meer statt. Das Vorhaben ist Eigentum der SWCC und besitzt ein Projektvolumen von 533 Millionen US$. Um den steigenden Wasserbedarf zu decken, setzt Saudi-Arabien auf PPP-Projekte. Der Fokus liegt dabei verstärkt auf Independent Water Producer (IWP). Noch befindet sich das Projektvolumen deutlich unter dem Niveau vor dem Ölpreiseinbruch.

Saudi-Arabien gehört laut UNESCO zu den Regionen mit der weltweit höchsten Wasserknappheit und ist folglich schon länger auf technologischen Mittel angewiesen, um die naturgegebenen Engpässe zu überwinden. Aufgrund der schwindenden Vorräte der nicht erneuerbaren Grundwasserreserven soll langfristig die Wasserversorgung des Landes ganz auf Meerwasserentsalzung umgestellt werden.

Ausgewählte Wasserprojekte in Saudi Arabien (im Frühstadium; Investitionssumme in Mio. US$)
Projekt Investitionssumme Projektstatus Projektträger / Kapazität
Entsalzungsanlage Rabigh 3 (IWP) 900 Gebote werden evaluiert SWCC; 600.000 Kubikmeter pro Tag
Jeddah Desalination 400 Studienphase SWCC
dritte Phase der Entsalzungsanlage Shuqaiq (IWP) 350 Projekt ausgeschrieben SWCC; 450.000 Kubikmeter pro Tag
vierte Phase der Entsalzungsanlage Yanbu 250 Projekt ausgeschrieben SWCC; 250.000 Kubikmeter pro Tag
Power and Water Utility Company- Yanbu 100 Studienphase Power and Water Utility Company
Entsalzungsanlage Marjan Field 30 Projekt ausgeschrieben Saudi Aramco 30 Projekt ausgeschrieben Saudi Aramco

Quelle: MEED Projects (August 2018)

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Saline Water Conversion Corporation https://www.swcc.gov.sa weltweit größter Meerwasserentsalzungsanlagenbetreiber
Ministry of Environment, Water & Agriculture https://www.mewa.gov.sa -
King Abdullah Initative for Water Desalination Using Solar Energy https://www.kacst.edu.sa Die Initiative besteht bereits seit 2010 und wird stetig ausgebaut
The National Water Company (NWC) https://www.nwc.com.sa -

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Saudi-Arabien können Sie unter http://www.gtai.de/saudi-arabien abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Saudi-Arabien Energieeinsparung, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung

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