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23.07.2018

Wasserprojekte in Ägypten erfordern oft ausländische Technik und Expertise

Umfangreiche Pläne für mehr Wasserentsalzung / Ein Drittel des Leitungswassers geht im Netz verloren / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - Der seit Jahren stark expandierende Markt für Wasserversorgung und Abwasserbehandlung in Ägypten erreichte 2017 ein Volumen von knapp 6,4 Milliarden US-Dollar (US$). Für ausländische Planer, Berater und Lieferanten von Technik bleibt das Land ein chancenreiches Ziel mit einem regen Projektgeschehen. Hinzu kommt, dass internationale Geber anhaltend hohe Summen für den Wassersektor bereitstellen. Das erleichtert deutlich die Finanzierung von Programmen und Vorhaben (Kontaktadressen).

Der Wasser- und Abwassersektor ist ein konstanter Investitionsschwerpunkt in Ägypten. Ausbau- und Erneuerungsinvestionen bringen häufig Auftragschancen für ausländische Unternehmen mit sich. Diese sind in der Planung und dem Bau von Anlagen beteiligt oder liefern Pumpen, Filter, Turbinen, Armaturen, Steuerungen und andere Ausrüstung zu. Neue Ausbaupläne zur Meerwasserentsalzung in küstennahen Gebieten dürften diesem Bereich Auftrieb geben. Die Landwirtschaft als Verbraucher von 82 Prozent der ägyptischen Wasserressourcen kann in ihrer Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Viele Bewässerungkanäle und Pumpstationen befinden sich in einem schlechten Zustand. Moderne Bewässerungsmethoden ermöglichen erhebliche Einsparungen.

Dass der Wasserverbrauch noch immer nicht flächendeckend erfasst werden kann und zudem laufend neue Siedlungen entstehen, spricht überdies für einen Bedarf an Wasserzählern. Im bestehenden Leitungssystem gehen bis zu 58 Prozent des knappen Wassers verloren. Um das zu ändern und die Versorgung längerfristig zu sichern, könnte Technik zur Suche nach Lecks und deren Behebung entscheidend beitragen.

Marktvolumen stieg 2017 auf knapp 6,4 Milliarden US$

Der U.S. Commercial Service schätzte im Juni 2017 das Marktvolumen für den Wasser- und Abwasserbereich in Ägypten auf knapp 6,4 Milliarden US$. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das einer Zunahme um 5,6 Prozent. Aufgrund des Ausbau- und Erneuerungsbedarfs, der Wasserknappheit und des Bevölkerungswachstums ist mit weiteren Zunahmen zu rechnen. Der Wassersektor steht auch besonders im Blickpunkt internationaler Geber, was die finanzielle Umsetzung von Projekten wesentlich erleichtert. Kredite stammen von ausländischen Regierungen, Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit, regionalen Förderfonds und der Weltbank. Seit 2007 hat allein die Europäische Union 16 Programme für den ägyptischen Wassersektor aufgelegt.

Der voranschreitende Bau des Staudammes Grand Ethiopian Renaissance Dam sorgt seit mehreren Jahren für Unruhe in Ägypten. Politische Verhandlungsrunden mit Äthiopien und Sudan brachten bislang keine feste Zusage für einen ägyptischen Nilwasseranteil. Entscheidend wird sein, in welchem Tempo Äthiopien den Damm auffüllen wird. In Erwartung eines knappen Angebots und einer hohen Nachfrage setzt die ägyptische Regierung auf mehr Wiederverwendung von Wasser und die Meerwasserentsalzung in den Küstengebieten des Landes. Für die Entsalzung sollen Anreize für Privatunternehmen geschaffen werden. Mitte Juli 2018 lagen aber noch keine Details darüber vor. Die Holding Company for Water and Wastewater (HCWW) strebt an, die Entsalzung bis 2037 auf 2,6 Millionen Kubikmeter zu verelffachen.

Nachholbedarf besteht vor allem im ländlichen Abwasserbereich

Anlässlich des Welttoilettentages im November 2017 erklärte das Ministry of Housing, Utilities and Urban Communities, dass es 957 Dörfer an die Abwassernetze anschließen werde. Die Wasserversorgung in Ägypten hatte eine Abdeckung von 96 Prozent und war damit nahezu flächendeckend. Hingegen verfügten 83 Prozent der städtischen Gebiete, aber nur 15 Prozent der ländlichen Regionen über Anbindungen an Abwassernetze. Im Jahr 2015 umfasste der Frischwasserbereich 2.845 Anlagen und 167.000 Kilometer Verteilungsnetze. Dem standen 395 Kläranlagen und 48.000 Kilometer Kanalisationsnetze gegenüber.

Wasserressourcen und ihre Verwendung in Ägypten (in Milliarden Kubikmeter)
Kategorie Fiskaljahr 2015/16*) Fiskaljahr 2014/15*)
Wasserressourcen 76,25 76,40
. Nilwasseranteil 55,50 55,50
. Wiederverwendung von landwirtschaftlichem Wasser 11,90 11,70
. Grundwasser im Niltal und -delta 6,90 6,90
. Wiederverwendung von Abwasser 1,20 1,30
. Regen und Fluten 0,65 0,90
. Entsalzung von Meerwasser 0,10 0,10
Wasserverwendung 76,25 76,40
. Landwirtschaft 62,15 62,35
. Trinkwasser 10,40 10,35
. Verdunstung 2,50 2,50
. Industrie 1,20 1,20

*) jeweils 1. Juli bis 30. Juni

Quelle: Ministry of Water Resources and Irrigation (MWRI)

Hinsichtlich der Wasserverluste liegen Kairo und Alexandria prozentual im Mittelfeld. Aufgrund der Größe der Städte summierten sich im Fiskaljahr 2015/16 die Verluste dennoch auf knapp 700 Millionen Kubikmeter im Fall von Kairo und knapp 300 Millionen Kubikmeter in Alexandria. Prozentual geht das meiste Wasser in den nördlichen Gouvernoraten Port Said, Ismailia und Suez verloren. Am besten stehen die ländlichen Gouvernorate Assiut und El Wadi El Gedid im Süden da, in denen nur knapp 18 Prozent des Wassers die Verbraucher nicht erreicht.

Wasserproduktion und -verluste (ausgewählte Gouvernorate; in Millionen Kubikmeter; Verluste in %)
Gouvernorat Produktion Fiskaljahr 2015/16*) Anteil des Wasserverlustes
Port Said 9,7 57,7
Ismailia 139,8 57,6
Suez 18,8 57,4
Kairo 2.098,3 33,3
Alexandria 1.056,3 28,7
Gharbia 336,0 18,5
Assiut 224,8 17,6
El Wadi El Gedid (New Valley) 46,5 17,6

*) jeweils 1. Juli bis 30. Juni

Quelle: Holding Company for Drinking Water and Sanitation

Die Wasserpreise in Ägypten legt der Premierminister per Dekret fest. Dekret 1012/2018 spezifiziert die aktuellen Preise für Verbrauchsgruppen und -mengen sowie die prozentualen Abgaben für das Abwasser. Mamdouh Raslan, der Vorstandsvorsitzende der HCWW, bezifferte die Produktionskosten pro Kubikmeter Wasser auf umgerechnet rund 12 Eurocent. Folglich decken die neuen Tarife privater Haushalte mit einem monatlichen Verbrauch von mehr als 30 Kubikmeter sowie alle Preise für Gewerbekunden die Kosten. Das Dekret geht auch das Problem fehlender Erfassung beziehungsweise fehlender Wasserzähler bei manchen Privathaushalten an. Diese zahlen in ländlichen Gebieten pauschal für 20 Kubikmeter und in städtischen Regionen für 30 Kubikmeter Verbrauch. Die neuen Regeln schließen zudem Ausnahmen oder Rabatte explizit aus. Infolge der Preiserhöhungen der vergangenen Jahre hat sich die Finanzierungsgrundlage für Investitionen wesentlich verbessert.

Ausgewählte Wasserwirtschaftsprojekte in Ägypten (im Frühstadium; Investitionssumme in Mio. US$)
Projekt Investitionssumme Projektstatus Projektträger
Bau einer Kläranlage in Helwan 100 Studienphase; Kapazität 500.000 Kubikmeter pro Tag Ministry of Housing, Utilities & Urban Communities
Modernisierung der Kläranlage in El Tanqia El Gharbeya 56 Studienphase HCWW; Finanzierung über KfW und EIB vorgesehen
Bau eines Staudamms in Shalateen/Assuan 45 Studienphase; Kapazität 7 Mio. cbm Hochwasser MWRI
Bau einer Entsalzungsanlage als PPP in Sharm El Sheikh 30 Studienphase HCWW; Finanzierung über Kuwait Fund for Arab Economic Development (KFAED)
Bau einer Entsalzungsanlage in Dahab (Abu Zenima) 15 Studienphase HCWW; Finanzierung über KFAED
Bau einer Entsalzungsanlage in Dahab 15 Studienphase HCWW; Finanzierung über KFAED
Bau einer Entsalzungsanlage in Nuweiba 15 Studienphase HCWW; Finanzierung über KFAED
Bau einer Entsalzungsanlage in Ras Sedr 15 Studienphase HCWW; Finanzierung über KFAED

Quelle: MEED Projects (Juli 2018)

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Holding Company for Water and Wastewater http://www.hcww.com.eg bündelt die lokalen staatlichen Versorger
Ministry of Housing, Utilities & Urban Communities http://www.moh.gov.eg -
Ministry of Water Resources and Irrigation http://www.mwri.gov.eg -
New Urban Communities Authority http://www.newcities.gov.eg spielt eine wesentliche Rolle beim Bau städtischer Infrastruktur

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Kläranlagenbau, Abwasserentsorgung

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