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20.06.2019

Wasserkraft hat in Pakistan wieder eine Zukunft

Lange Liste mit geplanten Projekten / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Die Regierung unter Imran Khan strebt bis 2030 den Bau neuer Wasserkraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt 8 Gigawatt an.

Wasserkraft war in Pakistan lange die dominierende Energiequelle. Der Ausbau stagnierte allerdings in den letzten Jahrzehnten. Wasserkraftwerke hatten 1985 noch einen 67 Prozent Anteil an den gesamten Kraftwerkskapazitäten des Landes, im Jahr 2017 waren es nur noch 25 Prozent. Investitionen in konventionelle Kraftwerke haben die in Wasserkraft abgelöst. Konventionelle Energieträger kamen 2017 auf einen Kapazitätsanteil von 70 Prozent. Erneuerbare Energien (Wind, Sonne, Biomasse) lagen bei 5 Prozent.

Die Kapazitäten aller Kraftwerkstypen sollen bis 2030 von heute 34 auf 60 Gigawatt steigen. Die seit August 2018 amtierende Regierung unter Premierminister Imran Khan strebt bis 2030 für Wasserkraft und erneuerbare Energien jeweils 30 Prozent Anteile an. Die neue Renewable Energy Policy will den Anteil konventioneller Kraftwerke dagegen auf 40 Prozent drücken.

Die 30 Prozent Zielmarke für Wasserkraft erscheint erreichbar. Unklar ist allerdings, wie der Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigt werden soll. Neben Wasserkraft sehen die bisherigen Planungen vor allem einen massiven Ausbau der Braunkohlenutzung und nur einen mäßigen Ausbau der erneuerbaren Energien vor.

Hauptsächlich öffentliche Investoren

Die installierten Wasserkraftwerke summierten sich 2007 auf 6,5 Gigawatt, davon entfielen nur 30 Megawatt auf private IPP (Independent Power Plants). Die damaligen Planungen sahen bis 2016 eigentlich eine Erweiterung der Wasserkraftkapazitäten um rund 10 Gigawatt vor. Tatsächlich wurden bis 2016 die Kapazitäten lediglich um 0,6 Gigawatt auf 7,1 Gigawatt erhöht.

IPP steigerten ihre Kapazitäten nur auf 0,2 Gigawatt. Der staatliche Wasserkraftsektor erhöhte 2018 die installierte Leistung aber um satte 36 Prozent auf 9,4 Gigawatt. Mit den Neuzugängen stieg die Zahl der staatlichen Wasserkraftwerke auf 21, deren Betreiber ist die Water and Power Development Authority (WAPDA).

Der 2,5 Gigawatt Zuwachs verteilte sich 2018 auf die vierte Ausbaustufe des Tarbela Staudamms, dem größten Wasserkraftwerkes des Landes, um zusätzliche 1,4 Gigawatt (3 x 470 Megawatt) auf 4,9 Gigawatt. Der Ausbau dauerte etwa fünf Jahre. Die Weltbank stellte dafür 840 Millionen US-Dollar (US$) bereit. Außerdem 2018 fertiggestellt wurden das 968 Megawatt Neelum Jhelum Kraftwerk (4 x 242 Megawatt) und das 108 Megawatt Golen Gol 2 Projekt (3 x 36 Megawatt). Golen Gol erhielt Finanzierungen vom Saudi Fund for Development und vom Kuwait Fund for Arab Economic Development.

Viele Projekte in der Pipeline

Die Liste der geplanten oder bereits im Bau befindlichen Wasserkraftprojekte ist lang. Die Renewable Energy Policy 2019 fordert im Wasserkraftsektor bis 2030 die Inbetriebnahme von weiteren etwa 8 Gigawatt. Würden alle derzeit diskutierten Wasserkraftprojekte realisiert, ergäbe sich sogar ein Kapazitätszuwachs von etwa 16 Gigawatt. Zwischen Planungsgrößen und Umsetzung dürfte aber auch in Zukunft eine erhebliche Diskrepanz bestehen.

Pakistan: Wasserkraftwerke in Planung oder im Bau (Auswahl)
Projektbezeichnung Kapazität (MW) Investitions-volumen (Mio. US$) Status *) Projektbetreiber
Diamer Basha Hydropower 4.500 k.A. P Water & Power Development Authority
Dasu Hydropower 2.160 k.A. P Water & Power Development Authority
Tarbela 5th Expansion 1.410 k.A. P Water & Power Development Authority
Kohala Hydropower 1.124 2.365 P Kohala Hydro Company (China Three Gorges)
Suki Kinari Hydropower 870 1.956 DU SK Hydro (China Gezhouba Group)
Mohamand Dam (ex. Munda) 800 2.200 P Water & Power Development Authority
Karot Hydel 720 1.698 DU Karot Power Company (China Three Gorges)
Azad Pattan Hydel 700 1.145 P Azad Pattan Power
Mahl Hydropower 640 1.450 P China Three Gorges & Trans Tech Pakistan
Kaigah Hydropower 548 1.565 P Private Power and Infrastructure Board
Chakothi-Hattian 500 983 P Private Power and Infrastructure Board
Torcamp-Guddubar Hydropower 409 k.A. P Pakhtunkhwa Energy Development Organization
Athmuqam Hydropower 350 875 P Korea Hydro and Nuclear Company
Ashkot Hydropower 300 780 P Ashkot Energy
Madian Hydropower 157 k.A. P Private Power and Infrastructure Board
Rajdhani Hydropower 132 k.A. P Private Power and Infrastructure Board
Sehra Hydropower 130 k.A. P Private Power and Infrastructure Board
Gulpur Hydropower 102 316 DU Mira Power Limited
Gilgit KIU Hydropower 100 k.A. P CPEC-Programm
Phandar Hydropower 80 k.A. P CPEC-Programm
Necheherdim-Paur Hydropower 80 k.A. P Private Power and Infrastructure Board
Turtonas-Uzghor Hydropower 58 162 P Sinohydro-Sachal Consortium

*) P = Planung, DU = Durchführung

Quellen: Water & Power Development Authority; Private Power and Infrastructure Board; National Electric Power Regulatory Authority; China Pakistan Economic Corridor Program; Pressemeldungen

Innerhalb des China Pakistan Economic Corridor, der zu Pekings Seidenstraßenoffensive gehört, sind die Wasserkraftwerke Karot Hydropower (Laufwasserkraftwerk; 720 Megawatt) und Suki Kinari Hydropower (Laufwasserkraftwerk; 870 Megawatt) im Bau. Die beiden IPP Vorhaben werden vorrausichtlich frühestens 2022 fertiggestellt.

Die Firma SK Hydro realisiert das 2 Milliarden US$ Suki Kinari Projekt. Investoren sind die China Gezhouba Group und der lokalen Partner Haseeb Khan Limited. Die Finanzierung kommt von der Export Import Bank of China und der Industrial and Commercial Bank of China.

Karot Hydropower ist ein 1,7 Milliarden US$ IPP-Projekt der Karot Power Company. Hauptinvestor ist China Three Gorges South Asia Investment. Auch die Weltbank stellt Gelder für das Vorhaben bereit.

Starke Engagements aus China, aber nicht nur

Mindestens fünf weitere chinesisch finanzierte Vorhaben sind in Planung: das Kohala Hydropower Projekt (1.124 Megawatt; geplante Fertigstellung: 2026), Mahl Hydropower (640 Megawatt; 2028), Gilgit KIU Hydropower (100 Megawatt), Phandar Hydropower (80 Megawatt) und Turtonas-Uzghor Hydropower (58 Megawatt).

Die Vorbereitungen für das 2,4 Milliarden US$ Kohala Projekt sowie für das 1,5 Milliarden US$ Mahl Projekt sind bereits weit fortgeschritten. In beiden Fällen ist China Three Gorges der Investor. Die drei anderen Projekte befinden sich noch in der Prüfung.

Es gibt auch mehrere große und viele kleinere Wasserkraftprojekte, die als private IPP ohne chinesische Beteiligung gebaut werden sollen. Dazu gehören Azad Pattan Hydel (700 Megawatt; geplante Fertigstellung: 2024), Kaigah Hydel (548 Megawatt; 2024), Chakothi Hattian Hydropower (500 Megawatt; 2024), Torcamp-Guddubar Hydropower (409 Megawatt; Fichtner ist an der Planung beteiligt) und Athmuqam Hydropower (350 Megawatt, 2028; südkoreanischer Investor). Diese Projekte sind noch nicht im Bau.

Die größten geplanten staatlichen Wasserkraftprojekte sind das Diamer Basha Dam Projekt (4,5 Gigawatt), die erste Phase von Dasu Hydropower (2,2 Gigawatt, gefördert von der Weltbank), die fünfte Ausbauphase des Tarbela-Kraftwerks (1,4 Gigawatt) und Mohmand Hydropower (0,8 Gigawatt). Das Diamer Basha Projekt gehörte ursprünglich zum CPEC-Programm. Pakistan und China konnten sich aber nicht über die Finanzierungsmodalitäten einigen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Pakistan finden Sie unter http://www.gtai.de/pakistan

Dieser Artikel ist relevant für:

Pakistan Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft

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