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15.11.2018

Wasserversorgung wird in Kenia zum Streitthema

Umweltverschmutzung zerstört Ressourcen / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Kenias Wassersektor ist in einer Krise: Obwohl die Politik das Thema aufgreift, sinken in der Praxis die staatlichen Ausgaben. Nun sollen internationale Geber einspringen.

Tanklastwagen und Handkarren mit gelben Kanistern gehören in den großen kenianischen Städten zum Alltagsbild. Sie transportieren nicht etwa Treibstoff - sondern Wasser. Meist trüb braun aus einem Bohrloch abgefüllt, oder, aus einem öffentlichen Leitungswassernetz illegal abgezapft. Insbesondere in der Hafenstadt Mombasa und in der Hauptstadt Nairobi kann die öffentliche Versorgung mit der städtischen Entwicklung längst nicht mehr Schritt halten.

Rapide steigende Nachfrage

Für die Fehlentwicklung macht die Politik gerne den Klimawandel, wenig kooperative Nachbarkommunen und kriminelle Banden verantwortlich. Richtig ist sicherlich, dass die Regenfälle immer häufiger und zunehmend unzureichend sind. Der Ndakaini-Staudamm am Fuße der Aberdares-Berge wird seit Jahren nicht mehr voll und kann Nairobi nicht mehr ausreichend versorgen. Doch liegt dies nicht alleine am Regen, sondern auch am rapide steigenden Verbrauch in der 4 Millionen Metropole und entlang der vielen kleinen Zuflüsse, die den See auffüllen sollen.

Dabei hat der Verteilungskampf ums Wasser längst begonnen: Öffentliche Sicherheitstrupps versuchen, die Wassernutzung für Bewässerungszwecke oberhalb von Zuflüssen zu unterbinden. Mit Geldern der internationalen Gebergemeinschaft werden derweil Stollen gegraben, um Wasser auf abgewendeten Bergrücken der Aberdares abzuzweigen - sehr zum Missfallen der betroffenen Kommunen, die das gerne verhindern würden. Die kenianische Presse spricht von "Wasserkriegen" (water wars).

Wasserversorger in der Verantwortung

Auch der Vorwurf krimineller Machenschaften ist nicht ganz zutreffend. Nach Einschätzung des Kabinettssekretärs für Wasser, Abwasser- und Abfallentsorgung, Simon Chelugui, gehen 45 Prozent des landesweit öffentlich produzierten Trinkwassers "verloren". Anders formuliert: Sicherlich wird Wasser illegal abgezapft aber ein Großteil versickert ungenutzt aufgrund undichter Leitungen und weil der Verbrauch oft nicht in Rechnung gestellt wird. Die Wasserversorger müssten hier in die Verantwortung genommen, schreibt die Presse, und nicht die Kleinbauern, die ihre kargen Felder mit Bachwasser bewässern müssen.

Immerhin will das zuständige Ministerium nunmehr die Wasserversorger ermutigen, "mit intelligenten Lösungen dem Problem zu begegnen". Für die deutschen Teilnehmer, die im Rahmen einer Geschäftsanbahnungsreise im November 2018 nach Kenia reisen werden, kommt diese Entwicklung zur rechten Zeit. Denn mit Lösungen können deutsche Firmen zweifelsohne aufwarten und die müssen noch nicht einmal teuer und Hightech sein. Letztendlich entscheidet das Geld: Werden Mittel bereitgestellt, können auch Lösungen gekauft werden.

Verteilungskonflikte nehmen zu

In der kenianischen Regierung mehren sich die Stimmen, die den politischen Sprengstoff der Lage erkennen: "Wasserverschwendung kann Konflikte auslösen", sagt Chelugui, "vor allem in Zeiten von Trockenheit". Sein Ministerium werde "ambitionierte Pläne" vorlegen, wie der Verbrauch "unbezahlten Wassers" reduziert werden könne. Zudem sollen eine Vielzahl von "Mega-Staudämmen" gebaut werden, um die Versorgung zu verbessern.

Doch sind die ambitionierten Pläne noch nicht im Haushaltsplan der kenianischen Zentralregierung wiederzufinden. Laut Erhebungen der Statistikbehörde sieht das Budget im Finanzjahr 2017/18 (1. Juli bis 30. Juni) Ausgaben für den Wassersektor in Höhe von 350 Millionen US-Dollar (US$) vor, nominal 19 Prozent weniger als im Finanzjahr zuvor. Als Grund für den Rückgang wird eine "Politik der Dezentralisierung" angeführt (devolution), die seit 2013 den 47 Landkreisen (counties) mehr Verantwortung einräumt. Dennoch: Nach vorläufigen Zahlen lag 2017 der Beitrag des Wasser-, Abwasser- und Abfallsektors zum Bruttoinlandsprodukt bei 560 US$ oder relativ betrachtet bei lediglich 0,7 Prozent - 2013 waren es noch 0,9 Prozent.

Private Brunnen oft die einzige Lösung

Die kenianische Regierung verfolgt das Ziel, landesweit Trinkwasser in "angemessener" Entfernung zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zweck wurden 2017/18 landesweit etwa 258 einfache Trinkwasseraufbereitungsanlagen in Betrieb genommen. Den statistischen Erhebungen zufolge führte die öffentlichen Hand in dem Zeitraum rund 240 Bohrungen durch, 22 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Im privaten Sektor stieg die Suche derweil um 74 Prozent auf 2.180 Bohrungen. Gegenüber 2015/16 betrug der Zuwachs sogar rund 400 Prozent.

Im Zusammenhang mit der Devolution-Politik wurde das Budget der staatlichen National Water Conservation and Pipeline Corporation drastisch zusammengestrichen und lag 2017/18 bei umgerechnet 2 Millionen US$ - gerade genug, um ein paar Gehälter bezahlen zu können. Für künstliche Bewässerungsprojekte (Irrigation Development und National Irrigation Board) gab es rund 64 Millionen US$.

Entwicklungsindustrie soll helfen

Nach Ansicht von Beobachtern müsste die öffentliche Hand mehr Geld in die Hand nehmen, um die Wasserversorgung zu verbessern. Böse Zungen unterstellen eine absichtliche Unterfinanzierung, damit internationale Geber umso kräftiger mit Entwicklungshilfeprojekten beistehen.

Auch das Thema Abwasser, würden die Kenianer am liebsten den Gebern überlassen, so Kritiker. Bislang werden Abwässer mehr oder weniger ungeklärt in die Bäche und Flüsse des Landes gekippt. Die kenianische Presse prangert das mit Fotos an, doch eine politische Reaktion bleibt aus. Die Zeiten, in denen man im Athi oder Galana River Fische fangen konnte, sind schon lange vorbei. Auch im Viktoriasee schwindet der Fischbestand in Folge der Wasserverschmutzung.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kenia können Sie unter http://www.gtai.de/kenia abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kenia Wirtschaftspolitik, allgemein, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung

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